1. Vorbereitung/Zimmer/Sprachkurs

Der Wunsch, einen Teil meines Studiums in einem spanischsprachigen Land zu absolvieren, bestand bereits vor dem Studium. Das Interesse zur Sprache und Kultur wurde durch meinen schulischen Spanischunterricht geweckt. Um den Aufenthalt mit meinem Studium der „Fachbezogenen Bildungswissenschaften“ an der Universität Bremen in Einklang zu bringen, machte ich mir genaue Gedanken darüber, welche Phase meines Studiums am ehesten dafür geeignet ist. Da ich eine Zusatzqualifikation zur Elementarpädagogin erwerben wollte, war das Absolvieren eines Berufspraktikums im Elementarbereich ein Bestandteil der Ausbildung. Dieser eignete sich für mich hervorragend für die Ausbildung im Ausland. Eigenständig recherchierte ich nach Praktikumsstellen in Spanien und bewarb mich um ein Anerkennungsjahr an der Deutschen Schule in Valencia. Im Elementarpädagogischen Bereich werden Kinder bilingual betreut, erzogen und gebildet. Nach einer Zusage habe ich mich an das International – Office in Bremen gewandt, welches mich ausführlich über das Erasmus+ – Programm informierte und mir die Bewerbung ermöglichte. Dieses Verfahren war recht unkompliziert und ermöglichte mir durch ihre Förderung eine Teilfinanzierung des Auslandsjahres. Ein genauer Ausbildungsplan, der vorab mit der Praktikumseinrichtung und das International-Office erarbeitet und abgesprochen wurde, legte den Baustein der Förderung. Der Austausch von wichtigen Dokumenten und Verträgen erfolgte überwiegend in elektronischer Form und verlief reibungslos.

Für das Berufspraktikum an der Deutschen Schule in Valencia waren keine Spanischkenntnisse erforderlich. Dennoch besaß ich bereits erste Sprachkenntnisse, die ich in der Schulzeit erworben habe und verbesserte diese durch die Teilnahme an einem Schnellkurs.

Zu den Vorbereitungen gehörte das Abschließen einer zusätzlichen Auslandskrankenversicherung bei der DAAD (günstigste Variante für ErasmusstudentInnen), die Vorbereitung auf die Stadt Valencia sowie die Wohnungssuche. Für das Zurechtkommen in Valencia haben mir die Erfahrungsberichte von ErasmusstudentInnen, sehr geholfen. Auch die Wohnungssuche war aufgrund der vielen leeren Wohnungen in Valencia sehr einfach. Ich hatte das Glück, über eine Vermieterin hier aus Deutschland ein WG-Zimmer in Valencia zu bekommen. Die Unterzeichnung eines Mietvertrages würde ich jedoch erst nach einer Besichtigung machen. Viele andere Praktikanten haben in den ersten Tagen vor Ort nach einer Wohnung gesucht und waren auch schnell erfolgreich. Die Mieten für ein Zimmer in der WG sind in der Regel zwischen 200-350 Euro. Mit meiner WG war ich sehr zufrieden. Das Leben mit zwei einheimischen Studentinnen hatte leider eher die Funktion einer Zwecks-WG erfüllt, aber dennoch konnte ich mich über das Zusammenleben in einer großen Wohnung mit einem großen Wohnzimmer nicht beschweren. Vorsicht ist für die Wintermonate geboten, da die meisten Wohnungen keine Heizungen besitzen. Im Winter sind die Nächte sehr kalt, sodass man auch für warme Kleidung sorgen muss.

Einen Einführungssprachkurs kann ich nur weiterempfehlen. Viele Spanier sprechen nur Spanisch und verstehen kein Englisch. Vor Ort können dann weitere Spanischkurse besucht werden, die teilweise für Erasmusstudenten sehr günstig sind. Ich besuchte einen 4 monatigen Kurs am Centre d’idiomes de la Universitat Valencia, der zwei Mal 2,5 Stunden die Woche stattfand. Dieser kostet für ErasmusstudenInnen der Universität Valencia nur einmalig 75,00 Euro. Da ich nicht an der Universität Valencia eingeschrieben war, musste ich die volle Höhe von 375,00 Euro zahlen.

  1. Berufspraktikum

37,5 Stunden arbeitete ich die Woche in dem Elementarbereich der Deutschen Schule in Valencia. Davon waren 4 Stunden Vorbereitungszeit und eine Stunde für den Erfahrungsaustausch in der Praktikantensitzung. Mein Arbeitsumfeld war recht umfangreich. Ich nahm an allen Veranstaltungen und Sitzungen wie Elternabend, Elternsprechtag, Teamsitzungen, pädagogische Tage sowie Fortbildungen teil. Der Schwerpunkt dieser Einrichtung liegt an der Vermittlung von Deutsch als Zweitsprache. Da die Arbeitssprache Deutsch ist, waren keine spanischen Grundvoraussetzungen eine Bedingung. Dennoch erleichtern Grundkenntnisse enorm den Alltag und die Eingliederung in die Kultur. Mit einem Gruppenleiter übernahm ich eine Gruppe von 19 Kindern und durfte an der Alltagsgestaltung der Gruppe teilnehmen. Die Teilnahme an den Teamsitzungen ermöglichte mir auch die Mitgestaltung der Einrichtung. Die Arbeit in einem sehr freundlichen und jungen Team machte mir sehr viel Spaß. Trotz sehr schwierigen Arbeitsbedingungen konnte ich mich ausführlich erproben, die Schwierigkeiten des Arbeitsfeldes der Elementarpädagogin erfahren und mich kritisch damit auseinander setzen. Mir wurde genug Raum zur eigenen Gestaltung von Einheiten gegeben. Auch das Fehlermachen wurde zugelassen und produktiv reflektiert. Die KollegInnen sowie das Leitungsteam standen mir jeder Zeit zur Verfügung und hatten immer ein offenes Ohr für mich.

  1. Alltag/Freizeit

Valencia ist eine Stadt, die so viel zu bieten hat. Neben dem guten Wetter und dem Strand bietet die Stadt und Umzu eine Vielzahl an Museen, Freizeitaktivitäten, Sport, Bars, Cafés und Grünparks. Für Sportbegeisterte gibt es jegliche Art von Wassersport zu wirklich sehr guten Preisen. Auch der Turiapark, der einen Halbkreis um die Stadt schlägt, bietet eine Reihe an Beschäftigungsmöglichkeiten. Besonders gut organisiert sind in Valencia die Erasmusfreizeitangebote. Es gibt drei Erasmusbüros „Happyerasmus“, „Erasmus VIP“ sowie „Erasmus-Life“, die sich nur mit Freizeitangeboten beschäftigen. Sie bieten Tagesausflüge, Städtetrips, Events, Freizeitangebote bis hin zu längere Reisen. Mit den Erasmusverstaltern war ich beispielsweise eine Woche in Portugal und dies für nur 210 Euro. Mit Billigfluggesellschaften wie Ryainair und Vueling kann man auch innerhalb des Landes sehr günstig fliegen. Bahnfahren ist in Spanien jedoch sehr teuer, es sei denn, man bucht sehr früh. Die ersten Tickets einer Strecke werden recht günstig verkauft. Für „Touristen“ gibt er sogar Ermäßigungen.

Bus und Metrofahrten innerhalb Valencia sind wirklich sehr günstig. Dazu muss man sich jedoch eine Abo-Karte oder 10er Karte kaufen. Ich würde eine Karte mit dem Tarif „Twin“ empfehlen, da diese jede Tarifzone zu dem günstigen Preis anbietet. Diese Karte kann man am Automaten erwerben und jedes Mal mit 10 Euro aufladen. Eine Fahrt im Zentralbereich kostet dann statt 1,50 Euro nur noch 0,72 Euro und zum Flughafen nur noch 2,00 Euro statt 5,00 Euro.

Für den Raum Valencia werden auch Leihfahrräder angeboten. Für 30 Euro kann man die Fahrräder, die überall stationiert sind, nutzen. Die Fahrzeit pro Ausleihe darf nicht länger als 30 Minuten betragen, sonst kommen weitere Kosten auf euch zu. Jedoch ist die Anzahl der Ausleihe nicht beschränkt.

Geographisch gesehen, liegt Valencia sehr Vorteilhaft. Wunderschöne Orte wie beispielsweise Javea, Alicante, Murcia, Castellón de la Plana oder auch die Inseln Mallorca und Ibiza sind schnell zu erreichen. Die Autovermietung ist auch Vorort sehr günstig, sicher und lohnt sich, wenn man in Kleingruppen einen Kurztrip über das Wochenende plant. Dazu werden lediglich eine Kreditkarte sowie der Führerschein benötigt.

  1. Resumee

Valencia ist eine wunderschöne vielseitige Stadt, die für einen Auslandsaufenthalt im Studium bestens geeignet ist. Die Menschen dort sind sehr freundlich und hilfsbereit. Ein Ort mit sehr viel Kultur und Warmherzigkeit. Auch finanziell ist Valencia nicht überteuert und sprengt nicht den Rahmen an Tourismus. In diesem Jahr konnte ich mich auf eine neue Kultur, neue Sprache und neuen Lebensstil einlassen. Das warme Land zeigte mir mit seiner Mentalität eine neue Art von Lebensqualität, die weniger auf Kapital sondern vielmehr auf das Erleben sowie das Genießen der Natur in kleinen Kreisen mit Freunden und Familie ausgerichtet ist. Dazu gehört, das Ausgehen, sich an den Strand oder in den Park zu setzten und mehr Zeit mit anderen Menschen zu verbringen. Die Offenheit anderer Kulturen gegenüber ist damit viel einfacher geschaffen und wird erheblich gefördert.

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