Frauen sind schon immer struktureller Benachteiligung durch patriarchale Anordnungen zum Opfer gefallen. Seit dem ersten Weltfrauentag vor über hundert Jahren hat sich zwar viel verändert im Kontext der Frauenrechte und auch noch heute ändert sich vieles. Doch echte Gleichberechtigung im Alltag zwischen Mann und Frau sieht anders aus. Umso wichtiger ist es, für diese Chancengleichheit zu protestieren und an Tagen wie dem Internationalen Frauentag seine Stimme zu erheben. Auch wenn die systematische Diskriminierung gegenüber Frauen für manche unsichtbar ist und ignoriert wird, liegt es in der Verantwortung aller, diese sichtbar zu machen und zu eliminieren. Dabei wird nicht nur für die nationalen Frauenrechte gekämpft, sondern diese Proteste leisten allen anderen Frauen auf der Welt stärkenden Beistand sowie Solidarität, insbesondere in Gebieten, in denen Frauen noch stärker unter der Wucht des Patriachats leiden.
Geschlechterstereotype sind tief in der Gesellschaft verankert und lassen sich nur schwer brechen. Der Mann wird oft als der Ernährer der Familie wahrgenommen, der das Geld für die Familie verdient. Doch das typische Bild des Versorgers ist schon lange veraltet und unzeitgemäß. Seit der Reform des Ehe- und Familienrechts 1977 wurde das sogenannte „Hausfrauenmodell“ abgeschafft und Frauen benötigten nicht mehr die Erlaubnis ihres Ehemanns, um erwerbstätig zu werden. Auch wenn die Frau nun ebenso wie der Mann zur Arbeit gehen darf, bleibt die Care-Arbeit stets „Frauensache“. Traditionelle Rollenbilder und geschlechterbezogene Stereotype führen dazu, dass die Sorgearbeit immer noch als eher „weiblich“ assoziiert wird, obwohl viele Frauen zugleich das männlich konnotierte Bild des „Familienernährers“ übernehmen. Diese Gender Care Gap markiert den Unterschied im durchschnittlichen Zeitaufwand für unbezahlte Sorgearbeit, wie Putzen, Kochen, Kinderbetreuung usw., zwischen Frauen und Männern, wobei Frauen 2022 44,3 % mehr unbezahlte Arbeit leisteten als Männer. Das sind 79 Minuten täglich mehr Aufwand für Frauen. Insbesondere nach der Geburt eines Kindes treten diese Unterschiede der unausgeglichenen Care-Arbeit am deutlichsten auf. Grund dafür sind auch die Mängel in der Infrastruktur. Defizite bei Kitaplätzen, die unflexiblen Betreuungszeiten oder Personalmangel in der Pflege sind ein langwieriges Problem, das dazu führt, dass die Pflege von Angehörigen und die Kinderbetreuung überwiegend von Frauen innerhalb der Familie übernommen wird.

Bild ist KI-generiert mit Gemini 3
Damit verbunden ist ebenso der konstante Mental Load. Die unsichtbare Denkarbeit, die Frauen täglich leisten, führt dazu, dass sie häufiger gestresst sind und selten zur Ruhe kommen können. In den meisten Familien sind die Frauen für das Planen, Organisieren und Terminieren von Aufgaben des Alltags zuständig. Für viele Männer ist das Erstellen von Einkaufslisten oder das Besorgen von Geburtstagsgeschenken eine Tätigkeit, die sich aus unerklärlicher Ursache von alleine regelt. Dabei vergessen sie häufig, dass es ihre Partnerin ist, die diese Dinge ständig erledigen muss und im Hinterkopf behält, während sie nach ihrer achtstündigen Schicht noch die Wäsche machen muss. Ein Beispielszenario, das jedoch auf viele Frauen in heterosexuellen Partnerschaften zutrifft und welches zu emotionaler Belastung führen kann, indem die Frau für das lückenlose Funktionieren des Haushalts verantwortlich ist und kaum Zeit zur vollständigen Entspannung hat. Unsichtbar ist der Mental Load deshalb, da dies ein geistiger Prozess ist, der von außen kaum wahrgenommen werden kann und somit statistisch auch schwer zu messen ist.
Während also der Gender Care Gap die Zeit umfasst, die eine Frau zusätzlich in unbezahlte Sorgearbeit investiert, bezeichnet der Mental Load die zusätzliche psychische Belastung bei Frauen, die durch die alleinige Vertantwortung über den Haushalt entsteht. Diese zwei Beispiele führen bis heute dazu, dass die Gleichberechtigung in Deutschland noch nicht existiert. Frauen haben zwar rechtlich gesehen mehr Rechte als zuvor, aber dennoch mangelt es an institutioneller Unterstützung, Frauen aus der strukturellen Benachteiligung zu helfen und zu beizustehen. Denn das patriachale System ist hartnäckig zu durchbrechen. Der Weltfrauentag ist somit eine Möglichkeit, für diese Ungleichheit zu protestieren und auch andere Personen zu mobilisieren, für Gleichberechtigung zu kämpfen.
Quellen:
https://www.eaf-bayern.de/fileadmin/eaf_upload/dateien/2024/Themenwoche_Care_2025/PM_21_02_25_Care_BS.pdf
https://www.diw.de/documents/publikationen/73/diw_01.c.616021.de/19-10-3.pdf
https://www.bundesstiftung-gleichstellung.de/wissen/themenfelder/care-arbeit-gleichstellung-und-der-blick-auf-maenner/
https://www.prognos.com/sites/default/files/2024-02/240227_Prognos_Der unsichtbare Wert von Sorgearbeit.pdf
https://de.statista.com/statistik/daten/studie/1453834/umfrage/gender-care-gap-unbezahlte-arbeit-nach-geschlecht/
https://www.bmbfsfj.bund.de/bmbfsfj/themen/gleichstellung/gender-care-gap/indikator-fuer-die-gleichstellung/gender-care-gap-ein-indikator-fuer-die-gleichstellung-137294
https://www.diw.de/documents/publikationen/73/diw_01.c.895246.de/24-9-1.pdf
https://www.econstor.eu/bitstream/10419/299256/1/1857888588.pdf
https://www.oxfam.de/themen/care-arbeit