Am 20.10.1971 verkündet das Nobelpreiskomitee in Oslo, dass Willy Brandt mit dem Friedensnobelpreis für seine Friedenspolitik zwischen Ost- und Westeuropa ausgezeichnet wird. Doch das war nur der Höhepunkt seiner politischen Karriere.

Geboren am 18.12.1913 als Herbert Karl Frahm in Lübeck, engagiert sich Brandt in seinen Jugendjahren schon politisch. Mit 16 Jahren tritt er der Nachwuchsorganisation der SPD, der SAJ (Sozialistische Arbeiterjugend), bei. Weniger Jahre später tritt er der SPD bei und wechselt 1931 zur Sozialistischen Arbeiterpartei (SAP), die sich von der SPD trennte. Anfang 1933, als die NSDAP an die Macht kommt, taucht er, auf Grund seiner oppositionellen politischen Aktivität, unter und gibt sich den Tarnnamen Willy Brandt. Er flieht im April desselben Jahres zuerst nach Dänemark und dann weiter nach Norwegen. In Oslo engagiert er sich als Journalist und baut dort als Leiter ein Auslandsbüro der SAP auf. Gleichzeitig leitet er die zentrale Auslandstelle des Sozialistischen Jugendverbandes Deutschlands (SJVD). Durch diese Positionen hält er stets Kontakt zu Gruppen in Berlin und Norddeutschland. Nebenbei beginnt ein Geschichts- und Philosophiestudium. Da er sich für eine „Volksfront“ gegen Hitler einsetzt, wird ihm vom NS-Regime 1938 die deutsche Staatsbürgerschaft entzogen. Von der norwegischen Exilregierung in London wird ihm die norwegische Staatsbürgerschaft angeboten, die er annimmt. Da er sich als norwegischer Soldat ausgibt, wird er 1940 einige Monate in deutscher Kriegsgefangenschaft festgehalten, als Dänemark und Norwegen besetzt werden. Bis zum Kriegsende lebt er in Stockholm und arbeitet weiterhin als Journalist. Nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs kommt Willy Brandt zurück nach Deutschland und nimmt die Tätigkeit als Korrespondent für norwegische Zeitungen auf. Unter anderem berichtet er über die Nürnberger Prozesse. 1947 lässt er sich wieder einbürgern, jedoch unter seinem Decknamen Willy Brandt, unter dem er jetzt überall bekannt ist.

Im selben Jahr wie seine Einbürgerung tritt Brandt auch wieder der SPD bei, in der er sein Leben lang bleiben wird und wichtige politische Ämter bestreiten wird.

Von 1957 bis 1966 ist Brandt Bürgermeister von Berlin und in seiner Amtszeit vor allem mit dem Mauerbau konfrontiert. Als 1961 die Mauer gebaut wird, sind nicht nur Ostberliner:innen davon betroffen, sondern auch für Westberliner:innen bedeutet die Trennung gespaltene Familien. Mit seinen Passagierscheinabkommen ermöglicht er Westberliner:innen, ihre Familien im Osten zu besuchen. 

Nach zwei gescheiterten Kandidaturversuchen 1961 und 1965 wird er schließlich 1969 Bundeskanzler in einer SPD/FPD-Koalition. In seiner Zeit als Bundeskanzler bemüht sich seine Regierung um Verständigung zwischen der BRD und osteuropäischen Ländern. Konkret politisch umgesetzt wird das zum einen in der Unterzeichnung des Atomwaffensperrvertrags. Dieser Vertrag verpflichtet Deutschland, als Land, welches keine Atomwaffen besitzt, dazu, keine Atomwaffen zu entwickeln oder zu besitzen und seine Atomanlagen kontrollieren zu lassen. Zum anderen trägt das 1970 mit der Sowjetunion und Polen abgeschlossene Gewaltverzichtsabkommen zur Verständigung zwischen den osteuropäischen Staaten und der BRD bei. 

Ein weltweit bekannter Moment in Brandts Zeit als Bundeskanzler ist sein Kniefall am 07.12.1970 vor dem Mahnmal des jüdischen Ghettos in Warschau. Eigentlich war er zur Unterzeichnung des Warschauer Vertrags angereist. In diesem jüdischen Ghetto lebten während des Holocaust teilweise bis zu 350 000 Juden und Jüdinnen auf drei Quadratmetern, bevor sie von den Nationalsozialisten deportiert wurden. Brandts Kniefall war ein Zeichen von Demut und Verantwortungsbereitschaft. 

Diese politischen Entscheidungen erklären, warum Willy Brandt mit dem Friedensnobelpreis ausgezeichnet wurde. Seine „Politik der Annäherung“ als Bundeskanzler setzte er durch konkrete politische Maßnahmen durch und trug dazu bei, den Frieden in Europa zu verfestigen. Auch sein Kniefall in Warschau ist noch heute ein bedeutendes Symbol der deutschen Erinnerungskultur und wurde damals als ein Zeichen der Verantwortungsbereitschaft gesehen.