Den Entschluss, ein Praktikum in Frankreich zu absolvieren, habe ich während eines Auslandssemesters im schwedischen Östersund gefasst. Es war das erste Mal nach meiner Schulzeit, dass ich wieder mit der französischen Sprache in Kontakt kam, weil ich viel mit Studierenden aus Frankreich zu tun hatte. In der Schule hatte ich immer große Probleme mit der Sprache und war froh, dass ich sie nach der 11. Klasse abwählen konnte. In Schweden kam dann aber die große Überraschung, weil ich den Gesprächen der französischen Studierenden untereinander folgen konnte. Anscheinend ist mir ein großer passiver Wortschatz aus der Schulzeit erhalten geblieben, und so wollte ich der Sprache eine neue Chance geben.

Gesagt, getan. Ich habe mich nach deutschen Unternehmen umgesehen, die auch in Frankreich ansässig sind, weil mir durch meine eingeschränkten Sprachkenntnisse klar war, dass ich nicht in einem rein französischsprachigen Umfeld arbeiten kann. Fündig geworden bin ich an mehreren Stellen, die Zusage kam dann für ein Praktikum über drei Monate in der Außenstelle des DAAD in Paris. Von der Beschreibung der Anforderungen für das Praktikum, man brauche „sehr gute Französischkenntnisse“ habe ich mich nicht abschrecken lassen. Die Gelegenheit, einen Einblick in Verwaltungsarbeit zu bekommen, erschien mir sehr reizvoll. Außerdem hatte ich durch mein Auslandssemester selbst erlebt, wie gewinnbringend ein Auslandsaufenthalt sein kann, so dass mich die Tätigkeitsfelder des DAAD sehr interessiert haben.

Der DAAD ist eine gemeinsame Einrichtung der deutschen Hochschulen, die durch vielfältige Stipendien- und Austauschprogramme sowie durch Unterstützung von Forschungsprojekten maßgeblich zur Förderung der internationalen Beziehungen der deutschen Hochschulen beiträgt. Durch sein breit gefächertes Programm hat der DAAD eine Mittlerrolle in der auswärtigen Kulturpolitik, der Hochschul- und Wissenschaftspolitik sowie der Entwicklungszusammenarbeit im Hochschulbereich inne. Diese interdisziplinär und international ausgerichtete Programmvielfalt wird durch ein weltweites Netz von Außenstellen sowie Lektorinnen und Lektoren ermöglicht, welche vor Ort in den einzelnen Ländern über den Hochschulstandort Deutschland sowie Fördermöglichkeiten für ausländische Studierende informieren, den Kontakt zu ausländischen Partnerinnen und Partnern pflegen und Kooperationen anbahnen.

Vor Praktikumsbeginn habe ich für fünf Wochen einen Sprachkurs am Sprachinstitut Alliance Francaise gemacht, von dem vier Wochen durch das ERASMUS+ Programm gefördert wurden. Den überwiegenden Teil der Kosten für den Sprachkurs habe ich durch ein Stipendium des Deutsch-Französischen Jugendwerks (DFJW) abdecken können. Das DFJW ist generell ein sehr guter Ansprechpartner, wenn man Interesse an einem Aufenthalt in Frankreich hat. Der Sprachkurs war sehr intensiv und anspruchsvoll, hat mir aber auch die nötigen Grundlagenkenntnisse vermittelt, die ich in der Schule nie richtig begriffen hatte.

Mein Praktikum verlief insgesamt sehr erfreulich. Es gab kleinere Startschwierigkeiten, weil die für mich zuständige Kollegin in der ersten Woche krank war, aber mit etwas Improvisation war das kein größeres Problem. Ich hatte eine feste Ansprechpartnerin, aber alle Kolleginnen und Kollegen konnten auf mich zukommen und mir Aufgaben übertragen. Ich wurde immer gefragt, ob ich für weitere Aufgaben Kapazitäten hätte und ob sie mich interessieren würden oder nicht.

Insgesamt besteht das Team des DAAD Paris aus sieben Kolleginnen und Kollegen, von denen drei französisch und vier deutsch sind. In der wöchentlichen Besprechung, an der auch ich teilgenommen habe, wurden alle über den jeweiligen Arbeitsstand informiert und administrative Themen besprochen, etwa die Neuorganisation der Daten auf dem gemeinsamen Server oder die Organisation des Sommerfestes, das zusammen mit dem Goethe-Institut Paris veranstaltet wird. Auch im Arbeitsalltag gab es immer wieder Berührungspunkte zwischen den Kolleginnen und Kollegen, da sie in sich zum Teil überschneidenden oder miteinander verwandten Aufgabenfeldern tätig sind.

Meine Aufgaben waren recht vielfältig. Zum Anlass des 50. Jahrestages des Elysee-Vertrages habe ich zusammen mit einem Kollegen eine Schule besucht, die eine Livekonferenz mit mehreren anderen Schulen in Deutschland und Frankreich organisiert haben, in der sie über das Thema des kulturellen und sprachlichen Austausches diskutierten. Mein Kollege nahm an der anschließenden Podiumsdiskussion teil, in der insbesondere die Chancen thematisiert wurden, die sich durch die (in diesem Fall) binationale Kooperation im Schulbereich für die verschiedenen Akteure ergeben. Außerdem habe ich den DAAD auf einer Messe für Studieninteressierte vertreten und gemeinsam mit je einer DAAD-Lektorin über Studien- und Forschungsmöglichkeiten in Deutschland informiert.

Außerdem habe ich an Publikationen der Außenstelle mitgearbeitet („Länderprofil Frankreich“, eNewsletter), ein Merkblatt zum dualen Studium in Deutschland auf Französisch erstellt, eine Fotorecherche für den Jahresbericht der Außenstelle durchgeführt und mehrere kleinere Recherchearbeiten zu verschiedenen Themen übernommen, etwa zum Englischniveau französischer Studierender.

Weitere von mir übernommene Aufgaben bezogen sich auf das Lektorenprogramm des DAADs. Ich habe die Jahresberichte der Lektorinnen und Lektoren zusammengefasst sowie Zuarbeiten bei der Organisation des Jahresseminares durchgeführt. Außerdem habe ich an einem Vorstellungsgespräch teilgenommen, in dem sich ein potentieller Lektor für eine Fachlektoratsstelle im Bereich Jura an einer Pariser Universität beworben hat. Auch in die Organisation des einwöchigen Seminars „Französisch-Aufbaukurs mit Fachvorträgen und Hochschulbesuchen“ für deutsche Hochschullehrende und Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter deutscher Hochschulen war ich eingebunden.

Da leider eine meiner Kolleginnen aufgrund von Krankheit unerwartet für mehrere Monate ausgefallen ist, wurden ihre Aufgaben auf das Team verteilt. Ich selber habe in diesem Rahmen sehr viel Verantwortung übernommen. Das brachte natürlich Vor- und Nachteile mit sich: Auf der einen Seite habe ich sehr viel Verantwortung getragen, stand teilweise unter hohem Zeitdruck und habe viel Arbeit gehabt; auf der anderen Seite habe ich so sehr viel gelernt und Aufgaben übernommen, die sonst im Rahmen eines Praktikums nicht in meinen Bereich gefallen wären. Konkret habe ich mit Unterstützung einer anderen Kollegin die Bearbeitung von Bewerbungen von französischen Studierenden übernommen, die sich für ein Stipendium für ein komplettes oder anteiliges Masterstudium in Deutschland beworben haben. In diesem Rahmen fielen die folgenden Aufgaben an: Überprüfung der Bewerbungen auf Vollständigkeit, Kommunikation mit den Studierenden, Suche nach Mitgliedern für die Auswahlkommissionen sowie deren „Betreuung“ und Kommunikation mit ihnen, Zusammenstellung der Unterlagen für die Mitglieder der Auswahlkommission, Organisation, Teilnahme und Protokollierung der Auswahlkommission, Ablage, Kommunikation mit der DAAD-Zentrale in Bonn, Nachbereitung der Auswahlkommission. Außerdem habe ich an zwei weiteren Auswahlkommissionen für Stipendien anderer Programmlinien teilgenommen (Stipendien für Sprachkurse und Stipendien für Forschungsaufenthalte von Postdocs und Doktoranten). Die Bearbeitung der Stipendienbewerbungen hat einen Großteil meiner Zeit im Praktikum eingenommen. Durch den langen Ausfall meiner Kollegin wurde mein Praktikum zudem um einen Monat verlängert. Dies hatte für mich den Vorteil, dass ich die Nachbereitung der Auswahlkommission ebenfalls mitverfolgen konnte und ich so den gesamten Prozess vom Zeitpunkt der Bewerbungsdeadline bis zur Mitteilung der Ergebnisse begleiten konnte. Zur Anleitung und Unterstützung stand mir über den gesamten Zeitraum eine Kollegin zur Verfügung, die ich jederzeit ansprechen konnte.

Alles in allem bewerte ich mein Praktikum als erfolgreich und als sehr gewinnbringende Erfahrung. Ich konnte einen Einblick in Verwaltungstätigkeiten in einem für mich sehr spannenden und gesamtgesellschaftlich relevanten Bereich gewinnen, mich mit der Bearbeitung von Bewerbungen und der Organisation von Auswahlkommissionen vertraut machen, Erfahrungen in der Arbeit in einem internationalen Team sammeln und auch inhaltlich arbeiten, in dem ich an Publikationen und Merkblättern mitgewirkt habe. Mir wurde sehr viel Verantwortung übertragen und ich konnte mich darin üben, unter Zeitdruck zu arbeiten. Alle Kolleginnen und Kollegen haben mich unterstützt, sich Zeit für mich genommen und jede meiner Fragen ausführlich beantwortet. Insbesondere die Verlängerung des Praktikums, jedoch nicht nur die, hat mir deutlich gezeigt, dass meine Arbeit anerkannt wird und wertvoll ist. Meine sprachlichen Kompetenzen haben mir zwar hin und wieder Steine in den Weg gelegt, aber ich war dennoch in der Lage, die mir zugeteilten Aufgaben zur Zufriedenheit aller zu erledigen.

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