Entstehung der Havenwelten & Reise durch das Klimahaus

Ein Beitrag von Denise Wächter & Franziska Jung

Abbildung 1: Die Havenwelten Bremerhaven (Bremerhaven.de)

Seit seinem 10 jährigen Bestehen im vergangenen Jahr konnte das Klimahaus Bremerhaven 8° Ost – Hauptattraktion der Havenwelten – über 4 Millionen Besucher*innen (Presseinformation Klimahaus 2019) begrüßen. Das Erlebnis des Klimahauses scheint den Gästen viel wert zu sein. So nahmen 80 % der Besucher*innen eine Anfahrt von 4 Stunden für den Besuch in Kauf (Presseinformation Klimahaus 2019). Das Klimahaus ist ein Ort des maritim geprägten Stadtteils der Havenwelten Bremerhaven, der im Bereich des Alten und des Neuen Hafens liegt. Die an der Schwelle zum neuen Jahrtausend von Bremen und Bremerhaven beschlossenen Havenwelten folgen dem globalen Trend des waterfront-redevelopment (Berking/Schwank 2011: 72), also der Revitalisierung von brachgefallenen bzw. mindergenutzten Häfen- und Uferzonen.

Ausgangssituation

Durch den Wandel in der Hafenwirtschaft verloren der sehr innenstadtgelegene Neue und der Alte Hafen Bremerhavens immer stärker an Bedeutung. Das Umschlaggeschehen wanderte in die neueren Hafenanlagen wo es möglich war größere Schiffe abzufertigen (Lüneburg 2009).  Teile des Gebiets des Alten und Neuen Hafens wurden zusehends zu einer Hafenbrache von rund 40 Hektar (Berking/Schwank 2011: 60). Jahrzehntelang wurde der Bereich nur noch als provisorische Parkfläche genutzt, obwohl das Gebiet ein “enorme[s] Entwicklungspotenzial” (Lüneburg 2009) hatte. Eine Konversion des Geländes wurde nötig. Durch die Lage direkt hinter dem Deich bot sich eine touristische Nutzung an. Im ehemaligen Alten Hafen wurde bereits im Jahr 1966 die Columbusstraße und drei Jahre später auf der gegenüberliegenden Seite das Deutsche Schifffahrtsmuseum gebaut. Die Eröffnung des Columbus-Center, der ersten Shopping Mall Deutschlands (Berking/Schwank 2011: 49) folgte im Jahr 1975. Durch das Einkaufszentrum wurde nicht nur die “traditionelle kleingliedrige Bauweise” (Berking/Schwank 2011:59) der Stadt verändert, sondern auch die Sichtachse zwischen Hafen und Stadt und der Zugang zum Wasser versperrt (Berking/Schwank 2011: 59). Die Veränderungen im Gebiet des Alten und Neuen Hafens begannen also schon in den 1960ern.

 

Scheitern des Ocean Park Projektes

Im Jahr 1998 hatten die Wirtschaftsförderungsausschüsse des Landes Bremen und die zuständigen Gremien Bremerhavens beschlossen das Gebiet des Alten und Neuen Hafens für den Bau des geplanten Ocean Parks zu erschließen (Havenwelten Bericht 2010). Der Ocean Park sollte der „Schwester-Park“ zum Space Park Bremen sein und vom selben Investor getragen werden. Der im Februar 2004 eröffnete Space Park Bremen entwickelte sich allerdings zu einer riesigen Pleite. Das 600 Millionen Euro Projekt, das mit 200 Millionen Euro (Spiegel 2004) vom Stadtstaat bezuschusst wurde, hatte nur sieben Monate geöffnet und blieb weit hinter den Erwartungen zurück. Auch mit dem geplanten Ocean Park Bremerhaven waren hohe Erwartungen verknüpft. Er sollte den Besucher*innen ermöglichen die Welt der Ozeane mit ihrer Flora und Fauna zu erleben und in die Meeresforschung einzutauchen. Wie im Space Park sollte neben dem Erlebniszentrum auch noch eine Einkaufsmeile konsumwillige Gäste anlocken. Der Wiesbadener Unternehmer Jürg E. Köllmann stellte für den Bau des Ocean Parks verschiedene „Masterpläne“ vor. Die Politik war größtenteils begeistert von den Zukunftsplänen für die Stadt. In der Bremerhavener Bevölkerung bildete sich allerdings Widerstand und die Bürgerinitiative „Ocean Park – Nein Danke“ wurde ins Leben gerufen. Politische Hemmnisse erschwerten die Umsetzung zusätzlich und als die Köllmann AG pleite ging und keine  anderen Investor*innen gefunden werden konnten, wurde das Projekt abgesagt.

 

Herrichtung des Geländes und Bauherr der Havenwelten

Unabhängig vom Scheitern des Projekts des Ocean Parks konnten die infrastrukturellen Erschließungen auch für die daraufhin beschlossene touristische Nutzung des Areals um den Alten und Neuen Hafen verwendet werden (Havenwelten Bericht 2010). Einige Teilflächen zwischen Weser und dem Neuen Hafen waren in privater Hand.  So mussten einige Grundstücke erworben werden und auch einige Verlagerungen vorgenommen werden (Havenwelten Bericht 2010). Bauherr der Havenwelten war die Bremerhavener Entwicklungsgesellschaft Alter/Neuer Hafen, kurz BEAN mbH & Co. KG. Sie ist eine 100%ige Gesellschaft der Stadt Bremerhaven und wurde im August 1999 für die Entwicklung und Vermarktung des Areals Alter/Neuer Hafen Bremerhaven gegründet.

 

Neuer Versuch und Finanzierung

Im neuen Jahrtausend wagte Bremerhaven mit einem Beschluss über einem vom Stadtplanungsamt erarbeiteten Rahmenplan (Lüneburg 2009) einen zweiten Versuch  das Gelände im großen Stil umzugestalten und das Projekt der Havenwelten war geboren. Es ist eine Mischung aus öffentlichen und privaten Investitionen. Die Finanzierung der Infrastruktur durch die öffentliche Hand und der privat betriebenen Anlagen durch private Investoren wurde damit ergänzt, dass das Klimahaus 8° Ost und das Deutsche Auswandererhaus zwar öffentlich finanziert werden, die Orte selbst aber privatwirtschaftlich betrieben werden (Lündeburg 2009).  Bis zum Jahr 2009 investierten das Land Bremen und die Stadt Brmerhaven rund 350 Mio. Euro im Verhältnis 2/3 : 1/3 für das Entwicklungsgebiet der Havenwelten , inklusive des Neubaus des Zoos am Meer (Lüneburg 2009).

 

Erlebnis Reise durch das Klimahaus

Die Havenwelten Bremerhaven bestehen aus einer Vielzahl an Orten und Institutionen wie beispielsweise dem Willy-Brandt-Platz, dem bereits kurz erwähnten Deutschen Schifffahrtsmuseum, dem Museumhafen, dem Deutschen Auswandererhaus, dem Einkaufszentrum Mediterraneo, dem Atlantic Hotel Sail City und einigen mehr. Das Klimahaus kann allerdings als der „Touristenmagnet“ der Havenwelten bezeichnet werden. Ziel war es in Bremerhaven ein Pendant zum bremischen Vorbild des Universums zu schaffen (Vogel 2011: 69). Die Idee zu der Wissens- und Erlebniswelt, die eindrucksvoll die Themen Klima, Klimawandel und Klimaschutz behandelt, stammt von Dr. Carlo Petri (Riedl 2013: 204). Sein Anliegen war es den aktuellen Wissensstand der Forschung, zu dem insbesondere auch das international angesehene Alfred-Wegner-Institut in Bremerhaven beiträgt, leicht und spannend zu vermitteln und erlebbar zu machen (Riedl 2013: 204-205). Damit sollen Besucher*innen ungeachtet ihres Alters oder ihrer Herkunft und aus allen Gesellschaftsschichten angesprochen und motiviert werden, klimafreundliches Handeln mit in ihren Alltag zu integrieren (Sauter/Treffeisen 2010: 66). Dieses Konzept ist weltweit einzigartig und passt thematisch hervorragend zum Projekt „Klimastadt Bremerhaven“ (Sauter/Treffeisen 2010: 66).  Die Kosten für die Umsetzung beliefen sich auf ca. 70 Mio. Euro (Högermann 2009: 231). 2009 wurde schließlich die rund 12.000 m² große Ausstellungsfläche inmitten der Havenwelten eröffnet (Högermann 2009: 231; Vogel 2011: 69). Jährlich werden um die 600.000 Besucher*innen erwartet (Sau 2010: 65).

Abbildung 2: Das Klimahaus bei Nacht. (Langer / Klimahaus Bremerhaven 8° Ost)

Die Hauptattraktion stellt die sogenannte „Reise“ dar. Auf 4800 m² erstreckt sich der größte der Ausstellungsbereiche, der die Besucher*innen auf eine Weltreise entlang des achten östlichen Längengerades führt (Sauter/Treffeisen 2010: 67). Sie basiert auf der realen Reise des Bremer Architekten Axel Werner, der sich, begleitet von einem Expeditionsteam und dem Dokumentarfilmer Goldberg, auf den Weg in acht verschiedene Länder rund um den Globus machte (Högermann 2009: 231; Sauter/Treffeisen 2010: 67). Im Klimahaus ist es nun möglich diese Erlebnisse und Eindrücke an einem Tag nachzuempfinden.  Nicht nur optisch entsprechen die einzelnen Ausstellungsräume den Reisezielen, auch die Temperaturen, die Luftfeuchtigkeit und die Gerüche werden simuliert (Riedl 2013: 205). Jedoch steht nicht nur das Klima im Vordergrund. Gleichzeitig werden die Lebensweise und Kultur der einheimischen Bevölkerung thematisiert sowie die Existenzprobleme die durch die Auswirkungen des Klimawandels hervorgerufen werden (Högerman 2009: 231). Inszeniert wird das Ganz durch Ausschnitte aus dem Dokumentarfilm. Zudem gibt es viele Stationen, die zum Entdecken und Mitmachen einladen.

Im Folgenden geben wir euch einen kleinen Einblick auf die Reise, die euch im Klimahaus Bremerhaven erwartet (Klimahaus Bremerhaven 8° Ost o.A.; Sauter/Treffeisen 2010: 67-70). An dieser Stelle können wir nur empfehlen selbst einmal die verschiedenen Ecken dieser Welt in Bremerhaven zu besuchen und in ihre Wirklichkeit einzutauchen.

Bremerhaven bildet den Startpunkt der Reise durch die verschiedenen Klimazonen. Nächster Halt – Isenthal in der Schweiz. Die idyllische Szenerie wird von weiten schweizerischen Wiesen, steilen Bergen und grasenden Kühen geprägt. Hier bekommt der*die Besucher*in einen Einblick in den Alltag eines Milchbauern auf der Alm und wie das Schmelzen des Permafrostes und der Gletscher diese traditionelle Lebensweise bedroht. Wer möchte kann hier seine Fähigkeiten als Landwirt*in beim Melken beweisen.

Eine Fahrt mit der Gondel bringt einen nach Sardinien, genauer gesagt in das Dorf Seneghe. Plötzlich sieht man alles nur noch aus der Froschperspektive und die Getränkedose zwischen den Grashalmen wirkt so groß wie ein kleiner Wohnwagen. In dieser Station dreht sich alles um den berühmten Schmetterlingseffekt und damit um die Frage wie kleinste Veränderungen große Effekte auslösen können. Es können spielerisch verschiedene Wetterszenarien erfolgt werden. Besonderes Augenmerk liegt hierbei auf der zunehmenden Trockenheit Sardiniens und deren Auswirkungen.

Abbildung 3: Getränkedose in Sardinien (Delderfield / Klimahaus Bremerhaven 8° Ost)

Danach führt die Reise in das Gebiet der Sahel-Zone, heute geprägt von Wüste, Trockenheit und Wasserknappheit. Einst war dieser Teil der Erde eine grüne Landschaft. Wie davon nur noch Sand übrig blieb, wird durch den natürlichen Klimawandel erläutert und dargestellt. Zudem werden die Traditionen und die Lebensführung der Tuareg in dieser lebensfeindlichen Umgebung gezeigt.

Als nächstes erreicht man Ikenge in Kamerun. Hier findet man ein ganz anderes Bild als zuvor – Wasser egal wohin man schaut. Man befindet sich nun inmitten des tropischen Regelwaldes mit seiner riesigen Artenvielfalt. Die schwüle Wärme ist deutlich zu spüren. Doch diese einzigartige Region der Erde ist bedroht von der zunehmenden Abholzung des Regenwaldes.

Weiter geht es in die Antarktis. Plötzlich sind es nur noch -6°C. Hier kann der*die Besucher*in näheres über die Forschungsexpeditionen und Klimaforschung erfahren. Doch Schnee, Eis und die kalten Winde laden nicht zum verweilen ein, weshalb es schnell zum nächsten Reiseziel weiter geht.

Abbildung 4: Ein Forscherzelt in der Antarktis (Voigts / Klimahaus Bremerhaven 8° Ost)

Bei der Insel Samoa handelt es sich wiederrum um ein tropisches Paradies. Man findet eine faszinierende Landschaft vor. Dennoch werden auch die Themen „Korallenbleiche“ und „Gefahr durch Hochwassser“ aufgegriffen, die die Inselbewohner*innen und die Tiere dort bedrohen.

Abbildung 5: Traumhafte Samoa-Lagune (Voigts / Klimahaus Bremerhaven 8° Ost)

Danach folgt abermals ein drastischer Wechsel der Umgebung. Gambell ist ein kleiner Ort, der zu Alaska gehört. Die dort lebenden Yupik gehören dem Volk der Eskimos an. In diesem Themenraum erfährt man mehr über die traditionelle Lebensweise, die die Robbenjagd und den Fischfang beinhaltet. Auch hier hat der Klimawandel verheerende Folgen, indem die Jagd durch das Abschmelzen des Meereises erschwert wird. Gleichzeitig wird die Kultur der Yupik durch den zunehmenden Einfluss des „Amercian Way of Life“ beeinflusst.

Die letzte Reisestation bevor es wieder nach Bremerhaven geht, bildet die Hallig Langeness. In einem Zeitabstand von 12 Minuten wird das Gebiet infolge einer Sturmflut überschwemmt. Die Bewohner*innen der Hallig haben sich an diese Bedingungen angepasst, indem sie ihre Häuser auf Warften (künstlich aufgeschüttete, runde Hügel) bauten.  Schließlich gelangt man mithilfe einer Lore, einem traditionellen Fortbewegungsmittel, zurück nach Bremerhaven. Diese Reise ist damit abgeschlossen.

Kleiner Disclaimer zur political correctness und Verwendung des Begriffes „Eskimos“: Die Yupik fühlen sich selbst dem Volk der Eskimos zugehörig. „Inuit“ bezeichnet lediglich die kanadischen und grönländischen Volksgruppen und kommt nicht im Sprachgebrauch der Yupik vor. In diesem Beitrag ist daher selbstverständlich die Verwendung des Begriffs „Eskimos“ nicht als Schimpfwort oder dergleichen auszulegen.

 

Quellen:

 

3 Gedanken zu „Entstehung der Havenwelten & Reise durch das Klimahaus

    • Ich war bereits mehrfach dort und muss bestätigen – der Besuch lohnt sich! Obwohl die Themen zum größten Teil spielerisch vermittelt werden, denke ich, dass das Klimahaus sowohl für Jung und Alt etwas zu bieten hat. Die Räume sind spannend inzeniert und es gibt viel zu entdecken. Dabei kann dann jeder für sich entscheiden, womit er seine Zeit verbringt und wie viel Informationsmaterial er sich anschauen möchte. Neben der “Reise” gibt es übrigens auch noch die Ausstellungsräume “Perspektiven” und “World Future Lab”, die sich nochmals fokussiert mit verschiedenen Klimaszenarien beschäftigen.

  1. Was sind eigentlich die Unterschiede und Gemeinsamkeiten zwischen den Entwicklungen bei Havenwelten (Bremerhaven) und Überseestadt (Bremen)?

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.