Beim täglichen oder wöchentlichen Lebensmitteleinkauf verschlägt es uns an die verschiedensten Orte, sei es die Obstabteilung im Supermarkt oder der nächstgelegene Wochenmarkt, auf dem alles frisch und handgemacht aussieht. Nicht zu vergessen die kleinen innerstädtischen Läden, vor deren Eingängen sich Kisten voller buntem Gemüse stapeln, um nur ein paar Beispiele zu nennen. Einige Menschen bevorzugen aus vielfältigen Gründen den Konsum von Lebensmitteln aus ihrer unmittelbaren Region. So versucht man beispielsweise, die lokale Wirtschaft zu unterstützen, möchte die Umwelt schützen oder erhofft sich gar gesundheitliche Vorteile. Letztere lassen sich jedoch keinesfalls allein aus dem Herstellungsort eines Produkts ableiten. Auf die geografische Herkunft der Waren verweisen meist die vorhandenen Beschilderungen, wie es in Deutschland etwa für frisches Gemüse oder Eier vorgeschrieben ist. Aktuell findet man in Supermärkten oder Discountern häufig Schriftzüge und Werbungen mit Slogans wie „aus der Region“ oder „aus unserer Heimat“. Die Verbraucherzentrale in Bremen warnt bei derartigen Angaben vor einer möglichen Intransparenz. So passiere es häufig, dass Verbraucher:innen die Bewerbung von Lebensmitteln als „regional“ mit einer Angabe von deren tatsächlicher Herkunft verwechselten, obwohl es sich in Teilen nur um Aussagen über den Verpackungsort handele. Hierbei ist ein Problem, dass es für die Kennzeichnung der spezifisch regionalen Herkunft der Lebensmittel in Deutschland noch immer an gesetzlich verpflichtenden Vorgaben mangelt. Bekannte Labels, wie etwa das Regionalfenster, basieren meist auf privatwirtschaftlicher Freiwilligkeit. Das hellblau-weiße Rechteck, welches auf den Verpackungen von Obst und Gemüse, Fleisch und Wurstwaren oder Eierkartons zu sehen ist, gibt Auskunft über den Ursprungs- und Verarbeitungsort sowie den regionalen Anteil einer Ware. Ebenfalls mit angegeben werden die Kontrollinstanzen zur Einhaltung dieser Standards.

Auch der Europäischen Kommission ist die Relevanz von Regionalität als Bestandteil des europäischen Lebensmittelkonsums bekannt. In einer von ihnen in Auftrag gegebenen Umfrage von 2020, waren es insbesondere slowenische, schwedische und deutsche Befragte, denen es beim Einkauf besonders wichtig war zu wissen, woher genau ihr Essen stammt. 

%

Der befragten Europäer:innen halten lokale und kurze Versorgungsketten außerdem für eines der wichtigsten Merkmale von nachhaltigem Essen.

Die bestehenden, freiwilligen europäischen Gütezeichen für Lebensmittel wie etwa die „geschützte geografische Angabe (g.g.A.)“ oder die „geschützte Ursprungsbezeichnung (g.U.)“, sind unterschiedlich stark aussagekräftig, was die tatsächliche Regionalität von verarbeiteten Lebensmitteln betrifft. Bei einer g.U. müssen alle Produktionsschritte in der jeweiligen ausgezeichneten Region erfolgen und ein objektiv enger Bezug zwischen dem Produkt und dessen geografischer Herkunft bestehen. Während es in einer g.g.A. ausreichend ist, wenn lediglich einer der Verarbeitungsschritte in der für das Produkt ausgewiesenen Region stattgefunden hat. So wäre es beispielsweise bei einem Bremer Klaben (g.g.A.) für das Gütezeichen ausreichend, wenn dieser in der Stadt Bremen gebacken wurde, obwohl einige der verwendeten Zutaten möglicherweise nicht aus Bremen oder der unmittelbaren Umgebung stammen. Für Menschen, denen die regionale Herkunft ihrer Einkäufe besonders am Herzen liegt, können die vorhandenen Kennzeichnungen und Gütesiegel eine Orientierungshilfe beim Einkauf bieten. Dennoch braucht es für deren langfristige Wirksamkeit mehr Transparenz gegenüber den Verbraucher:innen und insgesamt strengere Vorgaben.

Egal, wohin es uns also bei unserem nächsten Einkauf verschlägt, es ist immer lohnenswert, einen Blick darauf zu werfen, woher unsere Lebensmittel tatsächlich stammen, herauszufinden, unter welchen Umständen sie produziert worden sind und darauf zu achten, wie genau sie beworben werden. Dann wird schnell offensichtlich, dass nicht immer alles tatsächlich so zu sein scheint, wie es inszeniert wird. Ein Blick in den Einkaufskorb reicht jedoch aus, um festzustellen: Europa ist in jedem Falle mit von der Partie.

NABU, Regional ist eine gute Wahl.Von der Schwierigkeit, regionale Lebensmittel zu erkennen:

https://www.nabu.de/umwelt-und-ressourcen/oekologisch-leben/essen-und-trinken/bio-fair-regional/labels/15596.html

Bundesministerium für Landwirtschaft, Ernährung und Heimat (BMLEH), "Schutz von geografischen Angaben und Namen traditioneller Spezialitäten für Agrarerzeugnisse und Lebensmittel":

https://www.bmleh.de/DE/themen/landwirtschaft/agrarmaerkte/geschuetzte-bezeichnungen.html

Bild

Fridolin freudenfett (2020): Wilmersdorf Wochenmarkt Hohenzollernplatz. Fotografie. Verfügbar unter: https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Wilmersdorf_Wochenmarkt_Hohenzollernplatz-001.jpg?uselang=de, via Wikimedia Commons, CC BY-SA 4.0.