
Alle vier Jahre begeistern die Olympischen Spiele Millionen Menschen auf der ganzen Welt, ob sportbegeistert oder nicht. Ursprünglich wurden sie 776 v.Chr. in Griechenland etabliert und 1896 ebenfalls in Griechenland wieder aufgenommen. Der Franzose Pierre de Coubertin wollte die Olympischen Spiele unpolitisch und für jede Nation zugänglich gestalten. Seitdem sind die Spiele für Europa und weltweit ein wichtiger Bestandteil der sportlichen Welt. Allerdings konnte der Vorsatz, Olympia solle unpolitsch sein, nie wirklich umgesetzt werden. Die Arena war nie nur für sportliche Höchstleistungen da, sondern immer auch ein Kampfplatz um politische Ideale und Ziele. In der Vergangenheit kam es so häufiger zu sowohl politischen, als auch sportlichen Boykotts vieler Nationen.
Die Olympischen „Nazi“-Spiele 1936
Die Olympischen Spiele, die wohl am bekanntesten für das Verbreiten politischer Botschaften wurden, sind jene von 1936 in Berlin. Sie fanden vom 1. bis zum 16. August statt und wurden, ohne dass es bei der Vergabe 1931 geahnt wurde, in eine Propagandaveranstaltung für die Nazis verwandelt. Schon 1933 wurde von den USA oder Frankreich über einen Boykott nachgedacht. Man könne die Olympischen Spiele nicht unterstützen, wenn sie in so einem Ausmaß instrumentalisiert würden werden. Vor allem die USA trieb diese Bewegung aufgrund von Menschenrechtsverletzungen und der antisemitischen Politik an. Daraufhin hat das internationale Olympische Komitee (IOC) die Aussage durchsetzen können, dass bei den Spielen keine Diskriminierung von Juden stattfinden dürfe. Das IOC erklärte, jüdischen AthletInnen werde die Teilnahme selbstverständlich ermöglicht. Jüdische SportlerInnen wurden allerdings schon Jahre vorher von Wettkämpfen, Training etc. ausgeschlossen, demnach war es sowieso nahezu unmöglich, jüdische SportlerInnen dabei zu haben. 1935 kam es dann ebenfalls zu einer Abstimmung in den USA, wo sich knapp gegen einen Boykott entschieden wurde, die anderen Staaten, die über einen Boykott nachdachten, folgten diesem Vorbild. Die Spiele fanden also wie geplant statt.
Das sportliche Geschehen 1936 in Berlin war vielfältig. Viele Athletinnen und Athleten wollten ihre einmalige Chance nutzen, ihre sportliche Karriere voranzubringen. Viele von ihnen blendeten die politischen Umstände bewusst aus und nahmen dennoch teil. Für andere SportlerInnen war es aber nicht so leicht, die politische Situation außer Acht zu lassen. Der Leichtathlet Jesse Owens spürte die politischen Spannungen äußerst.
1935 schaffte der Amerikaner es, beim Big Ten Track Meet in Ann Arbor fünf Leichtathletik-Weltrekorde in 45 Minuten aufzustellen, ein einmaliges Ereignis in der Sportgeschichte. Noch nie hatte jemand sowas vor ihm geschafft und bis heute auch nicht danach. Schon nach diesem Sportfest der University of Michigan, wo er diese Weltrekorde aufstellte, wurde er von der Amerikanischen Presse wenig gewürdigt. Das rassistische Amerika wollte diesen schwarzen US-Amerikaner nicht mehr Aufmerksamkeit geben, als er sowieso schon bekam. Durch seine ausgezeichneten sportlichen Leistungen durfte er trotzdem zu den Olympischen Spielen nach Berlin anreisen. Hier wurde er zum vierfachen Olympiasieger, unter anderem im Weitsprung. Er gewann die Goldmedaille mit einem Sprung über 8,06Metern. Adolf Hitler hatte sich diesen Wettbewerb angeguckt, weigerte sich aber ihm zu gratulieren. Auch der US-Präsident Roosevelt wollte keinem schwarzen Sportler gratulieren bzw. die Hand geben müssen. Hitler und Goebbels äußerten anschließend, die ‚weiße Rasse‘ müsse sich schämen, wenn schwarze Athleten bessere Leistungen erzielten.
Insgesamt richten die sportlichen Ereignisse in den Hintergrund und wurden durch das Nazi-Regime überschattet. Das NS-Regime hat es geschafft, durch die Spiele ein falsches Bild von Frieden, Freiheit und Weltoffenheit zu verbreiten. Antisemitische Parolen wurden über die Zeit der Veranstaltung nicht öffentlich gerufen und insgesamt wurde ein sehr friedliches Bild von Hitler und seinem Regime vermittelt. Diese getäuschte Weltoffenheit war natürlich nur eine Fassade, parallel plante das Regime bereits seine aggressiven außenpolitischen Maßnahmen.
Die Spiele von 1936 zeigen eindrücklich, wie stark politische Ideologien den sportlichen Wettbewerb überlagern können. Doch sie sind kein Einzelfall: Auch die Krisenspiele 1980 und 1984 oder die Winterspiele 2022 in Peking verdeutlichen, dass Olympia bis heute eine Bühne politischer Auseinandersetzungen bleibt. Diesen Entwicklungen widmet sich der zweite Teil dieses Artikels.
Quellen:
https://kurier.at/sport/die-ungeklaerte-frage-des-handschlags-zwischen-hitler-und-owens/400850750
https://www.bpb.de/kurz-knapp/hintergrund-aktuell/141881/olympische-sommerspiele-in-berlin-1936/