Das Auslandspraktikum war eine wertvolle, nützliche und unglaublich schöne Erfahrung, die in ihrer ganz Fülle nur durch den Selbstversuch nachvollziehbar ist. Deswegen kann allen nur angeraten werden ein Auslandspraktikum zu durchleben.


Vorbereitung
Am Anfang der Vorbereitung auf ein Auslandspraktikum steht die Suche nach einem Praktikumsplatz. Als Student im Bereich der Ingenieurswissenschaften kann es allen positiven Bekundungen der Medien, der Politik und der Universität zum Trotz, sogar in
Deutschland, sehr schwer sein einen Praktikumsplatz zu finden. Obwohl ständig vom Bedarf an Ingenieuren und dem Fachkräfte Mangel gesprochen wird. Vor der Zusage für meinen Praktikumsplatz hatte ich nicht das ausschließliche Ziel Auslandspraktikum, sondern habe mich auf zahlreiche Stellen im In- und Ausland beworben. Die erste konkrete Zusage erhielt ich dann vom Unternehmen Vesuvius. Nach kurzer Diskussion
über meine genauen Bedürfnisse und Vorstellungen, sind wir über den Standort Großbritannien für das Praktikum übereingekommen. Das Hauptkriterium der Auswahl war die Sprache, da ich meine Kenntnisse der englischen Sprache vertiefen wollte. Außerdem ist davon abzuraten sich auf eine bestimmte Branche zu fixieren, da man dadurch nur seine eigenen Möglichkeiten auf eine Praktikumsstelle verringert. Selbst wenn wie in meinem Fall das Unternehmen in einem Bereich arbeitet der wenig mit dem im Studium erlernten Wissen und Fähigkeiten zu tun hat, sollte man das Angebot immer in Betracht ziehen. Um das Thema Stellensuche abzuschließen, kann ich nur raten alle Möglichkeiten auszuschöpfen: Beratungsstellen und Ausschreibungen der Universität, Zeitungen, Initiativbewerbungen, Vermittlung durch Professoren und sogar
die allseits beliebte Vermittlung durch Verwandte. Nach dem der Praktikumsplatz sicher war hatte ich nur noch wenig Vorbereitung. Die
Unterkunft wurde mir auf Anfrage vom Unternehmen vermittelt. Arbeits- oder Aufenthaltsrechtliche Schwierigkeiten gab es nicht, da ich als deutscher Staatsbürger selbstverständlich in Großbritannien arbeiten konnte. Dies kann sich natürlich in Zukunft ändern und deshalb ist immer anzuraten sich vorher zu erkundigen. Danach kam das ausfüllen zahlreicher Erasmus Formulare und das beantragen der vielfältigen Versicherungen. Das DAAD Versicherungspaket ist hierbei sehr zu empfehlen, da es unkompliziert, vollumfänglich und kostengünstig ist. Im Falle der Benutzung eines PKWs im EU- Ausland ist zusätzlich eine ADAC- Mitgliedschaft von Vorteil, diese kann auch für kurze Zeiträume erhältlich sein. Das Praktikum wurde als Pflichtpraktikum im Fachbereich 4 der Universität Bremen durchgeführt, die Anerkennung eines
Pflichtpraktikums muss in jedem Fall vor Antritt abgeklärt werden. Dies war bei mir ganz einfach, da lediglich erkennbar sein musste, dass meine Tätigkeit irgendetwas mit dem Beruf des Ingenieurs zu tun haben würde und ich mindestens 12 Wochen à 35 Stunden die Woche arbeite. Bei der Mindestdauer des Praktikums sind eventuelle Urlaubs- oder Krankheitstage zu berücksichtigen.
Der letzte Schritt der Vorbereitung war die Reise nach Großbritannien. Ich habe ein günstiges Flugticket eines billigen Fluganbieters gekauft. Der Flug ging von Hamburg nach Manchester. Dank des Semestertickets ist der Transfer von Bremen nach Hamburg kostenlos und den Transfer von Manchester nach Chesterfield mit dem Taxi
hat freundlicher Weise das Unternehmen Vesuvius übernommen.


Freizeit und Unterkunft
Die Unterkunft war ein Zimmer in einer Wohngemeinschaft. Diese war in alten,umfunktionierten und dürftig sanierten Kirchengebäuden untergebracht. Diese befanden sich am Rande der Stadt Chesterfield, 10 Minuten vom Stadtzentrum Chesterfields, 20 Minuten vom Stadtzentrum Sheffield und 20 Minuten vom Arbeitsplatz in Barlborough entfernt. Der gemeinsam genutzte Bereich bestand aus zwei vollausgestatteten Küchen mit Waschmaschinen, wahrscheinlich vier Badezimmern, einem gigantischen Wohnbereich ausgestattet mit einem Billardtisch, einem dunklen, kleinen Esszimmer, einem dauerhaft verschmutzten Pool im Außenbereich, einem Whirlpool im Innenbereich und einer nicht funktionierenden
Sauna. Alle Räumlichkeiten waren mittel bis stark verschmutzt und in renovierungsbedürftigem Zustand. Für die Sauberkeit im gemeinschaftlichen Bereich war vom Vermieter eine Putzkraft eingestellt gewesen, welche jedoch ihren Aufgaben nur unzureichend nachging und zum Ende hin entlassen wurde. Weiterhin verfügte das Haus über ein funktionierendes WLAN Netz. Die Miete, welche alle Nebenkosten enthielt, wurde direkt vom Unternehmen Vesuvius entrichtet und vor Auszahlung vom Gehalt abgezogen. Die Anzahl der Mitbewohner schwankte immer, da ständig Leute ein- und auszogen, befand sich jedoch durchschnittlich bei 20 Personen. Das Verhältnis mit und unter den Mitbewohnern war locker und trotz des teilweise kurzen einander bekannt Seins sehr vertraut. Deswegen verbrachte ich die meiste Zeit unter der Woche und mindestens die Hälfte der Wochenenden mit den Mietbewohnern, mit denen schnell ein freundschaftliches Verhältnis aufgebaut war. Am Anfangen halfen
sie mir beim Anschaffen alles zum Leben notwendigen und der Organisation von Reisen. Gemeinsam kochten wir, gingen in Bars und Clubs, wanderten und verbrachten ein Wochenende in der Natur. Soweit es das Wetter und die Zeit zu ließ wurde Draußen im Hof des Gebäudes gegrillt. Die andere Hälfte der Wochenenden habe ich mit dem Reisen verbracht. Ich besuchte die Städte Liverpool, Manchester, Edinburgh und natürlich auch London. Von den nördlichen Städten war ich durchweg überzeugt, insbesondere von Edinburgh, welches eine wunderschöne und einzigartige Stadt ist. Liverpool und Manchester eignen sich hingegen sehr gut zum Feiern. Die Menschen die ich im Norden Großbritanniens kennenlernte waren sehr freundlich, höflich und aufgeschlossen. Einen gegensätzlichen Eindruck konnte ich von London gewinnen. Diese Stadt ist groß und könnte mit Sicherheit aufregend und schön sein, ist sie jedoch nicht. Die Architektur ist Anfangs überwältigend, jedoch so monoton dass
sich kaum ein Gebäude vom anderen abhebt. Die Preise sind ungerechtfertigt. Die Menschen sind unfreundlich und ständig in Eile. Die Sehenswürdigkeiten sind meist nicht sehenswürdig und für ein authentisches Nachtleben muss man schon eine kleine Weltreise in Kauf nehmen. Positiv anzumerken ist, dass die Stadt unglaublich gut
organisiert ist und das Stadtinnere bequem und kostengünstig mit den öffentlichen
Verkehrsmitteln zu bereisen. Außerdem kann der Hyde Park und das anliegende gleichnamige Hostel empfohlen werde.


Arbeit
Das Unternehmen Vesuvius stellt Feuerfestmaterial für alle in Betracht kommenden Branchen her. Feuerfest Material muss hohen Temperaturen, chemischen und mechanischen Angriff widerstehen können und möglichst keine Bestandteile in das eigentlich Produkt abgeben. Es wird als Auskleidung für Öfen und andere Behälter verwendet und steht meist im direkten Kontakt zu einem hoch erhitzen Material. Weiterhin muss das Feuerfest Material Wärme dämmend sein um die äußere nicht feuerfeste Hülle der Öfen oder Behälter vor Schädigung zu bewahren. Im aktuellen
Kontext wird immer stärker auf eine gute Wärmedämmung der Feuerfestmaterialien gesetzt, da diese bei den oft sehr Energie intensiven Prozesse bei denen sie verwendet werden, zu einer Erhöhung der Energieeffizienz führen können. Der Standort in Barlborough beherbergt eine Forschungs- und Entwicklungsabteilung, eine IT- Abteilung, eine Personalabteilung und Verkaufsabteilungen. Während der 14 Arbeitswochen meines Praktikums arbeitete ich in der Forschungsabteilung. Das Projekt behandelte die Erforschung und Quantifizierung der Bindungsstärke zwischen altem verschlissenem und darauf aufgetragenem neuen gießbarem Feuerfestmaterial. Diese Bindung steht unter dem Einfluss von thermischen, chemischen und mechanischen Bedingungen, welche in ihrer Bedeutsamkeit untersucht werden sollten. Hierfür wurde eine Prüfmethode entwickelt, die den Bereich der Verbindung einer Kombination aus Druck- und Scherspannung aussetzt und einen Bruch
verursacht. Die genauen Umstände, die zum Bruch führen, können anschließend für die Bewertung der Bindung genutzt werden. Die Kollegen waren alle hilfsbereit und begegneten mir mit Respekt. Zu Anfang erhielt ich eine Sicherheitsunterweisung, die persönliche Schutzausrüstung und einen Arbeitsplatz mit Computer und allem
notwendigen Bürobedarf. Das Projekt wurde von dem für Nichteisenprodukte zuständigen Team (kurz IP- Team) und dem Leiter der Forschungsabteilung begleitet. Das IP- Team bestand aus zwei technischen Mitarbeitern und drei Ingenieuren. Idee,
Planung, Literaturrecherche, Dokumentation, praktische Durchführung, theoretische Interpretation und Präsentation wurden selbständig ausgeführt. Jedoch stand mir die sehr erfahrene Teamleiterin immer für einen fachlichen Diskurs zur Verfügung, weitere Teammitglieder arbeiteten mich in die Betriebsmittel ein und halfen mir bei der Rohstoffbeschaffung. Für organisatorisches standen weiterhin die IT- und Personalabteilung zur Verfügung. Am Ende meiner Arbeit stand eine geeignete Prüfmethode. Die tatsächliche Untersuchung verschiedener Einflüsse auf die Bindung muss aus zeitlichen Gründen jedoch in die Zukunft verlegt werden. Die Ergebnisse des Projektes wurden präsentiert und ein Bericht als Hilfestellung für die Fortführung des Projektes wurde verfasst.

Fazit
Das Leben, Arbeiten und Reisen in Großbritannien kann sehr schön sein. Wer sich mit dem Nötigsten begnügt, kann auch mit dem bei Praktika meist gezahlten Mindestlohn gut zurechtkommen. Auch für jemanden der noch bei seinen Eltern wohnt, muss das Leben in einer großen fremden Wohngemeinschaft nicht schockierend sein und auch ohne Vorbereitung kann alles funktionieren. Toleranz ist der Grundstein jeglichen guten Zusammenlebens und auch die unterschiedlichsten Menschen können sich einigen. Die Arbeit in Vollzeit (ca. 55 Stunden pro Woche) ist eine erfrischende und erfreuliche Abwechslung zum mühseligen Studium, da man etwas Nützliches schaffen kann. Die Abwesenheit von täglichem Regen ist positiv. Wenn man in einer geographisch flachen Gegend aufwächst sind Berge eine erstaunliche Veränderung. Höflichkeit, Zuvorkommen und grundlose Freundlichkeit sind nicht überall langvergessen Sagen. Reisen kann teuer sein und verlangt als einziges wirkliche Planung. Um in fremden Städten schnell Anschluss zu finden ist eine gemeinschaftliche Unterkunft wie ein Hostel, ein Campingplatz oder eine dauerhafte Wohngemeinschaft sehr zu empfehlen. Das National Gericht Großbritanniens ist Chicken Tikka Masala.

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