Solidarität – Zwischen Pest und Corona

IfEK-Themensemester Sommer 2020 

Das Institut für Ethnologie und Kulturwissenschaft an der Universität Bremen führt seit 2015 regelmäßig in Kooperation mit zahlreichen Partnern an der Universität und in der Stadt Themensemester zu aktuellen gesellschaftlich relevanten Themen durch. Nach „Gegen Grenzen Denken“ (2015), „Public Anthropology“ (2016), „Dekolonisierung der Stadt – Dekolonisierung des Wissens“ (2017) und „Global Cotton“ (2018) liegt der Semesterschwerpunkt im Sommersemester 2020 auf dem Thema „Solidarität“.

Lange vor dem Ausbruch des Coronavirus geplant, entwickelt sich Solidarität als das Thema des Schwerpunktsemesters zu einem Schlüsselbegriff der gegenwärtigen Corona-Krise. Auch, wenn es angesichts von Klimawandel, Umweltzerstörung, sozialer Ungleichheit und Verteilungskämpfen um knapper werdende Ressourcen sowie angesichts des Erstarkens neurechter politischer Bewegungen schon vorher genügend Gründe gab, die Frage nach Solidarität und gesellschaftlichem Zusammenhalt neu zu stellen, hat es erst das Virus geschafft, Solidarität zu einem allgemeinen Imperativ werden zu lassen. Unter einem vielfältig und durch ganz unterschiedliche Institutionen und Interessengruppen stark gemachten Aufruf zur Solidarität ist gegenwärtig ein Großteil der Bevölkerungen bereit, auf grundlegende Freiheitsrechte zu verzichten und starke wirtschaftliche Verluste in Kauf zu nehmen. Gleichzeitig zeigen sich in der Krise die Grenzen der Solidarität: alte und neue Ressentiments erstarken und bei der Verteilung von Ressourcen und der Verteilung von Belastungen treten Ungleichheiten und Ungerechtigkeiten noch deutlicher hervor als bisher.

Mit dem Themensemester eng verbunden ist das vom Institut für Philosophie verantwortete Projekt „Eine Uni – eine Buch“, in dessen Rahmen “Die Pest” neu gelesen wird. Schließlich beleuchtet Albert Camus in seinem 1947 erschienenen Roman, was Solidarität, Freundschaft und Menschenliebe bedeuten können in einer Zeit, in der die Menschen mit einer existenziellen Bedrohung konfrontiert sind. Auch die lange vor der gegenwärtigen Pandemie getroffene Wahl dieses in den letzten Wochen zeitweise ausverkauften Buches erweist sich jetzt als eine fast schon unheimlich anmutende Vorhersehung, die treffender nicht sein könnte. Wie das Themensemester ist auch diese Initiative ein kollaboratives Unterfangen von Lehrenden und Studierenden.

Aufgrund der aktuellen Situation werden das Sommersemester an der Universität Bremen und damit auch die Veranstaltungen zum Themensemester weitgehend virtuell stattfinden. In online durchgeführten Podiumsdiskussionen, Lesungen, Lehrveranstaltungen, Fachvorträgen und Workshops werden Praktiken der Solidarisierung aus verschiedenen Perspektiven den Blick genommen und dabei besonders nach Möglichkeiten, Bedingungen und Grenzen solidarischen Handelns gefragt.

Kooperationspartner
Verbundforschungsinitiative Worlds of Contradiction (WoC), Institute für Ethnologie und Kulturwissenschaft (IfEK), Philosophie, Romanistik, Geschichte und Politikwissenschaft, Institut für postkoloniale und transnationale Studien (INPUTS), Institut für interkulturelle und internationale Studien (InIIS), artec Forschungszentrum Nachhaltigkeit, Institute franҫais Bremen, Kulturzentrum Lagerhaus, City 46 Kommunalkino Bremen e.V., Böll-Stiftung Bremen u.a.

Vorbereitungs- und Koordinationsteam
Christine Dietze, Gisela Febel, Martina Grimmig, Svantje Guinebert, Michi Knecht, Martin Nonhoff, Nurhak Polak, Ehler Voss, Lennert Wendt, sowie Studierende der Studiengänge BA-Kulturwissenschaft u. MA Transkulturelle Studien an der Universität Bremen.

Kontakt
Dr. Martina Grimmig
Institut für Ethnologie und Kulturwissenschaft
Email: grimmig@uni-bremen.de

Dr. Svantje Guinebert
Institut für Philosophie, Projekt Eine Uni- ein Buch
Email: svantje.guinebert@uni-bremen.de

Prof. Dr. Ehler Voss
Institut für Ethnologie und Kulturwissenschaft
Email: ehler.voss@uni-bremen.de

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