Heute möchte ich ein paar Impressionen aus meinem Selbststudium zum Besten geben. Eigentlich wollte ich von meiner Tagesroutine berichten und wie ich dank frühzeitigem Aufstehen (wir reden hier von 9 Uhr, früh ist vielleicht der falsche Begriff) trotzdem einigermaßen meine To do’s auf die Reihe kriege, aber gerade habe ich mich nach vier Stunden Binge Watching endlich von der Serie New Girl losgerissen um diesen Artikel zu schreiben, also kommt mir das ein bisschen heuchlerisch vor. Heute ist einer dieser unproduktiven Tage, an denen ich super viel tun könnte, stattdessen aber im Bett liege und gestresst vor mich hin prokrastiniere. Ich fühle mich ein bisschen wie eine Schlaftablette, weil ich zu schlapp und müde bin um produktiv zu sein, andererseits aber zu wach um zu schlafen und genervt vom nichts tun. Dies ist ein Gefühl, das mich während des Selbststudiums an manchen Tagen immer wieder einholt. Als Hauptproblem dafür, habe ich mittlerweile mein Bett identifiziert. In meinem Studenten-Zimmer gibt es keinen Platz für ein Sofa und ansonsten verfügen wir nur über eine kleine Küche in unserer WG. Wenn ich also nicht gerade am Schreibtisch sitze, verbringe ich einen Großteil meiner Zeit im Bett. Kein Wunder dass ich da müde werde, aber was will man machen!? Rausgehen wäre vielleicht eine Lösung… Mir fehlt der morgendliche Gang zur Bushaltestelle und die anschließende Busfahrt zur Uni, bei der ich erst so richtig wach werde. Bei dem vielen zu Hause sein kommt so gar kein richtiger Energie Schub auf. Zwar versuche ich, jeden Tag einen Spaziergang zu machen, doch oft schaffe ich dies erst am frühen Abend.

Aber naja, das ist Jammern auf hohem Niveau. Eigentlich kann ich mich ganz glücklich schätzen. Von Montag bis Donnerstag habe ich jeden Tag ein Zoom Meeting, am Freitag habe ich frei. Außerdem mache ich einen zusätzlichen Fotografie Kurs, zu dem wir wöchentliche Aufgaben bekommen. Alles in allem klappt es also ganz gut. Bisher reicht meine Disziplin aus um auch an jedem Meeting teilzunehmen und die Hausaufgaben zwar kurz vor knapp, aber dennoch rechtzeitig zu erledigen. Sogar die meisten Texte habe ich bisher zumindest immer bis zur Hälfte gelesen. So würde ich mich also nicht als vorbildliche Muster-Studentin bezeichnen, aber was muss, wird erledigt.

Zurück zu den Zoom Meetings muss ich sagen, dass ich wirklich dankbar bin, zu jedem Seminar auch ein Live-Treffen geboten zu kriegen. Das ist zwar kein Ersatz zu persönlichen Treffen, aber so sehe ich wenigstens über die Kamera ein paar altbekannte Gesichter meiner KomilitonInnen. Außerdem finde ich es so leichter, einen geregelten Alltag zu gestalten und zumindest halbwegs diszipliniert der Uni nachzukommen. Dennoch ist so ein Tag vor dem Bildschirm auch wirklich anstrengend. Zwischen Texten für die Seminare lesen, Zoom-Meetings, Telefonaten und Videoanrufen mit Freunden und Netflix verbringe ich nur wenig Zeit offline. Da brummt am Abend schon einmal der Kopf. Außerdem vermisse ich die persönliche Interaktion mit meinen Freunden. Gemeinsame Mensa-Besuche, Smalltalk und Café in den Pausen oder Flüstern in den Seminaren machen den Alltagsstress erträglich. Heimliches Chatten während den Zoom-Meetings kann dies nur schwer ersetzen.

Des Weiteren habe ich mich noch nicht so ganz an diese surreale Online-Kommunikation gewöhnt und fühle mich teilweise wie in einem Science Fiction Film, in dem sich das ganze Leben in einer virtuellen Welt abspielt. So finde ich es beispielsweise sehr merkwürdig, meinen KomilitonInnen eindrücke in mein privates Zimmer zu geben, wenn ich an Video-Seminaren teilnehme. Unglücklicherweise steht mein Schreibtisch nämlich so, dass man in der Kamera fast meine gesamte Einrichtung im Hintergrund sehen kann. Eigentlich finde ich mein Zimmer sehr schön und schäme mich nicht dafür, dennoch ist es aber auch sehr privat für mich und ich würde längst nicht so viele Leute, wie in den Seminaren teilnehmen, zu mir nach Hause einladen. So verschwimmen immer mehr die Grenzen zwischen Uni und Privatleben. Auf der einen Seite gibt dieses „zu Hause sein“ während Präsentationen etc. eine Art Selbstbewusstsein, da man ja nicht „wirklich“ vor vielen Leuten steht, auf der anderen Seite ist mein Zimmer für mich aber auch eine Art Rückzugsort, in dem ich Dinge wie Stress eben in der Uni zurücklasse, was nun leider nicht mehr ganz so klappt.

Eine andere unbehagliche Situation stellen die sogenannten „Breakout rooms“ gelegentlich dar, in die wir während Gruppen-Diskussionen weitergeleitet werden. Für alle, die damit nicht vertraut sind, möchte ich dies kurz erklären: Die Breakout rooms sind quasi eine Art eigener virtueller Raum für kleinere Gruppen. So können die Dozierenden während eines Seminars also einen Zeitraum auf Zoom festlegen, für den sie die Teilnehmenden in Kleingruppen einteilen und jede Gruppe in einen extra Breakout room weiterleiten. Dort können sie sich dann im persönlicheren Rahmen austauschen. Ist der festgelegte Zeitraum verstrichen, so werden die Teilnehmenden automatisch wieder zurück in die primäre Zoom-Sitzung geleitet. Unangenehm werden diese Gruppen-Diskussionen vor allem, weil sich oft niemand traut etwas zu sagen. Über das Internet wird Kommunikation noch einmal erschwert, da durch Verzögerungen aufgrund der Verbindung oft nicht deutlich ist, wenn jemand zum Reden ansetzt. So passiert es, dass wir uns versehentlich gegenseitig unterbrechen oder aber anschweigen. Inhalte kommen teilweise nur als verzerrte Gesprächsfetzen an, was manchmal echt mühsam ist und den Spaß nimmt. Außerdem bricht meine Verbindung des Öfteren ab und so fliege ich aufgrund des Internets gelegentlich aus dem Chatroom. Das ist besonders ärgerlich, wenn es um Themen geht, die mich wirklich interessieren und auf die ich mich intensiv vorbereitet habe. Fliegt man wegen der Verbindung aus einem Zoom-Meeting, so muss man sich erneut dafür anmelden und von dem Dozierenden angenommen werden. Weil diese ja mitten in der Leitung eines Seminares stecken, kann dies immer eine gewisse Zeit dauern und so habe ich schon einmal fast eine Stunde in der Warteschleife verbracht.

Fasse ich abschließend meine Erfahrungen mit dem Selbstudium in der Isolation und Zoom zusammen, so muss ich sagen, dass die App viele gute Funktionen hat und auf alle Fälle ihren Zweck für virtuelle Seminare erfüllt. Meinen Dozierenden bin ich sehr dankbar dafür, dass sie sich alle die Mühe machen, Unterricht für uns live zu gestalten! Dennoch freue ich mich schon auf den Tag, an dem wir endlich wieder gemeinsam in der Uni sitzen können und ganz ohne die Hilfe eines technischen Gerätes miteinander kommunizieren!

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