Eine Podcast-Reihe über Die Pest von Albert Camus: „Studentische Blicke ins Buch und darüber hinaus“

Diese Podcast-Reihe bietet studentische Perspektiven auf das Buch Die Pest. Meike Bogmaier, Studentin der Philosophie und der Kulturwissenschaft an der Universität Bremen, lädt jeweils eine Kommilitonin oder einen Kommilitonen zu Gast, um mit ihr bzw. ihm über ein ausgewähltes Zitat, darin angesprochene Fragen und mögliche Aktualitätsbezüge zu sprechen.

 

Episode n° 6: Über Grenzen von Solidarität

 

Zitat zur Episode 6 mit Jonas Ludwig:
«Während Rieux den Freudenschreien lauschte, die aus der Stadt aufstiegen, erinnerte er sich nämlich daran, dass diese Freude immer bedroht war. Denn er wusste, was dieser Menge im Freudentaumel unbekannt war und was man in Büchern lesen kann, dass nämlich der Pestbazillus nie stirbt und nie verschwindet, dass er jahrzehntelang in den Möbeln und in der Wäsche schlummern kann, dass er in Zimmern, Kellern, Koffern, Taschentüchern und Papieren geduldig wartet und dass vielleicht der Tag kommen würde, an dem die Pest zum Unglück und zur Belehrung der Menschen ihre Ratten wecken und zum Sterben in eine glückliche Stadt schicken würde.» (Camus, Albert (19471): Die Pest. Hamburg: Rowohlt, 2018, S.350.)

Mit diesem Zitat endet das Buch Die Pest. Für uns war es Anlass über Solidarität und ihre Grenzen zu sprechen: Was ist Solidarität? Was bedeuten Pandemien und Kriege für den solidarischen Umgang zwischen Menschen? Gibt es unterschiedliche Formen von Solidarität? Wo sind ihre Grenzen?

Auch dieses Mal sind Sie und seid Ihr herzlich eingeladen, unseren Überlegungen zu folgen, um mit uns über das Zitat nachzudenken!

 

Episode n° 5: Über Hoffnung

 

Zitat zur Episode 5 mit Alina Schwennen:
«Im Übrigen kann man sagen, dass die Herrschaft der Pest von dem Augenblick an beendet war, als für die Bevölkerung ein kleiner Funke Hoffnung möglich wurde.» (Camus, Albert (19471): Die Pest. Hamburg: Rowohlt, 2018, S.306.)

Hoffnung war dieses Mal, befeuert durch das Zitat, Thema des Podcasts: Was ist Hoffnung und inwiefern unterscheidet sie sich von Erwartungen? Können wir auch hoffen wenn es uns gut geht oder geht das nur wenn wir in auswegslosen Situationen feststecken? Für wen lässt sich hoffen und ist Hoffnung Motivationsgeberin? Regt sie zum eigenständigen Handeln an oder verleitet sie zu warten auf ein Wunder? Wie immer sind Sie und seid Ihr herzlich eingeladen, unseren Überlegungen zu folgen, um mit uns über das Zitat nachzudenken!

 

Episode n° 4: Über Freiheit

 

Zitat zur Episode 4 mit Anna Rode:
«Wie hätten sie an die Pest denken sollen, die Zukunft, Ortsveränderungen und Diskussionen aufhebt? Sie hielten sich für frei, und niemand wird je frei sein, solange es Plagen gibt.» (Camus, Albert (19471): Die Pest. Hamburg: Rowohlt, 2018, S. 46 – 47.)

In diesem Zitat ließ sich das Motiv der Freiheit entdecken. Daher kamen im Podcast unter anderem folgende Fragen auf: Was bedeutet es frei zu sein? Sind damit die Möglichkeiten gemeint, die wir tagtäglich haben? Wieso nehmen wir nicht jede Möglichkeit, die wir haben, wahr? Was hindert uns daran frei zu entscheiden?
Wie immer sind Sie und seid Ihr herzlich eingeladen, unseren Überlegungen zu folgen, um mit uns über das Zitat nachzudenken!

 

Episode n° 3: Über Heldentum

 

Zitat zur Episode 3 mit Luca Beranek: «Tarrou murmelte es sei nie vorbei und es werde noch mehr Opfer geben, weil es unvermeidlich sei.» «Vielleicht», antwortete der Arzt, «aber wissen Sie, ich empfinde mehr Solidarität mit den Besiegten als mit den Heiligen. Ich glaube, ich habe keinen Sinn für Heldentum und Heiligkeit. Was mich interessiert, ist, ein Mensch zu sein.» (Camus, Albert (19471): Die Pest. Hamburg: Rowohlt, 2018, S. 290.)

Dieses Zitat regte uns im Podcast an über Heldentum zu sprechen und inwiefern man Helden und Heldinnen mehr zumutet als sie leisten können: Was ist ein Held/eine Heldin? Sind Alltagshelden und Alltagsheldinnen nicht doch nur Menschen? Was machen wir mit unseren Helden und Heldinnen wenn sie fallen? Wozu brauchen wir Helden und Heldinnen? Gibt es perfekte Menschen? Wie wird ein Mensch zum Held/zur Heldin?
Sie sind und ihr seid herzlich eingeladen, unseren Überlegungen zu folgen, um mit uns über das Zitat nachzudenken!

 

Episode n° 2: Über Solidarität, Wissen und Bürokratie

 

Zitat zur Episode 2 mit Niklas Hartmann: «Die Menschen sind eher gut als böse, und eigentlich geht es gar nicht um diese Frage. Aber sie sind mehr oder weniger unwissend, und das nennt man dann Tugend oder Laster, wobei das hoffnungsloseste [trostloseste] Laster das der Unwissenheit ist, die alles zu wissen vermeint und sich deshalb das Recht nimmt zu töten.» (Camus, Albert (19471): Die Pest. Hamburg: Rowohlt, 2018, S.150.)

Dieses Zitat ließ uns über Situationseinschätzungen, über Bürokratie und Handlungsspielräume in Krisenzeiten nachdenken: Was könnte Camus in diesem Zusammenhang mit „Unwissenheit“ meinen? Wer trifft Entscheidungen in Krisenzeiten? Wie lässt sich entscheiden, welche Opfer zu verantworten sind? Welche Bedeutung haben Armut und Reichtum in solchen Zusammenhängen? Wozu führt situatives Begreifen von langfristigen Entwicklungen?
Sie sind und ihr seid herzlich eingeladen, unseren Überlegungen zu folgen, um mit uns über das Zitat nachzudenken!

Anmerkung: Die zweite Person auf dem Fresko, das angesprochen wird, ist Adama Traoré, der am 19.07.2016 in Beaumont-sur-Oise (Frankreich) während einer Polizeikontrolle zu Tode kam.

 

Episode n° 1: Über Sprache

 

Zitat zur Episode 1 mit Anna Schulze-Hulbe: «Sagen Sie mir aufrichtig, was Sie meinen, sind Sie sicher, dass es sich um die Pest handelt?» «Sie stellen die Frage falsch. Es ist keine Frage der Terminologie, es ist eine Frage der Zeit.» «Dann meinen Sie also», sagte der Präfekt, «dass, selbst wenn es nicht die Pest sein sollte, trotzdem die für Pestzeiten vorgesehenen Vorsorgemaßnahmen ergriffen werden sollten?» «Wenn ich unbedingt eine Meinung haben muss, dann tatsächlich die.» (Camus, Albert (19471): Die Pest. Hamburg: Rowohlt, 2018: 61)

In diesem Zitat entdeckt und im Podcast angesprochen werden Fragen rund um Sprache, deren Begrenzung und Potenzial: Welche Zusammenhänge bestehen zwischen Sprachgebrauch und Diskriminierung? Inwiefern sind Begriffe notwendig für unser (gemeinschaftliches) Handeln? Unter welchen Bedingungen kann Sprache auch als Ablenkung von Problemen herhalten? Inwiefern löst Sprache nicht nur Probleme, sondern schafft sie erst? Sie sind und ihr seid herzlich eingeladen, unseren Überlegungen zu folgen, um mit uns über das Zitat nachzudenken!