Der 9. November 1989 ging als weltverändernder Tag in die deutsche und internationale Geschichte ein. An diesem Tag fällte die DDR-Regierung die Entscheidung, die Grenzen für ihre Bürger:innen vollständig zu öffnen. Der Mauerfall veränderte die Geschichte des geteilten Deutschlands und führte zur Wiedervereinigung im Jahr 1990. Doch warum gab es überhaupt eine Grenzmauer zwischen DDR und BRD und wie kam es zum letztendlichen Fall der Mauer? Wie sieht es heutzutage, über 36 Jahre nach dem Mauerfall in Deutschland aus und ist Deutschland wirklich vollständig wiedervereint?
Die Geschichte der Mauer beginnt mit der Aufteilung Deutschlands in vier Besatzungszonen nach Ende des zweiten Weltkriegs. Zuerst schlossen sich die britische und die amerikanische Besatzungszone als Gebiet zusammen, später folgte noch die französische Besatzungszone. Diese drei Zonen bildeten die BRD, die Bundesrepublik Deutschland. Die sowjetische Besatzungszone bildete anschließend im Osten die DDR, die Deutsche Demokratische Republik. Es existierten dementsprechend zwei deutsche Staaten, die DDR mit der Sowjetunion (UdSSR) als wirtschaftliches und politisches Vorbild und die BRD, welche sich an westlichen Staaten orientierte. Grund für den Aufbau getrennter Länder war der Kalte Krieg und die zunehmenden Konflikte zwischen den Siegermächten. Die Sowjetunion hatte andere Vorstellungen für den Wiederaufbau Deutschlands als die westlichen Siegermächte Großbritannien, Frankreich und die USA.
Im Westen gab es erste demokratische und freie Wahlen, außerdem wurde deutlich, dass die neu gegründete Bundesrepublik nach Vorbild anderer kapitalistischer Staaten gedeihen sollte. Im Osten gab es eine ganz andere Entwicklung. Die DDR hieß zwar “demokratische Republik”, das politische System glich jedoch einer Diktatur, da es keine politische Opposition oder freie Wahlen gab. Die Regierung wurde von der SED (Sozialistische Einheitspartei Deutschlands) gestellt, welche eine Gesellschaftsordnung erstrebte, die der UdSSR ähneln sollte. Gesellschaft und Kultur wurden von der SED-Führung extrem politisiert und individueller Raum für Meinungsbildung und -äußerung wurden stark unterdrückt.
Die Unzufriedenheit in der ostdeutschen Gesellschaft wuchs, circa 2,8 Millionen verließen die DDR zwischen 1949 und 1961 um ein Leben im Westen mit der Hoffnung auf Demokratie und Frieden zu führen. Die Regierung der DDR bezeichnete dies als “Republikflucht”.
Die DDR näherte sich einer Krise, da die meisten Menschen, die in den Westen flüchteten, noch sehr jung waren und es der DDR es an erwerbstätigen Menschen fehlte. Die Regierung versuchte, die Menschen vom Verlassen der DDR abzuhalten und beschloss eine Reihe von Gesetzen, wie dem “Passgesetz” von 1954, welches unerlaubtes Verlassen der DDR als illegal erklärte, außerdem konnten mit einer Gesetzesverschärfung ab 1957 auch Menschen bestraft werden, die verdächtigt wurden, anderen bei einer “Republikflucht” geholfen zu haben.
Am 13. August 1961 wurde schließlich die Grenze seitens der DDR komplett abgeriegelt, rund um West-Berlin wurde nach und nach ein stark befestigter Grenzschutz in Form einer Mauer errichtet. Die Mauer veränderte das Stadtbild Berlins massiv. Jedoch konnte die SED nicht endgültig verhindern, dass Menschen die DDR verlassen wollten und baute daraufhin die Mauer zwischen 1961 und 1989 weiter aus. Die Flucht aus der DDR wurde in den Jahren nach 1961 immer schwieriger, da an der Grenze Soldaten stationiert wurden, die auf Flüchtende schießen durften. In den Jahren zwischen 1961 und 1989 wurden über 600 Menschen von Grenzsoldaten erschossen, Hunderttausende versuchten ihr Glück mit einer Flucht in den Westen.
Die Unzufriedenheit innerhalb der DDR wuchs mit dem Bau der Mauer ebenfalls. Spätestens jedoch ab den 1980er Jahren bildete sich eine stärkere Protestbewegung, welche eine Veränderung des politischen Systems der DDR forderte. Am 4. September 1989 begannen die daraufhin wöchentlichen Massendemonstrationen in Städten der DDR, welche mit dem Slogan “Wir sind das Volk” ihren Unmut laut, öffentlich und friedlich äußerten. Am Anfang noch relativ klein mit knapp 1.200 Teilnehmenden wuchs die Protestbewegung und steigerte sich auf ein Rekordhoch von circa 500.000 – 700.000 am 4. November 1989 in Berlin. Ein paar Tage später war es dann soweit, die SED-Regierung gab in einer Pressekonferenz bekannt, dass die Grenzen nach Westdeutschland geöffnet werden und es jedem Menschen erlaubt war, die Grenze zu passieren. Bekanntgegeben wurde die Nachricht von Günter Schabowski, damaliger Leiter des Politbüros der SED, der jedoch von der neu geplanten Reisefreiheit für alle Bürger:innen der DDR nichts wusste. Auf Nachfrage eines Journalisten bestätigte Schabowski, dass die neue Regelung ab sofort gelten würde. Daraufhin begannen ganze Menschenmassen die Grenze zu Westdeutschland erstmals seit Jahrzehnten frei zu passieren.
Die DDR-Diktatur fiel zusammen mit der Mauer, doch bis zur tatsächlichen Wiedervereinigung war es noch ein langer Weg.
Mit dem Prozess der Wiedervereinigung beschäftige ich mich im zweiten Teil meiner Artikelreihe.
Quellen:
https://www.berlin.de/mauer/geschichte/bau-der-mauer/
https://www.bpb.de/kurz-knapp/lexika/das-junge-politik-lexikon/321238/teilung-deutschlands/
https://www.bpb.de/kurz-knapp/lexika/politiklexikon/17333/deutsche-demokratische-republik-ddr/
https://www.deutschlandfunk.de/mauerfall-vor-30-jahren-als-sich-deutsche-aus-ost-und-west-100.html (dpa / picture-alliance / Wolfgang Krumm)
https://www.jugendopposition.de/lexikon/sachbegriffe/148375/demonstration-am-4-november-1989
https://www.stiftung-berliner-mauer.de/de/themen/die-berliner-mauer#der-bau-der-mauer