Podcast #4: Hochseefischerei

In der heutigen Podcast-Folge geht es um die Hochseefischerei – ebenfalls mit kurzem Blick auf die Piratenfischerei und auf das illegale Fischen. Außerdem thematisieren wir die enorm hohen Fischfangzahlen, wie diese seit gut 60 Jahren stetig steigen und wie diese Thematik mit Aquakulturen zusammenhängt. Viel Spaß beim Zuhören!

Wie steht ihr zur Massenfischerei und zu Aquakulturen? Schreibt uns eure Meinung gerne in die Kommentare.

Quellenverzeichnis:

8 Gedanken zu „Podcast #4: Hochseefischerei

  1. Danke für diesen Podcast, der nochmal das Thema Nachhaltigkeit in den Fokus rückt. Ich habe auf jeden Fall einiges gelernt, gehöre selbst aber auch zu den Menschen, mit einem steigendem Fischkonsum. Muss ich vielleicht nochmal überdenlen.

    Interessant wären natürlich noch Infos zu aktuellen Trends in der EU-Fischereipolitik und zur heutigen Rolle Bremerhavens in den Hochseefischerei bzw. zur Bedeutung der Hochseefoscherei für Bremerhaven.

  2. Das könnte jetzt ein bisschen länger werden. Zu erst komme ich zu Bremerhaven als Fischereihafen. Dazu verlinke ich mal folgenden Artikel mit Video https://www.butenunbinnen.de/nachrichten/gesellschaft/geschaeft-fischindustrie-bremerhaven-100.html Da bekommt man einen kleinen Einblick von der Entwicklung der Hochseefischerei in Bremerhaven. Die wichtigsten infos aus dem Artikel und generell zum Standort Bremerhaven sind folgende: Bremerhaven war einst der größte Fischereihafen Europas. Das geht nicht nur auf den Standort zurück, sondern auch maßgeblich darauf, dass Bremens Unternehmer recht früh auf Dampfschiffe, statt Segelschiffe, gesetzt haben.Das hat ihnen ermöglicht auch in “höherer See” zu fischen. Heute ist Bremerhaven immer noch ein wichtiger Standpunkt für Fischverarbeitung, allerdings nicht mehr so bedeutend als eigentlicher Anlandepunkt für Hochseetrawler. Fast 90 Prozent des Fisches der in Bremerhaven verarbeitet wird, stammt aus anderen Ländern und wird per Container geliefert. Besonders großer Verkäufer ist die isländische Flotte. Gründe für den Rückgang von Fischerbooten ist vor allem die Einschränkung des Fanggebiets und die Entwicklung von kleinen zu großen Schiffen die mitunter Monate auf See bleiben um zu ihren Fanggründen zu gelangen. Vielleicht noch kurz ein paar Fakten die ihr dem Artikel entnehmen könnt: pro Tag!!! werden 7 Millionen Fischstäbchen produziert und pro Jahr 2000000 Tonnen Fisch angeliefert. Davon wie gesagt nur rund 10 Prozent von Booten aus Bremerhaven. Man kann also sagen, dass der Fischfang immer weiter zurückgegangen ist, während das weiterverarbeitende Gewerbe gewachsen ist. Und das trotz vieler “schwimmender Fabriken”.
    Zur EU Politik lässt sich ebenfalls Vieles berichten. Da die EU immer strengere Richtlinien und Fangquoten beschließt müssen viele Trawler in andere Gebiete ausweichen. Dennoch stammen rund 90 Prozent der gefangenen Fische aus europäischen Gewässern. Ein viel größerer Punkt ist aber der Import von “ausländischem” Fisch. Prinzipiell gilt, dass illegal gefangener Fisch nicht in die EU ein- oder ausgeführt werden darf. Abhängig von der Flagge unter der die Boote fischen ist das jeweilige Land für die Kontrollen zuständig. Wenn die Richtlinien nicht kontrolliert werden oder sogar bewusst missachtet um sich als Staat einen Handelsvorteil zu verschaffen, so werden sie auf schwarze Listen gesetzt und vom Handel ausgeschlossen. Sind EU Staaten beteiligt, so werden Strafen ausgesprochen die über dem potentiellen Gewinn liegen um den Betrug nicht rentabel zu machen. Dennoch ist eine Kontrolle sehr schwer, da Schiffe Tricks verwenden. So werden zum Beispiel auf hoher See im großen Stil legale und illegale Fänge vermischt. So werden Behörden ausgetrickst und illegaler Fang kann “legal” eingeführt werden.
    Zu weiteren Strategien lässt sich sagen, dass die EU aktiv versucht anderen Ländern bei der Einhaltung von internationalen Standards zu helfen. Zum Beispiel auch bei China. Hier ein Zitat dazu: “Die Kommission unterstützt China dabei, die Kontrolle und Überwachung seiner Hochseeflotte und die Rückverfolgbarkeit seiner Fischereiprodukte zu verbessern”.
    Solche Strategien greifen allerdings nur, wenn auf beiden Seiten ein aufrichtiges Interesse an Einhaltung der regeln besteht. Zu guter letzt bleibt noch der Blick auf die Hochseefischerei an sich. Die EU ist treibende Kraft bei Verhandlungen über regionale Abkommen und Organisationen. Diese bestehen aus Ländern die in den betreffenden Gebieten fischen. Mehr Infos gibts dazu auf der Seite der EU Kommission https://ec.europa.eu/fisheries/cfp/international/rfmo Dort findet ihr auch noch eine Auflistung aller regionalen Fischereiorganisationen.
    ich hoffe das beantwortet die Frage ein wenig. Ansonsten bohren wir da gerne nochmal weiter nach weil das Thema echt interessant und super wichtig ist.

    • Danke für die ausführliche Ergänzung! Bremerhaven ist tatsächlich die deutsche (wenn nicht europäische) Fischstäbchen-Hauptstadt! Der Erhalt der Fischverarbeitung war angesichts des Bedeutungsverlust der “eigenen” Hochseefischerei ja keinesfalls selbstverständlich und ist ein positives Beispiel für den Umgang mit Strukturbrüchen. Was jemand was über die Hintergründe der Einschränkung der Fanggebiete im Zusammenhang mit den Hoheitsgebieten, die die deutsche Hochseefischerei in ein tiefe Krise stürzte?

      • Also da bin ich nicht hundert Prozent sicher aber es hing sehr stark mit der Ausweitung der Fanggebiete anderer Länder zusammen. Vor allem Island. Dadurch wurde die kleinere Hochseefischerei in Deutschland nicht mehr lukrativ. Geblieben sind deshalb nur noch weniger aber dafür größere Trawler die entfernte Fanggebiete ansteuern können. Des Weiteren ist es allgemein günstiger Schiffe auszuflaggen. Das hat sicher nochmal zu einem Rückgang geführt

    • Im Rahmen der Brexit-Verhandlungen sind auch die Fischfanggebiete ein Thema.
      In dem Guardian-Artikel wird der (vorerste) Rückschlag der Umweltschützer beim Versuch, eine Verpflichtung gesetzlich zu verankern, die Fangquoten innerhalb der von Wissenschaftlern empfohlenen nachhaltigen Grenzen zu halten, und ein Änderungsantrag, der darauf abzielte, Supertrawler aus Meeresschutzgebieten zu verbannen, thematisiert.
      https://www.theguardian.com/politics/2020/oct/13/brexit-mps-reject-adopting-sustainable-quotas-in-fisheries-bill

      In dem Artikel der Süddeutschen Zeitung wird hingegen der Konflikt um den Zugang europäischer Flotten zu den fischreichen britischen Gewässern dargestellt.
      https://www.sueddeutsche.de/politik/brexit-fisch-fangquote-1.5068245

      • Die neuen EU-Fischfangquoten werden u.a. seitens Mecklenburg-Vorpommerns Agrarminister Till Backhaus (SPD), des Landesfischereiverbandes Mecklenburg-Vorpommern und des Deutsche Fischerei-Verband kritisiert. Grund hierfür sind die reduzierten Quoten für Hering, welcher eine große Rolle in MV und auch für Deutschland spielt. In den neuen Fangquoten wird hingegen der Fang von mehr Scholle und Sprotte vorgesehen.

        Umweltschützer reagierten zum Teil positiv auf die Einigung der EU-Fischereiminister. Stella Nemecky, Fischereipolitik-Expertin des WWF, sagte, die Balance aus Erholung der Fischbestände und Einkommenssicherung für die Fischer sei “überraschenderweise in weiten Teilen erreicht” worden. Die Ergebnisse seien zwar insgesamt schlechter als die Vorschläge der EU-Kommission, “aber es hätte durchaus schlimmer kommen können”. Für Greenpeace wäre nach dem Meeresbiologe Thilo Maack ein sofortiger Fangstopp für Hering und Dorsch für die nächsten Jahre wäre richtig gewesen. Er machte die Trawler der «Industrieflotten» für die Überfischung in der Ostsee verantwortlich.

        Quellen:
        https://www.tagesschau.de/wirtschaft/eu-fischfangquoten-103.html
        https://www.zeit.de/news/2020-10/20/verband-senkung-der-heringsfangmenge-trifft-fischer-hart

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