1. Vorbereitung
Bereits zu Beginn meines Grundschullehramtsstudiums mit Englisch als großem Fach wusste ich, dass ich anstelle eines Auslandssemesters an einer englischsprachigen Universität lieber ein Auslandspraktikum an einer Grundschule machen wollte, um mehr Praxiserfahrungen im Ausland sammeln zu können. Daher fing ich mit meiner Planung bereits sehr früh an. Dies ist auch ratsam, wenn man sein Studium gerne in Regelstudienzeit beenden möchte. Wenn man sich dafür entscheidet, ein Auslandspraktikum zu absolvieren, ist es jedoch zuerst nötig, einen begründeten “Antrag auf Praktikum” beim Prüfungsamt der Universität Bremen einzureichen.

In meiner Schulzeit habe ich während eines dreimonatigen Aufenthaltes in San Diego, Kalifornien, die Albert Einstein Academies Elementary School kennengelernt. Ich war mir sicher, dass ich hier mein Auslandspraktikum verbringen wollte und habe den Kontakt mit der Schule seitdem aufrecht erhalten. Somit hatte ich schon früh die Zusage der Schule. Daraufhin habe ich mich etwa eineinhalb Jahre vor Praktikumsantritt mit der Organisation Amity in Verbindung gesetzt. Es ist nicht möglich, ohne Organisation ein Auslandspraktikum in Amerika zu absolvieren. Amity bietet die Möglichkeit, ein halbes, oder auch ein ganzes Schuljahr, an einer amerikanischen Schule als Lehrassistenz zu arbeiten. Hierbei wird einem gewährleistet, dass man bei einer Gastfamilie wohnt, wodurch man neben neuen Einblicken in den amerikanischen Schulalltag ebenfalls die Möglichkeit hat, das amerikanische Familienleben kennenzulernen. Außerdem gibt es ein kleines Taschengeld von umgerechnet 180 Euro im Monat.

Über die Möglichkeiten der Stipendien habe ich mich über die Internetseite des International Offices informiert. Besonders wichtig ist es hier natürlich, die genauen Bewerbungsfristen zu beachten, welche aber alle gut zugänglich sind. Wichtig ist auch, sich lange vor Fristende zu bewerben, falls Nachfragen entstehen und sich die Bearbeitung somit verspätet. Neben einem guten Motivationsschreiben sind außerdem Ehrenämter sehr gerne gesehen. In der weiteren Vorbereitung für meinen Auslandsaufenthalt habe ich mir ein Konto bei der DKB eröffnet, damit ich weltweit gebührenfrei Geld abheben, sowie bargeldlos bezahlen kann. Ebenfalls gehört zur Vorbereitung, sich über die Visaregulationen zu informieren und dieses früh genug zu beantragen, da es teilweise einige Wochen, wenn nicht sogar Monate in Anspruch nehmen kann. Wie bereits erwähnt, ist es nicht möglich, ohne Organisation ein Auslandspraktikum in Amerika zu absolvieren. Dies liegt daran, dass das sogenannte Dokument „DS-2019“ (Certificate of Eligibility for Exchange Visitor (J-1) Status) ausschließlich über eine Austauschorganisation (J-1 Visa Sponsor) ausgestellt werden kann. Dieses Dokument ist zwingend erforderlich, um ein J-1 Visum zu beantragen. Außerdem ist ein persönliches “Interview2 in der amerikanischen Botschaft zwingend notwenig. Hier sollte man ausreichend Wartezeit einplanen.

2. Formalitäten im Gastland
Sobald man amerikanischen Boden betritt, geht es am Flughafen durch die sogenannte “Immigration”. Hierfür sollte man dringend (neben dem Reisepass mit Visum) sein “DS-2019 Certificate of Eligibility for Exchange Visitor (J-1) Status” bereithalten. Dieses Dokument sollte man auch unbedingt mit sich führen, wenn man die U.S.A. verlässt, beispielsweise für einen Ausflug nach Mexiko oder Kanada, denn ohne das DS-2019 ist eine Rückreise in die U.S.A. mit Komplikationen verbunden. Da ich vor Antritt meines Praktikums das DKB-Cash Bankkonto für Studenten eröffnet habe, musste ich dies im Ausland nicht mehr tun. Auch seine Krankenversicherungsunterlagen sollte man in ausgedruckter Form mitnehmen, welche man vor Abflug abgeschlossen hat. Hier kann ich die DAAD-Versicherung für DAAD-Stipendiaten empfehlen, da sie insbesondere für das Auslandspraktikum in den USA ein sehr gutes Preis-Leistungs-Verhältnis bietet.

3. Allgemeine Informationen zum Praktikum
Mein Entschluss, statt eines Auslandsstudiensemesters ein Auslandspraktikum zu absolvieren, stand ja bereits früh fest. Auch dass es ins englischsprachige Ausland ging war für mich selbstverständlich, da ich Englisch als großes Fach studiere. Meiner Meinung nach sind Praktika eine super Möglichkeit, herauszufinden, ob der gewählte Beruf tatsächlich das Richtige für einen ist. Während meines Grundschullehramtsstudiums an der Universität Bremen hatte ich zwar bereits einige Praktika absolviert, jedoch war das längste nur über eine Dauer von sechs Wochen. Durch dieses Auslandspraktikum hatte ich die Möglichkeit, ein ganzes Halbjahr den (amerikanischen) Schulalltag mitzuerleben.

Die Albert Einstein Academies Elementary School ist eine Grundschule mit einem deutsch/englischen Teilimmersionsprogramm. Die sechs ersten Klassen, in welchen ich mein Praktikum absolviere, werden in drei A-Klassen, sowie drei B-Klassen aufgeteilt. Zwei Klassen bilden jeweils ein Klassenteam und werden von zwei Lehrerinnen, einer Deutsch- und einer Englischlehrerin im wöchentlichen Wechsel unterrichtet. Während der ganzen Woche wird dann (fast) ausschließlich in dieser Sprache gesprochen. Da ich zwischen insgesamt sechs ersten Klassen gewechselt habe, habe ich somit viele verschiedene Unterrichtsmethoden und Klassenroutinen kennengelernt.

Klassenraum der 1A/B

Die LehrerInnen, mit welchen ich gearbeitet habe, waren alle sehr freundlich, hilfsbereit und dankbar für meine Unterstützung. Ich durfte während meines Praktikums sehr Vieles ausprobieren, sowie eigene Stunden selbst planen, durchführen und reflektieren. Natürlich habe ich auch hilfreiches Feedback bekommen, sowie Unterstützung bezüglich des Unterrichtsmaterials. Während des gesamten Praktikums konnte ich mich jederzeit an die LehrerInnen wenden, jedoch wurde ich dauerhaft von der Koordinatorin des Deutschprogramms der Schule betreut, welche sich durchgehend um unser Wohlergehen gekümmert hat.

Ich habe jeden Tag von 8:15 – 14:45 gearbeitet. Nachdem ich mit meinen Gastgeschwistern (Klasse 1 und 3) nach Hause gefahren bin, habe ich noch weitere Unterrichtsstunden vorbereitet, mit den Kindern gespielt, sie bei den Hausaufgaben betreut, oder Sport getrieben. An den Wochenenden war dann genügend Zeit, um San Diego und Umgebung mit den anderen PraktikantInnen, oder meiner Gastfamilie zu erkunden.

Neben mir waren noch acht weitere PraktikantInnen an dieser Schule, mit welchen ich über die Zeit eine gute Freundschaft aufgebaut habe.

4. Unterkunft
Die betreuende Austauschorganisation Amity gewährleistet, dass die Interns für die Dauer des Praktikums in einer Gastfamilie leben. Daher hatte ich keine großen Schwierigkeiten, eine Unterkunft zu finden. In Vorbereitung darauf musste ich jedoch viele Unterlagen ausfüllen, Fragen beantworten und mich vorstellen, damit die passende Familie für mich gefunden werden konnte. Dies hat bei mir super geklappt! Ich hatte enormes Glück mit meiner Gastfamilie. Von Anfang an hatten sie mich wie ein echtes Familienmitglied aufgenommen. Diese Familie (Vater, Mutter, Junge (7), Mädchen (9)) hat einen sehr großen Teil dazu beigetragen, dass meine Auslandserfahrung einmalig war. Die PraktikantInnen wurden über die Schule an die Gastfamilien vermittelt. Man ist ihnen besonders dankbar, da sie keine Vergütung hierfür bekommen. Die PraktikantInnen leben umsonst bei den Familien, auch für Mahlzeiten kommen sie auf, sowie für den Schulweg. Ich habe außerdem besonderes Glück gehabt, da meine Gastfamilie ein extra Auto für mich hatte. Somit konnte ich mit den Kindern jeden Tag alleine zur Schule fahren. Auch für private Zwecke durfte ich das Auto durchgehend benutzen.

5. Sonstiges
Da am Montag mein Praktikum los ging, bin ich bereits am Donnerstag nach San Diego geflogen, damit ich ein paar Tage Zeit hatte, mich an die Umstellungen jeglicher Art zu gewöhnen. Obwohl ich mich körperlich bis zum Praktikumsantritt schon an die Zeitumstellung gewöhnt hatte, dauerte es tatsächlich noch ein paar weitere Wochen, bis ich einen angenehmen Tagesrhythmus für mich fand.

In Amerika sind einige Dinge ganz anders, als wir sie von zu Hause gewöhnt sind. Ein Beispiel wäre das Recycling. In Deutschland werden Papier und Plastik strikt voneinander getrennt. In Kalifornien werden sie beide zusammen in den “Recycling Mülleimer” geworfen. Außerdem ist die Plastikverschwendung hier extrem groß. Deshalb empfehle ich, dass man sich immer einen Thermosbecher mitnimmt, um somit auf die vielen To-Go-Becher zu verzichten. Denn oftmals besteht in Cafés nicht ein mal die Möglichkeit, eine vernünftige Tasse zu bekommen. Du solltest dich ebenfalls darauf einstellen, dass viel oberflächlicher Smalltalk betrieben wird. Alle Menschen lächeln einen freundlich an, begrüßen einen und fragen, wie es einem geht.

Leider sind die öffentlichen Verkehrsmittel in San Diego nicht sehr gut. Ich hatte das Glück, ein Auto zur Verfügung zu haben. Ansonsten gibt es die Möglichkeit, mit Uber- Share oder Lyft relativ günstig von A nach B zu kommen. Handytarife sind hier im Vergleich zu Deutschland extrem teuer. Ich hatte einen der günstigsten Prepaidtarife bei AT&T für 30$/Monat abgeschlossen und war damit sehr zufrieden. Hierin waren 6GB Datenvolumen, eine SMS-Flat, sowie Telefonieren innerhalb der U.S.A. enthalten.

Einkaufsmöglichkeiten gibt es zahlreich und überall: Vons, Kohl’s, Trader Joe’s, Aldi, Ralphs, Smart&Final, Albertsons etc.

San Diego hat neben wunderschönen Stränden mit tollen Surfgelegenheiten, vielen Parks (z.B. Balboa Park), sowie Shoppingsmöglichkeiten außerdem viele Gelegenheiten zum Ausgehen. In South Park, sowie North Park gibt es zahlreiche Restaurants, Brauereien, Bars, sowie Clubs. Hier gilt es allerdings zu beachten, dass die Clubs hier bereits um 2:00 Uhr schließen. Ebenfalls lädt das Gaslamp Quarter oder Little Italy zum Ausgehen ein. Überall sind die Preise jedoch ein wenig höher als in Deutschland. Somit zahlt man für eine Pizza beispielsweise 17$ statt 10€.

Auch für Naturfreunde gibt es in San Diego und Umgebung sehr viel zu erkunden. Torrey Pines, der Cowles Mountain, Potato Chip Mountain, oder der etwas weiter entfernte Joshua Tree Nationalpark laden für atemberaubende Hikingtouren ein!

6. Was ist tunlichst zu vermeiden? (Dont’s)
Bereits beim Kofferpacken lohnt es sich, einen näheren Blick auf die Temperaturen zu werfen. Zwar assoziiert man mit San Diego häufig Sonne satt und stetig angenehme Temperaturen, jedoch kann es auch für nur kurze Zeit kalt, grau und nass werden. Neben den Sommerklamotten lohnt es ich also definitiv, den ein oder anderen Pullover, und auch eine Jacke einzupacken. Auch in den Sommermonaten sollte man immer einen Pullover dabei haben, da es abends sehr schnell abkühlt. Außerdem wird es auch im Sommer bereits ziemlich früh dunkel. Des Weiteren ist besonders zu beachten, dass in Amerika Alkohol in der Öffentlichkeit strikt verboten ist!

7. Fazit
Wenn ich auf die letzten Monate zurückblicke, kann ich ehrlich sagen, dass dieses Auslandspraktikum eine der bisher besten Erfahrungen meines Lebens war. Nicht nur, weil ich mich als angehende Lehrerin weiterentwickelt habe, sondern auch in meiner Persönlichkeit. Ich bin besonders meiner tollen Gastfamilie dankbar, dass sie diese Erfahrung für mich so besonders gemacht haben. Sie haben mich von Anfang an mit offenen Armen empfangen und haben mich in alle Familienaktivitäten integriert. Ich habe mich nicht wie eine Praktikantin gefühlt, die einfach in deren Haus eine Unterkunft gefunden hat, sondern wie ein echtes Familienmitglied. Ich habe das Gefühl, dass ich durch das Leben in einer amerikanischen Gastfamilie noch viel mehr an der amerikanischen Kultur teilnehmen konnte. Außerdem hat mir die Arbeit an der Albert Einstein Academies Elementary School sehr großen Spaß gemacht und ich fühle mich in meinem Wunsch, Grundschullehrerin zu werden, extrem bestärkt. Dadurch habe ich große Motivation, mein Studium schnell zu beenden, damit ich möglichst bald als „fertige“ Lehrerin im Klassenzimmer stehen kann.

 

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