Knapp 12 Wochen absolvierte ich ein Praktikum in Irland, West-Cork, auf dem Land. Das Praktikum war freiwillig, also kein Teil des Studiums, und nach meinem Bachelorabschluss angesetzt. Sowohl die Einsatzstelle als auch die Unterkunft hatte ich selbst organisiert. In dieser Zeit sammelte ich viele Eindrücke und Erfahrungen – zum Teil mehr, als mir lieb gewesen wären – und lernte die grüne Insel zu lieben und zu hassen (in umgedrehter Reihenfolge). Doch der Reihe nach.

Old Ballymoney church in Ballineen. Ca. 150 Meter von der Unterkunft entfernt.

Die Praktikumsstelle
Das Manch project der Green Economy Foundation besteht aus einem kleinen Büro in einem großen Landgut, auf dem ein naturnaher Wald angelegt wurde. Irlands Forstwirtschaft pflanzt massenhaft Monokulturen mit ausländischen Fichten, denen nach einer bestimmten Zeit der Kahlschlag droht. Die Naturschutzorganisation möchte daher in der Praxis verdeutlichen, welche Vorteile ein Forst aus Mischkulturen einheimischer Laubbäume mit sich bringt. Außerdem wird hier Umweltbildung für Grundschulkinder bis hin zu Erwachsenen angeboten. Genau dafür interessierte ich mich am meisten. Mit 2 Teilzeitkräften ist dieses Projekt jedoch ziemlich schwach besetzt. Mir war von Anfang an klar, dass ich auf der Arbeit viel allein sein würde und mich meist selbst organisieren müsse, was für mich soweit auch in Ordnung war. Aufgrund persönlicher Probleme verbrachte meine Betreuerin allerdings zu Beginn zusätzlich längere Zeit in England. Ich hatte zwar eine Liste mit Dingen, die ich tun könnte, doch musste ich feststellen, dass es sehr schwer für mich ist, mich allein zu motivieren. Zudem erschwerte es meine Hauptarbeit (das Erstellen eines Flyers über das Projekt) erheblich, dass ich nur selten Fragen stellen konnte und der CEO auch nur zweimal während meines gesamten Praktikums vorbei schauen konnte. Dennoch war die Arbeit sehr schön. Das Gelände ist wunderschön und meine Betreuerin war am Ende weniger eine Betreuerin als viel mehr eine Freundin. Ich verbrachte meine Zeit lieber in dem kleinen Büro im Wald als in meiner Unterkunft. Meine Aufgaben waren u.A. die Begleitung einiger Events mit Erwachsenen und Kindern, die Markierung neu gepflanzter Bäume mithilfe von Stäben und Kunststoffröhren, das Entfernen von Adlerfarn und Brombeeren, welche die Bäume überschatteten und einige Gestaltungsaufgaben wie den besagten Flyer. Dieser konnte übrigens am letzten Tag vollendet werden. Insgesamt habe ich nicht sehr viel neues Wissen durch die Arbeit erlangt, aber war dennoch zufrieden mit der Einsatzstelle.

links: Brombeeren und Adlerfarn brauchen zwei bis drei Wochen, um alles zu überwuchern; rechts: ich brauchte viele Stunden, um die kleinen Bäume von ihnen zu befreien.

 

Nach einer gefühlten Ewigkeit endlich fertig: der Manch-Flyer.

Die Unterkunft
Genau wie die Praktikumsstelle hatte ich mir die Unterkunft auch selbst organisiert. Im Gegensatz zur Arbeit war ich mit dieser allerdings äußerst unzufrieden. Zwar war das große Haus aus historischer Sicht ziemlich interessant, da es sich um ein altes Herrenhaus handelt und man noch die Unterteilung in “Bediensteten-Stockwerke” und “Herrschafts-Stockwerke” und die kleinen Glöckchen an der Wand, mit denen die Mägde herbeigeläutet wurden, sehen kann. Auch die Küche hatte prinzipiell alles, was man braucht, wenn auch nicht in top moderner Ausführung. Ich bekam ein eigenes Zimmer mit einer Heizdecke im Bett, später auch einen kleinen Heizlüfter. Es gab Strom und fließend Wasser, und um 7:00 und 18:00 Uhr wurde das Wasser sogar warm, wenn man es eine Minute lang laufen ließ. Doch nun das Gejammer: Alles andere im Haus blieb kalt. Keine Zentralheizung, elektrischen Heizkörper o.Ä. Die vielen Kamine blieben auch kalt – sie würden es eh nicht schaffen, die hohen Räume aufzuwärmen. Die alten Fenster isolierten nicht und waren in den meisten Fällen (so auch in meinem Zimmer) kaputt. Wenige ließen sich einen Spalt breit öffnen – mit Kraftaufwand, Geschick und einem Holzkeil. Die Türen öffneten und schlossen, indem man sich kräftig genug gegen das komplett verzogene Holz stemmte. Leider konnte der verrückte Hund die Türen so mit Anlauf auch öffnen. WLAN oder Fernseher gab es selbstverständlich auch nicht. Das Haus wurde nie wirklich renoviert und an einigen Stellen blätterte der Putz von den Wänden. Aber so wie es aussah, wurde es auch nie wirklich geputzt. Und der verrückte Hund durfte sogar das Essen vom Tisch lecken. Hygiene adé. Doch noch mehr als das vierbeinige Haustier störten mich die vielen achtbeinigen. Eines Nachts fiel mir sogar eine der Spinnen auf den Kopf, als sie versuchte eine Motte zu fangen. Irland: das Land in dem meine Träume wahr wurden. Zumindest die Alpträume.

Haustiere, die ich nicht vermissen werde.

Generell wurde das Haus für mich persönlich innerhalb kürzester Zeit zum Inbegriff der Unbehaglichkeit. Schnell erkannte ich, dass ich doch eigentlich viel zu deutsch für einen solchen Auslandsaufenthalt bin und wie sehr ich die Heimat mit ihrem akribischen Hang zur Perfektion (und den geheizten Räumen) liebe.

Für alle, die sich ein Bild von Irland machen wollen: Nein, das hier ist nicht der Standard. Ich hatte einfach etwas Pech. Die meisten Häuser sind wohl etwas moderner und warm. Allerdings nehmen es wohl manche Iren mit der Sauberkeit nicht ganz so genau wie die Deutschen und gerade in der Gegend, die sich “West-Cork” nennt, sind viele Leute etwas “alternativ”. Sie wollen das einfache Leben leben, ohne viel Konsum und Luxus. Wer dann doch lieber spinnenfreie Häuser mit deutschen Standards genießen möchte, sollte sich vorher besser informieren.

Die Gegend
Eins muss ich dem 600-Seelen-Zwillingsdörfern Ballineen und Enniskeane lassen: Auch wenn die direkte Umgebung nicht die schönste Irlands ist, so befinden sich hier doch ein paar schmucke alte Bauwerke. Wie bereits erwähnt, wohnte ich in einem davon. Direkt hinter dem Haus befand sich aber auch eine alte Kirchenruine samt Friedhof. Und vor dem Haus eine wunderschöne Brücke über den Fluss Bandon. Fotomotive erster Sahne. Aber ansonsten ist das Dorfleben nicht gerade aufregend. Ich hatte nur ein Fahrrad zur Verfügung und war damit nicht in der Lage, dem Landleben zu entfliehen. Am Wochenende wurde der Bus nach Cork mein Freund, denn ansonsten hätte ich meine Zeit mit den Iren im Pub verbringen müssen.

Brücke über den Bandon in Ballineen.

Mein persönliches Erlebnis
Die ersten zwei Wochen waren ein Schock. Die Unterkunft war ein Alptraum, die Kälte kroch unter die Haut bis tief in die Knochen, der Schmutz machte es sich in der Kleidung bequem und eines Nachts tobte dank der kaputten Fenster ein Sturm in meinem Zimmer. Nach nicht einmal vierzehn Tagen stand ich kurz vor dem Abbruch. Meine Gastfamilie war sehr nett – wie alle Iren – aber auch ein wenig seltsam. Ich wurde bis zuletzt nicht ganz warm mit den beiden – und mit dem Hund schon gar nicht. Dazu kam, dass sie ein Theaterstück in ihrem eigenen Haus planten, einstudierten und später auch aufführten. Für mich bedeutete es jeden dritten, später jeden Abend nach der Arbeit ein Haus voll älteren Leuten, die lautstark über ihre Zeilen diskutierten. Meine einzige Freude waren die Tage, an denen meine Chefin auf Arbeit war, was allerdings gerade in den ersten Wochen nicht sehr häufig vorkam. So zählte ich die Tage rückwärts, bis ich endlich wieder ins geliebte Deutschland zurückkehren konnte.

Erst in den letzten Wochen konnte ich Irland wirklich genießen. Das Theater war endlich vorbei, ich lernte nette Aupairs kennen, eine einwöchige Lehrerfortbildung an der Arbeit bei schönstem Wetter und ein anschließender Besuch bei meiner Chefin am Meer – alles in allem wurde der Aufenthalt richtig schön. Und während sich Familie und Freunde in Deutschland für mich freuten, dass ich es endlich geschafft hatte, wurde ich immer wehmütiger.

Am Ende meines Praktikums schaue ich mit gemischten Gefühlen zurück. Tatsächlich vermisse ich die Arbeit mit meiner Chefin, die wunderschöne Landschaft und die entspannte Mentalität etwas, allerdings genieße ich auch die Professionalität, Anonymität und das Großstadtleben in Deutschland. Würde ich dieses Praktikum genauso wiederholen? Nein, gewiss nicht. Bereue ich es? Nein, das gewiss auch nicht. Es hat mir wichtige Erfahrungen (und eine nette Zeile im Lebenslauf) gebracht. Es sind nicht die Erfahrungen, die ich erhofft oder erwartet hätte, aber es ist gut so. Und spätestens, wenn ich ein bisschen Geld für einen Urlaub zusammengekratzt habe, sieht mich das wunderschöne Irland wieder.

Three Castle Head. Das Schloss am Süßwassersee, umrandet von felsigen Hügeln, umrandet vom wilden Ozean.

Praktikum im Ausland – Was man wissen sollte
Für alle, die sich diesen Bericht durchlesen, da sie ein ähnliches Vorhaben im Blick haben, habe ich an dieser Stelle versucht, anhand meiner Erfahrungen allgemeine Tipps und Checklisten zu erstellen.

Wann ist Zeit für ein Auslandspraktikum?
Studium ist anstrengend genug, warum sollte ich also noch ein Auslandspraktikum machen? Wenn das Studium ein Pflichtpraktikum enthält, lässt sich diese Frage schnell beantworten: Man muss diese Zeit eh investieren und kann so zusätzliche Erfahrungen für den Lebenslauf sammeln. Beinhaltet das Studium kein Pflichtpraktikum, stellt sich die Frage, wie man das neben dem vollgepackten Studium noch schaffen soll. Immerhin müssen es mindestens sechs Wochen sein, will man sich durch Erasmus finanzieren lassen. Doch hier kommt die gute Nachricht: Erasmus finanziert das Praktikum auch noch direkt nach dem Studium. Steht also nach dem Bachelor, Master oder Diplom noch nicht sofort eine Arbeitsstelle in Aussicht, lässt sich hier gut ein Praktikum in den Lebenslauf eingliedern. Während der Antragstellung muss man allerdings noch immatrikuliert sein.

Praktikumsstelle gesucht
Die Suche nach einer Praktikumsstelle ist nicht immer einfach. Man sollte am besten schon genau wissen, in welches Land man möchte, vielleicht auch schon die Region und für welche Arbeitsstellen man sich interessiert. Über große Vermittler-Agenturen kommt man sicher auch an Praktikumsstellen, aber für gewöhnlich kann sich kein armer Student die enormen Gebühren leisten. Man muss auch nicht zwingend nach einer ausgeschriebenen Praktikumsstelle suchen, sondern kann auch mit Initiativbewerbungen sein Glück versuchen. Allerdings sollte man sich bei mehreren Institutionen bewerben (zehn oder mehr), um die Erfolgswahrscheinlichkeit zu steigern. Bewirbt man sich in einem kleinen Land wie Irland, wird man in einigen Bereichen nicht wesentlich mehr als zehn interessante Institutionen ausfindig machen können. Daher sollte man frühzeitig mit der Suche beginnen. Auch das Schreiben der Bewerbungen sollte nicht zu lange herausgezögert werden. Deutsche Bewerbungen unterscheiden sich grundlegend von Bewerbungen im Ausland. Hier ist der wichtigste Teil der CV, also der Lebenslauf. Dieser basiert aber nicht auf trockenen Daten und Ausbildungsabschlüssen sondern hauptsächlich auf Erfahrungen, Skills und auch Freizeitbeschäftigungen. Für einen eingefleischten deutschen Bewerber kann das Verfassen eines solchen CVs sehr ungewohnt sein. Das CareerCenter an der Universität Bremen (unter der Mensa) kann dabei jedoch helfen.

Praktikum nach dem Studium – Was ist zu beachten?
Soll es erst nach dem abgeschlossenen Bachelor/Master/Diplom ins Ausland gehen, sollte man ein paar Dinge berücksichtigen.

  • Beantragen Sie die Erasmus-Förderung vor der Exmatrikulation.
  • Klären Sie rechtzeitig die Versicherungsverhältnisse ab – die meisten Versicherungsbedinungen und -beiträge ändern sich bei Verlust des Studentenstatus’ und man will im Ausland sicher keinen Stapel an dringenden Formularen bearbeiten. Im Zweifelsfall eine Vollmacht für die Bearbeitung an einen Verwandten übertragen.
  • Klären Sie bestenfalls mit dem Arbeitsamt ab, in welchen Zeiten Sie nicht dem deutschen Arbeitsmarkt zur Verfügung stehen und daher nicht als ‘arbeitssuchend’ gemeldet sein sollten.

Checkliste für Irland
Steht die Praktikumsstelle fest und sind alle Flüge gebucht, geht es ans Kofferpacken. Was sollte man nicht vergessen, wenn man nach Irland (speziell in eine ländliche Region) reist? Und was sollte man sonst noch beachten?

  • Adapter – Kaum einer wird sein Handyladekabel vergessen, doch ohne Adapter ist das in Irland leider nichts wert. Irland nutzt den Steckertyp G.
  • Wetterfeste Kleidung und “Zwiebellook” – In Irland schlägt das Wetter gerne und häufig um. Brennende Sonne, Regen, Gewitter, Hagel und Wind innerhalb weniger Stunden sind keine Seltenheit. Die Sonne ist zudem unerwartet intensiv, die Luft aber stets kühl.
  • Warnweste – Klingt im ersten Moment albern, aber auf dem Land sieht man kaum einen Fußgänger oder Fahrradfahrer ohne gelbe Warnweste oder -jacke. Lernt man dann die irischen Autofahrer kennen, weiß man auch warum.
  • Geldkarte – Nicht jede Geldkarte funktioniert auch im Ausland. Informieren Sie sich vorher bei Ihrer Bank.
  • Auslandsversicherung – Befindet sich auf Ihrer Krankenversichertenkarte die europäische Flagge auf der Rückseite, sind Sie prinzipiell grundlegend im europäischen Ausland abgesichert. Dieser Schutz reicht auch für den Erasmus-Förderantrag aus, umfasst aber nicht alle Schadensfälle. Informieren Sie sich bei Ihrer Krankenkasse und schließen Sie ggf. eine Zusatzversicherung ab.

Ist ein Aufenthalt in Irland teuer?
Ja! Erasmus gibt für ein Praktikum in Irland derzeit 520 € im Monat. Das klingt erst einmal viel, ist allerdings nur ein Tropfen auf dem heißen Stein. Halten Sie bei der Suche nach einer Unterkunft am besten schon nach Lidl und Aldi Ausschau. In den meisten kleineren Orten gibt es nur Centra oder mit etwas Glück Supervalue. Die Preise dort sind vergleichbar mit Bahnhofsshops. Lange Busstrecken sind überraschend günstig, für eine Kurzstrecke muss man jedoch verhältnismäßig tief in die Tasche greifen. Auch wissen die Iren, wie sie geschickt das Geld aus besagten Taschen der Ausländer ziehen.

Ein Beispiel aus meinem Praktikum: Auf der Suche nach einer Unterkunft stieß ich auf eine Facebookseite, die Gastfamilien vermittelte und schrieb sie an. Die Inhaberin der Seite leitete mich an einen Kontakt in dem Ort weiter – so kam ich an meine Gastfamilie. Später stellte sich heraus, dass die Inhaberin der Seite die Freundin meiner Gastmutter war und ihr somit einfach eine gute Einnahmequelle verschafft hatte, obwohl sie wusste, in welchem schlechten Zustand das Haus war. Die Miete für das ungeheizte, dreckige Zimmer mit kaputten Fenstern betrug 300 € im Monat, für die Vermittlung zahlte ich 150 €.

Irland, die Iren und die bestätigten Klischees

  • Die Sprache: Iren (besonders in Cork) sprechen mit starkem Dialekt, sehr schnell, viel zu viel und mit jedem über alles. Meine Gastmutter scheint unter all den gesprächigen Iren auch die gesprächigste zu sein. Ihr Mann, ein im Gegensatz zu ihr sehr ruhiger Niederländer, schüttelt darüber manchmal nur den Kopf, während er seit einer halben Stunde sagt, dass er nach Hause muss und seine Frau einfach nicht aufhört, mit jedem über alles zu sprechen. Er verriet mir auch, dass er selbst nach vielen Jahren in Irland immer noch nicht alles versteht, was die Iren vor sich hin quasseln.
  • Freundlichkeit: Iren sind sehr freundlich. Jeder begrüßt jeden mit einem freundlichen „How are you?“ – oder eher mit einem „Howya?“. Ich habe gelernt, mit „Grand“ zu antworten. Das ist wohl eine Art umfassendes „Gut“, aber gleichzeitig auch nichts aussagend. Das erspart einem eine Menge sinnloses Gerede, wenn man seinen Gefühlszustand nicht preisgeben will. Ich persönlich bin eher ein kleiner Miesepeter und Eigenbrötler ohne Menschenkenntnis. Die Freundlichkeit in diesem Land ist deshalb etwas belastend für mich. Denn auch wenn man anfangs denkt, wie schön das doch ist, dass alle freundlich sind und niemand jemandem etwas übel nimmt, lernt man bald, dass das nicht zutrifft. Ich hörte meine Gastmutter einige Male über Leute lästern und sich beschweren, die nicht grüßten, sich nicht bedankten oder generell ihrer Meinung nach nicht freundlich genug waren. Deshalb stört mich diese Freundlichkeit eher – sie alle sind freundlich, aber nicht alle sind nett.
  • Gesprächsthemen: Es ist kein Klischee, dass die Iren über das Wetter reden. Es ist die Wahrheit. Dabei lohnt es sich nicht wirklich über das Wetter zu reden, denn es ändert sich eh, bevor man den Satz beenden konnte. Außerdem fragen Iren wie bereits erwähnt immer zu Beginn, wie es einem geht. Ich glaube, die meisten interessiert das nicht mal, es ist reine Höflichkeit.
  • Das Wetter: Keine Kommentare zum Wetter. Es ändert sich eh. Vier bis sechs verschiedene Wetterlagen in unlogischen Reihenfolgen sind in Irland nichts ungewöhnliches. An meinem zweiten Arbeitstag in Irland war das Wetter ungefähr wie folgt: Strahlender Sonnenschein, Wolken, Regen, starker Regen, Regen mit Hagel, Gewitter, leichter Regen, Wolken, strahlender Sonnenschein. Man sagte mir dazu nur „Willkommen in Irland“.
  • Der Pub: In Irland scheint es keinen noch so kleinen Ort zu geben, in dem kein Pub existiert. Während in Deutschland die Kneipen langsam aussterben, ist der Pub das Herz einer irischen Siedlung. In Ballineen allein gibt es schon zwei Pubs und dabei ist das nicht mal ein eigenständiges Dorf. Teilweise reisen die Iren auch zwischen den Dörfern umher, um in verschiedene Pubs zu gehen. Dabei gibt es dort meist weder Live-Musik noch andere Events. Und getrunken wird immer und überall nur Guinness. Dennoch scheint der Pub-Besuch eine Art heiliges Ritual zu sein. Und es ist ja auch ganz gemütlich, da in jedem Pub ein Feuer im Kamin brennt und irgendwo ein Fernseher ein belangloses Fußballspiel zeigt.
  • Schwarztee: Im Pub wird Guinness getrunken, zuhause Schwarztee. Nach Belieben mit Milch oder Zucker. Selbst in großen Läden wie Lidl gibt es kaum andere Teesorten zu kaufen und den Schwarztee nur im 600er Pack. Aber hat man sich erst einmal an den Geschmack gewöhnt, kriegt man so eine Packung auch leer.
  • Schafe: Überall auf Irland stehen Schafe? Nein. Schafe stehen dort, wo der Boden unfruchtbar ist. Gerade Richtung Westen findet man kaum noch Schafe, dafür umso mehr Kühe.
  • Komm ich heut‘ nicht, komm ich morgen: Das beschreibt ganz gut die Einstellung der Iren zu Terminen. Hauptsächlich scheint das daran zu liegen, dass Iren gerne und viel reden und sich somit jedes Mal, wenn sie jemanden treffen, der Zeitplan um eine halbe Stunde nach hinten verschiebt. Mir wurde davon abgeraten, nach dem Weg zu fragen, wenn ich keine Zeit habe – man bekommt sofort ein Gespräch ans Bein gebunden und ehe man sich‘s versieht, ist eine halbe Stunde um und man hat immer noch keine Ahnung vom Weg. Aber auch sonst sind die „irischen 10 Minuten“ nicht unbedingt gleichbedeutend mit den 10 Minuten auf der Uhr, erklärte mir der Gastvater, während ich mit Sack und Pack bereit in der Tür stand und auf die Gastmutter wartete, die mir vor 15 Minuten gesagt hatte, sie sei 10 Minuten fertig.

Fazit
Alles in Allem kann ich ein Auslandspraktikum nur empfehlen. Denn auch wenn meine Erlebnisse überwiegend negativ oder unangenehm waren, habe ich doch einige Erfahrungen für mich selbst sammeln können und ich bin mir sicher, dass mir diese später noch das ein oder andere Mal weiterhelfen werden. Und wenn es nur der Gedanke ist „Ich habe schon Irland überlebt, da schaff ich den Rest doch mit Links.“ Also adé Komfortzone und raus aus Deutschland!

 

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