Im Rahmen meines Masterstudiums habe ich am Ende des 2. Semesters ein zweimonatiges Praktikum in Frankreich absolviert. Da ich in einem internationalen Studiengang studiere und ich bereits im Bachelor über ein Praktikum im Ausland nachgedacht hatte, es dann aber aus verschiedenen Gründen doch nicht realisiert habe, war für mich sehr schnell klar, dass es dieses Mal auf jeden Fall klappen sollte, Deutschland für ein Praktikum zu verlassen.

Auch die Wahl des Landes stand für mich relativ schnell fest. Das Masterprogramm selber ist in englischer Sprache, sodass der Anglo-Amerikanische Raum natürlich das naheliegendste gewesen wäre. Doch da mein Englisch eben durch das Studium schon ein entsprechendes Niveau erreicht hat, verspürte ich den Wunsch, die zweite Sprache, die ich in der Schule gelernt und die mir immer große Freude bereitet hat, einmal richtig anwenden zu können: Französisch. Und so machte ich mich auf die Suche nach einem Praktikumsplaty in Frankreich.

Vorbereitungen für das Praktikum
Beim Finden einer geeigneten Praktikumsstelle bekam ich glücklicherweise Unterstützung von einer meiner DozentInnen, welche noch vor nicht allzu langer Zeit selber an einem Institut in Frankreich gearbeitet hatte. So leitete sie mir Informationen und Kontaktdaten weiter, ich schrieb fleißig Bewerbungen (und musste dabei feststellen, dass das Französisch, was das Schreiben anging, schon ordentlich eingerostet war) und bekam schließlich eine positive Reaktion.

Als nun also feststand, dass ich im August und September 2018 ein Praktikum in der Nähe von Paris machen würde, ging es als nächstes darum, eine Wohnung für diese Zeit zu organisieren. Auch hier konnte ich auf die Hilfe meiner Dozentin bauen, die mir nicht nur auf einer Karte zeigte, welche Orte um das Institut herum gut zum Wohnen geeignet waren durch ihre Nahverkehrsanbindung, sondern die mich auch auf die Seite verwies, über die ich schließlich ein Zimmer fand: https://www.science-accueil.org/.

Hier konnte ich nach Anmeldung ganz einfach eine Anfrage für die gewünschte Region und im gewünschten Zeitraum erstellen, auf die ich dann auch bald eine Antwort mit Wohnungsvorschlägen erhielt. So fand ich schnell ein Zimmer im Ort Orsay, welches finanziell und von der Lage meinen Vorstellungen entsprach.

Dann galt es noch Zugtickets zu buchen, was online, sofern man eine Kreditkarte besitzt, auch kein Problem darstellt. Und damit war im Prinzip alles bereit für meine Zeit in Frankreich. Doch auch wenn es sich um ein EU-Land handelt, wurde ich darum gebeten, einen Reisepass zu beantragen. Denn: Mein Praktikumsinstitut hängt mit einer Forschungseinrichtung, die sich unter anderem mit atomarer Energie beschäftigt, zusammen, was entsprechend strenge Sicherheitsvorschriften bedeutet. So musste ich zusätzlich zu den üblichen Verträgen für ein Praktikum im Voraus einige Formulare ausfüllen und nach Frankreich schicken. Doch auch das war zum Glück alles machbar und auch das mit dem Reisepass lässt sich, wenn man ein paar Wochen Zeit hat, gut regeln.

Praktikumsinstitution und -aufgaben
Nun aber endlich zum Hauptteil: Dem Praktikum. Ich absolvierte dieses am Laboratoire des Sciences du Climat et de l‘Environnement (LSCE) – dem Labor für Klima- und Umweltwissenschaften. Dort war ich Teil der Arbeitsgruppe zum Thema „Eis und Kontinente, Klima und stabile Isotope“, welche ihren Fokus auf Klimaarchive und die darin enthaltenen Signale gesetzt hat.
Mein Vorgesetzter arbeitet primär mit Seesedimenten und darin enthaltenem Kalkmaterial, primär Muschelkrebsen, auch bekannt als Ostrakoden. An diesen können sogenannte stabile Isotope gemessen werden, welche durch Veränderungen des Klimas, beispielsweise in der Temperatur und dem Niederschlag, beeinflusst werden können. Auch ich habe während meines Praktikums viel mit Ostrakoden gearbeitet. Diese kamen aus Proben, welche in der Woche vor meinem Praktikum an einem See in Schweden genommen wurden. Ich lernte, wie man die winzigen Schalen, welche nach dem Sterben der Tiere selber im Sediment zurückbleiben, unter dem Mikroskop erkennt, heraustrennt, bestimmt und anschließend so sortiert und verstaut; dass sie für die weiterführenden Messungen genutzt werden können. Neben diesem Material arbeitete ich außerdem mit Algen, welche eine Kalkschale bilden (Characeen / Armleuchteralgen) und weiteren Materialien wie Muscheln.

Die Arbeit mit diesem Material sowie Recherche rund um das Thema, um einen Überblick über den aktuellen Stand der Forschung sowie offene Fragen zu erhalten, war der Hauptfokus meines Praktikums. Zusätzlich hatte ich aber auch die Chance, mit anderen Kollegen aus der Arbeitsgruppe zusammen zu arbeiten, um auch über andere Klimaarchive mehr zu lernen. So erhielt ich im Forschungsbereich der Eisbohrkerne aus der Antarktis die Chance, mit Hilfe eines Kollegen Messungen von Isotopen an Schneematerial aus der Antarktis aus den Jahren 2016-2018 durchzuführen und die Ergebnisse anschließend grafisch aufzuarbeiten und über erste Interpretationsmöglichkeiten nachzudenken.

Außerdem bekam ich Einblicke in die Klimarekonstruktion mit Hilfe von Baumringen und Tropfsteinen sowie in die Modellierung des Klimas der Vergangenheit. Da ich über all diese Themen in vorangenangenen Vorlesungen während meines Studiums schon etwas gelernt hatte, war es wirklich interessant zu sehen, wie die dazugehörige praktische Arbeit aussieht. Auch war es eine große Chance, mit verschiedenen Wissenschaftlern, die in diversen Forschungsschwerpunkten tätig sind, zu sprechen und nicht nur mehr über ihre inhaltliche Arbeit zu erfahren, sondern auch, wie es für sie generell abläuft und welche Herausforderungen und Hindernisse es in der Forschung geben kann.

Alltag in Frankreich
Die erste Frage in Bezug auf meinen Alltag in Frankreich ist sicherlich, wie es mit der Sprache geklappt hat. Ich muss sagen, wenn ich bedenke, was ich vorher dafür getan habe – oder eben nicht – echt gut. Nach dem Verlassen der Schule und damit Ende des regelmäßigen Französischunterrichts vor fünf Jahren habe ich immer mal Bücher auf Französisch gelesen. In Vorbereitung auf das Praktikum habe ich am Ende des Wintersemesters 2017/2018 außerdem einen Selbstlernkurs im Fremdsprachenzentrum absolviert, in dem ich mich erneut mehr mit der Grammatik auseinandergesetzt habe. Doch das Sprechen einer Sprache lässt sich meiner Meinung nach einfach nur üben, wenn man Kontakt zu anderen Leuten, am besten Muttersprachlern, haben kann.

Zu Beginn hatte ich beim Verstehen und Sprechen gewisse Schwierigkeiten, doch ich konnte mich zum Glück schnell wieder hineinfinden. Erleichtert wurde das ganze dadurch, dass ich auf der Arbeit einen Chef deutscher Herkunft hatte, und auch mit anderen Kollegen im Zweifelsfall englisch sprechen konnte. Auch in meiner Wohnung – eine WG mit 6 Zimmern – war englisch bei den meisten Mitbewohnern die passende Sprache, da sie selber ausländische Studenten waren, welche teilweise deutlich weniger französisch sprachen als ich. Nur einer sprach ausschließlich französisch, was mir auch zu Gute kam, denn so hatte ich auch außerhalb der Arbeit die Möglichkeit, die Sprache ein wenig zu sprechen.

Ansonsten fand ich den Unterschied zwischen Frankreich und Deutschland im Alltag nicht besonders gravierend. Klar, es gibt andere Geschäfte, man muss andere Bezeichnungen beachten, … aber im Großen und Ganzen ist die Nähe der Länder und ihrer Bewohner doch sehr deutlich.

Paris und Umgebung
Natürlich habe ich die zwei Monate in Frankreich nicht nur mit Arbeiten verbracht: Die freien Wochenenden habe ich sehr intensiv genutzt, um die Umgebung zu erkundschaften. Durch die Nähe zu Paris – etwa 30 Minuten mit dem Zug von meinem Wohnort bis ins Zentrum – war die Hauptstadt des Landes natürlich eines meiner Hauptziele hierbei.

Die Stadt hat wirklich einiges zu bieten und so konnte ich nicht nur die klassischen, bekannten Touristenmagneten wie den Eiffelturm, die Notre Dame oder den Louvre besuchen, sondern auch in Ruhe ein paar Ecken von Paris sehen, für die man als Tourist in ein paar Tagen Urlaub vielleicht keine Zeit hat. Empfehlenswert sind meiner Meinung nach neben dem Stadtzentrum auch die Schlösser in der Umgebung der Hauptstadt. Versailles ist vielen ja noch bekannt – und auch Lohnenswert mit seinem Eindrucksvollen Hauptgebäude, einem riesigen Parkgelände und zwei kleineren Gebäuden, in denen man so viel über die Zeit der Könige in Frankreich entdecken kann – doch es gibt noch einige weitere Schlösser in der Region. So habe ich an einem Wochenende das Schlos von Fontainebleau besucht. Dieses liegt zwar etwas weiter entfernt als Versailles (knapp zwei Stunden mit dem Zug von Orsay aus), aber ist durch seine geringere Bekanntheit und die abseitige Lage auch deutlich weniger überfüllt. So hat sich der Besuch dort für mich deutlich mehr gelohnt, weil ich alles mit viel mehr Ruhe und ohne langes Schlange stehen betrachten konnte.

Für alle, die sich für Natur und Geomorphologie interessieren ist auch der Wald, der dieses Schloss umgibt – der Forêt de Fontainebleau – einen Besuch wert. Hier kann man toll wandern und beeindruckende Steinformationen begutachten.

Ich habe die freien Wochenenden wirklich sehr genossen und dabei wahnsinnig viel gesehen und gelernt. Und der extrem trockene Sommer kam mir insofern auch zu Gute, dass ich nicht einmal auf Regenschirm und -jacke zurück greifen musste während meiner Besichtigungen.

Das Schloss von Fontainebleau mit großzügiger Parkanlage.

Blick vom Aussichtsturm aus über den Forêt de Fontainebleau.

Fazit
Das Praktikum in Frankreich war für mich wirklich eine besondere Erfahrung und obwohl es natürlich auch Tage gab, an denen mich etwas Heimweh plagte, habe ich es doch nicht einen Tag bereut, ins Ausland zu gehen. Einerseits habe ich fachlich sehr viel gelernt in einer Arbeitsstelle, in der es so viele Arbeitsbereiche gibt und viele sehr freundliche Menschen bereit waren, mir einen Einblick zu geben. Andererseits, und das sehe ich als besonderen Bonus an, habe ich auch persönlich viel mitgenommen. Sich zwei Monate im Ausland zurecht finden ist, denke ich, immer eine besondere Herausforderung, auch wenn man die Sprache vielleicht prinzipiell schon beherrscht und auch Kontaktpersonen vor Ort hat, die einem jederzeit helfen können. Meine Sprachkenntnisse haben sich in den zwei Monaten sehr verbessert und zum Ende hin von mehreren Franzosen gesagt bekommen, dass ich wirklich gut spreche, oder gefragt werden, ob man vorher schon einmal länger in Frankreich war, weil man die Sprache so gut beherrscht, hat mich mit Stolz erfüllt. Außerdem gab es in Paris so viele tolle Dinge zu sehen und zu lernen, völlig abseits vom Arbeitsalltag.

Ich kann jedem nur empfehlen, über ein Praktikum im Ausland nachzudenken. Es gibt fachlich, menschlich und kulturell so viel zu lernen, was man im Praktikum in der Heimat oder im Urlaub niemals erreichen können. Ich habe die Zeit auf jeden Fall genossen und bin dankbar, dass ich die Chance dazu erhalten habe.

 

Zur Werkzeugleiste springen