Für Bremer Europa-Interessierte gibt es in direkter Nähe eine Möglichkeit für einen inhaltsreichen Ausflug. Um der europäischen Dimension unseres Abstechers auf die Spur zu kommen, reisen wir aber zunächst in die Geschichte:

Im Oktober 1648 wurde von der Treppe des Osnabrücker Rathauses aus der „Westfälische Friede“ verkündet. Dieser Vorgang setzte den Schlusspunkt unter eines der zerstörerischsten Kapitel der europäischen Geschichte – er bedeutete das Ende des Dreißigjährigen Krieges.

Das hieraus resultierende Erbe ist noch heute in der Stadt nachzuspüren, die sich selbst hochtrabend „Friedensstadt“ nennt und um die Organisation von Projekten für internationalen Austausch, auch durch ein eigens eingerichtetes „Büro für Friedenskultur“, bemüht ist.

Mit dem Zug ist man von Bremen aus in etwas über einer Stunde in Osnabrück. Am dortigen Hauptbahnhof angelangt, führt uns unser Weg zunächst 10 Minuten mit dem Bus weiter in die Altstadt hinein (ab „Osnabrück Hauptbahnhof/ZOB“ bis Haltestelle „Osnabrück Nikolaizentrum“).

Vorbei an gemütlichen Cafés und Eisdielen, sowie dem ansehnlichen wohl ältesten Fachwerkhaus der Stadt („errichtet 1533“), kommen wir am historischen Marktplatz an. Gegenüber dem mächtigen Bau der Marienkirche mit dem weithin erkennbaren Turm und somit östlich des bereits erwähnten geschichtsträchtigen Rathauses, stehen wir vor dem Eingang zum „Erich Maria Remarque-Friedenszentrum“. Jenes fand hier 1996 seinen Platz und beherbergt seitdem neben einem Archiv und der „Arbeitsstelle Krieg und Literatur“ eine sehenswerte Ausstellung, die sich den Arbeiten und der Biografie des Namensgebers widmet. Allgemeiner Bekanntheit erfreut sich vor allem Remarques Werk „Im Westen nichts Neues“ (1928), in dem die erlebte Absurdität und Grausamkeit des Ersten Weltkriegs eindrücklich aufbereitet wird. Doch auch darüber hinaus ist so einiges zu erfahren über europäische Vergangenheit und Gegenwart in den Räumlichkeiten des Friedenszentrums.

Praktischerweise liegt die Stadtbibliothek gleich nebenan und bietet durch ihre bodentiefe Fensterfront beim anregenden Einlesen in thematisch anknüpfende Literatur einen großartigen Blick auf die historische Kulisse vor dem Rathaus.

Ohne zu viel Zeit verstreichen zu lassen ziehen wir weiter und wenden uns der Heger Straße zu.

Durch das „Heger Tor“ gelangen wir aus der ruhigen Altstadt an die breite Bundesstraße 68, auf der hektisches Treiben herrscht. Wir drehen uns um und betrachten die Inschrift aus goldenen Lettern an dem eindrucksvollen Torbogen. Diese weist uns sogleich auf die Spur eines nächsten wegweisenden Großereignisses der europäischen Geschichte. Sie erinnert an die Beteiligung Osnabrücker Soldaten an der Schlacht bei Waterloo (1815), der letzten Schlacht Napoleons.

Schon vom Tor aus zu sehen, auf der anderen Straßenseite liegend, ist das „Museumsquartier Osnabrück“. Hierzu gehört zunächst das „Felix-Nussbaum-Haus“, in dem die bemerkenswerte Kunst des namensgebenden Malers präsentiert wird. Die aktuelle Ausstellung jedoch verhandelt die Thematik des politischen Widerstandes in der Kunst, nicht zuletzt auch im Kontext von Nussbaums Schicksal, der im KZ Auschwitz-Birkenau starb.

Zum Museumskomplex gehört zudem die „Villa Schlikker“, an der derzeit Bauarbeiten stattfinden. In der NS-Zeit wurde sie in Osnabrück das „Braune Haus“ genannt, da sie zeitweilig Sitz der NSDAP-Kreisleitung und als solcher wiederholt Ausgangspunkt gezielter Verfolgungsaktionen, etwa gegen politische Gegner, war.

Im „Kulturgeschichtlichen Museum“ können wir Aufschlussreiches zur Stadtgeschichte erfahren. Hierzu zählen auch Ausstellungsstücke, die von Migrations- und Fluchtgeschichten erzählen – auch hier ist also die größere, die europäische Ebene omnipräsent.

 

Weiter geht es auf unserer Europa-Tour durch die „Friedensstadt Osnabrück“ in Teil II des Artikels…