Der Karlspreis: Ein Zeichen der Hoffnung und Einheit

Aachen, eine Stadt mit großer europäischer Geschichte, war im Zweiten Weltkrieg schwer umkämpft. Nach Zerstörung und Entbehrung suchten die Menschen nach einem neuen Anfang. Einer von ihnen war der Textilkaufmann Dr. Kurt Pfeiffer. Er wollte nicht nur über die Zukunft Europas reden, sondern sie aktiv mitgestalten. 

Mit Gleichgesinnten gründete er den Lesekreis „Corona Legentium Aquensis“, der schnell wuchs und führende Denker wie Martin Heidegger und Werner Heisenberg anzog. Doch Pfeiffer wollte mehr: ein klares Zeichen für ein geeintes Europa setzen. Im Dezember 1949 stellte er seine Idee vor – einen Preis, der Menschen ehrt, die sich für Europa einsetzen. 

Die Idee fand sofort Unterstützung. Politiker, Wissenschaftler und Unternehmer schlossen sich an. Die Stadt Aachen erkannte die Chance, ihr historisches Erbe als Stadt Karls des Großen in den Dienst der europäischen Einheit zu stellen. So wurde im März 1950 der „Karlspreis der Stadt Aachen“ ins Leben gerufen. 

Von Anfang an war der Preis mehr als eine Auszeichnung – er war eine Botschaft. Er sollte Menschen würdigen, die Europa einen Schritt näher an Frieden und Zusammenarbeit bringen. Eine Vision, die bis heute lebt.

Auszeichnung für Europas Wegbereiter

Seit 1950 ehrt der Karlspreis Menschen, die Europa voranbringen. Die Zeremonie zur Verleihung des Karlspreises findet traditionell an Christi Himmelfahrt im Krönungssaal des Rathauses der Stadt Aachen statt. Über den bzw. die Preisträger bestimmt das Direktorium der Karlspreisgesellschaft, worunter der Stadtrat Aachen wie auch Aachens Oberbürgermeister zählt. Bis 2007 war der Preis zudem mit einem Betrag von 5000€ dotiert. Einer der ersten Preisträger war Richard Coudenhove-Kalergi, ein Vordenker der europäischen Einheit. Ihm folgten Jean Monnet, der die Grundlagen der Europäischen Gemeinschaft legte, und Konrad Adenauer, der Deutschland mit Europa versöhnte.

Mit der Zeit wurden auch Staatschefs ausgezeichnet. König Juan Carlos I. von Spanien erhielt den Preis für die Demokratisierung seines Landes. Simone Veil, die erste Präsidentin des Europäischen Parlaments, kämpfte für ein starkes, demokratisches Europa. In jüngerer Zeit wurde Emmanuel Macron für seine Reformpläne geehrt.

Doch nicht nur Politiker wurden gewürdigt. 2022 erhielten belarussische Aktivistinnen den Preis für ihren mutigen Einsatz für Demokratie. 2023 ging er an Wolodymyr Selenskyj und das ukrainische Volk, das für europäische Werte kämpft. 2024 wurde mit der Ehrung jüdischer Gemeinschaften ein Zeichen gegen Antisemitismus gesetzt. 

Wer gestaltet die Zukunft Europas Zukunft?

Neben dem Karlspreis gibt es seit 2008 den Jugendkarlspreis, der junge Menschen würdigt, die sich für Europa engagieren. Junge Initiativen, die den Zusammenhalt fördern, neue Ideen für die europäische Zusammenarbeit entwickeln oder durch soziale Projekte Brücken bauen, werden mit dieser Auszeichnung geehrt. 

Viele preisgekrönte Projekte haben bereits große Wirkung gezeigt. Ob grenzüberschreitende Austauschprogramme, digitale Plattformen für europäische Dialoge oder soziale Initiativen für benachteiligte Gruppen – der Jugendkarlspreis zeigt, dass Europas Zukunft in den Händen einer engagierten, kreativen und mutigen jungen Generation liegt. 

Er steht für die Überzeugung, dass Europa nicht nur eine Idee ist, sondern eine Gemeinschaft, die von jungen Menschen immer wieder neu gestaltet wird. Der Jugendkarlspreis motiviert und inspiriert – und macht deutlich, dass jede und jeder etwas für ein vereintes Europa tun kann.

Von der Leyen wurde in diesem Jahr mit dem Karlspreis ausgezeichnet

Am 29. Mai 2025 wurde der amtierenden Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen der Karlspreis verliehen. In der Begründung heißt es unter anderem, dass die CDU-Politikerin die „starke Stimme Europas in der Welt“ sei. In einer Zeit, in der die Europäische Union von außen durch den Aggressionskrieg Russlands und von innen durch Rassisten und Demagogen bedroht wird, nehme sie die Interessen Europas kraftvoll wahr, so das Karlspreis-Direktorium. Seit diesem Jahr gibt es erstmalig ein Preisgeld in Höhe von einer Million Euro mit dem unter Einbeziehung der jeweiligen Preisträger*innen europaweit neue oder bereits begonnene pro-europäische Projekte finanziell so ausgestattet werden können.

Seit ihrer Amtszeit im Juli 2019 musste von der Leyen einige Krisen überstehen. Vor allem die Corona-Pandemie und der russischen Angriffskrieg auf die Ukraine überschatteten ihre erste Amtsperiode. Ihre Arbeit stieß bei Weitem nicht immer auf allgemeine Zustimmung, wie die teils sehr negativen Reaktionen auf die Preisverkündigung im Internet zeigen. 

Alles in allem zählt der Internationale Karlspreis zu Aachen auch noch 75 Jahre nach der Gründung zu den renommiertesten intereuropäischen Auszeichnungen.