Es ist der 10. August 1628. Die Stockholmer gucken in die nach der Stadt benannten Bucht und sehen dort die Vasa. Dieses neueste Schiff der schwedischen Marine beginnt an jenem Tag ihre Jungfernfahrt. Die Besatzung gibt Salutschüsse aus einigen ihrer 64 Kanonen ab, als plötzlich eine Brise aufkommt. Kurz darauf sehen die Zuschauer, wie das Schiff Schlagseite bekommt und kurz darauf untergeht. Wie konnte dies nur geschehen?
Bevor diese Frage beantwortet wird, sollte man jedoch erst einmal gucken, wieso dieses waffenstarrende Schiff überhaupt gebaut wurde.
Im Jahr 1628 ist Gustav II. Adolf bereits seit 17 Jahren König von Schweden. Zu Beginn seiner Regierungszeit ist er mit gleich drei Kriegen konfrontiert. Gegen Dänemark im Kalmarkrieg, gegen Russland im Ingermanländischen Krieg und gegen Polen-Litauen im Polnisch-Schwedischen Krieg. Zumindest die ersten beiden werden in zwei bzw. sechs Jahren beendet. An Dänemark muss Schweden zwar die Finnmark (ganz im Norden des heutigen Norwegens) abtreten, von Russland bekommt es jedoch wenig später das Ingermanland. Dies ist das Gebiet, das sich heute in etwa rund um die Region von St. Petersburg befindet. Dadurch verliert Russland zunächst den Zugang zur Ostsee und Schweden hat dort zeitweise eine Monopolstellung.
Der Polnisch-Schwedische Krieg hingegen dauert länger an. Von 1600 bis 1629 tobt dieser Krieg im Ostseeraum. Auch wenn er nicht durchgehend geführt wird, bestimmt er doch die Politik der beteiligten Länder. Gustav II Adolf kämpft dabei gleichzeitig gegen seinen Cousin Sigismund III. Wasa. Dieser ist seit 1587 der König von Polen und Großfürst von Litauen und beansprucht auch bis zu seinem Tod den schwedischen Thron.
Als Gustav II Adolf den Thron besteigt, ist Schweden ein verhältnismäßig armes Land. Der König wollte dies jedoch ändern und Schweden zu der Großmacht Nordeuropas machen. So gelingt es ihm 1621 Riga zu erobern und Livland nach dem Frieden mit Polen-Litauen ganz in Besitz zu nehmen. In diesen Kriegen verliert Schweden jedoch nach und nach seine Flotte.
Als Ersatz und zur Darstellung seiner Macht gab der König ein neues, mächtiges Schiff, die Vasa, benannt nach seiner Dynastie, in Auftrag.
Es war ein gewagtes Vorhaben. Anders als die anderen Kriegsschiffe der Zeit sollte die Vasa zwei statt nur ein Kanonendeck haben. Aufgrund eines Wechsels in der Strategie brauchte man mehr Kanonen. Während früher feindliche Schiffe vor allem geentert wurden und Schiffe daher ein hohes Achterdeck besaßen, sollte der Gegner jetzt zuerst möglichst kampfunfähig geschossen und dabei auch große Teile seiner Besatzung getötet werden. Zu diesem Zeitpunkt gab es jedoch nur zwei andere Schiffe mit doppelten Kanonendecks, daher war auch dieses Wissen noch nicht verbreitet.
Da es auch an modernen Instrumenten fehlte, um Gewicht und Maße abzustimmen, nutzte man die bewährten Modelle als Vorbilder. Dies hatte zur Folge, dass ein stark verziertes, großes Achterdeck am Heck des Schiffes gebaut wurde und zeitgleich auch das zweite Kanonendeck. Dadurch wurde die Vasa sehr kopflastig und das Gewicht des im Wasser liegenden Teils war nicht genug, um den über dem Wasser Liegenden auszubalancieren. Zu allem Überfluss war das Schiff auch noch nicht breit genug. Dieses Problem wurde von der Besatzung auch erkannt und ein Schiffsoffizier ließ den Laderaum auch noch beladen, damit es tiefer im Wasser liegen würde, dem musste jedoch Einhalt geboten werden, da die Kanonenluken sonst zu nah an der Wasseroberfläche gelegen hätten. Kurz vor dem Auslaufen wurde die Stabilität getestet. Bereits dort schwankte das Schiff bedenklich und daher wurden diese Tests schnell beendet.
Dies hätte die Verantwortlichen bereits bedenklich stimmen müssen. Trotzdem geschah dann das, was eingangs beschrieben wurde. Nach den Salutschüssen kam plötzlich Wind auf und die Vasa neigte sich auf die eine Seite, dadurch gelang Wasser durch die Kanonenluken und das 69 Meter lange Schiff konnte sich nicht mehr aufrichten. Nach einer Fahrt von nur 1300 Metern ging die Vasa unter und riss etwa 30 Menschen mit in den Tod.
Bei einem Prozess danach wurden die baulichen Probleme zur Kenntnis genommen und niemand von den beteiligten Personen des Unglücks verurteilt, der Konstrukteur war bereits verstorben. Es wurde aus diesen Fehlern jedoch gelernt. Ein Jahr später lief das Schwesterschiff der Vasa, die Äpplet, vom Stapel. Diese war um einen Meter breiter und konnte damit das Gewicht besser verteilen.
Schwedens König war zu diesem Zeitpunkt gar nicht in Stockholm. Er befand sich in Polen auf einem Feldzug. Er überlebte das Prestigeprojekt jedoch auch nicht lange. Nachdem Schweden 1630 aufseiten der Protestanten in den Dreißigjährigen Krieg eingetreten war, starb Gustav II Adolf am 16. November 1632 während der Schlacht von Lützen. Sein Ziel, Schweden zu der Großmacht Nordeuropas zu machen, konnte jedoch eine Zeitlang realisiert werden. Erst zu Beginn des 18. Jahrhunderts verlor es diese Position.
Ab 1957 wurde die Vasa stückweise geborgen und bis 1990 konserviert. Seitdem kann man sie im Vasa Museet in Stockholm angucken und dabei auch etwas über die Menschen an Bord und Handelswege in der Ostsee lernen.
Quellen:
Schmiedke, Daniel (2006): Die Vasa Geschichte des schwedischen Prunkschiffes, Koehler & Amelang
Website Vasa Museet: https://www.vasamuseet.se/de
Bild: Wikipedia