Die Geschichte des Christopher-Street-Days
Der Christopher-Street-Day entsprang dem Stonewall-Aufstand 1969 in New York. In der Nacht zum 28.06.1969 fand eine Polizei-Razzia in der Schwulenbar „Stonewall Inn“ in der Christopher Street statt, der sich erstmals widersetzt wurde. Noch in der gleichen Nacht entsteht eine gewaltsame Demonstration vor und in der Bar, die erst durch eine Spezialeinheit der Polizei aufgelöst werden kann. In den darauffolgenden Tagen und Nächten laufen die Demonstrationen jedoch weiter. Ein Jahr nach dem Stonewall-Aufstand fand in New York der erste „Christopher Street Liberation Day“ statt, an dem etwa 4000 Personen teilnahmen, die an das Ereignis im vorigen Jahr erinnerten. Auch in weiteren Städten in den USA und Europa wurde in den nachfolgenden Jahren der „Christopher-Street-Day“ begangen. Heute gilt der Stonewall-Aufstand als Startpunkt der Schwulenbewegung.
CSD heute
Allein in Deutschland sind für dieses Jahr 240 Termine für CSD-Paraden angekündigt. In ganz Europa sollen knapp 500 Paraden stattfinden. In Köln haben letztes Jahr 60.000 Personen am CSD teilgenommen, in Brüssel waren es 70.000 und in Rom um die 150.000 Personen. Heute haben viele Menschen, wenn sie an CSDs denken eher schrille Partys, leicht bekleidete Feiernde und laute Musik im Kopf. Die Frage kann aufkommen, was die CSDsvon heute noch mit dem Befreiungskampf von damals zu tun haben. Doch trotz der meist ausgelassenen Stimmung und der Partylaune wird auch heute auf den Demonstrationen für persönliche Freiheit gekämpft und die queere Gemeinschaft sichtbar gemacht. Denn in Zeiten, in denen in ganz Europa ein politischer Rechtsruck stattfindet, ist es umso wichtiger für die eigenen Freiheiten zu kämpfen und diese zu nutzen. Die Amadeu Antonio Stiftung berichtet: „Während der diesjährigen CSD-Saison kam es bundesweit bei nahezu jedem zweiten CSD zu Angriffen oder Störungen, von denen fast die Hälfte rechtsextremen Täter*innen zugeordnet werden konnte.“ In Gelsenkirchen beispielsweise musste der CSD 2025 abgesagt werden, da die Polizei von einer „abstrakten Gefahrenlage“ sprach.
Die Sicherheit queerer Personen in der EU
Bei einer offiziellen Umfrage der EU-Kommission aus dem Jahr 2023 zur Diskriminierung in der Europäischen Union gaben 54 Prozent der Befragten an, dass in ihrem Land Diskriminierung aufgrund von sexueller Identität weit verbreitet ist. Die Ergebnisse der dritten LGBTI-Survey der EU-Grundrechteagentur aus 2024 sagen, dass sich 38 Prozent der befragten queeren Personen aus Deutschland aufgrund ihrer sexuellen Orientierung und/oder Geschlechtsidentität im Jahr vor der Umfrage diskriminiert fühlten, der EU-Durchschnitt liegt hier bei 37 Prozent. Die Anzahl der bei der Polizei gemeldeten Straftaten gegen LSBTIQ* Personen lag im Jahr 2023 bei 1.785, das sind rund 600 mehr als im Jahr zuvor. Durch diese Zahlen wird sichtbar, dass es nach wie vor sinnvoll und nötig ist, die queere Gemeinschaft zu stärken und für ihre Rechte zu kämpfen. Die EU verfügt seit 1990 über die Befugnis, in Fällen von Diskriminierung aufgrund der sexuellen Ausrichtung tätig zu werden. Sie setzt sich schon lange für die schrittweise Bekämpfung von Diskriminierung aufgrund der sexuellen Ausrichtung und der geschlechtlichen Identität ein. So ist es zum Beispiel seit 2003 illegal, Personen aufgrund ihrer sexuellen Orientierung am Arbeitsplatz zu diskriminieren. 2016 hat sich die Europäische Kommission außerdem auf einen Verhaltenskodex geeinigt, der Hassreden gegen die queere Community im Internet einschränken soll. Auch wenn alle EU-Bürger:innen das Recht haben, sich innerhalb der EU frei zu bewegen, können vor allem queere Paare in der Praxis in ihrem Recht eingeschränkt werden, da alle EU-Mitgliedstaaten ihre eigenen Ehe-Gesetze beschließen.
Mit dem Hintergrund der Entstehung des Christopher-Street-Days und der heutigen Sicherheitslage von queeren Personen in der EU halte ich es durchaus für sinnvoll die Pride Paraden fortzusetzen. Nicht nur um zusammen zu feiern und ein Gefühl der Gemeinschaft zu erleben, sondern auch um weiterhin für Freiheiten und Rechte zu kämpfen und Sichtbarkeit zu schaffen.
Quellen:
Bild: eigene Aufnahme, CSD in Vilnius 2025
https://op.europa.eu/webpub/com/factsheets/lgbti/de/
https://europa.eu/eurobarometer/surveys/detail/2972
https://www.bka.de/DE/AktuelleInformationen/StatistikenLagebilder/Lagebilder/Sicher
heitLSBTIQ/SicherheitLSBTIQ_node.html
https://www.zdfheute.de/panorama/gelsenkirchen-csd-abgesagt-100.html
https://www.amadeu-antonio-stiftung.de/angriffe-auf-csds-erreichen-2025-
rekordniveau-151491/