Vorbereitung
Wie fand ich meinen Praktikumsplatz?
Mir war von Anfang an klar, dass ich mein Auslandssemester nicht an einer Universität absolvieren wollen würde. Da ich die ersten vier Semester immer eingespannt war, mit ewigen Hausarbeiten, Essays, Klausuren und Berichten, brauchte ich eine kleine Auszeit. Somit machte ich mich auf die Suche nach einem Praktikumsplatz. Ich studiere Englisch und Geschichte auf Lehramt und benötigte also eine Stelle mit Lehramtsbezug. Ich entdeckte an einer Pinnwand im Fachbereich 10 an der Uni Bremen einen Aushang, der mich auf eine Schule in England aufmerksam machte. Ich schrieb eine Bewerbung und hörte lange Zeit erstmal nichts zurück. Erst auf Rückfrage meinerseits wurde ich darüber informiert, dass meine E-Mail im Spam gelandet sei und ich wurde aufgefordert erneut eine Bewerbung zu senden. Jedoch erhielt ich auch auf diese E-Mail erhielt ich keine Antwort. Ich schaute mich weiter um und sah auf der Internetseite des Fachbereiches 10 eine Ausschreibung für ein Praktikum in Dublin. Ich schrieb eine Bewerbung und nach einigen E-mails und einem Skypegespräch hatte ich den Platz in der Tasche.

Unterkunft
Da ich mich ziemlich früh um mein Praktikum gekümmert hatte, konnte ich mir schon vor vielen anderen Kommilitonen ein Zimmer in Dublin besorgen. Es gibt mehrere verschiedene Websites, über die man ein Zimmer buchen kann. Dublin ist sehr teuer und die Vermieter und Websites nutzen diese Situation schamlos aus. Man bekommt kein Zimmer unter 400€ im Monat und wenn, kann man glücklich sein sich dieses nicht teilen zu müssen. Auch die Servicegebühren der Websites sind komplette Abzocke. Ich habe ein Zimmer in Dublin 15 gefunden, musste also jeden Tag bis zu 1 Stunde in die Stadt reinfahren und habe eine Stunde gebraucht, um wieder nach Hause zu kommen. Meine Miete betrug sich auf 100€ die Woche, also 400€ im Monat. Zusätzlich musste ich eine Servicegebühr von 240€ bezahlen. Mir stand ein eigenes Zimmer zur Verfügung sowie die Benutzung der Küche und des Badezimmers. Ich lebte mit einer vierköpfigen Familie zusammen, bestehend aus drei Kindern zwischen 9 und 17 und einer alleinerziehenden Mutter, die von zu Hause aus gearbeitet hat. Zusätzlich lebte noch ein weiterer Student aus Sri Lanka mit in dem Haus. Die Häuser in Dublin sind nicht wirklich groß und bei nur einem Badezimmer, hat man die vielen Menschen im Haus deutlich bemerkt. Wenn man lieber seine Ruhe haben möchte, sollte man sich eher nach2 einer WG oder einem Zuhause ohne Kinder umsehen – nur sind die Mieten dann vielleicht doppelt so hoch.

Praktikum
Mein Praktikum war großartig. Ich absolvierte es an einer Schule für junge Menschen mit Flüchtlings- und Migrationshintergrund, insbesondere für unbegleitete Minderjährige. Die Schüler-/innen sind zwischen 12 und 17 Jahre alt und kommen aus den verschiedensten Ländern der Welt, wie z.B. Eritrea, Somalia, Kongo, Albanien, Rumänien, Afghanistan und dem Irak. Dies sind die Länder, aus denen die meisten Jugendlichen stammen. Die Schule befindet sich in dem Herzen von Dublin. Die Räumlichkeiten befinden sich in einem Jugendzentrum. Die Anzahl der Schüler-/innen liegt immer zwischen 25 und 40 Jugendlichen. Diese werden mit Berücksichtigung auf ihr Sprachniveau in drei Leistungsgruppen eingeteilt. In Irland gibt es keine Vorklassen wie an deutschen Schulen. Die Kinder und Jugendlichen müssen direkt in eine „normale“ Schule gehen, in eine Klasse dem Alter entsprechend. Das Migrant Access Programm (MAP) ist einmalig in Irland. Die Kinder, die dort angenommen werden, dürfen nie länger als ein Jahr dort zur Schule gehen, bis sie an einer öffentlichen Schule ihre Bildung weiterführen müssen. Das MAP bereitet neu angekommene unbegleitete Minderjährige, Migranten und Flüchtlinge auf die postprimäre Bildung oder Ausbildung in Irland vor – sprachlich, kulturell und sozial. Das Programm konzentriert sich auf drei Kernfächer: Englisch, Mathematik und Lifeskills – hier wird Kommunikation geschult aber auch Themen wie Sexualität und Emotionen angeschnitten. Eine Vielzahl von außerschulischen Aktivitäten, wie Kochen, Sport und kulturelle Programme, wie Museumsbesuche und Stadtbesichtigungen, sind im MAP enthalten. Das Programm dauert 20 Stunden pro Woche von September bis Juli mit einer ganzjährigen Einschreibung.

Das Kollegium an der Schule besteht aus zehn bis zwölf verschiedenen Lehrkräften, von denen ein Großteil teilzeitbeschäftigt ist. Die meisten unterrichten nur an zwei Tagen der Woche an dieser Schule und den Rest der Woche an einer anderen Schule. Die Lehrkräfte haben mich alle sehr herzlich und offen aufgenommen und sind immer froh über Unterstützung im Klassenraum. Ich wurde vor allem in Gruppe 1 eingesetzt, da dort die meisten Kinder und Jugendlichen nicht nur kein Englisch sprechen können, sondern auch analphabetisch in ihrer eigenen Sprache sind. Neben der Hilfe einzelner Schüler-/innen während des Unterrichtes, habe ich einzelnen Jugendlichen auch Einzelnachhilfe gegeben. Des Weiteren war ich dafür zuständig die Klassenräume auf- und abzuschließen und diese3 nach dem Unterricht aufzuräumen. Ich habe auch meinen eigenen Unterricht machen dürfen, was mir sehr viel Spaß gemacht und den Kindern auch sehr gefallen hat. Fast am Ende meiner Zeit an der Schule sind alle Schüler-/innen und ein paar Lehrkräfte und Sozialarbeiterinnen auf eine zweitägige Klassenfahrt nach Cavan gefahren. Dies hat die Gruppe noch näher zusammengeschweißt und den Abschied am Ende meines Praktikums härter gemacht. Ich bin unendlich dankbar diese Erfahrung gemacht haben zu dürfen und so viele großartige Menschen kennengelernt zu haben.

Tipps und Tricks
Dublin ist eine sehr teure Stadt! Nicht nur das Wohnen hat seinen Preis, sondern viele andere Dinge auch:

Bus fahren: Man muss sich auf jeden Fall eine Leap Card besorgen, um günstiger mit dem Bus fahren zu können. Studenten an den Universitäten bekommen eine Student Leap Card, die noch einmal billiger ist. Wenn man nicht an einer Uni eingeschrieben ist, besorgt man sich eine ganz normale Leap Card für Erwachsene.

In Dublin sitzen die Leute gerne für sich alleine im Bus. Wenn sich also jemand von dir wegsetzen sollte, heißt das nicht, dass derjenige dich nicht mag, sondern dass er einfach lieber am Fenster sitzen und seinen Platz haben möchte.

Essen: Auch Lebensmittel haben in Irland ihren Preis. Zum Glück gibt es überall Lidl und auch Aldi, dort kann man recht günstig einkaufen gehen. Wenn man mal nicht selbst kochen möchte, dann sollte man nie abends ein Restaurant besuchen. Die meisten bieten ein günstiges Mittagsmenü an oder man geht ein bisschen früher am Abend essen, um dann vom Earlybird-Menü zu bestellen. Hier bekommt man meistens eine Vorspeise umsonst. Drogerie: In Dublin bzw. Irland gibt es keine günstigen Drogerien wie DM oder Rossmann. Man kann aber auch in Supermärkten oder Läden wie Dealz oder Penney’s etwas günstiger an Shampoo, Duschgel und Co gelangen.

Fazit
Das Praktikum hat mir sehr gut gefallen und hat mir auch für mein Lehramtsstudium sehr viel gebracht. Ich finde es sollte an der Universität mehr auf Auslandspraktika aufmerksam gemacht werden. Des Weiteren sollten auch im Rahmen des Lehramtsstudiums andere Praktikumsplätze zugelassen werden als nur welche mit Lehramtsbezug, da es in erster Linie4 um den Spracherwerb geht und dieser immer mehr innerhalb eines Praktikums gegeben ist als an einer Universität. Ich hätte mir auch vorstellen können, aufgrund meines Zweitfachs Geschichte, ein Praktikum in einem Museum oder dergleichen zu absolvieren. Im Vergleich zu meinen Bremer Kommilitonen, die an den Universitäten in Dublin eingeschrieben waren, habe ich deutlich mehr Englisch gesprochen. Ich kann also jedem ans Herz legen, ein Praktikum zu absolvieren!

 

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