„Der Friede von Münster“ Gerard ter Borch (1648) Rijksmuseum Amsterdam
Wie den meisten bestimmt bekannt ist, hat Europa eine überaus kriegerische Vergangenheit. Allein auf Wikipedia werden hunderte bewaffnete Konflikte aufgeführt und vermutlich ist diese Liste unvollständig. Mal waren es verhältnismäßig kleine Kriege, mal welche mit globalem Ausmaß. Egal ob Rebellionen, Erbfolge- oder Unabhängigkeitskriege, die meisten hatten etwas gemeinsam; an ihrem Ende gab es Verhandlungen und somit Friedensverträge. Doch welche Folgen hatten diese für die Zeitzeugen und die Nachwelt? In dem folgenden Artikel werden drei bedeutende dieser Verträge aus der Neuzeit betrachtet.
Der Westfälische Frieden (1648)
Der erste Friedensvertrag auf dieser Liste ist zugleich der bekannteste von den dreien und aus der europäischen Geschichte überhaupt. Um genau zu sein, besteht der Westfälische Frieden aus zwei Verträgen: dem Osnabrücker Friedensvertrag und dem Münsterschen Friedensvertrag, die im Jahr 1648 den seit 1618 andauernden Dreißigjährigen Krieg beendeten.
Die Ursachen für den Beginn dieses Krieges in aller Ausführlichkeit darzustellen, wäre ein Thema für einen eigenen Artikel. Vereinfacht gesagt waren es jedoch vor allem konfessionelle Gegensätze und die Machtkonflikte innerhalb Europas, die den Krieg entfachten.
Nach drei Jahrzehnten voller Gewalt, Zerstörung und zahlreicher Seitenwechsel war keine der Konfliktparteien in der Lage, den Krieg militärisch für sich zu entscheiden. Weder der Kaiser des Heiligen Römischen Reiches aus dem Hause Habsburg noch seine Gegner aus Schweden, Frankreich und ihre jeweiligen deutschen Verbündeten. Der Frieden war am Ende keine ideale Lösung, sondern eine notwendige.
Gleichzeitig markierte dieser Friedensschluss einen historischen Wendepunkt: Er legte nicht nur neue territoriale Verhältnisse fest; so erhielten beispielsweise Frankreich Teile des Elsass und Schweden Gebiete in Norddeutschland, sondern schuf auch die Grundlage für das moderne Prinzip staatlicher Souveränität. Im Heiligen Römischen Reich bedeutete dies, dass die Fürsten mehr Selbstständigkeit gewannen, während die Macht des Kaisers stark beschnitten wurde. Außerdem wurde ein religiöser Ausgleich erreicht, der die drei großen Konfessionen, also Katholiken, Lutheraner und Reformierte, rechtlich gleichstellte.
Auch wenn der Frieden keineswegs alle Probleme löste, war er doch ein bedeutender Schritt hin zu einer neuen europäischen Ordnung und ein früher Vorläufer des modernen Völkerrechts.
Der Frieden von Utrecht (1713)
Der Frieden von Utrecht beendete zwar nicht den gesamten Spanischen Erbfolgekrieg, trug jedoch maßgeblich dazu bei, dass der Konflikt im Folgejahr zu einem Abschluss kam. Auslöser des Krieges war der kinderlose Tod des letzten habsburgischen Königs Spaniens, Karl II. Als einzige realistische Thronfolger galten Philipp von Anjou, der Enkel des französischen Königs Ludwig XIV., und der österreichische Erzherzog Karl, Sohn des Kaisers Leopolds I.
1700 bestieg Philipp den spanischen Thron, woraufhin im folgenden Jahr die Haager Große Allianz geschlossen wurde. Zu ihren Mitgliedern gehörten England (ab 1707 Großbritannien), das Heilige Römische Reich, Preußen, die Niederlande, Portugal und Savoyen. Ziel der Allianz war es, eine französische Hegemonie in Europa zu verhindern.
Nach neun Jahren Krieg starb der Kaiser Joseph I. (der neue Kaiser des Heiligen Römischen Reiches und Sohn von Leopold I.), und sein Bruder Karl wurde zum neuen Kaiser gewählt. England und Frankreich fürchteten nun ein zu mächtiges Habsburgerreich. Deshalb wurde 1712 der Friedenskongress von Utrecht einberufen, und 1713 schloss man den Frieden.
Der Vertrag hatte weitreichende Folgen für das europäische Gleichgewicht: Philipp wurde als König von Spanien anerkannt, jedoch unter der Bedingung, dass Frankreich und Spanien nie einen gemeinsamen Thron vereinen würden. Österreich erhielt als Ausgleich Gebiete in Italien und den Niederlanden. Den größten Gewinn erzielte Großbritannien, das französische Gebiete in Nordamerika sowie Menorca und Gibraltar erhielt. Auch Preußen und Savoyen wurden mit neuen Territorien belohnt.
Spanien, das über hundert Jahre hinweg an Macht verloren hatte, befand sich nun auf einem historischen Tiefpunkt. Frankreichs Expansion wurde gestoppt, doch eine vollständige Umklammerung durch feindliche Mächte war nicht mehr zu befürchten.
Der Frieden von Utrecht gilt als ein wichtiger Beginn des sich herausbildenden Mächtegleichgewichts in Europa. Aus diesem entwickelte sich in den folgenden knapp 100 Jahren die Pentarchie (das Mächtegleichgewicht der Fünf Großmächte aus Europa), die das politische Gefüge Europas entscheidend prägte.
Der Frieden von Lunéville (1801)
Der Frieden von Lunéville beendete 1801 offiziell den Krieg zwischen dem französischen Revolutionsstaat und dem Heiligen Römischen Reich. Ausgelöst wurden diese als Koalitionskriege bekannten Konflikte durch die Französische Revolution und die darauffolgende aggressive Außenpolitik Frankreichs, die das monarchische Europa herausforderte.
Im Jahr 1797 hatte Frankreich bereits den Frieden von Campo Formio mit Österreich geschlossen, doch die Spannungen hielten an. Nach der Bildung der Zweiten Koalition, zu der unter anderem Österreich, Großbritannien, Russland und das Osmanische Reich gehörten, wurde der Krieg erneut aufgenommen. Frankreich erzielte jedoch bedeutende militärische Erfolge, auch unter dem Kommando von Napoleon Bonaparte, der 1799 als Erster Konsul die politische Führung in Frankreich übernommen hatte.
Die Niederlage der Koalitionstruppen führte schließlich 1801 zur Einberufung eines Friedenskongresses in Lunéville, einer Stadt im heutigen Frankreich. Am 9. Februar 1801 wurde der Friede von Lunéville zwischen Frankreich und dem Heiligen Römischen Reich unterzeichnet.
Der Vertrag bestätigte die Gebietsverluste des Heiligen Römischen Reiches zugunsten Frankreichs, insbesondere in den Rheinlanden und in Italien. Zudem wurde die Auflösung einiger kleinerer Reichsstände im Westen des Reiches eingeleitet. Österreich verzichtete auf alle Ansprüche in den Niederlanden und auf Gebiete westlich des Rheins, die nun unter französischer Kontrolle standen.
Der Frieden von Lunéville festigte die territorialen Veränderungen, die bereits in Campo Formio begonnen hatten, und markierte einen Wendepunkt in den europäischen Machtverhältnissen. Frankreich war nun in Mittel- und Westeuropa dominanter als je zuvor. Für das Heilige Römische Reich bedeutete der Vertrag eine starke Schwächung seiner westlichen Grenzen und leitete den Prozess seiner politischen Neuordnung ein, der schließlich 1806 zur Auflösung des Reiches führte.
Langfristig hatte der Frieden von Lunéville weitreichende Folgen: In den linkrheinischen Gebieten wurde die französische Verwaltung und Rechtsordnung etabliert. Besonders bedeutsam war die Einführung des Code Civil, des französischen Zivilgesetzbuches, das dort bis weit ins 19. Jahrhundert, teilweise bis um 1900, in Kraft blieb. Dies führte zu einer Modernisierung der Rechtsstaatlichkeit und zur Abschaffung vieler Privilegien des Adels.
Außerdem trug der Frieden zur Neugestaltung der politischen Landkarte Europas bei, die Napoleons späterer Herrschaft den Weg ebnete. Die Auflösung kleinerer Reichsstände und die Konsolidierung von Territorien in Deutschland beschleunigten außerdem die Entwicklung hin zu größeren Nationalstaaten.
Fazit
Die drei Friedensverträge von Westfalen, Utrecht und Lunéville markieren entscheidende Wendepunkte in der Geschichte Europas. Sie zeigen, wie komplexe Konflikte nicht nur militärisch, sondern vor allem politisch und diplomatisch gelöst wurden und wie solche Vereinbarungen langfristige Auswirkungen auf die politische Landkarte und das Zusammenleben der Völker hatten. Ihre Bedeutung reicht weit über ihre Zeit hinaus und prägt das Verständnis von Staatlichkeit, Souveränität und internationaler Ordnung bis heute.
Quellen:
Arnke, Volker (Hrsg.) 2014. Auswahlbibliographie „Westfälischer Frieden und Dreißigjähriger Krieg“. Osnabrück: Universität Osnabrück.
Fondation Napoléon (o. J.). Treaty of Lunéville. Paris: Fondation Napoléon.
German Historical Institute (GHI) (o. J.). Peace Treaties of Westphalia (October 14/24, 1648). Washington, D.C.: German Historical Institute.
The National Archives (UK) (o. J.). The Treaty of Utrecht. Kew: The National Archives.
Performances of Peace: Utrecht 1713 (o. J.). Hrsg. (Open Access).