Pelz gilt immer noch als luxuriöser Besatz an Kapuzen und Taschen. Die Realität für die Millionen Tiere sieht aber düster aus: Ein Leben auf nacktem Draht, ohne festen Boden unter den Füßen, gezeichnet von Verhaltensstörungen und Angst. Doch in den letzten Jahren wuchs der Widerstand. Viele europäische Länder führen Verbote ein.
Der Untergang der Pelzindustrie
Die Branche befindet sich in einem massiven wirtschaftlichen Rückgang. So ist die weltweite Pelztierzucht in den letzten zehn Jahren um 85 % eingebrochen. Die Anzahl der Pelzfarmen in der Europäischen Union fiel von 4.350 in 2018 auf 1.088 in 2023. Immer mehr Modeunternehmen verzichten bewusst auf Echtpelz. Weiterhin haben verheerende Ausbrüche von Krankheiten die Branche schwer getroffen.
Doch auch 2023 starben noch etwa 21 Millionen Tiere. Den Großteil davon machen Nerze aus, gefolgt von Füchsen und Marderhunden.
Allerdings zeigen sich die politischen Entwicklungen positiv. Immer mehr Länder setzen der Pelzzucht durch Gesetze ein Ende. Großbritannien (2000) und Österreich (2005) waren die ersten Vorboten. Eine vollständige Einstellung gibt es außerdem in Belgien, Kroatien, Tschechien, Slowenien, Bosnien-Herzegowina, Luxemburg, Serbien, Italien, Frankreich, Nordmazedonien, den Niederlanden und Irland. Weiterhin gibt es in weiteren Ländern bereits Auslauffristen. So beendeten Norwegen und die Slowakei ihre Zucht bis 2025. Schweden hat durch Stillegungsbeihilfen alle Farmen bis Juni 2025 geschlossen. In Estland gibt es ab 2026 ein Verbot. Litauen und Rumänien beenden die Pelzzucht auslaufend bis 2027 und Lettland auslaufend bis 2028. Auch Polen, als ein großer weltweiter Produzent hat im Dezember 2025 ein Verbot mit 8-jähriger Übergangsfrist bis zum 31.12.2033 beschlossen.
Sonderrollen nehmen zum Beispiel die Schweiz und Deutschland ein. In der Schweiz gibt es aufgrund extrem hoher zoologischer Standards keine Farmen mehr. Zudem gibt es seit Juli 2025 ein Einfuhrverbot. Deutschland ist seit 2019 pelzfarmfrei durch strenge gesetzliche Vorgaben. In Dänemark gibt es einen massiven Rückzug der Pelzfarmen aufgrund der COVID-bedingten Tötung von ca. 15 Millionen Merzen.
Tierleid: Haltung und Tötung
Trotz der großen Erfolge ist das Ziel noch nicht erreicht. Weiterhin leiden die Tiere in den verbleibenden Pelzfarmen. Etwa 85 % der Pelze stammen aus Farmen, 15 % aus der Jagd. In den Farmen vegetieren die Tiere in winzigen Drahtkäfigen auf Gitterrosten direkt unter ihren eigenen Fäkalien. Es gibt einen völligen Entzug ihrer natürlichen Bedürfnisse, wie zum Beispiel das Schwimmen bei den Nerzen und das Graben bei den Füchsen. Folgen davon sind schwere Verhaltensstörungen, Selbstverstümmelung, Kannibalismus und infizierte Wunden.
Die Tötung der Tiere erfolgt unter grausamen Methoden. Nerze werden vergast. Füchse und Marderhunde werden durch einen analen Elektroschock getötet. Doch die Tötungsmethoden sind nicht immer wirksam: “Es kommt oft vor, dass Tiere bei vollem Bewusstsein gehäutet werden und sogar noch mehrere Minuten atmen, nachdem ihnen das Fell vom Körper geschnitten wurde, dies belegen Undercover-Aufnahmen. Ein Grund dafür ist beispielsweise, dass eigentlich illegale Autogase, die kleine Betriebe teils anwenden, meist langsam und unzuverlässig töten und jedes Tier eine andere Toleranz besitzt. Einige Tiere erlangen daher wieder das Bewusstsein, während sie bereits gehäutet werden. Statt mit Kohlenstoffdioxid müssten die Tiere rechtlich mit Kohlenstoffmonoxid getötet werden.”
Neben Nerzen, Füchsen und Marderhunde finden sich in den Pelzfarmen auch Waschbären, Chinchillas, Wiesel, Eichhörnchen, Schafe, Luchse, Hamster, Robben, Nutrias, Kojoten, Kaninchen, Biber, Bisamratten und Zobel. Auch Hunde und Katzen werden insbesondere in Asien für ihr Fell getötet. Trotz EU-Importverbots seit 2008 gelangen diese oft durch Falschdeklaration auf den Markt.

Umweltbelastung und Verbrauchertäuschung
Die Pelzindustrie ist nicht nur grausam für die Tiere, sondern auch für die Umwelt und die Menschen. Die Gerbung mit giftigen Stoffen wie Chrom III, Formaldehyd, Aluminium und Schwefelsäure belastet durch die ungefilterten Abwässer die Natur. Zudem benötigt ein Nerzmantel 20-mal mehr Energie in der Herstellung als ein Kunstpelz. Weiterhin finden sich auch Rückstände krebserregender oder hormonverändernder Stoffe in den Pelzaccessoires. Pelzfarmen sind “Mischwirte” für Viren. Die Enge der Tiere begünstigt Mutationen von Zoonosen wie COVID-19 oder der Vogelgrippe, die auf Menschen überspringen können.
Während mittlerweile Mäntel aus Echtpelz verpönt sind, wird weiterhin massenhaft Echtpelz als günstiger Besatz an Kapuzen, Mützenbommeln oder Taschen verkauft. Dabei wird Echtpelz oft absichtlich als Kunstpelz deklariert oder die Kennzeichnungspflicht (“Enthält nicht-textile Teile tierischen Ursprungs”) wird ignoriert. Weiterhin hält sich unter Tierschützenden die Speziesismuskritik, bei der die moralische Doppelmoral angeprangert wird, bei der Haustiere geliebt, aber Pelztiere unter Qualen ausgebeutet werden.
Ausblick
Der Blick in die Zukunft bringt dennoch Hoffnung. Initiativen wie #FurFreeEuropa setzen sich als Bürgerinitiative für ein weites Zucht und Handelsverbot ein. Auch die EU-Kommission prüft ein Verbot bis 2026. Die Pelzindustrie ist ein Auslaufmodell- wirtschaftlich am Ende und moralisch nicht mehr tragbar. Es gilt nun, die letzten verbleibenden gesetzlichen Lücken zu schließen. Vor allem die falsche Kennzeichnung muss durch strikte Handelsverbote gestoppt werden. Es darf nicht sein, dass Tierleid durch mangelnde Transparenz in die Kleiderschränke geschmuggelt wird. Wer heute noch Pelz trägt oder produziert, entscheidet sich aktiv für ein Modell, das aus systematischer Tierquälerei, massiver Umweltzerstörung und unkalkulierbaren Gesundheitsrisiken basiert. Es ist an der Zeit, dass die Politik diese grausame Industrie endgültig beendet.