Studis machen: Studienorientierung

Viele viele Studierende arbeiten motiviert in ehrenamtlichen Tätigkeiten, neben dem Studium, ihrem Privatleben, dem Nebenjob und und und. Die Möglichkeiten sich ehrenamtlich auf dem Campus zu engagieren erstrecken sich über Stugen, unzähligen studentischen Gruppen bis hin zu den Studienlots*innen. Und drei von ihnen haben sich Zeit für ein Gespräch mit uns genommen.

Ich treffe Laura, Imke und Tobias in dem Büro der Studienlots*innen im Verwaltungsgebäude. Schnell suchen wir uns einen gemütlicheren Ort zum Quatschen. Insgesamt arbeiten über 90 geschulte Studis aus allen möglichen Fachbereichen ehrenamtlich als Studienlots*innen. Unmittelbar nachdem unser Gespräch begonnen hat, wird mir bewusst, dass der Werdegang zur Studienlots*in sehr unterschiedlich sein kann. Die drei studieren in komplett unterschiedlichen Studiengängen und haben außer ihrer ehrenamtlichen Tätigkeit einen sehr unterschiedlichen Uni-Alltag.

So finde ich heraus, dass Laura genau wie ich Kulturwissenschaft, aber auch Wirtschaftswissenschaft studiert und sich eigentlich schon im ersten Semester ehrenamtlich als Studienlotsin engagieren wollte, aber bis zum zweiten Semester warten musste, da man für diese Arbeit zuerst selbst Studienerfahrungen sammeln sollte. Mittlerweile ist sie als studentische Hilfskraft für das Programm tätig, während Tobias neben seinem Deutsch- und Politikwissenschaftsstudium als Studienlotse arbeitet. Er studiert mit Lehramtsoption und sieht seine Arbeit, als eine gute Möglichkeit sich auf seinen späteren Wunschberuf des Lehrers vorzubereiten. Imke hingegen studiert Psychologie im 7. Semester und ist schon seit zwei Jahren Studienlotsin und vertritt damit (neben Jura) einen der Studiengänge, welche die meisten Anfragen bekommen.

Die drei stehen beispielhaft dafür, dass die unterschiedlichsten Studis Studienlots*innen sind. Ihre große Gemeinsamkeit ist die Motivation zu dieser ehrenamtlichen Arbeit. Tobias erzählt lächelnd davon, dass es ihn freut jedes Mal wieder neue Menschen kennenzulernen und mit ihnen innerhalb von einem Tag eine positive Beziehung aufzubauen. Imke und Laura erzählen beide, dass sie durch ihre Arbeit den Studieninteressierten die Angst vor schwierigen Modulen, wie Statistik in Psychologie nehmen wollen oder Vorurteile über ihre Studiengänge auszuräumen möchten.

Mir ging es ähnlich. Die Beschreibung meiner Studiengänge auf der Website war irgendwie ganz anders als das, was ich dann vorgefunden habe. Ich hätte mir auch irgendwie gewünscht, dass ich vorher gewusst hätte, was so wirklich hinter der Beschreibung des Studienganges steckt.“ – Laura, studiert Kultur- und Wirtschaftswissenschaften

Bei der Arbeit als Studienlots*in wird ein Studi jeweils von einem Studieninteressierten oder einer Studieninteressierten im Uni-Alltag begleitet. Wie genau dieser Tag abläuft, hängt vom Zeitplan der Lots*innen ab und auch von den individuellen Bedürfnissen der Begleitperson. „Man kann das Treffen ja auch selbst gestalten, so wie es gerade auch in den Alltag passt und dann kann man entscheiden, ob man vielleicht gemeinsam zu einer Vorlesung oder in die Mensa geht oder eine kleine Führung über den Campus macht. Solche Dinge“ sagt Laura. Tobias betont das es wichtig ist sich auf einer individuellen Ebene mit den Bedürfnissen, der Studieninteressierten auseinanderzusetzen, da beispielsweise ein(e) Fachwechsler*in einen anderen Schwerpunkt bei der Studienorientierung hat, als ein(e) Studienanfänger*in.

© Harald Rehling/Universität Bremen

Allein in diesem Jahr haben durch die Studienlots*innen 160 Vermittlungen stattgefunden, von denen ein Großteil nicht nur als Treffen auf dem Campus, sondern auch über Email- oder Telefon stattgefunden haben. Mittlerweile ist es so auch für Studieninteressierte aus anderen Bundesländern möglich, einen Einblick in den Uni-Alltag zu bekommen, sich mit Studis auszutauschen, Fragen zu stellen und Eindrücke zu sammeln. Die meisten Kontakte finden über die Website der Studienlots*innen statt, auf welcher es ein Kontaktformular gibt, über das Interessierte durch persönliche Angaben eine(n) passenden Studienlots*in vermittelt bekommen.

Im Uni-Alltag selbst ist die Reaktion auf die Studieninteressierten in Seminaren positiv. Studis wie auch Dozierende werden oft kurz von den Studienlots*innen über ihre Begleitung informiert und bieten Interessierten auch Zeit für Fragen anschließend an Seminare an. Das Programm gibt vor allem jungen Menschen, welche sich unsicher über ihre Studienwahl sind eine gute Orientierungshilfe. Tobias schätzt die Arbeit als besonders herausfordernd ein, wenn das ursprüngliche Interesse für die Studienorientierung nicht von den Personen selbst ausgeht, sondern aus ihrem Umfeld kommt (beispielsweise von Eltern, Schule o.Ä.). Weiterhin sagt er: „Dann wird es schwierig das zu bedienen oder auch damit umzugehen, weil dann in unserem Kontext Interesse besteht, aber nur wenig zurückkommt […] und es dann zähflüssig wird“, auch wenn er selbst diese Erfahrung noch nicht gemacht hat. Außerdem berichtet Imke, dass man selbst vom eigenen Fach schnell ins Schwärmen geraten kann, aber dennoch den Studieninteressierten nicht vermitteln sollte, „dass alles nur Super ist. Sondern die müssen selber wissen was sie interessiert, ob das Studium etwas für sie ist und ob es das ist was sie machen wollen. Darauf versuche ich immer hinzuweisen, dass es in dem Moment meine Meinung ist und das sie sich ihre eigene bilden müssen“.

Für die Studienlots*innen werden von dem Orga-Team im Semester offene Treffen organisiert, bei denen die Studis sich dann untereinander über ihre Erfahrungen austauschen können und auch die Möglichkeit besteht andere Studienlots*innen kennenzulernen. Denn insgesamt, so meinen die drei, ist man während der Arbeit als Studienlots*in relativ losgelöst von anderen Lots*innen und läuft sich selten über den Weg. Generell ist das Feedback von Studieninteressierten sehr positiv, so erzählt Tobias:

Mich hat einmal eine begleitet, die hat mein Tutorium besucht […] und fand das sehr interessant und ist dann mit ins Seminar gekommen. Jetzt studiert sie Germanistik und kommt wieder in meine Tutorien […]. Das ist auch schön, was längerfristiges Feedback angeht.“

Letztendlich gehört es auch zur Arbeit der Studienlots*innen sich vor und nach dem Treffen Zeit für die Studieninteressierten zu nehmen und beispielsweise per Emails Fragen zu beantworten. Laura sagt schließlich „dass der ausschlaggebende Punkt ist, dass es eben ein Peer-to-Peer System ist. Das man auf jeden Fall auf Augenhöhe steht. Also egal aus welchem Hintergrund man kommt oder ob man vielleicht ein bisschen Respekt vor der Uni hat, das ist halt der Unterschied zu einer Beratung von der Uni oder auch zur Website von der Uni […]. Wir wollen einfach allen Leuten Mut machen!

Für diesen Artikel haben wir uns mit Imke, Laura und Tobias (v.l.n.r.) von den Studienlots*innen unterhalten.


Es besteht auch eine große Nachfrage für Studienlots*innen in den Studiengängen Physik, Chemie, Mathe, Informatik, Soziologie, Germanistik und Geographie. Also falls euer Interesse geweckt wurde und Ihr Euch engagieren möchtet, könnt Ihr Euch jetzt schon für die nächste Schulung im kommenden Sommersemester unter folgender
Email anmelden: studienlotsen@uni-bremen.de

 

Weitere Infos findet Ihr unter: https://www.unibremen.de/studium/orientieren-bewerben/studienorientierung/studienlotsinnen.html

 

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