Kaffee – Vom Monopol Mokkas zum kolonialen Exportschlager

Beginnend mit dem 17. Jahrhundert wurde Kaffee von Seiten der Handelskompanien Aufmerksamkeit geschenkt und als Handelsgut in den Europäischen Raum transportiert. Schnell entwickelte sich die Stadt Mokka im Jemen zum zentralen Anlaufpunkt für den Kaffeeexport nach Europa (Chaudhuri 2010: 359), war doch Ihre Lage vorzüglich und sie seit jeher ein Knotenpunkt für den Indien-Handel (Chaudhuri 2010: 374). Problematisch für die europäischen Länder war hingegen, dass die eigenen Produkte kaum auf Resonanz gestoßen sind. So musste der Kaffee im Jemen mit Silber bezahlt werden, was zu großer Missgunst der Herrschenden führte (Krieger 2011: 190). Ob es sich hierbei um einen merkantilistischen Effekt, die Staaten versuchen möglichst einen Exportüberschuss zu erzeugen (Caspari 2019: 48), oder ob die Handelskompanien die eigenen Marge erhöhen wollten, ist nicht ganz eindeutig. So stieg zwar die Anzahl an gekauften Kaffeebohnen von der Niederländische Ostindien-Kompanie zwischen 1703 und 1711 von 100-125 Tonnen auf 300-350 Tonnen (Chaudhuri 2010: 362), allerdings wurden diese seitens der Holländer größtenteils an die muslimischen Länder weiterverkauft (Clarence-Smith/Topik 2003: 27). Im Vereinigten Königreich zeichnete sich eine ähnliche Entwicklung ab. Die Britische Ostindien-Kompanie importierte 1711 254 Tonnen und verdoppelte diese innerhalb von 10 Jahren. Der Unterschied zu den Niederlanden war aber, dass hier der Kaffeemarkt inländisch lag (Chaudhuri 2010: 361). Sodass hier der Merkantilismus dazu geführt haben könnte, dass die Kaffeepflanze in den eigenen Kolonien angepflanzt wurde. Einzige Herausforderung dabei war, dass sich die Jemeniten ihrer Stellung bewusst waren und deswegen den Export von Kaffeepflanzen/-samen unterbanden. Dies gelang aber nicht, sodass die Kaffeepflanze in den Kolonien sesshaft wurde (Krieger 2011: 190–192).

Kaffee als koloniales Gut

Besonders wichtig bei der Kultivierung des Kaffees außerhalb der Arabischen Welt haben sich die Niederlande hervorgetan. Die niederländische Kolonie auf Java avancierte schnell zu einem der ertragreichsten Kaffeeanbaugebieten der Welt, wodurch Mokka schnell an den Rand gedrängt wurde (Glamann 1981: 206). Java war so bedeutend für die Niederländer, dass 1830 ein Großteil des nach Europa exportierten Kaffees dort produziert wurde und 1880 18% des gesamten global gehandelten Kaffees ausmachte (Clarence-Smith/Topik 2003: 157). Einzig die Bauern, die auf Geheiß der Niederländer Kaffee anbauen mussten, konnten nicht vom Kaffeeboom profitieren. Sie mussten unter schlechten Bedingungen ein bestimmtes Soll an Kaffeepflanzen anbauen. Trotz der schlechten Bedingungen für die Kaffeepflanzen war dies ein ertragreiches Geschäft für die Niederländer, da sie den javanischen Bauern einen sehr niedrigen Preis bezahlten (Clarence-Smith/Topik 2003: 27–28). Gleichzeitig wurde der Anbau des Kaffees von den Bauern alleine ohne die Aufsicht der Kolonialherren absolviert (Clarence-Smith/Topik 2003: 157–158). Durch den Befall von Kaffeerost, einer Pilzart, begann die Bedeutung von Java als Anbaustätte nachzulassen (Clarence-Smith/Topik 2003: 164).

Das Vereinigte Königreich versuchte ab 1815 in Ceylon (Sri Lanka) ebenfalls Kaffee anzubauen und ab 1840 trugen diese Versuche erste Früchte und hatten ab 1860 eine nennenswerte Größe erreichen. Im Gegenzug zu Java wurde hier von Seiten der Kolonialherren mit allen Mitteln versucht, dass die Plantagenbesitzer aus Großbritannien kamen und die einheimischen Bauern nur als Arbeiter auf der Plantage angestellt waren. Dies wurde durch mehrere Mechanismen bewerkstelligt: erstens finanzielle und logistische Unterstützung, zweitens im Falle von Auseinandersetzungen mit den Arbeitern wurde fast immer zugunsten der Plantagenbesitzer geurteilt, drittens Versuche von Einheimischen Unternehmern wurden durch höhere Besteuerung und geringe Aussicht auf Kredite unterminiert (Clarence-Smith/Topik 2003: 173–176). Aufgrund des Mangels an einheimischen Arbeitern wurden indische Arbeiter rekrutiert und bildeten schnell den Großteil auf den Plantagen (Clarence-Smith/Topik 2003: 178). Damit die Plantagenbesitzer maximale Kontrolle ausüben konnten, gab es auf den Plantagen eine strikte hierarchische Gliederung die die Arbeiter zu Menschen zweiter Klasse degradierte (Clarence-Smith/Topik 2003: 182, 184). Ceylon als Anbaugebiet für Kaffee verschwand aber bis zum Ende des 19. Jahrhunderts von der Bildfläche (Clarence-Smith/Topik 2003: 422).

Frankreich war bei seinen Vorhaben eine eigene Anbaustätte für Kaffee zu besitzen erfolgreicher. Über das 18. Jahrhundert hinweg war Réunion eine bedeutsame Kolonie für den Kaffeeanbau. Die Franzosen haben auf Réunion einerseits stark auf französische Plantagenbesitzer und Sklaven gesetzt, andererseits wurde die Konzession für die Plantage an denn Anbau von Kaffee gebunden. Im Jahre 1735 waren 80% der Bevölkerung auf Réunion Sklaven. Ab Mitte des 18. Jahrhunderts nahm die Kaffeeproduktion immer weiter ab. Dies hatte einerseits damit zu tun, dass die Plantagenbesitzer wieder vermehrt Nahrung anpflanzen sollten, andererseits mit der Empfindlichkeit der Kaffeepflanze gegenüber den auftretenden Zyklonen (Clarence-Smith/Topik 2003: 67–70). Mit Beginn des 18. Jahrhunderts wurde auf privater Initiative mit der Kultivierung der Kaffeepflanze in Amerika begonnen (Clarence-Smith/Topik 2003: 28). Mit der Unabhängigkeit von Lateinamerika begann der Aufstieg Brasiliens als der größte Kaffee Produzent der Welt (Clarence-Smith/Topik 2003: 421–423). Durch die technische Anspruchslosigkeit der Kaffeepflanze konnte Brasilien durch große Flächen an Land und den Einsatz von Sklaven alle anderen Regionen bezüglich der Kaffeeproduktion in den Schatten stellen. Ebenfalls war das Klima und eine auf den Export ausgerichtete Infrastruktur von Vorteil für Brasilien. Im Späteren Verlauf konnte Brasilien von der Entwicklung der Eisenbahn sowie der Dampfschifffahrt profitieren. Einerseits wurden dadurch entferntere Regionen besser angebunden, andererseits konnten die Kaffeebohnen schneller transportieren werden. So kamen sie frischer am Bestimmungsort an. Darüber hinaus konnte Brasilien nach der Abschaffung der Sklaverei 1888 auf einen stetigen Strom an europäischen Arbeitern zurückschauen (Clarence-Smith/Topik 2003: 31–33).

Bremen als Kaffeestadt

Bremen war bereits früh eine Stadt des Kaffees. Wie auch im Überseehandel war Hamburg immer ein anhaltender Konkurrent (Krieger 2011: 141). Anfang des 20. Jahrhunderts waren beide Städte und deren Häfen die Mittelpunkte des Mitteleuropäischen Kaffeeimportes (Bremen.online o. J.; Krieger 2011: 226), wenn auch Hamburg vor Bremen lag (Elmshäuser 2007: 85). Bremen konnte für sich aber ein paar wichtige Meilensteine entscheiden. So wurde das erste Kaffeehaus Deutschlands 1673 (Krieger 2011: 166) von einem Niederländer in Bremen eröffnet (Bremen.online o. J.). Genauso ist Ludwieg Roselius mit dem Kaffee und der Stadt verbunden. Roselius hat 1906 in Bremen die Kaffee HAG (Kaffee-Handels-und-Aktien-Gesellschaft) gegründet, die als erstes Unternehmen entkoffeinierten Kaffee auf den Markt gebracht hat (Bremen.online o. J.; Elmshäuser 2007: 85). Genauso haben sich die beiden noch heute bekannten Röstereien Jakobs (1907) und Eduscho (1924) in Bremen angesiedelt (Bremen.online o. J.).

Literaturverzeichnis

  • Bremen.online (o. J.): Kaffeegeschichte – Kaffeehauptstadt Bremen hat Pionierrolle. Text abrufbar unter: https://www.bremen.de/leben-in-bremen/kulinarisch/kaffeegeschichte (Zugriff am 17.7.2020).
  • Caspari, Volker (2019): Ökonomik und Wirtschaft. Ökonomik und Wirtschaft, Berlin, Heidelberg: Springer Berlin Heidelberg.
  • Chaudhuri, K. N. (2010): Coffee. In: The Trading World of Asia and the English East India Company 1660–1760. Cambridge: Cambridge University Press, 359–384.
  • Clarence-Smith, William Gervase/Topik, Steven (Hrsg.) (2003): The Global Coffee Economy in Africa, Asia, and Latin America, 1500–1989. Cambridge University Press.
  • Elmshäuser, Konrad (2007): Geschichte Bremens. München: C.H.BECK.
  • Glamann, Kristof (1981): Dutch-Asiatic Trade 1620 – 1740. Dordrecht: Springer Netherlands.
  • Krieger, Martin (2011): Kaffee – Geschichte eines Genussmittels. Köln: Böhlau Verlag GmbH & Cie.

 

6 Gedanken zu „Kaffee – Vom Monopol Mokkas zum kolonialen Exportschlager

  1. Danke für diesen spannenden Einblick in die koloniale Geschichte des Kaffees, an der man wirklich gut ablesen kann, wie stark der Kolonialismus nach wie vor die Wlet prägt, in der wir heute leben. Ich habe noch zwei historische Fragen: Wie konnte es den Niederländern gelingen, den Kaffeehandel im Arabischen Raum zu betreiben, hat Mokka keinen eigenen Handel mit den nördlichen Nachbarn betrieben? Gab es auch in den deutschen Kolonien den Versuch Kaffee für den deutschen Markt anzubauen?

    • Bezüglich des Handels im Arabischen Raum, dieser scheint mir generell von den Ost-Indien Kompanien beherrscht gewesen zu sein. In wie weit Mokka oder generell der Arabische Raum Schiffe in den Norden geschickt hat kann ich nicht sagen. Mein Eindruck ist es das Europa vor allem Handel über den Seeweg betrieben hat aber das könnte auch durchaus eine einseitige Geschichtsschreibung sein.

      Von Kaffee explizit habe ich nichts in deutschen Kolonien gelesen. Diese waren aber generell Landwirtschaftlich herausfordernd, wenn nicht sogar absolute Rohrkrepierer. Dazu kommt das die Kaffeepflanze recht anspruchsvoll ist weshalb ich denke das man sich dieses Experiment gleich geschenkt hat.

  2. Interessant ist beim Kaffe (wie bei anderen kolonoialen Produkten) natürlich auch immer die internationale Arbeitsteilung. Die Arbeitsschritte mit der höchsten Wertschöpfung (Röstung, Verpackung & Marketing, Verkauf) finden i.d.R. im globalen Norden statt, von wo aus die Wertschöpfungsketten dominiert werden, obwohl es sich um einen Rohstoff aus dem globalen Süden handelt. Dieses koloniale Muster hat also die politische Dekolonisierung weitgehend unbeschadet überstanden.

    • Ich denke zu der Arbeitsteilung muss im Falle von Kaffee gesagt werden das, zumindest wenn es qualitativ hochwertiger Kaffee sein soll, eine Röstung Vorort im Absatzmarkt unumgänglich ist. Problematisch ist, das vom endgültigen Kaffeepreis den wir bezahlen nur ein Bruchteil bei den Bauern und Bäuerinnen ankommt.

    • Gute Frage ob Bremen noch eine Kaffeestadt ist. Ich glaube das ist in einer so globalisierten Welt schwierig zu sagen. Bremen selber sieht sich auf jeden Fall so und ich würde dem zustimmen. Bremen erlebt, genauso wie Hamburg, eine Renaissance der kleineren Röstereien die hochwertigeren Kaffee produzieren und der Kaffeehandel für Deutschland läuft wohl auch noch zum Großteil über Bremen.

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