Weltraumbahnhof in der Nordsee?

Die deutsche Wirtschaft plädiert für einen Weltraumbahnhof in der Nordsee für das Starten von kleineren Trägerraketen mit einer Nutzlast von bis zu einer Tonne, etwa für Satelliten. Die Startplattform soll in Form eines privatwirtschaftlichen Betreibermodells mit staatlicher Unterstützung errichtet werden. Die Bundesregierung erwägt das Konzept des Bundesverband der Deutschen Industrie (BDI) zu prüfen. Diese Meldung beschäftigt sich auf den ersten Blick nicht viel mit dem Standort Bremen, jedoch sind mit Airbus und OHB zwei große Luftfahrtunternehmen in Bremen vertreten.

So könnte ein Startplatz in der Nordsee aussehen: Bis 1988 hat Italien die San-Marco-Plattform vor der Küste Kenias betrieben, die aus zwei ausrangierten Bohrinseln bestand. Das Bild aus dem Jahr 1974 zeigt sie mit einer Scout-B1-Rakete. (NASA) (Quelle: Weser-Kurier)

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Streik bei “Nordsee”

Der Arbeitskampf bei der Imbisskette “Nordsee” geht in die nächste Runde. Die Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten (NGG) hat die Mitarbeitenden der Unternehmenszentrale in Bremerhaven laut buten un binnen aufgerufen, in einen viertägigen Streik zu treten, nachdem es schon im Februar und August Warnstreiks gegeben hatte. In der Auseinadersetzung geht es um den Erhalt des Standortes Bremerhaven, der seit der Übernahme des Unternehmens 2018 durch die Investorengruppe Kharis Capital in Gefahr zu sein scheint. “Nordsee” wurde 1896 unter Führung von Adolf Vinnen in Nordenham als “Deutsche-Dampffischerei-Gesellschaft Nordsee” gegründet und eröffnete noch im selben Jahr das ein erstes Restaurant in Bremen. Seit Ende der 1950er Jahre wechselte das Unternehmen oft die Eigentümer*innnen, unter denen sich auch einige internationale Banken und Investoren fanden. Für den Fischereistandort Bremerhaven wäre die Standortverlagerung ein herber Schlag. Den 120 in der “Nordsee” Hauptverwaltung Beschäftigten droht in diesem Fall die Arbeitslosigkeit. Das wollen sie sich aber nicht so einfach gefallen lassen. Ausgang offen …

Streik bei Nordsee (Quelle: buten un binnen, 31.08.20)

Prekarisierung der Hafenarbeit

In diesem Blogbeitrag soll versucht werden Hafenarbeit und die Veränderungen der Arbeitsbeziehungen in Bremischen Häfen zu beleuchten. Er soll als Zusammenfassung bisheriger Erkenntnisse dieser Themen aus dem Seminar über die Bremischen Häfen dienen. Besonderes Augenmerk wird hierbei auf Entwicklungen gelegt, die das Leben der Arbeiter*innen veränderten und auch verschlechterten.

Das Verhältnis zwischen Arbeit und Kapital verschob sich in den letzten einhundert Jahren deutlich. Während Anfang des 20. Jahrhunderts die Inbetriebnahme der Roland Mühle am Fabrikhafen in Bremen, die Mehlproduktion im gesamten Bremischen Umland veränderte, sorgte beispielsweise auch die Containerisierung für eine extreme Veränderung der Lebensrealitäten der Hafenarbeiter*innen. Zwar entstanden viele neue Berufe rund um die Verviereckung des Stückguts zu ermöglichen, jedoch verschwand im Gegenzug dazu die Vielschichtigkeit der Hafenarbeit. Weiterlesen

Entstehung der Havenwelten & Reise durch das Klimahaus

Ein Beitrag von Denise Wächter & Franziska Jung

Abbildung 1: Die Havenwelten Bremerhaven (Bremerhaven.de)

Seit seinem 10 jährigen Bestehen im vergangenen Jahr konnte das Klimahaus Bremerhaven 8° Ost – Hauptattraktion der Havenwelten – über 4 Millionen Besucher*innen (Presseinformation Klimahaus 2019) begrüßen. Das Erlebnis des Klimahauses scheint den Gästen viel wert zu sein. So nahmen 80 % der Besucher*innen eine Anfahrt von 4 Stunden für den Besuch in Kauf (Presseinformation Klimahaus 2019). Das Klimahaus ist ein Ort des maritim geprägten Stadtteils der Havenwelten Bremerhaven, der im Bereich des Alten und des Neuen Hafens liegt. Die an der Schwelle zum neuen Jahrtausend von Bremen und Bremerhaven beschlossenen Havenwelten folgen dem globalen Trend des waterfront-redevelopment (Berking/Schwank 2011: 72), also der Revitalisierung von brachgefallenen bzw. mindergenutzten Häfen- und Uferzonen. Weiterlesen

Digitalisierung der Hafenarbeit in Bremen und weltweit

Ein Beitrag von Christine Hedde – von Westernhagen und Seher Sarigül

Die Digitalisierung – und damit oft einhergehende Automatisierung – der Arbeitswelt ist in der Hafenarbeit ebenso ein Thema wie in vielen anderen Branchen. Laut Berechnungen der OECD weisen allein in Deutschland etwa 18% der Arbeitsplätze ein hohes Risiko auf, automatisiert zu werden, und 35% sind immerhin von einem signifikanten Wandel in diesem Zusammenhang betroffen (OECD 2019). Wie genau sich dieser Wandel in der Hafenarbeit insgesamt gestaltet und welche regionalen Entwicklungen sich für den Standort Bremen zeigen, wollen wir in diesem Blogbeitrag präsentieren. Weiterlesen

Die Debatte über die Weservertiefung

Das Politikum „der Weservertiefung“ ist einem Großteil der bremischen Bevölkerung oberflächlich bekannt. Recherchiert man zum Thema in der Parlamentsdatenbank der Bremischen Bürgerschaft jedoch genauer, so bemerkt der/die Leser*In schnell, dass eine allgemeine Debatte über „die Weservertiefung“ nicht existiert. Viel mehr wird über die Vertiefung unterschiedlicher geographischer Abschnitte der Weser im einzelnen diskutiert: Die Vertiefung der Außenweser, der Unterweser und der Mittelweser. Der folgende Blogbeitrag verfolgt somit das Ziel, das Politikum insofern aufzubereiten, als dass dem/r Leser*In im Anschluss klar ist, an welchen Stellen der Weser aus welchen Gründen und mit welchen Interessen über eine Vertiefung des Flussbettes diskutiert wird. Hierzu werde ich zunächst den Flussverlauf der Weser sowie die politischen Zuständigkeiten der Teilstücke schildern und anschließend die Debatte über die Vertiefung der Außen- und Unterweser in der Bremischen Bürgerschaft entlang des zeitlichen Verlaufs nachzeichnen. Weiterlesen

Zukunfts des Kellogs Areals & der Überseeinsel

2017 wurde die alte Kelloggs Fabrik geschlossen und erstmals keine Frühstücksflocken mehr hergestellt. Die Historie der Fabrik geht weit zurück, bis in die 1960er Jahre. Ab 1963 wird in Bremen das Produktionswerk, mit eigener Hafenanlage und Bahnhof, gebaut. Schon Mitte des Jahres 1964 laufen die ersten Frühstücksflocken vom Band. Zu dieser Zeit betrug die Belegschaft gerade einmal 20 MitarbeiterInnen. Doch in den folge Jahren sollte die Produktion rasant zunehmen und das Produktionsgelände wächst gleichermaßen mit. Dies lag hauptsächlich daran, dass deutsche Cornflakes vom Markt vertrieben wurden und die amerikanischen sehr populär waren. 1977 wird die ehemalige Reismühle der Reis und Handels AG von Kelloggs übernommen und in eine sechs Etagen hohe Produktionshalle umgebaut. Silos für die riesigen Mengen Mais aus Südamerika kommen bald hinzu.

Abb. 1: Alte Kellogs Fabrik

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Aufstieg & Untergang der AG Weser

Die Actien-Gesellschaft „Weser“ (A. G. Weser) war Anfang der 1970er Jahre die größte bremische Werft. Insgesamt rund 8.000 Menschen waren hier zu jener Zeit beschäftigt. Etwa 5.000 arbeiteten am Standort Bremen und rund 3.000 in der Seebeckwerft in Bremerhaven (Heseler/Kröger 1983: 36). Die Großwerft hatte in Deutschland einen Marktanteil von fast 30 Prozent, was einem Weltmarktanteil von 2,3 Prozent entsprach (Thiel 2007: 172). Gerade mal zehn Jahre später wurde die A. G. Weser geschlossen. In diesem Beitrag wird aufgezeigt, wie es zum Aufstieg und zum Untergang der Werft kam. Der Fokus liegt hierbei vor allem auf den politischen Rahmenbedingungen und Konfliktlinien.

Werksgelände der A. G. Weser in Gröpelingen (Quelle: Weser Kurier)

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Das Werftensterben der AG “Weser” und des Bremer Vulkan

Roder 2002: 77.

Die Bremer Vulkan AG in Bremen-Vegesack war eine der wichtigsten Großwerften Europas. Der 1893 gegründete Konzern baute in seinen 104 Jahren mehr als 1000 Schiffe jeglicher Art. Zugleich war er einer der zentralen Arbeitgeber in Bremen-Nord und sorgte für insgesamt 23.000 Arbeitsplätze – alleine 10.000 Beschäftigte davon in der Freien Hansestadt Bremen (Muster 2002: 360). Die Aktien-Gesellschaft „Weser“ war eine sogenannte „Vollwerft“ in Bremen-Gröpelingen. Eine Vollwerft bedeutet, „dass nahezu alle Fertigungsschritte vom Personal der Werft selbst durchgeführt und zunächst erst einzelne Bereiche von Fremdfirmen bearbeitet [werden]“ (Walter 2008: 198). Nach der Gründung 1872 entwickelte sich der Betrieb zu einem der größten Werften Deutschlands. 1983 löste sich die Aktien-Gesellschaft im Zuge weltweit steigender Konkurrenz im Schiffbau auf. In ihrem 111-jährigen Bestehen entstanden über 1400 Schiffe. Weiterlesen

Wilhelmshaven – Das neue Hamburg?

Transport: (2020) Hafenlogistik: VW siedelt Verpackungszentrum am Jade-Weser-Port an. In: transport-online.de am 31.08.2020

Der Jade-Weser-Port (JWP) liegt in dem von großen Wattflächen umgebenen Wilhelmshaven. Der Schlick aus den Wattflächen blockierte aber immer wieder die umliegenden Häfen und musste, wie heute auch im Hamburger Hafen und der Elbe üblich, ständig von Baggerschiffen beseitigt und in der Nordsee verklappt werden. Dieses aufwändige, teure und ökologisch fragwürdige Vorgehen veranlasste Wilhelmshavener Unternehmer 1993 zum Umdenken. Sie hatten die Idee, die Schlickmassen aufzuschütten und einen Hafen zu bauen – den Jade-Weser-Port.1 Weiterlesen

Stadtentwicklung in Bremen-Nord in Folge der Werftenkrise

Die Stadtentwicklung in Bremen-Nord steht aufgrund der tiefgreifenden wirtschaftlichen Veränderungen in Folge der Werftenkrise vor großen Herausforderungen. So geht mit den zahlreichen Betriebsschließungen in Folge der Krise ein erheblicher wirtschaftlicher Bedeutungsverlust für den einst industriell geprägten Bremer Norden einher. Am deutlichsten ist es am Verlust der Arbeitsplätze zu erkennen, so kommen auf 100 Einwohner in Bremen-Nord nur noch 19 Arbeitsplätze, während es in der Gesamtstadt Bremen zum Vergleich 54 sind (Andreas et al. 2016). Aufgrund des starken Rückgangs der Arbeitsplätze in Bremen-Nord kam es infolgedessen zu erhöhter Arbeitslosigkeit, Abwanderungen und Kaufkraftverlusten, welche sich wiederum zu wirtschaftlichen und sozialen Problemen formierten (Andreas et al. 2016). Weiterlesen

Subventionen im Schiffbau: Der Vulkan & die Ost-Werften

Die Wirtschaftsbranche des Schiffbaus hat in ihrer Geschichte bereits mehrmals Subventionen, beispielsweise zum Erhalt von Arbeitsplätzen oder dem Erhalt der Wettbewerbsfähigkeit erhalten. Dieser Blogbeitrag betrachtet die Subventionen, die der Bremer Vulkan in den 1970-90er Jahren erhalten hat. Zunächst wird der Begriff der Subvention erläutert, bevor anschließend der deutsche Schiffbau kurz dargestellt wird. Der Fokus des Beitrags sind jedoch die Subventionen des Bremer Vulkans und seine Werften in Ostdeutschland. Weiterlesen

Lerneinheit 6: Regionalwirtschaft

Die Häfen sind das Herz der Bremischen Wirtschaft. Die Geschichte Bremens ist zu einem großen Teil auch Hafengeschichte. Aber welche Rolle spielte und spielt die Hafenwirtschaft für die wirtschaftliche Entwicklung der Stadt und des Landes Bremen? Gingen Handel und Produktion immer Hand oder Hand oder gab es auch Konflikte zwischen Kaufmanns- und Industriekapital? Trug nicht gerade die starke Ausrichtung auf den Welthandel zur Strukturkrise bei, die Bremen seit den 1970er in besonderem Ausmaße erfasste? Warum endete der Schiffbau an der Unterweser mit den beiden Großpleiten der AG Weser (1983) und des Bremer Vulkan (1997)? Können Logistik und Dienstleistungen die wegbrechenden Industriearbeitsplätze auffangen? Um diese Fragen geht es in dieser Lerneinheit.

Mosaik im Bremer Hauptbahnhof (Foto: Jürgen Howaldt, https://commons.wikimedia.org/wiki/File:BremenHauptbahnhof-Mosaik-03b.jpg)

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