Mit der Hilfe von Erasmus+ hatte ich die großartige Möglichkeit, einen Teil meines Studiums in Dänemark, am Universitätshospital Aarhus absolvieren zu können.

Aarhus liegt sehr schön an der Ostküste von Jütland, und ist die zweitgrößte Stadt Dänemarks. Dass ihr Bekanntheitsgrad dabei weit hinter der größten Stadt, Kopenhagen, zurück bleibt, ist meiner Meinung nach unverdient. Mit der idealen Lage an einer Bucht, gehen die Ursprünge der Stadt bis weit in die Wikingerzeit zurück, was in den zahlreichen Museen und Kulturstätten auch gerne betont wird. Auch davon abgesehen werden Kunst und Kultur in Aarhus groß geschrieben, wofür der Stadt 2017 von der EU sogar der Titel „Kulturhauptstadt“ verliehen wurde.  So gab es in den vier kurzen Monaten, die ich hier verbringen konnte, kaum ein Wochenende, ohne spannendes Ausflugsziel. Und dennoch war diese Zeit bei weitem nicht genug, um auch nur einen Bruchteil aller Museen und anderer kulturellen Angebote zu nutzen. Besonders bei fortschreitendem Frühling kann es außerdem leicht passieren, dass man in einem der Parks oder Waldanlagen einfach sitzen bleibt und das schöne Wetter genießt. Bei den Museums- und ganz besonders bei Restaurantbesuchen, merkt man durchaus, dass das Leben in Dänemark noch ein bisschen teurer ist, als in Deutschland. Allerdings hatte ich dafür das Gefühl, auch etwas mehr für mein Geld zu bekommen. Dass die Lebensqualität ebenfalls etwas höher ist, merkt man dann eben auch. Außerdem hat die Stadt auch einige komplett kostenlose Attraktivitäten zu bieten. Einer meiner Lieblingsorte ist z.B. das Dokk1, ein futuristisch anmutendes Gebäude, direkt am Hafen gelegen, in dem unter anderem eine öffentliche Bibliothek untergebracht ist. Dort kann man mit einem Kaffe und einem (sogar deutschen) Buch vor der Panoramascheibe sitzen, und die Aussicht genießen.

Die Idee, dass Dänemark eine Radfahrnation ist, bestätigt sich in Aarhus auf jeden Fall. Wenn man mal etwas nicht zu Fuß erreichen kann, dann auf jeden Fall mit dem Fahrrad. Ewas, was ich in Deutschland auf jeden Fall vermissen werde sind die breiten, komfortabel ausgebauten und völlig löcherfreien Fahrradwege. Ich hatte außerdem das große Glück, ein Zimmer in einem der Studentenwohnheime bewohnen zu können. Für ein möbliertes, zentral gelegenes Zimmer mit Bad und einer großen, gut ausgestatteten Gemeinschaftsküche, ist die Miete hier unschlagbar. Auf dem freien Wohnungsmarkt sieht das leider etwas anders aus. Zum Glück für alle eventuellen internationalen Studierenden, gibt es aber ein großartiges International Centre, das sich sehr bemüht ein geeignetes Zimmer anbieten zu können. Gerade in einer Stadt, in der man noch niemanden kennt, ist eine WG natürlich auch an sich eine tolle Sache. Dadurch, dass immer ein Internationaler Studierender auf mehrere Dänen kommt, kann man nochmal einige Eindrücke der dänischen Kultur mitnehmen, die ansonsten wahrscheinlich nicht so einfach zu bekommen wären. Man merkt Dänemark die kulturelle Nähe zu Deutschland durchaus noch an, einen klassischen Kulturschock hat man hier also eher nicht zu erwarten. Was mich dann doch noch etwas überrascht hat, ist die völlige Abwesenheit von Bargeld im dänischen Alltag. So kommentierte einer meiner Arbeitskollegen mein Zahlungsverhalten einmal ganz überrascht mit „Oh! Bargeld! Ich kann mich gar nicht daran erinnern, wann ich das letzte mal welches in der Hand hatte!“ Auch beim Einkaufen muss man da eventuell etwas aufpassen – während man in Deutschland praktisch immer bar zahlen kann und meistens mit Karte ist das in Dänemark anders rum. Die meisten Läden, gerade die größeren, akzeptieren durchaus noch Cash, aber eben nicht alle.

Eine andere Sache, die ich ziemlich bemerkenswert fand, ist dass hier konsequent um 16:00 Feierabend ist. Und 16:00 Uhr bedeutet in diesem Fall auch wirklich 16:00 Uhr. Das geht sogar so weit, dass man ab 15:00 schon Mühe hat, Personen anzutreffen, die man noch sprechen wollte. Das ist allerdings eine Sache, an die man sich ganz schnell gewöhnen kann. Dafür geht es in der Regel morgens auch eher etwas früher los als bei uns. Auch von dem frühen Feierabend  abgesehen hat mir die Arbeit im Forschungszentrum des Hospitals viel Frede bereitet. Der Forschungsschwerpunkt meiner Arbeitsgruppe liegt in der Identifikation und Analyse von krankheitsfördernden Mutationen, die das angeborene Immunsystem beeinträchtigen, sodass die betroffenen Patienten schwerere Krankheitsverläufe nach viralen Infektionen erleiden müssen. Das Labor untersteht dabei sowohl der Universität Aarhus als auch dem Universitetshospital. Diese Arbeit gehört zum Bereich der Translationalen Medizin, was bedeutet, dass Forschung (in diesem Fall biologische Grundlagenforschung) möglichst schnell und effizient in die klinische Entwicklung eingehen soll. Für biologische Grundlagenforschung ist das nicht unbedingt selbstverständlich, und fungiert daher für mich als zusätzlicher Motivationsfaktor. Gerade wenn man vorher nur die Arbeitsgruppen an deutschen Universitäten erlebt hat ist es sehr spannend, auch mal ein etwas anderes Arbeitsumfeld kennen zu lernen. Das insgesamt noch sehr neue und moderne Hospital hat außerdem den Vorteil, dass die Labore sehr modern und gut ausgestattet sind.

Alles in allem hat mir meine Zeit hier noch besser gefallen, als ich mir das vorher hätte vorstellen können.

 

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