Podcast #7: Der Bremer Vulkan, ein besonderer Arbeitgeber?

In meinem Podcast thematisiere ich den Bremer Vulkan und die Frage, inwiefern er einen besonderen Arbeitgeber für den Bremer Norden darstellte. Genau dieses Bild eines einmaligen, familiären und stadtteilprägenden Arbeitgebers bestimmt auch heute noch oftmals die Sicht vieler Vegesackerinnen und Vegesacker. Ein Einblick in eine solche Sichtweise liefert das Buten und Binnen Interview „Die Vulkanesen“ von Kudir Özkol und Hasso Kulla – dieses diente als Grundlage für meinen Podcast und lohnt sich daher, vor dem Anhören einmal anzuschauen. Den Link findet ihr in der Literaturangabe. Während des Podcasts hört ihr nicht nur verschiedene Interviewsequenzen, sondern auch Sebastian Möller, welcher mit mir gemeinsam die Leitfrage diskutierte.

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Ex-Vulkan Manager Hennemann tot

Wie buten und binnen heute berichtet, ist Friedrich Hennemann vor wenigen Tagen verstorben. Der langjährige SPD-Staatsrat erlangte als letzter Chef des Bremer Vulkan Berühmtheit, allerdings waren seine Schlagzeilen in der Regel negativ: Sein zunächst von der Landes- und Bundespolitik durchaus begrüßter und geförderter Versuch aus der angeschlagenen Großwerft einen staatlich gelenkten Mischkonzern zu machen sind 1996 wegen großer Finanzierungslücken endgültig gescheitert. Nach dem Ende der AG Weser 1983 war der Vulkan-Konkurs die 2. große Werftenpleite in Bremen. Hennemann fiel nicht nur beim damaligen Senatspräsident und Bürgermeister Henninfg Scherf in Ungnade, der sich politisch von seinem Genossen absetzte, sondern musste sich später auch juristisch verantworten. Die Radio Bremen Dokumentation “Machtspieler” rekonstruiert das Ende des Vulkan sehr eindrucksvoll.

Werftstandort Bremerhaven: Die Rickmers Werft

Ein Beitrag von Denise Wächter und Paul-Theodor Pricop

Abbildung 1: Das Rickmers-Tor heute (Radio Bremen 2016)

Schauplatz Bremerhaven – Wir befinden uns auf der Grimsbystraße in Richtung Autobahnzubringer Bremerhaven-Mitte. Inmitten des dichten Verkehrs können wir auf der rechten Seite auf einer unscheinbaren Wiese ein riesiges weißes Tor entdecken. Es befindet sich ein großer Durchgang aus schwarzen schmiedeeisernen Gittern in der Mitte sowie rechts und links zwei kleinere. Diese scheinen aber zu keinem Ziel zu führen. Oberhalb dieser kleineren Eingänge ist eine grün-rot-weiße Flagge zu erkennen, auf der der Buchstabe „R“ abgebildet ist. Zwischen den beiden Flaggen sind zwei Jahreszahlen eingraviert: 1834 und 1857. Über ihnen thront die Inschrift „R.C. Rickmers“. Es wird deutlich: dieses Tor steht an diesem Ort schon eine ganze Weile und hat eine interessante Geschichte zu erzählen. In diesem Blogbeitrag erzählen wir euch mehr über die Familie Rickmers und ihrer Unternehmensgeschichte. Dabei wird auch die Frage beantwortet, was die verschiedenen Symbole auf dem Tor zu bedeuten haben. Weiterlesen

Hafenkonversion als stadtplanerische Herausforderung – Das „Werftquartier“

Abbildung 1: Ausblick vom unter Denkmalschutz stehenden Helgen (Seestadt Bremerhaven 2019: 35)

Infolge des Strukturwandels erlitten einige Hafenbereiche einen erheblichen Bedeutungsverlust (Priebs 1998: 23). Daraufhin wurde das Erscheinungsbild fortan von Brachflächen, leeren Lagerhäusern, stillgelegten Docks, und verlassenen Vierteln in vielen Hafenstädten geprägt (Schubert 2008: 25). Zwar war diese Entwicklung mit einem massiven Verlust an Arbeitsplätzen verbunden, jedoch ergeben sich dadurch gleichzeitig Perspektiven für neue Nutzungen dieser Bereiche. Die Hafenareale sind durch ihre zentrale Lage und dem Vorhandensein von Wasserflächen besonders interessant für eine städtebauliche Entwicklung (Priebs 1998: 16). Dennoch blieben diese Potentiale für einen langen Zeitraum unausgeschöpft und erst in den 1980er Jahren stieg die Anzahl der Versuche einer Revitalisierung und Verknüpfung mit den benachbarten Stadtquartieren (Priebs 1998: 24). Beispiele dafür finden sich nicht nur in Bremen, sondern auch in Bremerhaven. Weiterlesen

Friedensforum vs. Marine-Werftverbund

Das Friedensforum Bremen hat gemeinsam mit dem Friedensforum Kiel eine Erklärung gegen den geplanten Marine-Werftverbund der Bremer Lürssen Werft und der German Naval Yards aus Kiel veröffentlicht. Darin kritiseren die Friedensaktivist*innen die Stärkung der Rüstungsindustrie als fatales Signal. Neben dem Bau von Yachten ist die Marine ein zentrales Standbein des Bremischen Schiffbaus, dessen golden Jahrzehnte mit dem Untergang der AG Weser und des Bremer Vulkans schon lang vorbei sind. Im Frühjahr wurde der marine Schiffbau zur nationalen Schlüsseltechnologie hochgestuft, um die heimische Industrie vor internationalem Wettbewerb zu schützen. Mitte Mai haben Lürssen und German Naval Yards ihre Zusammenarbeit offiziell verkündet. Entgegen den ursprünglichen Plänen ist der Kieler Ubootbauer Thyssen Krupp Marine Systems (TKMS) nicht dabei. TKMS plant offenbar eine Kopperation mit dem italienischen Unternehmen Fincantieri.

Arbeitsmigration und Wandel in Gröpelingen

Gröpelingen hat sich von einem Dorf zu einem Arbeiterviertel entwickelt und hat heute in Bremen den Ruf als Problemviertel.  Mit seiner Geschichte steht Gröplingen nicht alleine. Diese historische Entwicklung ist typisch für traditionelle Arbeiterviertel in westdeutschen Großstädten (Liffers 2004: 8-9). Erst durch  durch den Umzug der AG  Weser 1902 – 1905  nach Gröpelingen isti dieses Teil des urbanen Bremen geworden. Die AG Weser hat Frachter und Kriegsschiffe gebaut. Der Bedarf an Arbeitskräften ist  rasant angestiegen und tausende Arbeiterfamilien deutscher und ausländischer Herkunft zogen  nach Gröpelingen. Innerhalb weniger Jahre hat sich so  ein Zusammenleben aus unterschiedlichen Nationalitäten, Religionen und sozialen Schichten entwickelt. Weiterlesen

Aufstieg & Untergang der AG Weser

Die Actien-Gesellschaft „Weser“ (A. G. Weser) war Anfang der 1970er Jahre die größte bremische Werft. Insgesamt rund 8.000 Menschen waren hier zu jener Zeit beschäftigt. Etwa 5.000 arbeiteten am Standort Bremen und rund 3.000 in der Seebeckwerft in Bremerhaven (Heseler/Kröger 1983: 36). Die Großwerft hatte in Deutschland einen Marktanteil von fast 30 Prozent, was einem Weltmarktanteil von 2,3 Prozent entsprach (Thiel 2007: 172). Gerade mal zehn Jahre später wurde die A. G. Weser geschlossen. In diesem Beitrag wird aufgezeigt, wie es zum Aufstieg und zum Untergang der Werft kam. Der Fokus liegt hierbei vor allem auf den politischen Rahmenbedingungen und Konfliktlinien.

Werksgelände der A. G. Weser in Gröpelingen (Quelle: Weser Kurier)

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Das Werftensterben der AG “Weser” und des Bremer Vulkan

Roder 2002: 77.

Die Bremer Vulkan AG in Bremen-Vegesack war eine der wichtigsten Großwerften Europas. Der 1893 gegründete Konzern baute in seinen 104 Jahren mehr als 1000 Schiffe jeglicher Art. Zugleich war er einer der zentralen Arbeitgeber in Bremen-Nord und sorgte für insgesamt 23.000 Arbeitsplätze – alleine 10.000 Beschäftigte davon in der Freien Hansestadt Bremen (Muster 2002: 360). Die Aktien-Gesellschaft „Weser“ war eine sogenannte „Vollwerft“ in Bremen-Gröpelingen. Eine Vollwerft bedeutet, „dass nahezu alle Fertigungsschritte vom Personal der Werft selbst durchgeführt und zunächst erst einzelne Bereiche von Fremdfirmen bearbeitet [werden]“ (Walter 2008: 198). Nach der Gründung 1872 entwickelte sich der Betrieb zu einem der größten Werften Deutschlands. 1983 löste sich die Aktien-Gesellschaft im Zuge weltweit steigender Konkurrenz im Schiffbau auf. In ihrem 111-jährigen Bestehen entstanden über 1400 Schiffe. Weiterlesen

Stadtentwicklung in Bremen-Nord in Folge der Werftenkrise

Die Stadtentwicklung in Bremen-Nord steht aufgrund der tiefgreifenden wirtschaftlichen Veränderungen in Folge der Werftenkrise vor großen Herausforderungen. So geht mit den zahlreichen Betriebsschließungen in Folge der Krise ein erheblicher wirtschaftlicher Bedeutungsverlust für den einst industriell geprägten Bremer Norden einher. Am deutlichsten ist es am Verlust der Arbeitsplätze zu erkennen, so kommen auf 100 Einwohner in Bremen-Nord nur noch 19 Arbeitsplätze, während es in der Gesamtstadt Bremen zum Vergleich 54 sind (Andreas et al. 2016). Aufgrund des starken Rückgangs der Arbeitsplätze in Bremen-Nord kam es infolgedessen zu erhöhter Arbeitslosigkeit, Abwanderungen und Kaufkraftverlusten, welche sich wiederum zu wirtschaftlichen und sozialen Problemen formierten (Andreas et al. 2016). Weiterlesen

Subventionen im Schiffbau: Der Vulkan & die Ost-Werften

Die Wirtschaftsbranche des Schiffbaus hat in ihrer Geschichte bereits mehrmals Subventionen, beispielsweise zum Erhalt von Arbeitsplätzen oder dem Erhalt der Wettbewerbsfähigkeit erhalten. Dieser Blogbeitrag betrachtet die Subventionen, die der Bremer Vulkan in den 1970-90er Jahren erhalten hat. Zunächst wird der Begriff der Subvention erläutert, bevor anschließend der deutsche Schiffbau kurz dargestellt wird. Der Fokus des Beitrags sind jedoch die Subventionen des Bremer Vulkans und seine Werften in Ostdeutschland. Weiterlesen

Staatskonzern Bremer Vulkan

Als um 12.05 Uhr am 15. August 1997 die Arbeit auf dem Werftgelände des Bremer Vulkans niedergelegt wurde, bedeutete das nicht nur das Aus für einen der renommiertesten Schiffproduzenten, welcher die Arbeits- und Heimatstätte vieler „Vulkanesen“ war, zugleich bestimmte es auch das Ende der Schiffsbauära an der Unterweser. Diverse Straßennamen und die Überreste von Bahnschienen erinnern noch heute an die einst rege Schiffbautätigkeit im Bremer Norden. Tausende, viele davon angeworben und zugewandert, ließen sich im Umfeld der Werft nieder und lebten direkt oder indirekt vom Schiffsbau. Über viele Generationen hinweg war der Vulkan einer der wichtigsten Arbeitgeber im Bremer Norden und die Abhängigkeit der Vegesacker*innen von ihm war omnipräsent. Umso verheerender war der Untergang der Werft nicht nur für die „Vulkanesen“, sondern für die ganze Region (Beheling/Thiel 1997: 5). Weiterlesen

Lerneinheit 6: Regionalwirtschaft

Die Häfen sind das Herz der Bremischen Wirtschaft. Die Geschichte Bremens ist zu einem großen Teil auch Hafengeschichte. Aber welche Rolle spielte und spielt die Hafenwirtschaft für die wirtschaftliche Entwicklung der Stadt und des Landes Bremen? Gingen Handel und Produktion immer Hand oder Hand oder gab es auch Konflikte zwischen Kaufmanns- und Industriekapital? Trug nicht gerade die starke Ausrichtung auf den Welthandel zur Strukturkrise bei, die Bremen seit den 1970er in besonderem Ausmaße erfasste? Warum endete der Schiffbau an der Unterweser mit den beiden Großpleiten der AG Weser (1983) und des Bremer Vulkan (1997)? Können Logistik und Dienstleistungen die wegbrechenden Industriearbeitsplätze auffangen? Um diese Fragen geht es in dieser Lerneinheit.

Mosaik im Bremer Hauptbahnhof (Foto: Jürgen Howaldt, https://commons.wikimedia.org/wiki/File:BremenHauptbahnhof-Mosaik-03b.jpg)

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Meyer Werft in Schieflage

Diese Nachricht kommt zwar nicht aus Bremen, aber aus der weiteren Region und ist politökonomisch und politikwissenschaftlich hoch interessant: Die Meyer Werft in Papenburg an der Ems leidet aktuell erheblich unter der Krise in der Kreuzschifffahrtsbranche. Wegen der Coronakrise liegt der Tourismus lahm und einige Reedereien haben Aufträge bei der Meyer Werft storniert. Weitere Stornierung drohen und könnten den Weftstandort Papenburg gefährden. Bei einem runden Tisch berieten am Freitag die Werftbetreiber, Gewerkschaften und Landespolitik über mögliche Rettungsmaßnahmen. Das Problem ist aber: Die Meyer Werft ist mittlerweise ein luxemburgisches Unternehmen. Der Unternehmenssitz wurde, vermutlich aufgrund von Vorteilen in der Besteuerung und bei der betriebsrätlichen Mitbestimmung in das kleine Nachbarland verlagert. Daher steht nun die Forderung im Raum, diesen Schritt rückgängig zu machen, bevor das Land Niedersachsen Hilfen zahlt. Ausgang offen …

Auf dem Weg zum nationalen Marinechampion?

Beim Thema Schiffbau denken viele ja zunächst an Containerschiffe, Kreuzfahrtschiffe oder vielleicht noch Luxusyachten. Im Bremen spielt aber auch der Militärschiffbau eine große Rolle: Die traditionsreiche Lürssen Werft aus Vegesack baut u.a. militärische Schnellboote und Korvetten für die Bundeswehr und den Export. Lürssen hat in den letzten Jahren u.a. die Peene-Werft in Wolgast (MV) und Blohm & Voss aus Hamburg übernommen und gehört damit zu den größten Marineschiffbauern in Deutschland. Um den deutschen Kriegsschiffbau vor internationaler Konkurrenz zu schützen wurde er im Februar zur “nationale Schlüsseltechnologie” erklärt. Die taz nord berichtet nun über Pläne für eine “Deutsche Marine Weft” unter Führung von Lürssen. Weiterlesen