Podcast #7: Der Bremer Vulkan, ein besonderer Arbeitgeber?

In meinem Podcast thematisiere ich den Bremer Vulkan und die Frage, inwiefern er einen besonderen Arbeitgeber für den Bremer Norden darstellte. Genau dieses Bild eines einmaligen, familiären und stadtteilprägenden Arbeitgebers bestimmt auch heute noch oftmals die Sicht vieler Vegesackerinnen und Vegesacker. Ein Einblick in eine solche Sichtweise liefert das Buten und Binnen Interview „Die Vulkanesen“ von Kudir Özkol und Hasso Kulla – dieses diente als Grundlage für meinen Podcast und lohnt sich daher, vor dem Anhören einmal anzuschauen. Den Link findet ihr in der Literaturangabe. Während des Podcasts hört ihr nicht nur verschiedene Interviewsequenzen, sondern auch Sebastian Möller, welcher mit mir gemeinsam die Leitfrage diskutierte.

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Segelt das Schulschiff von Vegesack nach Bremerhaven?

Im Vegesacker Hafen in Bremen-Nord sind in den letzen Jahren schon viele Projekte der Stadtentwicklung grandios gescheitert, von Haven Höövt, über die Gläserne Werft bis zum Spicarium. Nun plant der Investor Max Zeitz ein neues Stadtquartier am ehemaligen Bremer Vorhafen mit einem umstrittenen Hochhaus für hochpreisiges Wohnen. Das ist aber nicht der einzige Grund für Kritik: Offenbar spielt auch das “Schulschiff Deutschland” in seinen Planungen keine Rolle mehr. Die taz nord berichtet in diesem Zusammenhang über Bremerhavener Begehrlichkeiten, das Schiff in die Seestadt zu holen, wo es 1927 gebaut wurde. Ob aber die Entwicklung des Quartiers in unmittelbarer Nähe zum Vegesacker Bahnhof und zur Groher Düne ein Erfolg wird, dürfte kaum von der Zukunft des Schulschiffs abhängen.

Das Werftensterben der AG “Weser” und des Bremer Vulkan

Roder 2002: 77.

Die Bremer Vulkan AG in Bremen-Vegesack war eine der wichtigsten Großwerften Europas. Der 1893 gegründete Konzern baute in seinen 104 Jahren mehr als 1000 Schiffe jeglicher Art. Zugleich war er einer der zentralen Arbeitgeber in Bremen-Nord und sorgte für insgesamt 23.000 Arbeitsplätze – alleine 10.000 Beschäftigte davon in der Freien Hansestadt Bremen (Muster 2002: 360). Die Aktien-Gesellschaft „Weser“ war eine sogenannte „Vollwerft“ in Bremen-Gröpelingen. Eine Vollwerft bedeutet, „dass nahezu alle Fertigungsschritte vom Personal der Werft selbst durchgeführt und zunächst erst einzelne Bereiche von Fremdfirmen bearbeitet [werden]“ (Walter 2008: 198). Nach der Gründung 1872 entwickelte sich der Betrieb zu einem der größten Werften Deutschlands. 1983 löste sich die Aktien-Gesellschaft im Zuge weltweit steigender Konkurrenz im Schiffbau auf. In ihrem 111-jährigen Bestehen entstanden über 1400 Schiffe. Weiterlesen

Stadtentwicklung in Bremen-Nord in Folge der Werftenkrise

Die Stadtentwicklung in Bremen-Nord steht aufgrund der tiefgreifenden wirtschaftlichen Veränderungen in Folge der Werftenkrise vor großen Herausforderungen. So geht mit den zahlreichen Betriebsschließungen in Folge der Krise ein erheblicher wirtschaftlicher Bedeutungsverlust für den einst industriell geprägten Bremer Norden einher. Am deutlichsten ist es am Verlust der Arbeitsplätze zu erkennen, so kommen auf 100 Einwohner in Bremen-Nord nur noch 19 Arbeitsplätze, während es in der Gesamtstadt Bremen zum Vergleich 54 sind (Andreas et al. 2016). Aufgrund des starken Rückgangs der Arbeitsplätze in Bremen-Nord kam es infolgedessen zu erhöhter Arbeitslosigkeit, Abwanderungen und Kaufkraftverlusten, welche sich wiederum zu wirtschaftlichen und sozialen Problemen formierten (Andreas et al. 2016). Weiterlesen

Subventionen im Schiffbau: Der Vulkan & die Ost-Werften

Die Wirtschaftsbranche des Schiffbaus hat in ihrer Geschichte bereits mehrmals Subventionen, beispielsweise zum Erhalt von Arbeitsplätzen oder dem Erhalt der Wettbewerbsfähigkeit erhalten. Dieser Blogbeitrag betrachtet die Subventionen, die der Bremer Vulkan in den 1970-90er Jahren erhalten hat. Zunächst wird der Begriff der Subvention erläutert, bevor anschließend der deutsche Schiffbau kurz dargestellt wird. Der Fokus des Beitrags sind jedoch die Subventionen des Bremer Vulkans und seine Werften in Ostdeutschland. Weiterlesen

Lerneinheit 7: Hafen & Stadt(teil)entwicklung

Wie wir bereits gesehen haben, ist die Bremische Siedlungsgeschichte schon seit ihren Anfängen zugleich auch Hafengeschichte. Damit ist die Frage nach den Auswirkungen von Hafenwentwicklung auf das Leben in den benachbarten Stadtteilen im Kern auch keine neue, aber trotzdem eine hochaktuelle Frage. Gerade weil die historische Entwicklung der Bremischen Häfen durch eine kontinuierliche Erweiterung und Verlagerung der Hafenareale im Wettlauf mit den Schiffsgrößen gekennzeichnet ist, hat Bremen auch eine lange Erfahrung mit Fragen der Nachnutzung (Heidbrink 2005: 150f.). Ein Blick über den Tellerrand und in humangeographische und stadtsoziologische Literatur zeigt aber zugleich, dass es seit einigen Jahrzehnten einen neuen globalen Trend zur Waterfront Revitalisierung gibt, mit dem sich Hafenstädte nach der zunehmenden Entflechtung von Hafen- und anderen Stadtfunktionen neu erfinden (Schubert 2008, Warsewa 2017). In dieser Lerneinheit wollen wir daher unsere Aufmerksamkeit sowohl auf diese jüngeren Veränderungen der Beziehung zwischen Stadt und Hafen als auch auf die historischen Auswirkungen der Hafenentwicklung auf das Stadtleben richten.

Wandbild zur leeren A.G. Weser in der Bauhüttenstraße Foto: Archiv der Geschichtswerkstatt Gröpelingen

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Staatskonzern Bremer Vulkan

Als um 12.05 Uhr am 15. August 1997 die Arbeit auf dem Werftgelände des Bremer Vulkans niedergelegt wurde, bedeutete das nicht nur das Aus für einen der renommiertesten Schiffproduzenten, welcher die Arbeits- und Heimatstätte vieler „Vulkanesen“ war, zugleich bestimmte es auch das Ende der Schiffsbauära an der Unterweser. Diverse Straßennamen und die Überreste von Bahnschienen erinnern noch heute an die einst rege Schiffbautätigkeit im Bremer Norden. Tausende, viele davon angeworben und zugewandert, ließen sich im Umfeld der Werft nieder und lebten direkt oder indirekt vom Schiffsbau. Über viele Generationen hinweg war der Vulkan einer der wichtigsten Arbeitgeber im Bremer Norden und die Abhängigkeit der Vegesacker*innen von ihm war omnipräsent. Umso verheerender war der Untergang der Werft nicht nur für die „Vulkanesen“, sondern für die ganze Region (Beheling/Thiel 1997: 5). Weiterlesen

Lerneinheit 2: Hafengeschichte(n)

Zum inhaltlichen Auftakt des Seminars beschäftigen wir uns in dieser Woche mit der Geschichte der Bremischen Häfen. Dazu geben dieser Beitrag und der Lernvideo 2a einen ersten Input, der durch die Lektüre von Heidbrink (2005) und einem digitalen Besuch im Hafenmuseum (Lernvideo 2b) vertieft wird. Fragen zu dieser Lerneinheit können als Kommentar zu diesem Blogbeitrag gestellt und diskutiert werden. Bremer Stadtgeschichte ist zu einem großen Teil Hafengeschichte, schließlich „hat sich Bremen immer als Ort des Handels und der Schifffahrt verstanden“ (Elmshäuser 2007: 8). Schon die frühe Siedlungsgeschichte kann als Hafengeschichte verstanden werden (Heidbrink 2005: 129).

Stadtansicht von Hans Weigel (1564)

In der über 1200jährigen Geschichte Bremens bestimmten immer wieder Handelskonjunkturen die Entwicklung der Stadt und ihr inneres Machtgefüge. Sie beförderten auch eine gewisse Liberalität und Weltoffenheit in der Stadt. Das durch Handel angesammelte Kaufmannskapital wurde zu einer zentralen Triebkraft für die kontinuierliche Transformation von Stadt und Region und zu einer wichtigen Quelle ihres Selbstbewusstseins. Die Häfen haben sich als ein zentrales Element in öffentliche Diskurse und kollektive Identitäten eingeschrieben, sind also nicht nur materiell, sondern auch ideell und kulturell von großer Bedeutung für Bremen und Bremerhaven. Weiterlesen

Auf dem Weg zum nationalen Marinechampion?

Beim Thema Schiffbau denken viele ja zunächst an Containerschiffe, Kreuzfahrtschiffe oder vielleicht noch Luxusyachten. Im Bremen spielt aber auch der Militärschiffbau eine große Rolle: Die traditionsreiche Lürssen Werft aus Vegesack baut u.a. militärische Schnellboote und Korvetten für die Bundeswehr und den Export. Lürssen hat in den letzten Jahren u.a. die Peene-Werft in Wolgast (MV) und Blohm & Voss aus Hamburg übernommen und gehört damit zu den größten Marineschiffbauern in Deutschland. Um den deutschen Kriegsschiffbau vor internationaler Konkurrenz zu schützen wurde er im Februar zur “nationale Schlüsseltechnologie” erklärt. Die taz nord berichtet nun über Pläne für eine “Deutsche Marine Weft” unter Führung von Lürssen. Weiterlesen