1 Allgemeines zum Aufenthalt
Zusammen mit zwei Kommilitonen aus dem Masterstudium Informatik der Universität Bremen habe ich für sechs Wochen im Rahmen eines Forschungspraktikum an einem Projekt in der Mahidol Bremen Medical Informatics Research Unit (MIRU) an der ICT Fakultät gearbeitet. Dies ist ein erst kürzlich eingerichtetes Lab, in dem sich viele Studenten tummeln, die mit Prof. Peter Haddawy als Advisor an Projekten arbeiten.

Der Kontakt kam im Rahmen eines neuen Austauschprogramms zwischen der Uni Bremen und der Mahidol University zustande. Federführend auf Bremer Seite ist Prof. Dr. Christian Freksa. Dieser hat uns dann den Kontakt zu Peter Haddawy hergestellt, mit dem wir den Inhalt und die Formalitäten des Projektes besprochen haben. In der Fakultät wird komplett auf englisch kommuniziert. Somit sprechen die Studenten vor Ort auch größtenteils sehr gut englisch. Es ist nur durch den Akzent manchmal relativ schwer zu verstehen. Das gilt allerdings nur für den akademischen Bereich. Außerhalb dessen sind bei den Meisten nur wenig bis keine Englischkenntnisse vorhanden.

2 Die Uni und der Campus
Die Mahidol University befindet sich ca. 25km westlich vom Stadtkern Bangkoks. Die Uni hat historisch bedingt einen Fokus auf medizinische Themen.

An der Mahidol University gilt eine strikte Kleiderordnung für Undergraduates (Studenten ohne Abschluss). Als Master-Studenten mussten wir uns daher nicht daran halten, wurden jedoch mehrfach vom Wachmann angesprochen und mussten dann kurz mit der Rezeption reden und unsere ID Karten vorzeigen, um das Gebäude betreten zu dürfen.

Der Campus ist wunderschön gestaltet und beherbergt auch einige Warane. An jedem Freitag gibt es Mittags einen relativ großen Markt mit vielen Essensständen und anderen Ständen, an denen Kleidung, Taschen, Uhren, Schmuck usw. erhältlich sind.

3 Organisatorisches
3.1 Impfungen & Auslandskrankenversicherung
Die Standardimpfungen vorher auf jeden Fall auffrischen! Impfungen gegen Hepatitis A und B sind empfohlen. Tollwut kann auch nicht schaden, wenn man auch mal im Dschungel herum laufen will. Eine Auslandskrankenversicherung ist zu empfehlen. Diese kann man ziemlich billig bei den meisten Kassen für 10€.

3.2 Visum
Um die Mahidol University als Gaststudent besuchen zu können, wird ein education visum genötigt. Um dieses zu erhalten, muss ein Letter of Invitation durch die Hochschule in Thailand generiert werden. Um dieses zu erhalten mussten wir unserem Betreuer einen Lebenslauf (CV) in englischer Sprache, Kopie des Reisepasses, Transcript of Records, ein Motivationsschreiben (Letter of Intent) und ein Empfehlungsschreiben eines Professors unserer Uni zuschicken. Mit dem Letter of Invitation konnten wir dann im Konsulat in Hamburg unser Visum erstellen lassen (Kostet 60€).

3.3 Flug
Da uns ein Flug von Bremenüber Frankfurt zu teuer war, haben wir nach alternativen gesucht. Letztendlich sind wir mit dem Auto nach Hamburg gefahren und von dort aus mit Finnair mit Zwischenstopp in Helsinki nach Bangkok. Die Verbindung war mit ca. 13 Stunden gesamter Reisedauer sehr effizient, da der Aufenthaltsdauer in Helsinki minimal war.

3.4 Geld abheben
Ich habe zum Bargeld abheben meine Sparkassen Maestro Karte genutzt. Dazu muss man vorher in Deutschland bei der Hotline anrufen und die EC Karte für Thailand für den entsprechenden Zeitraum freischalten. Dann kann zumindest theoretisch von jedem ATM abgehoben werden. Manchmal wird die Karte letztendlich nicht akzeptiert, dann muss man es an einem anderen Automaten erneut probieren. Man bezahlt bei jedem Abheben 220 Baht Gebühren an die thailändische Bank plus nochmal 5 eGebühren an die Sparkasse. Somit empfiehlt es sich selten viel Geld abzuheben (Maximalbetrag ist bei den meisten Banken 20000 Baht). Dabei lohnt es sich die aktuellen Wechselkurse im Auge zu behalten und zwischen den Automaten zu vergleichen, da dort durchaus Unterschiede von mehreren Baht pro e auftreten können, was bei größeren Summen schon ein paar Euro sind. Ich persönlich hatte auch zu keiner Zeit ernsthaft Angst dass das Geld geklaut werden könnte.

3.5 Mobiles Internet
Man kann sich direkt am Flughafen eine thailändische SIM-Karte besorgen. Diese wird dann direkt ins Handy eingesetzt und konfiguriert (Es muss ein Access Point (AP) eingestellt werden). Bei den thailändischen Providern funktioniert es generell so, dass Guthaben aufgeladen werden muss und davon dann ein Tarif (Plan) gebucht werden kann. Wenn kein Plan gebucht ist, kann man zwar solange Guthaben vorhanden ist, weiterhin im Internet surfen, es wird jedochüberproportional viel vom Guthaben abgebucht. Daher empfiehlt es sich immer ein Paket zu buchen. Ich hatte z. B. ein Paket beim Anbieter AIS für mit unendlichem Volumen bei 1 Mbps für eine Woche für 100 Baht. Es gibt eine Vielzahl von verschiedenen Paketen, da ist für jeden das passende dabei.

3.6 Unterkunft
Während des Aufenthalts in Salaya hatte ich ein Zimmer im Studentenheim ”Bundit Place“ (http://www.bunditapartmentgroup.com/). Dort musste ich 12000 Baht Kaution hinterlegen, die am Ende mit der letzten Monatsmiete verrechnet werden können. Es empfiehlt sich einen Ansprechpartner zu haben,der Thai spricht, um die Miete zu verhandeln bzw. andere anfallende Dinge zu klären (Bei uns gab es z. B. eine fehlerhafte Rechnung). Dort gibt es Waschmaschinen, die man für 20 Baht (10kg) benutzen kann. Es ist ebenso möglich die Wäsche Unten abzugeben und sie für ca. 190 Baht zwei Tage später gewaschen und getrocknet wieder abzuholen. Der Service bei Bundit ist sehr gut.

Ich habe einmal meine Zugangskarte zum Zimmer verloren. Mir wurde unbürokratisch die Tür geöffnet und für Ersatz gesorgt. Auch bei anderen Problemen wie verstopfter Toilette oder kaputter Glühbirne wird einem auf Nachfrage schnell geholfen. Außerdem gibt es einen Pool und Fitnessraum. Die Zimmer sind recht geräumig und haben zwei Betten, eine vom Rest des Bad separierte Dusche (keine Selbstverständlichkeit in Süd Ost Asien), einen Fernseher, Kühlschrank, Klimaanlage und Balkon. Ein großer Vorteil der Bundit Appartments sind die Shuttlebüsse, die jeden morgen bis 10 Uhr quasi permanent und ab 10 Uhr im viertelstündigem Rhythmus fahren.

4 Thailand
4.1 Salaya
Die Stadt hat alles was man zum Leben braucht, hat aber auch nicht wirklich viel mehr zu bieten. Es gibt das Einkaufszentrum ”Central Plaza“, welches für eine eher kleinere Stadt wie Salaya ziemlich groß ist.

4.2 Bangkok
Wer also etwas mehr erleben möchte, fährt besser nach Bangkok. Dazu gibt es mehrere Möglichkeiten: Der Bus 515 fährt für 23 Baht bis zur Endstation ”Victory Monument“, welches ein zentraler Umsteigepunkt in Bangkok ist, z. B. mit Anbindung an den BTS Skytrain. Außerdem kann ”Salaya Link“ genutzt werden. Dies ist moderner Bus, der von der Musikfakultät für 30 Baht ohne viele Stopps zur ”Bang Wa“ Station in Bangkok fährt.

Eine andere Möglichkeit sind VANs die vor der Uni abfahren und z.b. auch direkt zum Victory Monument fahren. Wenn es schon später ist (die Busse fahren offiziell nur bis 21 Uhr, meisten aber bis 22Uhr), kann man auch ein Taxi nehmen, das je nach Verkehrslage (die Rushhour um ca 16-19 Uhr vermeiden) etwa 250 Baht kostet. Was Shopping angeht kann ich das MBK Center (da kann manübrigens auch seine Koffer, falls man am letzten Tag noch ein bisschen Geld loswerden will), den Chatuchak Weekend Market (günstigsten Preise) und wer etwas mehr Wert auf das Ambiente legt, das direkt am Wasser befindliche Asiatique empfehlen.

Außerdem sollte man den einen oder anderen buddhistischen Tempel gesehen haben. Frühaufsteher schaffen es vielleicht auch in den Grand Palace. Auch eine Bootstourüber kann ich empfehlen, da sie nochmal eine andere Perspektive auf die Stadt bietet. Dabei kann man sich jedoch die horrenden Preise einer privaten Bootstour sparen und einfach die öffentlichen Fähren nutzen, die Häufig genug an den Piers, dieüberall entlang des chao phraya anzutreffen sind. Auch der Ausflug zur alten Hauptstadt Ayutthaya hat mir sehr gefallen und ist für alle, die eine Vorliebe für Geschichte und Ruinen haben ein Muss.

4.3 Essen und Verpflegung
Das Essen ist generell sehr lecker, jedoch gibt es einige Zutaten, die mir nicht geschmeckt haben (Basil, Lemongrass, Ginger). Sehr einsteigerfreundlich sind Gerichte, wie Pad Thai Noodle, Fried Rice oder Massaman curry, welche den meisten europäischen Geschmäckern entsprechen. Der Campus hat mehrere Cafeterien, u. a. im International Collage und beim learning center (mein Favorit). Mich hat es gestört, dass das Essen oft kalt verkauft wird, da es morgens gekocht wird und dann nicht warmgehalten wird. Wenn man sich daran stört, muss man sich entweder ein Gericht oder Verkaufsstand suchen, der immer frisch zubereitet.

4.4 Knigge
Bevor man sich in ein Land mit doch recht anderer Kultur begibt, sollte man sich zu- mindest ein wenig damit beschäftigen, was bei den Einheimischen nicht gerne gesehen ist. Dazu gehört z. B. dass man Thais nicht auf den Kopf fassen sollte, die Füße als schmutzig gelten und man daher nicht auch einen Geldschein (auf dem der König abgebildet ist) treten sollte oder sich nicht in der Öffentlichkeit Küssen sollte. Allerdings wird einem als offenkundig landesfremder auch einiges an ggf. unangebrachtem Verziehen.

4.5 Reisen
Während des Aufenthalts in Thailand bietet es sich an auch einige von den besonders schönen Orten des Landes zu besuchen. Eine sehr günstige aber zeitaufwendige Möglichkeit zu Reisen sind die Vans, die man z. B.über 12goAsia oder direkt beim Busterminal buchen kann.

Fazit
Ich kann einen (längeren) Aufenthalt an der Mahidol University bzw. in Thailand sehr empfehlen, da im Land eine sehr entspannte Atmosphäre vorherrscht und es kulturell, kulinarisch und landschaftlich viel zu entdecken gibt. Die Menschen dort sind stets freundlich und hilfsbereit, wenn auch etwas verschlossen zu Beginn. Bei ein paar Bier (probiert Singha, es ist sehr gut) hat sich die Schüchternheit jedoch schnell erledigt. Es kann nicht schaden noch etwas Platz im Koffer frei zu haben, um noch genug Platz für Neues zu haben. Thailand hat da sehr viel zu bieten. Die neuen Eindrücke, Freundschaften und Erfahrungen meines Aufenthalts möchte ich nicht missen und werde meine Zeit in Thailand lange in guter Erinnerung behalten.

 

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