Am 28.06.2025 fand die Budapester Pride statt, initiiert vom Budapester Oberbürgermeister Gergely Karácsony, der den CSD als städtische Feier ausrief, um das Versammlungsverbot für Pride-Veranstaltungen umgehen zu können. Etwa 200.000 Menschen aus Ungarn und ganz Europa nahmen teil, was die Demonstration zur größten Pride-Veranstaltung in der Geschichte Ungarns machte. Aber wie kam es bloß soweit, dass ein EU-Mitgliedstaat so restriktiv gegen die LGBTQ-Community agiert, und sich eine so große Gegenbewegung entwickelte? 

Im Jahr 2021 erließ Viktor Orbáns rechtskonservative Regierungspartei ein neues „Kinderschutzgesetz“, in dem Aufklärung über queeres Leben für Minderjährige kriminalisiert wurde. Dieses Gesetz wurde mit einer Zweidrittelmehrheit in die Verfassung aufgenommen. Es wurde im März 2025 verschärft, indem es öffentliche Pride Paraden verbietet, unter dem Vorbehalt, so Kinder besser schützen zu können. Eine Petition von Campact! kritisiert, dass ein solches Gesetz gegen die EU-Menschenrechtscharta verstößt, was ein Bruch mit den Vereinbarungen gegenüber der EU bedeute. 

Um die Budapester Pride trotzdem stattfinden zu lassen, entschied sich der Budapester Oberbürgermeister Gergely Karácsony, Parteimitglied in der ungarischen Grünen, die Veranstaltung zu einer städtischen Feier zu machen, für welche keine Genehmigung nötig wäre, um das Verbot zu umgehen. Zudem stellt er die Pride in den Befreiungskontext der Sowjetunion, da am letzten Samstag im Juni 1991 die Sowjettruppen endgültig Ungarn verließen. Die Pride-Parade fand unter dem Namen „Budapesti Büszkeség Napja“ statt, übersetzt ins Deutsche „Tag des Budapester Stolzes“, oder auch „Budapest Pride“ im Englischen. 

Nicht nur Menschen aus Ungarn nahmen an der Budapester Pride statt, auch tausende Menschen aus ganz Europa reisten an, um Teil der Demonstration zu sein. Darunter waren auch etwa 70 EU-Abgeordnete und die belgische EU-Kommissarin für Gleichstellung, Hajda Lahbib. Sie meinte, es sei ihre „Pflicht“, Menschen aus der LGBTQ-Community nach dem Pride-Verbot zu unterstützen. Die Veranstaltung steht auch als Protest gegen den ungarischen Ministerpräsidenten Viktor Orbán, indem sie Regenbogenfahnen schwingen, bunt gekleidet durch die Straßen ziehen, und Schilder mit Aufschriften wie „Love is Love“, „Europe stands with Budapest Pride“ oder „U can‘t control who u fall in love with“ hochhalten. 

Die Präsidentin der Budapester Pride, Radvanyi, betrachtete die Veranstaltung nicht nur als Fest, sondern auch als ein internationales Zeichen. Auch die ungarische Abgeordnete des Europäischen Parlamentes, Klára Dobrev, verdeutlicht, dass man Orbán nicht mit Angst besiegen könne, sondern Stärke zeigen soll, und sich nicht einschüchtern lassen solle. Zuvor hatte Viktor Orbán zwar verkündet, dass er die Demonstration nicht durch die Polizei auflösen lassen würde, jedoch können im Nachhinein Strafen an die Teilnehmenden und an die Organisator*innen verhangen werden, in Form von Geldstrafen bis hin zu fünfjährigen Haftstrafen. 

Ein Strafverfahren von der Budapester Staatsanwaltschaft wurde gegen den Oberbürgermeister Karácsony eingeleitet, unter der Annahme, er habe gegen das Versammlungsgesetz verstoßen, nun muss er eine Geldstrafe abbezahlen, um den Strafprozess nicht noch vor Gericht verhandeln zu müssen. Aus Karácsonys Sicht habe er nicht gegen das Gesetz verstoßen, sondern zu einer Veranstaltung der Stadt Budapest aufgerufen, die von dem Versammlungsgesetz befreit wäre. Er sieht sich entschlossen darin, für die Verteidigung der Freiheit einzustehen. 

In Ungarn stehen am 12. April 2026 die Parlamentswahlen an, in welchen der konservative Peter Magyar gegen Viktor Orbán gewinnen könnte. Zwar hatte sich Magyar nicht offen mit der Budapester Pride solidarisiert, jedoch betonte er, das Recht auf Versammlungsfreiheit zu wahren. Seit 2010 untergrabe Viktor Orbán die Demokratie in Ungarn, mit zum Beispiel der Auflösung einer unabhängigen Justiz, autoritärem Vorgehen gegen die Medien und die Zivilgesellschaft, oder der Vernachlässigung des Parlaments, indem nach Dekret regiert werde, so Human Rights Watch. Des Weiteren kritisieren sie, dass die Anklage gegen Karácsony sofort fallengelassen werden sollte, zudem sollte der Europäische Rat die Rechtsstaatlichkeit Ungarns mithilfe des Verfahrens nach Artikel 7 im EU-Vertrag überprüfen. Mit den anstehenden Parlamentswahlen könnte sich zeigen, ob eine Re-Demokratisierung in Ungarn eine zukünftige Entwicklung sein könne.