Vorbereitung:
Ich hatte bereits einige Zeit in Italien hinter mir: erst ein Semester in Ancona, anschließend daran ein viermonatiges Praktikum in Casal Velino, insgesamt also mehr oder weniger neun Monate Italien.

Nach all diesen positiven Erfahrungen war ich mir sicher, dass meine Zeit in Italien noch nicht zu Ende sein durfte. Überzeugt davon suchte ich nach einem neuen Praktikumsplatz, da mein Studiengang neben einem Praxissemester ein weiteres Praktikum in der studienfreien Zeit vorsieht.

Nach kurzem Recherchieren wurde ich bei der Deutschen Zentrale für Tourismus (Ente Nazionale Germanico per il Turismo) in Mailand fündig. Ohne lange zu überlegen habe ich meine Bewerbung losgeschickt und auch relativ schnell darauf eine Antwort mit einer Einladung für ein Telefoninterview erhalten. Dies fand zu meinem Glück in deutscher Sprache statt und man musste nur wenigen Fragen auf Italienisch beantworten können.

Es schien wohl erfolgreich gewesen zu sein, denn bereits eine Woche später erhielt ich eine Zusage. Nun konnte es losgehen!
Um mir dies finanziell überhaupt ermöglichen zu können, musste ich mich nun noch für das Erasmus Stipendium bewerben. Mit diesen Formalitäten war ich aber ja bereits vertraut und zudem erhielt ich, wann immer nötig, Unterstützung vom International Office, sowie auch von meinem Fachbereich Kulturwissenschaften. Alle Formalitäten wie Praktikumsvertrag, Learning Agreement und auch Grant Agreement waren so relativ schnell erledigt und endlich konnte es losgehen!

Die italienische Kultur, Denkweise oder Vorgehensweise in Bezug auf Formalitäten waren mir ja bereits vertraut, weshalb ich mit Wohnungssuche etc. erstmal noch warten wollte. Dennoch sollte man nicht vergessen, dass man auch einen Antrag für den Auslandsaufenthalt bei der Uni einreichen muss, gegebenenfalls auch Auslandsbafög beantragen sollte, sowie sich Gedanken über eine europäische Kreditkarte oder Krankenversicherung (wenn diese nicht durch den Arbeitgeber geregelt ist) machen muss und Verträge wie den Handyvertrag oder den fürs Fitnessstudio pausieren, beenden oder erweitern sollte.

Das Praktikum:
Direkt von Süditalien ging es für mich weiter mit dem Zug gen Norditalien. Mit der App „Trenitalia“ buchte ich easy meinen Zug und konnte jederzeit sehen wann ich umsteigen musste. Schon hier fiel auf: je mehr man sich Norditalien näherte, je besser auch die Züge. Im Vorfeld hatte ich über Facebook eine Wohnung gefunden, denn anders als in Deutschland ist es in Italien sehr üblich, dies über Facebook Gruppen zu tun.Unter „affiti milano“ findet man jede Menge.

Andere Plattformen sind:
– Subito.it
– Idealista.it
– Bakeca.it
– Easystanza.it
– Uniplaces.it

Bleibt man bei allem erfolglos gibt es natürlich immer noch Airbnb, hier muss man aber definitiv mit höheren Preisen rechnen.
Montags ging es direkt los. Von Anfang an wurde ich, gemeinsam mit zwei anderen Praktikantinnen, voll eingespannt. Relativ schnell hatte jeder von uns eigene Projekte. Meine Aufgabe war es Trade Veranstaltungen in Verona und Mailand zu planen und zu organisieren. Nebenbei betreute ich Influencer- und Pressereisen, war Ansprechpartner oder verfasste ein Market Insight oder eine Digitalisierungsanalyse.

Insgesamt bekam ich während meines gesamten Praktikums viele Einblicke in alle Bereich des Destinationsmarketing, konnte immer selbständig arbeiten und mich individuell einbringen. Meinen touristischen Background aus meinem vorherigem Studium und auch viele Inhalte meines Studiums waren ein klarer Vorteil und halfen mir mich in die vielseitigen Tätigkeitsfeldern von Eventmanagement bis hin zu Social Media positiv einzubringen.

Leben in Mailand:
Italien war ja mittlerweile kein Neuland mehr, dachte ich. Aber in Mailand zeigten sich Land und Leute noch einmal von einer ganz anderen Seite.

Die stereotypischen Vorurteile die vor allem im Süden Italiens Anklang finden greifen hier nicht unbedingt. Vielmehr ist man darauf bedacht ein gutes Image nach außen hin zu pflegen, Arbeit wird sehr ernst genommen und wenn möglich gerne ein gehobener Lifestyle zelebriert.

Nach kurzer Umgewöhnungsphase konnte ich mich an den Lifestyle der Milanesen anpassen. Besonders schwer fiel es mir dabei aber, dass ich nun anstelle wunderschöner Natur nach Feierabend um 18 Uhr wortwörtlich die Sonne suchen musste. Anstatt an den Strand ging es nun in eine Bar und anstatt eines wunderschönen Sonnenuntergangs gab es jetzt Aperitivo für unglaubliche zehn Euro. Trotz all dem ist Mailand kein schlechter Ort zu leben. Ich denke es ist eine Sache des Typs und während ich hin und wieder mit dem vielen Stein um mich herum zu kämpfen hatten, waren die anderen beiden Praktikantinnen überglücklich über die riesige Auswahl an Shoppingmöglichkeiten, die Vielzahl der Bars und Museen. Bevor man sich auf nach Mailand machte sollte man aber definitiv den ein oder anderen Euro auf der Seite haben, um sich zum einen überhaupt Grundverpflegen zu können, zum anderen auch um sich tolle Unternehmungen finanzieren zu können.

Sprachlich war mein italienisch ja nun schon auf einem viel besseren Niveau wie eingangs und es bereitete mir jede Menge Spaß überall sich mit den Menschen verständigen zu können. Auch am Arbeitsplatz, der übrigens direkt im Herzen der Stadt lag und es so erlaubte auch mittags mal einen Bummel zu unternehmen, wurde viel italienisch gesprochen, weshalb ich mehr als zufrieden mit meiner sprachlichen Entwicklung bin.

Nach der Rückkehr:
Die Zeit verflog wie im Flug. An den Wochenenden unternahm ich Trips in die Toskana, an den Gardasee, den Comer See und einmal auch nach Barcelona.

Mailand hat neben drei Flughäfen, die relativ günstige Verbindungen anbieten, auch einen großen Bahnhof und eine relativ zentrale Lage, weshalb dies optimal war.

An den wenigen Wochenende in Mailand war ich als Tourist unterwegs, gemeinsam mit den anderen zwei Praktikantinnen. Und so war es auf einmal schon Ende Oktober.

Koffer packen, Abschied nehmen und dieses Mal ging es wirklich nach Bremen zurück.

Bevor der Abreise sollte man definitiv noch sicherstellen, dass alle Dokumente wie beispielsweise das Assessment Formular, das Trainship Certificate, der Europass oder auch das Praktikumszeugnis von der Gasteinrichtung ausgefüllt werden. So kann sich dann im Anschluss ganz entspannt um die abschließenden Formalitäten des Erasmus Stipendium kümmern ohne permanent irgendwelchen Dokumenten hinterherrennen zu müssen. Nicht zu vergessen sind das EU-Survey und der OLS-Sprachtest.

Auch diese letzten Formalitäten sind schnell erledigt und so bleibt einem nur noch das Zurückschauen. Das Zurückschauen auf eine wunderbare Zeit in der man nicht nur eine fremde Kultur kennenlernen durfte, sondern auch viele Eigenschaften für sich persönlich und definitiv auch für die Zukunft, sei es aus beruflicher oder zwischenmenschlicher Perspektive, mitnehmen konnte.

Ich bin sehr dankbar für diese Zeit, dankbar auch dass Erasmus dieses Jahr abroad überhaupt möglich macht und würde es jederzeit wieder so machen.

 

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