1. Motivation
Im Zuge meines Masterstudiums habe ich im Rahmen einer Projektarbeit ein dreimonatiges Praktikum an einem Forschungsinstitut in Barcelona durchgeführt. Da ich sowohl Bachelor als auch den Master in Bremen gemacht habe, war es mir wichtig noch während des Studiums einen Einblick in die wissenschaftliche Arbeit eines anderen Institutes zu erlangen und mich deshalb entschieden eine Projektarbeit in einem anderen europäischen Forschungsinstitut durchzuführen. Die Erwartungen an das Praktikum bestanden sowohl darin fachlich neue Methoden zu erlernen, als auch in der Verbesserung meiner Fremdsprachenkenntnisse sowie dem Knüpfen neuer Kontakte in der Forschungswelt.

2. Recherche und Planung
Nachdem die Entscheidung, für ein Praktikum ins Ausland zu gehen, getroffen war, begann die Suche nach einer geeigneten Praktikumsstelle. Da ich keinen besonderen Länderwunsch hatte und die Wahl nur von den fachlichen Aspekten abhing, habe ich mich bei der Suche auf Kontakte aus dem Fachbereich verlassen. Durch die Vermittlung einer Professorin unseres Fachbereiches bin ich so auf das „Institut de Ciénces del Mar (ICM)“ gekommen, mit dem im Rahmen eines größeren Projektes eine Kooperation besteht und habe mich so entschieden von Oktober bis Dezember 2018 eine Praktikum an diesem Institut durchzuführen.

Direkt mit der Zusage für die Praktikumsstelle wurde ich auf den eher schwierigen Wohnungsmarkt in Barcelona hingewiesen. Barcelona hat als größte Stadt Kataloniens dieselben Wohnungsprobleme wie die großen deutschen Städte und auf alle im Internet veröffentlichten WG Zimmer gibt es sehr viele Bewerber. Für mich war von Vorteil, dass mein Betreuer vom ICM direkt nach der Zusage eine Mail mit der Nachfrage, ob jemand ein Zimmer frei hat durch den internen Verteiler des Instituts geschickt hat. Durch diese Mail habe ich ein Zimmer in einer dreier WG bekommen, da ein Doktorand für denselben Zeitraum den ich in Barcelona war ebenfalls im Ausland ein Projekt durchgeführt hat.

Im Laufe meines Aufenthaltes habe ich festgestellt, dass gerade der Kontakt zu Einheimischen bei der Suche nach einem WG Zimmer sehr hilfreich ist, sodass sich auch eine Suche über Kontakte lohnt statt sich nur auf die üblichen Erasmusgruppen zu verlassen. So oder so ist es sehr hilfreich wenn man sich vor Beginn des Auslandsaufenthaltes zumindest für einen Monat eine Übergangslösung organisiert hat, um dann von Barcelona aus suchen zu können.

Ein weiterer Planungspunkt vor Beginn des Aufenthaltes war die Buchung der Flüge. Da der Aufenthalt im Herbst/Winter stattfand, kamen praktisch nur Flüge von Hamburg oder Hannover infrage. Beide Verbindungen sind relativ kostengünstig, allerdings ist der Flug von Hannover kein Direktflug. Die Flugzeit beträgt etwa 3 Stunden und man landet am Flughafen El Prat ein wenig außerhalb von Barcelona. Von hier kann man recht einfach per Bus, Zug oder U-Bahn ins Stadtzentrum gelangen.

3. Das „Institut de Ciénces del Mar (ICM)“
Das ICM ist ein staatliches Forschungszentrum für marine Umweltforschung, das vom spanischen Ministerium für Wissenschaft getragen wird. Der Forschungsschwerpunkt liegt in den marinen Umweltwissenschaften. Innerhalb des Zentrums sind vier verschiedene Institute angesiedelt, unter anderem das Institut für marine Geowissenschaften, in dem ich mein Praktikum absolviert habe. Die Arbeitsgruppe in diesem Institut besteht aus etwa 15 Personen, vom Masterstudenten bis zum „senior researcher.“ Der Forschungsschwerpunkt liegt in der Untersuchung von Georisiken, etwa Risikoanalysen für Erdbeben und Tsunamis. Ebenfalls ist ein wichtiger Forschungsbereich die Untersuchung von submarinen Hangrutschungen.

In diesem Bereich war auch meine Projektarbeit angesiedelt. Es ging um die Untersuchung von submarinen Hangrutschungen in der Nähe des Ebro-Deltas. Der Verlauf dieser Hangrutschungen sollte durch die Erstellung eines numerischen Modells nachvollzogen werden. Dazu war meine Aufgabe ein Modell für subaerische Rutschungen so zu konfigurieren, dass es auch im submarinen Mileu angewendet werden kann. Die Arbeit fand ausschließlich am Computer statt. Dafür wurde mir ein Schreibtisch in einem Büro bei einem der Postdocs zugewiesen, an dem ich alle meine Arbeiten durchführen konnte.

Eine weitere Tätigkeiten während meiner Zeit in Barcelona waren die Unterstützung von Doktoranden bei der Planung und Durchführung von geotechnischen Laborversuchen an Proben aus Sedimentkernen. Dies war zu einem großen Anteil die Vorbereitung der Proben, da diese auf eine genormte Größe gebracht werden mussten.

Innerhalb des Forschungszentrum konnte ich sehr schnell Kontakt zu anderen jungen Wissenschaftlern schließen, die sich als „ICM young researchers“ zusammengeschlossen haben, um sich über ihre Forschungsergebnisse auszutauschen und Kontakte zu knüpfen. Diese Gruppe besteht aus mehr als 15 Personen mit mindestens 8 verschiedenen Nationalitäten, sodass meist in Englisch kommuniziert wurde. Dieser Kontakt hat es mir zudem ermöglicht die Stadt besser kennen zu lernen, da auch einige Einheimische oder Doktoranden dabei waren, die schon eine deutlich längere Zeit in Barcelona leben.

4. Mobilität in der Stadt
Der öffentliche Nahverkehr ist in Barcelona sehr gut ausgebaut. Praktisch an jeder Ecke gibt es eine Bushaltestelle oder eine U-Bahn-Station. Je nachdem wie viel man fährt lohnt sich hier ein Monatsticket (insbesondere für unter 25-jährige) oder ein 10er Ticket (eine Fahrt kostet etwa 1€).

Auch mit dem Fahrrad kommt man sehr gut von A nach B. Dabei ist zu beachten, dass man nicht auf jeder Straße Rad fahren darf, sondern nur auf den dafür vorgesehenen Radwegen. Etwa jede dritte Straße hat einen Radweg, sodass man, wenn man sich ein wenig in der Umgebung auskennt, immer schnell zu einem dieser Radwege kommt. Vorsicht ist geboten, wenn man sich selbst ein Fahrrad kauft, da es sehr viele Fahrraddiebstähle gibt. Daher am besten das Fahrrad so selten wie möglich an der Straße anschließen und teurere Fahrräder niemals (auch angeschlossen nicht!) unbeaufsichtigt lassen. Eine Alternative zum eigenen Fahrrad bietet das Bikesharing-Angebot der Stadt „Bicing“, bei dem man sich jahresweise für etwa 50€ anmelden kann und dann mit einer Chipkarte Zugriff auf tausende Fahrräder hat die an dafür vorgesehenen Stationen überall in der Stadt zu finden sind.

Da Barcelona außerhalb der Altstadt in einem sehr logischen System aufgebaut ist, in die Straßen senkrecht aufeinander stehen und sich jeweils zwischen vier Häuserblöcken zu einer Kreuzung öffnen, ist die Orientierung sehr einfach.

5. Freizeit und Kultur
Barcelona ist die größte Stadt Kataloniens und aufgrund der Lage an der Costa Brava ein sehr beliebtes Touristenziel. Dies hat den Vorteil, dass es viele Sehenswürdigkeiten und Kulturveranstaltungen gibt, dafür allerdings den Nachteil, dass die Stadt insbesondere von April bis Oktober sehr überlaufen ist. Das Institut liegt direkt an dem berühmten Strand „Playa de Barceloneta“, der leider sehr vermüllt ist, sich allerdings sehr gut zum Beachvolleyball spielen eignet. Da es nur wenige öffentliche Netze gibt, lohnt es sich allerdings sein eigenes mitzubringen.

Die Altstadt Barcelonas, das Viertel „Barrio gotico“ ist ein enges Netz aus kleinen Gassen, in denen sich viele touristische Läden befinden. Nachts entwickeln sich dieses Viertel und das benachbarte „El Raval“ zu einer Partyzone mit vielen Bars und Diskotheken. Dabei ist zu beachten, dass die Spanier im Vergleich zu den Deutschen wesentlich später feiern gehen, sodass es passieren kann, dass man um 1 Uhr in einem total leeren Club steht.

Das kulturelle Angebot in der Stadt ist sehr vielfältig und es findet sich für jeden Geschmack etwas. Den Namen Gaudi findet man verständlicherweise fast in jeder Straße und nicht nur die Sagrada Familia bietet einen atemberaubenden Anblick. Viele andere von ihm entworfene Gebäude kann man bei Touren durch die Stadt von innen oder außen bewundern. Ebenfalls von Gaudi ist der ein wenig außerhalb in den Hügeln gelegene Park Güell, von dem man einen wunderschönen Ausblick über die Stadt hat.

In der Umgebung Barcelonas befinden sich zudem viele Ausflugsziele für einen Tag oder ein Wochenende. Die Stadt Girona, etwa eine Zugstunde nördlich von Barcelona überzeugt durch eine wunderschöne Altstadt mit der ehemaligen Stadtmauer und der aus der Serie „Game of Thrones“ bekannten Kathedrale. Ebenso ist das Dali Museum in Figueres (etwa 1,5 Stunden mit dem Zug von Barcelona) sehr empfehlenswert.

6. Fazit
Barcelona ist ein sehr schönes Ziel für einen Erasmus-Aufenthalt in Spanien. Die Stadt hat viele neue Eindrücke und freundliche Menschen zu bieten. Insbesondere wenn man sich während der Zeit nicht nur mit anderen deutschen Erasmus-Studenten trifft, hat man die Möglichkeit die Stadt von einer Seite zu erleben, die sich sehr von der touristischen abhebt.

Zudem habe ich viele neue Kontakte geknüpft und auch fachlich neue Methoden und Denkweisen kennengelernt, die mir auch in Zukunft sehr hilfreichen sein werden. Auch wenn meine Zeit in Barcelona mit 3 Monaten nur vergleichsweise kurz war, muss ich sagen, dass auch ein so kurzer Erasmus-Aufenthalt ausreicht, um eine so großartige Stadt gut kennenzulernen.

 

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