Es ist bekannt, dass viele Universitäten Partneruniversitäten in verschiedenen Ländern haben, darunter auch die Universität Bremen. Solche Partnerschaften ermöglichen es den Studierenden, ein Semester im Ausland zu absolvieren. Und auch Kommunen haben solche Partnerschaften, welche in diesem Artikel betrachtet werden sollen. So pflegt die Stadt Bremen partnerschaftliche Beziehungen zu Dalian (China), Danzig (Polen), Durban (Südafrika), Haifa (Israel), Izmir (Türkei), Odesa (Ukraine), Riga (Lettland) und Windhoek (Namibia) [1]. Oft wird hier von „Städtepartnerschaften“ gesprochen, wenngleich solche Partnerschaften natürlich auch zwischen Gemeinden oder gar Landkreisen und Regionen existieren. Wie viele dieser Partnerschaften es weltweit gibt, kann nicht genau gesagt werden, zumal es auch andere Arten der internationalen Beziehungen auf kommunaler Ebene gibt: Sogenannte Freundschaften zwischen Kommunen, die sich auf ein bestimmtes Projekt und/oder einen bestimmten Zeitraum beschränken, sowie verschiedene Formen der inoffiziellen Kooperation [2].

Der Rat der Gemeinden und Regionen Europas führt 5581 Partnerschaften zwischen deutschen Kommunen und Kommunen in der ganzen Welt auf. Etwa 90 Prozent dieser Partnerschaften bestehen zwischen deutschen Kommunen und europäischen Kommunen [3]. Das hat mehrere Gründe: Viele europäische Staaten haben sich nach dem Zweiten Weltkrieg das Ziel gesetzt, fortan friedliche und freundschaftliche Beziehungen mit anderen europäischen Staaten zu führen. Besonders aus deutscher Perspektive ist das Bestreben nach Versöhnung im Anschluss an den Zweiten Weltkrieg ein elementarer Bestandteil der Städtepartnerschaften [4]. Nicht ohne Grund bezeichnet Woesler Städtepartnerschaften als „größte Friedensbewegung der Welt“ (Woesler 2006: 412) [5]. Außerdem spielt die physische Nähe zweier Kommunen bzw. zweier Staaten, sowie Migration zwischen zwei Staaten und Kommunen eine wichtige Rolle bei der „Auswahl“ der Partnerkommune [6].

Aber warum sollte es Partnerschaften zwischen Kommunen geben, wenn auf staatlicher Ebene bereits gute Beziehungen gepflegt werden?

Die guten Beziehungen zwischen Staaten werden noch intensiver, lebendiger und stabiler, wenn sie nicht nur auf der obersten Ebene, sondern auch auf lokaler Ebene gelebt werden und von den Bürger:innen aktiv mitgestaltet und erfahren werden können – wenn die Völkerverständigung also tatsächlich von den Menschen gelebt wird. Durch den lokalen Charakter wird der Partner deutlich zugänglicher, was durch das Einbinden lokaler Organisationen wie Vereine, Verbände und Schulen zusätzlich verstärkt wird. Auf diese Weise erhalten die kommunalen Partnerschaften Einzug in den Alltag der Bürger:innen. Gemeinsam mit diesen Organisationen werden häufig kulturelle Austausche zwischen den Partnerkommunen organisiert. Kultur ist für alle erlebbar und dementsprechend niederschwellig zugänglich, zumal kulturelle Themen sehr unterschiedlich sein können, so dass sich alle darin wiederfinden können: Sport, Literatur, Kunst, Gastronomie, Musik, … Allerdings stehen nicht nur kulturelle Themen im Fokus der Partnerschaften: Wirtschaftliche Kontakte (zum Beispiel durch internationale Praktika) und Zusammenarbeit in verwaltungstechnischen und politischen Fragen (zum Beispiel in Form von Wissensaustausch oder gemeinsamer Konzeptentwicklung) sind Beispiele für Bereiche, in denen Partnerkommunen gemeinsam aktiv sein können (Diebold und Keller 2018: 57-58) [7].

Im Rahmen von Partnerschaften zwischen Kommunen entstehen also direkte Kontakte, die auf staatlicher Ebene kaum möglich wären. Dieser direkte Kontakt mit einem Partner ermöglicht es den Bürger:innen, Vorurteile abzubauen und Vertrauen aufzubauen [8] und leistet so einen wichtigen Beitrag zur Völkerverständigung  auf kommunaler Ebene (Woesler 2006) [5], was sich wiederum positiv auf die staatliche Ebene auswirkt, denn klar ist: Sind die Bürger:innen eines Staates den Bürger:innen eines anderen Staates gegenüber aufgeschlossen, so unterstützen sie auch eine Politik, die die Partner auf staatlicher Ebene enger verbindet. Dementsprechend können kommunale Partnerschaften nicht nur gute Beziehungen auf staatlicher Ebene stärken – sie bergen sogar das Potenzial, Beziehungen auf staatlicher Ebene positiv zu beeinflussen. In den folgenden Teilen dieser Reihe werden konkretere Beispiele kommunaler Partnerschaften beleuchtet.


Quellen: