Ich habe mein Auslandspraktikum im Center for Spatial Studies an der University of California, Santa Barbara, gemacht. An diese Stelle bin ich über einen Professor aus meinem Fachbereich gelangt. Zum Vermittlungszeitpunkt habe ich noch Digitale Medien studiert. In diesem Studiengang ist ein Auslandssemester verpflichtend und ich hatte mich für die UCSB entschieden. Dummerweise ist mir erst im Nachhinein aufgefallen, dass ich für dieses Semester den vollen Betrag an Studiengebühren bezahlen müsste, deswegen fragte ich den zuständigen Ansprechpartner aus meinem Fachbereich und dieser schlug vor wie mehrere Studierende vor mir, stattdessen ein Praktikum dort zu machen. Da er mit dem Leiter des Center for Spatial Studies in Kontakt stand, konnte er mich empfehlen und mir gute Hinweise beim Verfassen eines Bewerbungsschreibens geben. Nach längerer Zeit erhielt ich tatsächlich eine Rückmeldung, die bestätigte, dass unsere Forschungsinteressen gut zusammen passen und wir einigten uns darauf, dass ich im Sommersemester 2017 dort als Research Assistant tätig sein würde.

Das Center for Spatial Studies beschäftigt sich mit dem Phänomen „Raum“ und darin eingeschlossen der räumlichen Wahrnehmung und der Lösung von räumlichen Problemen. Ein großer Teil dieser Arbeit beschäftigt sich mit der Konzeptualisierung von Räumen, um so bestimmte Situationen am Computer darstellen und analysieren zu können. Ein Forschungsprojekt des Center for Spatial Studies beschäftigt sich mit einer bestimmten Konzeptualisierung, die sieben abstrakte Kernklassen beschreibt, mit denen sich alle Formen von Räumen darstellen lassen können. Da das Center for Spatial Studies im Geographie-Fachbereich stationiert war, lag der Fokus besonders auf geographischen Räumen. In meinem Bewerbungsschreiben hatte ich mein spezielles Interesse an Astronomie erwähnt, deswegen einigten wir uns darauf, dass meine Aufgabe sein würde, zu überprüfen, ob sich diese Konzeptualisierung auch au astronomische Räume anwenden ließe.

Um in die USA einreisen und das Praktikum durchführen zu dürfen, war ein J1-Visum notwendig. Im Winter 2016 hielt ich deswegen engen Kontakt mit der Koordinatorin des Center for Spatial Studies J1—Visa dürfen nur von zuständigen Behörden oder Universitäten ausgestellt werden. In diesem Fall hatte ich also Glück und konnte das Visum direkt gemeinsam mit meiner zukünftigen Arbeitsstelle beantragen. Besonders das Ausfüllen und Absegnen des Formulars DS-2019 zog sich sehr in die Länge, weil dieses durch sehr viele Instanzen musste. Das hat mich zunächst ein wenig beunruhigt, weil ich befürchtet habe, dass die Zeit zu knapp wird. Tatsächlich hat das Bearbeiten dieses Formulares und das dazugehörige Anfertigen eines Arbeitsplanes (DS-7002) ungefähr drei Monate gedauert. Ich würde empfehlen, sich darum aufjeden Fall rechtzeitig zu kümmern. Sobald ich dieses Formular von meiner Arbeitsstelle erhalten habe, konnte ich beginnen, das eigentliche Visum zu beantragen. Dazu muss man sich in der Datenbank der amerikanischen Botschaft registrieren und einen Termin beim nächstgelegenen Konsulat vereinbaren. Für diesen Prozess müssen sehr viele Angaben gemacht werden, die ich zum Glück problemlos meinen Unterlagen entnehmen konnte. Lediglich die Frage nach einer Adresse in den Vereinigten Staaten bereitete mir Sorgen, weil ich noch keine Unterkunft hatte, aber in diesem Fall durfte ich die Adresse der Universität angeben. Der Termin beim Konsulat war sehr kurzweilig, ich musste nur meine Dokumente vorlegen und wurde keine weiteren Fragen gefragt.

Etwa einen Monat vor Beginn meines Praktikums bekam ich meinen Reisepass mit dem Visum zurück. Die Universität hat als Bedingung für das Visum gestellt, dass ich eine umfassende Versicherung abschließe. Auch wenn dies nicht gefordert ist, würde ich unbedingt empfehlen, eine Kranken- und Unfallversicherung abzuschließen, weil auch kleine Eingriffe in den USA sehr, sehr teuer sind.

Eine Unterkunft fand ich über craigslist, eine in Amerika sehr populäre Website mit Kleinanzeigen zu allen möglichen Angelegenheiten. Wohnen in Santa Barbara ist sehr teuer. Das Zimmer, das ich bekam, teilte ich mir mit einem anderen Studenten und bezahlte aber trotzdem so viel, wie ich alleine für meine Drei-Zimmer-Wohung in Bremen bezahlen würde. Ich wohnte in Isla Vista, die Nachbarschaft, die sich direkt an der Universität befand. Dementsprechend konnte ich die Uni bequem zu Fuß erreichen, allerdings ist Isla Vista beinahe ausgiebig von sehr jungen Studenten bevölkert. Nachts wurde es ab und an schon mal sehr laut, dafür allerdings auch nie langweilig. Wir wohnten zu viert in einem kleinen, zweistöckigen Apartment. Ich hatte Glück, dass ich mich mit meinen Mitbewohnern recht gut verstand, weil es dort nicht viele Möglichkeiten gab, sich aus dem Weg zu gehen. Trotzdem bin ich eigentlich nur zum Essen und Schlafen nach Hause eingekehrt, denn dadurch, dass ich kein eigenes Zimmer hatte und eigentlich auch nicht wirklich viele Dinge besaß mit denen ich mich beschäftigten könnte, gab es für mich keinen Grund, zuhause zu sein. Es ist auch möglich, sich für die ersten Wochen erst einmal ein Hotel zu nehmen, und das International Office der Universität nach Hilfe bei der Wohungssuche zu fragen.

Auf der Arbeit hatte ich einen eigenen Schreibtisch und Computer, an dem ich, sofern ich keine Adminrechte benötigte, schalten und walten konnte, wie ich wollte. Auch meine Arbeitszeiten waren selbstbestimmt. Dadurch, dass ich meinen Studiengang zuvor von Digitale Medien auf Informatik gewechselt hatte, war das Praktikum nun komplett freiwillig und ich konnte für mich selbst bestimmen, mit welchen Zielen ich dort hinaus gehen wollte. Im Büro arbeiteten weiterhin noch Master- und PhD-Studenten sowie andere Praktikanten aus verschiedenen Ländern. Wir hatten ein sehr angenehmes Klima und es war immer spannend, zusammen zu diskutieren, besonders weil wir kulturell sehr durchgemischt waren. Ich lernte während meiner Arbeitszeit viel über das wissenschaftliche Arbeiten in der Forschung, beispielsweise sich selbst über den aktuellen Stand der Dinge zu informieren, Papers zu lesen und zu verstehen und Ideen zu entwickeln, wie man auf anderer Leute Arbeit aufbauen könnte. Des Weiteren vertiefte ich mein Wissen im wissenschaftlichen Programmieren, weil auch das einen völlig anderen Ansatz lieferte, als das gezielte Entwickeln von Nutzsoftware. Einmal wöchentlich setzte sich das gesamte Team zusammen, um über die Ergebnisse der letzten Woche zu diskutieren. Außerdem hatte jedes Mitglied einen Gesprächstermin mit dem Leiter, um so seine persönlichen Ziele diskutieren, validieren und sich Ratschläge holen zu können.

Fernab von der Arbeit ist Kalifornien ein sehr schönes und vielfältiges Land. Ein wenig bereue ich es, dass ich nicht mehr Zeit eingeplant habe, um mich dort umzuschauen. Glücklicherweise konnte ich einen guten Draht zu meinen Kollegen knüpfen und so an einigen Aktivitäten teilnehmen. Einen Nachteil, den man vielleicht bemerkt, sind die Distanzen. Es ist leider nicht möglich, mal eben zu Fuß einkaufen zu gehen, wenn man nicht unbedingt in den Laden um die Ecke gehen will, bei dem aber alles dreimal so teuer ist, wie in den größeren Supermärkten. Lebensmittel allgemein sind nicht sehr billig. Man kann Geschäfte und die Downtown mit dem Bus erreichen, allerdings kostet das knapp zwei Dollar pro Fahrt und leider fahren die Busse auch nicht ganz so regelmäßig, wie sie es in Bremen tun. Ein großer Vorteil ist es,jemanden zu kennen, der ein Auto hat und einen im Austausch für ein Mittagessen hin und wieder mitnehmen kann. Ein sehr gutes Transportsystem ist meiner Meinung nach Uber, ein Unternehmen, bei dem private Fahrer angestellt sind und eine Art Taxiservice bereit stellen. Über eine App kann man einen Auftrag hinaus geben, wo man anbeholt und wo man hingebracht werden möchte. Der nächstgelegene Fahrer sammelt einen dann auf und bringt einen zum gewünschten Ziel. Die Bezahlung erfolgt über PayPal. Das funktioniert aber nur, wenn man Internet hat. Ich hatte kein mobiles Internet während der gesamten Zeit, in der ich da war, aber dadurch, dass es fast überall Hotspots gibt und ich den größten Teil der Zeit auf der Arbeit verbracht habe, war dies nicht so schlimm.

Große kulturelle Unterschiede gibt es zwischen uns und den Leuten in Kalifornien nicht. Allgemein ist es in Amerika ja aber so, dass die Menschen ein wenig herzlicher wirken, wie man aber wahrscheinlich auch schon gehört hat, ist dies ein Akt der Höflichkeit und sollte nicht mit enger Freundschaft verwechselt werden. Dass auf die Frage „How are you doing?” niemand in allem Umfang hören will, wie dein Tag so war ist klar. Was ich zum Anfang ein wenig befremdlich fand, ist dass Kontakte oft nicht sonderlich gepflegt werden. Es kann durchaus passieren, dass du jemanden triffst und dich wirklich gut verstehst, ihr aber im Nachhinein nie wieder voneinander hört. Das ist natürlich nicht immer der Fall, aber es kann vorkommen.

Alles in allem bin ich sehr froh, diese Erfahrung gemacht zu haben. Ich habe mich in das Land und die Umgebung förmlich verliebt und bin froh, so viele nette Menschen kennen gelernt zu haben. Auch beruflich bin ich sehr ertragreich aus diesem Aufenthalt hinausgegangen, so habe ich zum Beispiel dort meine erste Publikation geschrieben. Ich habe inhaltlich und methodisch sehr viel gelernt, und es tat mir gut, neben der Theorie, die man in der Universität lernt, auch einmal eine praktische Anwendung durchzuführen. Ich spiele sogar damit, meinen PhD an der UCSB fortzusetzen. Jedem, der plant ein Praktikum im Ausland zu machen, kann ich es aus meiner Perspektive nur empfehlen.

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