Der erste Teil dieser Artikelreihe handelte von der Aufteilung Deutschlands und der schlussendlichen Wiedervereinigung. Im zweiten Teil beschäftige ich mich mit der tatsächlichen Wiedervereinigung und Schlüsselmomenten, welche zur Wiedervereinigung geführt haben.
Das erste Jahr nach dem Mauerfall im November 1989 kann als aufregend und teils chaotisch beschrieben werden. Unklar war zuerst, ob eine Wiedervereinigung beider Staaten überhaupt stattfinden sollte, und im Falle einer Wiedervereinigung, wie diese auszusehen hatte. Ende November 1989 gab der damalige Bundeskanzler der BRD, Helmut Kohl, den 10-Punkte-Plan bekannt. Dieser zielte auf eine deutsche Einheit ab, unter verschiedenen Bedingungen, welche die DDR zu erfüllen hatte. Unter anderem sollte das politische und wirtschaftliche System der DDR reformiert werden, als Gegenleistung sicherte die BRD unter Kohl wirtschaftliche Unterstützung zu.
Ein großer Erfolg der Wiedervereinigung war das Inkrafttreten der Währungs-, Wirtschafts-, und Sozialunion am 1. Juli 1990. Aufgrund vom diesem Vertrag konnte die DDR das westdeutsche Wirtschafts-, und Sozialsystem fast vollständig übernehmen. Der Beitritt der DDR in diese Union war extrem wichtig, da viele Bürger:innen aus der DDR weiterhin nach Westdeutschland migrierten. Ohne Beitritt hätte diese Abwanderung wahrscheinlich weiter angehalten.
Nach längeren Diskussionen un Verhandlungen gelang es beiden deutschen Staaten letztendlich sich zu einem deutschen Staat erneut zusammenzufügen. Festgehalten wurde dies in einem Vertrag zwischen den vier Siegermächten und beiden deutschen Staaten. Bedenken hatte es zuvor in Frankreich und Großbritannien gegeben, aber auch andere europäische Länder waren von einem wiedervereinten Deutschland nicht hellauf begeistert. Menschen hatten Angst, dass Deutschland erneut eine wirtschaftliche Überlegenheit erschaffen würde. Diese Angst kann auch mit der Erinnerung an die von Deutschland begangenen Gräueltaten während des zweiten Weltkrieges erklärt werden. Die Erinnerung an das Schrecken und der verübten Gewalt erstreckte sich über die gesamte zweite Hälfte des 20. Jahrhunderts.
Ein weiterer Konfliktpunkt der Verhandlungen war die Frage, ob das Gebiet der ehemaligen DDR automatisch nach einer Wiedervereinigung auch gleichzeitig NATO-Gebiet werden dürfe. Die Sowjetunion war zunächst nicht einverstanden, bei einem Treffen der Siegermächte und Vertretern aus Deutschland im Juli 1990 wurde sich schließlich geeinigt. Deutschland sollte seine vollständige Souveränität zurück erhalten und die in verbliebenen sowjetischen Truppen sollten langsam über mehrere Jahre aus deutschem Gebiet abgezogen werden.
Die Wiedervereinigung Deutschlands wird seit 1990 jährlich am 3. Oktober gefeiert. Die europäischen Integration wurde aufgrund dieser Vereinigung zweier Staaten massiv vorangetrieben und Deutschland konnte seine wirtschaftliche Stärke zurückerlangen. Bei der deutschen Bevölkerung kam die Wiedervereinigung insgesamt sehr gut an und viele Menschen feierten bereit 1990 in der neuen Hauptstadt Berlin ein geeintes Land. Viele ehemaligen DDR-Staatsbürger:innen erhofften sich Verbesserungen durch die soziale Marktwirtschaft und der bereits international anerkannten D-Mark. Ebenfalls hofften sich viele einen erleichterten sozialen Aufstieg und ein freieres Leben.
Der 3. Oktober ist nach wie vor ein symbolträchtiger Tag in der deutschen Geschichte und steht für ein geeintes, friedliches und demokratisches Deutschland dar.
Mit der Frage, ob tatsächlich alle Unterschiede zwischen Ost und West nach über 35 Jahren Wiedervereinigung behoben wurden und Menschen überall in Deutschland gleiche soziale Aufstiegschancen haben, beschäftige ich mich in Teil 3 meiner Artikelreihe.
Quellen:
https://www.bpb.de/kurz-knapp/hintergrund-aktuell/316069/35-jahre-deutsche-einheit/
https://www.bundesregierung.de/breg-de/schwerpunkte/deutsche-einheit/15-juli-1990-430096
https://www.bpb.de/kurz-knapp/lexika/das-junge-politik-lexikon/321238/teilung-deutschlands/
https://www.deutschlandfunk.de/mauerfall-vor-30-jahren-als-sich-deutsche-aus-ost-und-west-100.html