Was ist Solidarische Landwirtschaft?

Die Solidarische Landwirtschaft ist ein Zusammenschluss von landwirtschaftlichen Betrieben und Gärtnereien mit Verbraucher*innen, um so eine bäuerliche, verantwortungsvolle und vielfältige Landwirtschaft zu erhalten. Erzeuger*innen und Verbraucher*innen bilden dazu eine Art Wirtschaftsgemeinschaft: Die Gruppe aus Verbraucher*innen zahlt einen festgesetzten, meist monatlichen Betrag, welcher sich aus den geschätzten Jahreskosten der landwirtschaftlichen Erzeugung ergibt, um so bereits im Voraus zu garantieren, dass diese gedeckt werden. „Hierdurch wird dem*der Erzeuger*in ermöglicht, sich unabhängig von Marktzwängen einer guten landwirtschaftlichen Praxis zu widmen, den Boden fruchtbar zu erhalten und bedürfnisorientiert zu wirtschaften.“, so heißt es auf der Webseite der Solidarischen Landwirtschaft. Im Gegenzug wird die gesamte Ernte auf die beteiligten Verbraucher*innen aufgeteilt. Meistens besteht die Ernte aus Gemüse, manche Höfe liefern auch Obst und gelegentlich gibt es auch die Möglichkeit, weiterverarbeitete Produkte wie Brot, Milch- und Fleischprodukte zu erhalten, sofern der landwirtschaftliche Betrieb diese herstellt. Zusammenfassend kann man sagen: „Wesentlich ist also, dass eine Gruppe die Abnahme der Erzeugnisse garantiert und die Ernte bzw. alles, was notwendig ist, um diese zu erzeugen, vorfinanziert. Alle teilen sich die damit verbundene Verantwortung, das Risiko, die Kosten und die Ernte.“

Es handelt sich also um eine „win-win“ Situation: Die Verbraucher*innen bekommen frische, saisonale und qualitativ hochwertige Lebensmittel, während die Landwirte durch ihr gesichertes Einkommen das Risiko auf schlechte Ernte (z.B. durch Witterungen) mit ihren Unterstützer*innen teilen. Zusätzlich wird dadurch nachhaltige Landwirtschaft gefördert: Lebensmittelverschwendung wird vermieden, da auch Produkte, die den Marktnormen nicht entsprechen, an die Konsumierenden geliefert werden. Des Weiteren können sich die Betriebe durch ihr gesichertes Einkommen auf landwirtschaftliche Arbeit und nachhaltige Praxis fokussieren.

Außerdem sorgt dies sowohl auf der Erzeuger*innen als auch auf der Verbraucher*innen Seite für mehr Transparenz: die Betriebe wissen, für welche Konsumierenden sie ihre Lebensmittel anbauen, während die Verbraucher*innen genau zurückverfolgen könne, wie und von wem ihr Essen produziert wird.

Wie funktioniert dies in der Umsetzung?

In sogenannten Depots können die Verbraucher*innen ihre Lebensmittel abholen. Diese befinden sich oft in bereits bestehenden Gemeinschaftszentren oder in privaten Räumlichkeiten wie bspw. großen Garagen von anderen Verbraucher*innen, die Teil der Solidarischen Landwirtschaft sind. Dort werden die Lebensmittel dann aufgeteilt. Diese Depots sind oft selbst organisiert, erzählt Lara, die ebenfalls als Verbraucherin Mitglied einer Solidarischen Landwirtschaft ist. Entweder muss jedes Depot Mitglied die eigenen Lebensmittel selbst abwiegen, oder es gibt sogenannte Depot-Pat*innen, welche die Mitglieder in Dienste einteilt. Dann ist jede*r ungefähr einmal pro Jahr dafür verantwortlich das Gemüse abzuwiegen und gerecht auf einzelne Kisten zu verteilen. So müssen die anderen Mitglieder dann nur noch ihren ihren Anteil im Depot abholen, erklärt Lara weiter. Eine Solidarische Landwirtschaft verfügt oft über mehrere Depots, die im Umfeld der Region angesiedelt sind. Diese seien oft schon voll und so wird ausgelost, welchem Depot neue Mitglieder letztendlich beitreten dürfen. „Bei meinem Betrieb war es so, dass ich drei Prioritäten für die Lage der Depots angegeben werden, von denen mir dann eines zugeteilt wurde.“, berichtet Lara aus ihrer eigenen Erfahrung. So wird also sicher gestellt, dass sich das Depot in Reichweite der Verbraucher*innen befindet.

Die Gemeinschaft:

Solidarische Landwirtschaft ist viel mehr als nur eine Zweckgemeinschaft. Lara erzählt begeistert von gemeinsamen Aktivitäten, wie z.B. Grillabenden, die teilweise in Depots, also im kleineren Rahmen aber auch von der gesamten Solidarischen Landwirtschaft organisiert werden. Außerdem können die Mitglieder an sogenannten Helfer*innen-Tagen jederzeit auf dem Hof mitarbeiten. So wird die Transparenz noch erhöht und die Verbraucher*innen können sich direkt vor Ort ihr eigenes Bild von den Lebensmitteln machen. Außerdem stärkt dies das Gemeinschaftsgefühl und „es macht unglaublich viel Spaß“, wie Lara berichtet. Sie hilft regelmäßig beim Ernten und Unkraut jäten in ihrer SoLaWi aus. Neben Gartenhandschuhen und Gerätschaft werden die Helfer*innen ihres Hofes sogar mit einem Frühstück gestärkt.

Während es sich bei den einzelnen Depots vor allem um die Nachbarschaft handelt, sind bei der gesamten Kundschaft eines Hofes schon manchmal mehrere hundert Leute beteiligt. Da ein einzelner Hof nicht unbegrenzt Menschen versorgen kann, gibt es allerdings auch eine beschränkte Anzahl an zugelassenen Mitgliedern. Teilweise kann es also sein, dass potentielle Kund*innen sich auf Wartelisten eintragen müssen, um irgendwann in die Solidarische Landwirtschaft beitreten zu können. Dennoch scheint sich das Warten zu lohnen!

Adressen/Anlaufstellen:

In Bremen gibt es mehrere landwirtschaftliche Betriebe, die sich mit ihren Verbaucher*innen zu einer Solidarischen Landwirtschaft zusammengeschlossen haben. Hier habe ich einige Anlaufstellen für euch verlinkt:

Außerdem gibt es seit neuestem auch einen eigenen SoLaWi Hofladen im Viertel:

Meine Quelle und weitere Informationen sowie ein Verzeichnis von landwirtschaftlichen Betrieben, die eine Solidarische Landwirtschaft führen, findet ihr unter:

https://www.solidarische-landwirtschaft.org/das-konzept

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