In den vergangenen Wochen und Monaten hat die Campus EULe häufig über das Studieren unter den sehr besonderen Bedingungen des Jahres 2020 berichtet. Nun neigt sich dieses unvergessliche Jahr dem Ende zu, sodass wir an dieser Stelle unseren Blick auf eine andere mindestens genauso betroffene Gruppe richten möchtendie Bewohner:innen der Alten- und Pflegeheime.

All die Kontaktbeschränkungen der letzten Monate, die Hygienevorschriften und die neuen Erschwernisse im Alltag haben diese ebenso betroffen, wie uns Studierende. Jedoch mit dem Unterschied, dass wir meist über die Fähigkeiten und Gerätschaften verfügen, uns zumindest digital zu vernetzen, was bei Mitbürger:innen höheren Alters oft nicht der Fall ist und schnell zu Gefühlen von Einsamkeit führen kann.

Nun stehen die Weihnachtstage sowie der Jahreswechsel vor der Tür, eine Zeit, in der man sich meist nach seiner Familie sehnt und über welche in den Medien momentan heiß diskutiert wird. Was darf man und was nicht? Was ist fahrlässig und worauf möchte man keineswegs verzichten?

Da die Bewohner:innen der Heimstiftung in der Regel zu Risikogruppen gehören, was die Gefahr bezüglich einer Covid-19-Infektion betrifft, sind hier besonders strikte Regeln einzuhalten, um das Infektionsrisiko so gering wie möglich zu halten. Das bedeutet allerdings auch, dass Besuche von Verwandten nur sehr eingeschränkt ermöglicht werden können; selbst das gemeinsame Singen in Heimen wurde (ähnlich wie in Schulen) untersagt, um die Aerosolbildung zu minimieren.

Dass hier etwas passieren muss, gerade zu dieser Zeit des Jahres, hat sich unter Anderem die Leiterin des Stiftungsdorfes Rönnebeck Annabell Karbe gedacht und im Rahmen der Kontakt-Initiative (siehe Box 1) einen „Durchhaltekalender“ entworfen. Die Leitfrage, die sie sich dabei stellte, war: „Wie geht es momentan den alten Menschen – und wie geht es den Menschen in Pflegeberufen?“. Da im Stiftungsdorf Rönnebeck 180 Senioren wohnen, die von 90 Personen gepflegt und versorgt werden, hat sie einen sehr klaren Eindruck davon, mit welchen alltäglichen Herausforderung diese beide Gruppen konfrontiert werden.

Box 1:

Die Kontakt-Initiative von Uni Bremen, der Bremer Heimstiftung und Autoren von Radio Bremen

Die Kontakt-Initiative wurde im April 2020 im ersten Corona-bedingten Lockdown als Satellit einer Biologie-Veranstaltung der Universität Bremen ins Leben gerufen. Ziel der Initiative war und ist, einen Beitrag gegen die Corona-bedingte Isolation von Seniorinnen und Senioren in Alten- und Pflegeheimen zu leisten. Heute setzt sich die Initiative zusammen aus Mitgliedern der Universität Bremen und der Bremer Heimstiftung sowie Autoren von Radio Bremen.

Der „Durchhaltekalender“ soll durch seine vielfältig gestalteten Seiten, auf denen sich Aquarellmalereien, Gedichte und selbst Yoga-Übungen finden lassen, zwei Mal pro Woche einen kleinen Lichtblick in die momentan eher trüben Umstände bringen.

In den nächsten Tagen sollen die mittlerweile beachtlichen 1500 Exemplare kostenlos an Häuser der Heimstiftung sowie ausgewählte Bremer Krankenhäuser verteilt werden. Ermöglicht wurde dies durch finanzielle Unterstützungen der Heimstiftung selbst, aber auch durch Mitarbeiter der Universität Bremen sowie private und anonyme Spenden.

Annabell Karbe plant, noch weiter zu expandieren – sie möchte den Zugang zum „Durchhaltekalender“ auch digital ermöglichen, sodass möglichst viele Personen von ihm profitieren können. An einer Umsetzung hiervon wird derzeit noch getüftelt.

Im Rahmen der Kontakt-Initiative haben es sich Studierende der Universität Bremen zudem zur Aufgabe gemacht, die Bewohner:innen der Heimstiftung durch Eigeninitiative und künstlerische Fähigkeiten aufzumuntern und durch die dunklen Tage des Jahres zu begleiten.

In Zusammenarbeit mit weiteren Studierenden und mit Hilfe verschiedener Musikinstrumente haben die Musiker*innen Kara Tober und Tim Prolingheuer speziell für diesen Zweck besinnliche Musik aufgezeichnet, um diese in Form von CDs den „Durchhaltekalendern“ beizulegen. Der momentan untersagte Gesang soll so wieder zurück in die Häuser der Heimstiftung kehren. Bei der Umsetzung wurden keine Mühen gescheut: selbst Aufnahmen auf einer Kirchenorgel – die für viele fester Bestandteil der Adventszeit ist – sind auf der CD zu finden, neben herzlichen Passantengrüßen sowie klassischen Gedichten wie „Knecht Ruprecht“, die unter Anderem von einem Sprecher Radio Bremens vorgetragen wurden.

Dass viele helfende Hände wirklich Großartiges und Schönes bewirken können, lässt sich wunderbar an diesen Beispielen sowie dem folgenden erkennen.

Rita Groß-Hardt ist Professorin im Fachbereich 2 der Universität Bremen und bereits seit April mit der Bremer Heimstiftung in Kontakt. Zusammen mit engagierten Studierenden ist sie momentan dabei, ein neues Projekt auf die Beine zu stellen, das die selbe Zielstellung wie bereits erwähnte Projekte verfolgt.

Da die Bewohner:innen der Heimstiftung oftmals nicht dazu in der Lage sind, über virtuelle Wege Bekanntschaften zu schließen, möchte sie einen neuen und doch ganz klassischen Weg der Kommunikation eröffnen. „Eine Uni – viele Briefe“ soll für eine Welle studentischer Briefe stehen, die an ausgewählte Häuser der Bremer Heimstiftung versandt werden.

Das Prinzip ist simpel und leicht umzusetzen: es wird ein Brief eigenständig verfasst, in welchem von den verschiedensten Aspekten des Lebens oder Alltags berichtet werden kann und Fragen an den noch unbekannten Empfänger gestellt werden können. Was genau geschrieben wird, steht dem Verfasser/der Verfasserin frei, der Kreativität sind hierbei keine Grenzen gesetzt – wer gerne malt, fotografiert oder dichtet, ist herzlich dazu eingeladen, seinem Brief so eine ganz persönliche Note zu verleihen. Nur groß und gut leserlich sollte er verfasst sein, um der Zielgruppe auch gerecht zu werden.

Der Brief wird daraufhin selbstständig von ihm/ihr verschickt und mit etwas Glück erhält er/sie eine Antwort von einem Bewohner/einer Bewohnerin der Heimstiftung. Der Zuordnung halber wird auf die Rückseite des Briefumschlages „Eine Uni – viele Briefe“ geschrieben; die Mitarbeiter:innen des jeweiligen Hauses wissen dann, wie zu verfahren ist. Möglicherweise entstehen dadurch ungeahnte Brieffreundschaften; im „schlimmsten“ Fall freut sich eine fremde Person einfach über ein paar nette Worte. Es gibt also wenig zu verlieren, aber durchaus so einiges zu gewinnen.

Koordiniert wird die Aktion von den zwei Studentinnen Kaatje Knüwer und Marie Lengert, die bereits auf StudIP eine entsprechende Studiengruppe eröffnet haben. Hier können sich interessierte Studierende im Wiki für eines der zur Verfügung stehenden Häuser eintragen und damit ihre Bereitschaft zur Teilnahme an dem Projekt bekunden. Weitere Informationen und Tipps zum Verfassen sowie die entsprechenden Anschriften sind dort ebenfalls vorzufinden.

Wer nicht (mehr) studiert und trotzdem gerne an der Aktion teilnehmen möchte, ist mehr als willkommen und kann gerne über die E-Mail-Adresse der Campus EULe eule@uni-bremen.de (z.H. Sarah) oder unseren Instagram-Account @campus.eule mit uns in Kontakt treten.

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