Seit gut einem Jahr verbringen Studierende in der Regel viel mehr Zeit Zuhause als früher und demnach auch in ihren (WG-)Küchen. Es wird gekocht, abgewaschen und Lebensmittel müssen irgendwie verstaut werden. Alltag eben. Doch wie schafft man es, mit wenig Zeit und (fast) keinem Geld etwas mehr Nachhaltigkeit in die Küche zu bringen?

Alleine in Deutschland landen jährlich 6,3 Millionen Tonnen Kunststoffe auf dem Müll. 5,4 Millionen Tonnen stammen dabei von privaten und gewerblichen Endverbrauchern. Rechnet man dies auf den durchschnittlichen Anteil pro Person aus, so kommt man auf eine stattliche Summe von 76kg Kunststoffmüll. Das diese Zahlen für ein großes globales Problem stehen, ist uns allen vermutlich schon lange klar. Und trotzdem ist es oft im Alltag gar nicht so einfach, all die Plastikproduzierenden und -vermarktenden nicht doch ein klein wenig durch den eigenen Konsum zu unterstützen; entweder mangelt es an leicht zugänglichen Alternativangeboten, die nachhaltig und plastikfrei produziert wurden oder diese Alternativen sind – zumindest für den studentischen Geldbeutel – keine Dauerlösung.

Aus diesem Anlass habe ich für euch drei leicht umsetzbare DIY-Ideen zusammengesucht, mit denen ihr euren Plastikmüll in der Küche zumindest etwas reduzieren könnt. Es ist zwar kein Allheilmittel für dieses riesengroße Problem der Vermüllung unseres Planeten und explizit der Ozeane, aber irgendwo muss man ja anfangen, wenn man nicht nur tatenlos so weitermachen möchte wie bisher.

Die Ideen, die ich vorstellen möchte, sind allesamt kostengünstig nachzumachen, enthalten zum Teil auch Upcycling-Aspekte und belasten die Umwelt nicht so wie ihre Plastik-Kollegen dies tun.

Viel Spaß beim Nachmachen! Teilt eure Ergebnisse oder weitere Ideen gerne mit uns auf unserem Instagram-Account!


Bienenwachstücher

Wachstücher sind nun wirklich keine neue Erfindung, aber eine ganze Zeit lang ziemlich in Vergessenheit geraten. Eine super Sache, um Lebensmittel ordentlich wegzupacken oder Schüsseln etc. zu bedecken, eben ein Ersatz für die allseits genutzte Frischhaltefolie, die dann über Umwege gerne mal in den Ozeanen landet. Wirklich günstig ist der Spaß jedoch nicht, auch wenn man die Tücher viele Male wiederverwenden kann.

Dabei ist Selbermachen gar nicht so schwer und geht auch recht schnell und günstig. Alles, was man dafür benötigt, sind (alte) Geschirrtücher, etwas Wachs (ich habe Bienenwachspastillen genutzt, es soll aber auch vegane Varianten geben, die hier funktionieren), Öl, Backpapier und einen Ofen oder ein Bügeleisen.

Für meinen ersten Versuch wurden gezielt alte Geschirrtücher genommen, aus denen ich die noch unbefleckten Stellen mit einer Stoffschere herausgeschnitten habe, so erhalten sie einen aufgewerteten neuen Nutzen. Die Stoffstücke kann man vor dem Bestreuen mit Wachspastillen mit Öl bestreichen, so bleiben sie später etwas geschmeidiger. Dafür eignet sich so ziemlich jedes Öl, das nicht schnell ranzig wird. Die Tücher werden in der gewünschten Größe entweder auf ein Backblech mit Backpapier oder zwischen zwei Lagen Backpapier gelegt. In meinem Falle habe ich sie in den Backofen bei 90 Grad geschoben und ein paar Minuten gewartet, bis das Wach vollständig geschmolzen ist. Danach kann man das Wachs mit einem Pinsel ein wenig verstreichen, falls es sich nicht gleichmäßig verteilt hat. Achtung, Anfängerfehler: Man (ich) nimmt schnell zu viel Wachs und hat daraufhin eher ein Brett als ein geschmeidiges Tuch. Weniger ist hier mehr. Die Tücher trocknen sehr schnell, daher sollten sie schnell vom Backpapier gelöst werden, damit das Wachs nicht stellenweise verloren geht. Zum Trocknen kann man sie gut auf einen Wäscheständer legen und bald darauf schon seine ersten Lebensmittel darin einschlagen.

Kostenpunkt: geschätzt ein Euro für die Wachspastillen beim Upcyceln alter Geschirrtücher.


Tawashi-Schwamm

Schwämme kosten nun wirklich nicht viel, sind aber ein fast genauso großes Wegwerfprodukt, wie die vorher thematisierte Frischhaltefolie. Außerdem lösen sich beim Spülen gerne kleine Teilchen des Plastikschwamms und gelangen so in die Gewässer. Nachhaltiger und völlig umsonst geht es wiederum mit einem sogenannten Tawashi-Schwamm. Diese Upcycling-Idee stammt aus Japan und steht für das Herstellen von Schwämmen aus alten Socken, Ärmeln oder Strumpfhosen. Also alles Dinge, die früher oder später in der Altkleidertonne oder manchmal auch einfach im Müll landen. Zusätzlich benötigt ihr noch ein Brett und ein paar Nägel; in meinem Falle habe ich ein altes Holzschneidebrett genommen, das sowieso bald den Geist aufgegeben hätte.

Auf das Brett zeichnet ihr mit einem Bleistift ein Quadrat (z.B. 15 x 15 cm) und schlagt entlang eurer Linie alle 1,5 cm einen Nagel ein (in diesem Falle wären das dann 36). Ihr könnt auch kleinere oder größere Schwämme (oder Topflappen, Waschlappen, Untersetzer, …) auf diese Weise herstellen, dann müsst ihr einfach entsprechend größere/kleinere Quadrate mit mehr oder weniger Nägeln bestücken. Jetzt kommt der spaßige Teil: ihr schneidet eure Socken in Streifen. Die 1 cm breiten Streifen spannt ihr nun von oben nach unten über die (in diesem Falle neun) Nägel. Nun macht ihr das gleiche von links nach rechts oder rechts nach links, mit dem Unterschied, dass ihr dabei die Sockenringe miteinander verwebt. Ist auch dieser Teil geschafft, könnt ihr die Ränder „vernähen“, indem ihr im Kreis immer eine Schlaufe vom Nagel abhebt, sie festhaltet und die nächste Schlaufe durch die erste zieht (es erinnert etwas an Häkeln). Das macht ihr den ganzen Rand entlang und bis zur letzten Schlaufe, den ihr verknotet und dadurch eine praktische Schlaufe zum Aufhängen bildet.

Kostenpunkt: gar keiner, wenn man alte Socken oder andere entbehrliche schlauchförmige Kleidungsstücke parat hat.


Spülmittel

Herkömmliches Spülmittel enthält neben häufig vorkommendem Mikroplastik oft noch chemische Zusätze, die die Umwelt und / oder die Haut reizen. Abgesehen davon wird Spülmittel in der Regel in großen Plastikflaschen verkauft, selten mal in Nachfüllbeuteln (die ebenfalls aus Plastik sind). Spülmittel selber zu machen ist dabei gar nicht schwer, wenn man nur weiß wie, und günstig noch dazu. Ihr braucht dazu Kernseife, Natron und Wasser, optional auch ein ätherisches Öl (ich verzichte der Verträglichkeit halber darauf). In Drogerien oder größeren Supermärkten bekommt ihr alles meist sogar plastikfrei verpackt.

Ihr reibt ca. 15 g der Seife und rührt sie mit einem Schneebesen in 500 ml heißes Wasser, bis sich die Seife vollständig aufgelöst hat. Danach nehmt ihr den Topf vom Herd und rührt immer wieder, bis eure Seifenlösung erkaltet ist. Nun gebt ihr noch ca. 3 TL Natron hinzu und fertig ist euer selbst hergestelltes Spüli! Dieses könnt ihr nun in eine alte Spülmittelflasche umfüllen, eine Trinkflasche nehmen und dort den Verschluss einer Spülmittelflasche raufschrauben oder auch eine Glasflasche als Behältnis der Wahl verwenden, wenn ihr nicht allzu ungeschickt beim Abwaschen seid.

Kostenpunkt: wenige Cent für etwas Seife und Natron.

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