Vorbereitung
Im Jahre 2015 fing mein soziales Engagement an, als ich Freiwillige bei der französischen nationalen Organisation Le Secours Populaire geworden bin.

Dank dem Kennenlernen erfahrungsreicher Leute habe ich meine Kenntnisse im humanitären Bereich vertiefen und ein starke Interesse für diese Branche entwickelt. Diese Begeisterung hat dazu geführt, dass ich nun immer informiert bleiben mag, über die Aktionen und Programme der verschiedenen Nichtsstaatlichen Organisationen weltweit.

Als ich angefangen habe, eine Praxisstelle zu suchen, fiel mir sofort zahlreiche Namen von Hilfesvereine ein. Ich habe mich bei mehreren beworben und bin beim französischen Roten Kreuz angenommen worden. Mir war es wichtig, das Pflichtspraktikum ausserhalb Deutschland zu absolvieren, indem die französische Struktur einer welweiten NGO mich interessierte.

Vorstellung der Praktikumsinstitution: das Caener Rote Kreuz
Ich habe mein Praktikum bei dem französischen Roten Kreuz meiner Heimatstadt Caen (Normandie) absolviert. Das Rote Kreuz ist die älteste und die grösste nichtstaatliche Organisation weltweit. Während der Schlachte von Solferino im Jahre 1859 versucht ein schweizer Bürger namens Henry Dunant mithilfe der Bevölkerung vorort, die Soldaten beiden Seiten ohne Diskriminierung zu pflegen. Später schrieb Dunant « Un souvenirs de Solferino » (eine Erinnerung an Solferino), in dem er zwei Aussagen erläutert, die dem modernen humanitären Recht ausmachen. Erstens erwähnt er den Abschluss eines Vertrags bezüglich der Neutralisierung des militärischen Sanitärdienst auf dem Schlachtsfeld. Zweitens setzt er sich für die Gründung einer Organisation um den Kriegsverletzten Hilfe zu leisten.

Der erste Rote Kreuzverein wurde 1863 in Würtenberg gegründet. Daraus entstand der CICR (Comité internationale de la Croix Rouge), der als Sitz des roten Kreuz gilt und sich im Genf befindet. Die Caener Lokaleinheit wurde 1984 gegründet und befindet sich am Boulevard Lyautey.

Struktur und Arbeitsweise

1) Buchhaltung
Ab 2004 wurden die Buchhaltung und das Finanzgeschäft der Lokaleinheit von Paris verwalten. Folgt dann die Gründung mehrer Zentren. Es wird nun bei dem Caener Roten Kreuz nur noch Geschäftsführung gemacht.

Nach einer Ausbildung im Buchhaltungsbereich hat die aktuelle Buchhalterin des roten Kreuz, Danielle in einem Unternehmen gearbeitet, bevor sich an die nichtsstaatliche Organisation zu wenden. Die Buchhalterin (bzw die nun gewordene Geschäftsführerin) kümmert sich darum, nach Subventionen zu suchen und die Geschäftsführung vier kleineren Einheiten der Umgebung zu kontrollieren, wie Deauville oder Aunay-Sur-Odon. Zudem ist die Geschäftsführerin des Roten Kreuz in Caen für die Kasse des Solidärladen zuständig.

Darüberhinaus knüpft und hält sie Kontakte zu zahlreichen Supermärkte und Bäckereien, die Lebensmitteln oder Kleidung spenden. Zur Zeit überlegt Danielle andere Erweiterungen der sozialen Hilfe, die das Rote Kreuz noch nicht zur Verfügung stellt. Unter anderem schlägt die Geschäftsführerin vor, eine Sprechstunde einzusetzen um den Berechtigten (Empfänger der sozialen Hilfe) bei der Arbeitssuche zu helfen.

2) Babys und Elternzentrum
Das Caener Rote Kreuz verfügt ein Baby und Elternzentrum. Das Gebäude ist Montags und Dienstags von 2 bis 5 Uhr geöffnet. Dieser Ort besteht aus einem Erdgeschoss, einer Küche in der die Berechtigte einmal pro Monat zu einer handwerkischer Aktivität eingeladen werden (Stricken lernen, Plätzchen backen). Circa 60 Berechtigten und ihre Babys werden in einem während des Zwischenkriegszeit gebauten Hochhaus mit Tee und Kekse empfangen. Die Räume sind hell , extrem sauber und für Kinder und Neugeborenen abgesichert. Das Ziel dieses Programm liegt daran, ein Zusammengehörigkeitsgefühl zu entwickeln.

Darüber hinaus gibt es ein Keller, in dem alle Waren, Nahrungsmittel aber zugleich Kleidung und Kinderspiele. Sie werden je nach Kategorien zugeteilt und in Kisten eingeräumt. Aus Sauberkeitsgründe werden alle Kleidungsstücke gewaschen, getrocknet und letzendlich gefaltet, was bei dem Einheitssitz wegen Zeitmangel nicht gemacht wird.

Dieses « Espace Bébés Parents » empfangt sowohl Eltern als Alleinerziehende/n , denen Einkommen zu gering ist um ihr oder ihre Kind/er genügend zu ernähren und bekleiden. Das Zentrum verschenkt den Familien vierzehn Tage vor dem Geburt des Kindes ein Geburtspacket mit Kleidung und Windel. Die Familie, die versorgt werden, können jede vierzehn Tage abholenEs leistet Hilfe bis zum zweiten Lebensjahr des Kindes. Danach müssen die Familien sich an den Hauptssitz im Boulevard Lyautey wenden.

3) Verteilung der Lebensmittel
Bei dem Hauptsitz am Boulevard werden dreimal die Woche Lebensmittel verschenkt. Nach Beweis einer nicht reichenden finanziellen Lage dürfen die Berechtigten jede Woche Nahrungsmittel mitnehmen.

Entweder werden Asylbewerber von einer Hilfesorganisation an das Rote Kreuz gewendet, oder französische BürgerInnen kommen zum Roten Kreuz mit einem Brief einer SozialmitarbeiterIn, worauf steht dass diese Personen Lebensmittel dringend benötigt. Die Essenversorgung kommt aus der Lebensmittelbank einerseits und aus Spenden andererseits. Aufmerksamkeit wird auf die jeweiligen Essenbeschränkungen gelegt indem vegetarische und hallal Optionen vorliegen.

4) Erkundungsfahrte : ortsfeste und mobile
Das Caener Rote Kreuz organisiert jeden Abend Erkundungsfahrte. Zwei unterschiedliche Erkundungsfahrte werden durchgeführt : die ortsfeste und die mobile Runde.

Die ortsfeste Erkundungsfahrt wird wie folgende vorbereitet. Eine Stunde bevor der Abfahrt, trefft sich eine Belegschaft von sechs Freiwilligen im an der Erkundungsfahrt gewidmeten Lagerhaus. Der Lastwagen wird geprüft. Er wurde extra für die Runde ausgerüstet : im Kofferraum stapeln sich mit Suppen-, Schoko-, oder Milchpulver ausgefüllte Plastikdosen. Im Caen hält der Lastwagen ca zwanzig Minuten in strategischen Orte an : das historische Zentrum, der Hafen und der Hauptbahnhof. Währenddessen gehen zwei Freiwillige zu den Bäckereien, die eine Partnerschaft mit dem Roten Kreuz haben, um die übrige Brote und Sandwichs abzuholen. Diese Reste gelten als Abendessen und wird den Obdachlosen gegeben.

Die mobile Erkundungsfahrt wird anders organisiert indem sie den Obdachlosen unter den Brücken, in den dunkelen Ecken der Stadt entgegengeht. Sie bringt wärme Getränke und Essen aber auch Decken und Kleidung. Ihre Priorität besteht darin, mit den Obdachlosen zu reden und die soziale Bindungen solange wie möglich zu pflegen.

5) Französischunterrichte
Kostenlose Französischkurse werden jeden Tag angeboten. Montags und Freitags findet der Anfängerkurs statt, in dem die Lernende das lateinische Alphabet nicht schreiben und daher kein französisches Wort kennen. Dienstags und Donnerstags kommen Leute die sich schon in der französischen Sprache ausdrücken können. Die Kurse sind für alle offen und kostenfrei. Durch das Lernen wird das Miteinanderleben (beziehungsweise die friedliche Auseinandersetzung zahlreichen Ethnien) gepflegt und den kulturellen Austausch zur Geltung gebracht.

6) Trödelmarkt des Roten Kreuz
Das Caener Rote Kreuz organisiert jeden drei Monate einen Trödelmarkt, auf dem sowohl Kleidung als auch Geschirr und Zubehör günstig verkaufen werden. Die Einnahmen dieser Märkte tragen zur Finanzierung von Projekte und zur Verbesserung der Leistungen des Lokaleinsatz bei.

Meine Aufgaben
Mir war es wichtig alle Facetten des Roten Kreuz kennen zu lernen. Aus diesem Grund habe ich von allen Branchen erfahren und im zahlreichen Hilfesbereich aktiv mitgemacht. Ich habe im Babys und Elternzentrum gearbeitet indem ich die Kleidung und Kinderspiele von dem Hauptssitz im Boulevard Lyautey bis zum Zentrum mit dem Auto transportiert habe und Geburtspacket vorbereitet habe.

Darüber hinaus habe ich französisch als Fremdsprache unterrichtet. Dank meiner beruftlichen Erfahrung ( in einem deutschen Unternehmen und danach an der Universität Bremen) fiel mir ziemlich leicht eine heterogene Gruppe zu unterrichten. Anlässlich meiner Kenntnisse der arabischen Sprache, habe ich öfters den Alphabetisierungskurs geleitet.Tatsächlich waren in diesem Kurs viele Leute aus dem Sudan, dem Irak und allgemein aus dem arabsprachigen Raum. Durch die Sprachkurse, habe ich mich mit den jeweiligen Ländern und denen Konflikte auseinandergesetzt und immer mehr über denen Politik und Kultur wissen wollen.

Mit einigen anderen freiwilligen FranzösischlehrerInnen habe ich den Projekt « Portraits » angefangen und fortgeführt. Wir haben AusländerInnen im Französischkurs ausgewählt und die gefragt, ob sie einverstanden seien, ihre Geschichte und die Gründe ihrer Auswanderung uns zu erzählen. Wir haben uns nach den jeweiligen Ländern erkundigt und dazu ein anonymes Interview des Ausländers hinzugefügt. Diese Berichte sollten in der regionalen Zeitung veröffentlicht werden. Dieses Projekt ist mir wirklich unter die Haut gegangen, weil ich endlich Gesichte den Migrationsströme zuordnen konnte.

Zudem habe ich sowohl an der ortfesten als auch der mobilen Erkundungsfahrt teilgenommen. Daraus habe ich die Teamsarbeit in Notfallsituationen gelernt. Überdies habe ich mit dem Roten Kreuz Software « Aïda » im Empfangsbüro gearbeitet. Aufgrund meines vielsprachigen Profils galt ich als Ansprechpartnerin für die Leute, deren Muttersprache nicht französisch war. Ich habe die zukünftigen und gegenwärtige Berechtigte empfangen. Darüberhinaus habe ich sie zugleich über Ihre Rechte und die jeweiligen Ansprechstelle und Hilfesorganisationenen aufmerksam gemacht. Damit die Sprachbarriere zur Brücke wird, habe ich alle Informationenblätter im Wartesaal in mehreren Sprachen übersetzt.

Jeden Donnerstag durften die Berechtigen Kleidungstücke kostenlos auswählen. Mit einer Mitarbeiterin habe ich die Klamotten im Vorhinein eingeordnet.

Darüber hinaus habe ich bei der Vorbereitung des Frühlingströdelmarkt aktiv mitgeholfen, indem ich die Schilder auf verschiedene Sprache übersetzt habe. Zudem habe ich mit zwei anderen Praktikanten Flugblätter, die über den Trödelmarkt informierten, im Caener Zentrum den Bäckereien, Bars und Restaurants gegeben .Überdies habe ich die Kleidungstücke und Schuhe ausgewählt und mich um die Kasse während des Trödelmarktes gekümmert.

Ausserdem habe ich auch mehrmals in einer Notschlafenstelle in der Spätschicht gearbeitet. In einem riesigen alten Gebäude wurden über den Winter circa 80 Obdachlosen (darunter 15 Kinder und Babys) unterbracht. Der Caener Rote Kreuz galt dort nur als Unterstützer des Komitee « Trait D’Union » (Bindesstrich auf französisch), die zuwenig Personal hatte, um die Leute dezent beraten zu können. Unsere Arbeit lag daran, die soziale Bindungen aufrechtzuerhalten indem wir mit den Kindern gespielt und mit den Eltern geredet haben.

Was ich dem Caener Roten Kreuz gebracht habe
Ich habe Kopien meiner ganzen Lernmaterialien den freiwilligen FranzösischlehrerInnen gelassen, da sie an Ressourcen fehlten.

Darüberhinaus habe ich vorgeschlagen, dass es den Berechtigten zur Essenverteilung eine genaue Uhrzeit gegeben wird. Tatsächlich sollten die Leute oft bis 3 Stunden warten, bevor sie dran sind. Mittlerweile steht eine Uhrzeit auf dem Zettel, das jeder Berechtigte hat, und ihm erlaubt Lebensmittel zu nehmen. Dadurch wird Vertrauern gewonnen der Person gegenüber.

Fazit
Dieses Praktikum beim französischen Roten Kreuz hat mir ermöglicht neue Facetten und Branchen des humanitären Bereich zu entdecken. Durch diese zwei erfahrungsreichen Monate bei der ältesten Nichtstaatlichen Organisation weltweit, hat sich mein Wunsch Karriere als Vertreterin einer NGO auf internationaler Ebene verstärkt. Ich habe gesehen, wie eine Hilfesorganisation funktioniert und wie vielfältig die Tätigkeit in der humanitären Branche sein mögen.