1. Vorbereitungen
Das Praktikum habe ich für mein Studium Kulturwissenschaft im Bachelor an der Uni Bremen machen müssen, es war also ein Pflichtpraktikum. Die Einrichtungen und Gegenstand des Praktikums durften wir uns natürlich selbst aussuchen. Da ich während meines Studiums gemerkt habe, dass mir das Forschen und Studieren im Allgemeinen sehr viel Spaß macht, habe ich mich anschließend auf die Suche nach außeruniversitären Forschungseinrichtungen gemacht, da ein Pflichtpraktikum an einer anderen Universität leider nicht möglich ist.

Ich habe explizit in Wien, Berlin und Leipzig geschaut, da dies Städte sind, in die ich nach meinem Bachelor ziehen würde und dann würde es sich ja anbieten, diese schon mal ein wenig kennenzulernen.

Relativ schnell habe ich dann die ÖAW (Österreichische Akademie der Wissenschaft) gefunden und eine Initiativbewerbung abgeschickt. In dieser stand mein Studiengang, welche Projekte ich schon in meinem Studium absolviert habe und was Forschungsinteressen auf meiner Seite sind. Auch in Berlin und Leipzig habe ich Institute gefunden, aber von denen habe ich nie eine Antwort erhalten.

Nach einer Weile ohne Antworten habe ich schließlich die Zusage der ÖAW erhalten. Sehr erfreut und aufgeregt habe ich ca. einen Monat vor Beginn des Praktikums im Stuga-Raum allen davon erzählt, dass ich doch tatsächlich angenommen bin und jetzt für drei Monate nach Wien ziehen kann. Eine Freundin von mir hat mich anschließend gefragt, ob das Praktikum eigentlich ein ERASMUS-Praktikum ist und als ich nein meinte, hat sie mir sofort Links und Unterlagen geschickt, damit ich es noch nachmelden kann. Sehr unkompliziert habe ich dann alle Unterlagen auf MobilityOnline hochgeladen und es hat sehr schnell und sehr einfach funktioniert, dass mein Praktikum durch ERASMUS gefördert wurde.

2. Allgemeine Informationen zur ÖAW
Die Akademie steht für innovative Grundlagenforschung, interdisziplinären Wissensaustausch und die Vermittlung neuer Erkenntnisse. Diese Erkenntnisse werden von den Mitgliedern der Akademie genutzt, um die Öffentlichkeit zu informieren, die Politik und Gesellschaft zu beraten und einen Austausch über wichtige Zukunftsfragen anzuregen.

Insgesamt beschäftigt die ÖAW 26 Institute in einem breiten Spektrum von Fachbereichen. Beispiele sind Archäologie und Altertumswissenschaften, Asienwissenschaft und Sozialanthropologie, Geschichtswissenschaften, Kultur- und digitale Geisteswissenschaften (hier befindet sich auch das Institut für Kulturwissenschaft), Sozial- und Rechtswissenschaften und Life Sciences.

Meine Praktikumsstelle befindet sich im Institut für Kulturwissenschaft. Dieses gliedert sich nochmal einzeln in drei Forschungsgruppen. Die Wissensproduktion, Gedächtniskultur und Antisemitismusforschung, in dessen Gruppe ich eingeteilt worden bin.

3. Formalitäten im Gastland
Dadurch, dass ich nur für drei Monate in Wien war, musste ich weder meinen Wohnsitz ummelden noch mich anderweitig in Wien melden. Das Bezahlen in Wien ist oft nur mit Bargeld möglich und wenn man an den Automaten mit einer deutschen Karte Geld abheben möchte, kostet das oft extra. In der U-Bahn U6 in Meidling gibt es einen Bankomat, an dem ich nie extra zahlen musste, weswegen sich das Problem für mich dann relativ schnell gelöst hatte. (Habe die ersten zwei Monate in Meidling gewohnt)

4. Unterkunft
Wie eben schon erwähnt habe ich die ersten zwei Monate in Meidling gewohnt. Ich habe einfach auf WG-gesucht meine Daten als Filter angegeben und die WG, war eine von wenigen, die mir geantwortet hatte. Die Wohnung war allerdings nur für zwei Monate frei, hatte aber einen sehr fairen Preis, war gut angebunden (5 Minuten zum Bahnhof Meidling) und war eben available. Dort gewohnt habe ich mit einem Mitbewohner, der aber im Februar im Urlaub war, weswegen ich die ganze Wohnung für mich allein hatte.

Meidling ist der 12. Bezirk und tatsächlich nicht so schön. Es gibt wenig grün, dafür erreicht man alles, was man braucht zu Fuß. Müller, Billa, Hofer, Spar, Fitnessstudio, es gibt eine Einkaufsstraße, die U6 fährt dort direkt, womit man überall hinkommt und Schloss Schönbrunn ist direkt um die Ecke. Zum Spazierengehen perfekt.

Nach den zwei Monaten hatte ich ein WG-Zimmer auf Airbnb gefunden, was ebenfalls zu einem sehr guten Preis angeboten wurde. Alles immer zwischen 400 und 500 Euro.

Das zweite Zimmer liegt im 5. Bezirk direkt an der Laurenzgasse. Der 5. Ist wirklich schön. Ich laufe fast überall hin, was höchstens 30 Minuten dauert. Auch an Regentagen bin ich schnell auf der Arbeit oder im Park, weil direkt vor der Haustür gleich mehrere Bahnen und Busse fahren.

5. Leben in Wien
Ich habe mich total verliebt in die Stadt. Egal in welche Straße man abbiegt, man ist immer erstaunt, wie schön es hier ist. Ich habe den Anfang vom Frühling mitbekommen, weswegen alles grün wurde, die Tulpen haben geblüht und es gab sehr viel Sonne und warme Tage. Die Café bzw. Bar Szene in Wien ist sehr gut. Hier gibt es wenige Bars, die tatsächlich auch als solche ausgeschrieben sind, es ist eher so, dass alle Cafés bis in die Nacht geöffnet sind und dort alle zusammenkommen.

Was ein bisschen anstrengend ist, dass alle Cafés natürlich da liegen, wo auch Menschen wohnen, weswegen es ab 22 Uhr leise sein muss. Die Außenbereiche schließen dann immer und alle quetschen sich in die eh schon volle Bar oder werden von den Türstehern (Ja auch Bars haben teils Türsteher) mit einem „pssst“ unterbrochen.

Was Wien für mich aber sehr besonders gemacht hat, waren die Menschen, die ich hier kennenlernen durfte. Mein Mitbewohner aus der ersten WG hat mir direkt zu Beginn Freunde von sich vorgestellt, die mich dann auch mitgenommen haben, wenn sie etwas unternommen haben, da er ja in den Urlaub gefahren ist.

Über seine Freunde habe ich dann wieder neue Leute kennengelernt und wieder und wieder. Am Ende hatte ich eine Reihe an sehr vielen neuen Leuten in meinem Leben.

Das verrückte war, dass ich mich mit allen so gut verstanden habe. Ich habe Freunde gefunden, die ich jeden Tag in Wien gesehen habe, mit denen wir dann auch viele tolle Sachen in Wien unternommen haben, weil man hier auch immer etwas Neues zu tun findet.

Während meiner Zeit in Wien wurde durch die ganze Gruppe hinweg, also über alle Ecken das Café Europa zu einem kleinen Running Gag. Jedes Mal, wenn wir nicht wussten, wohin oder was man noch machen kann, Café Europa. Also das ist auf jeden Fall eine kleine Empfehlung meinerseits. Aber erst ab 2 Uhr nachts 😉

Ansonsten bekommt man für viele Theater oder Oper Aufführungen noch am Abend sehr billige (Steh-)Tickets. Oft ist es im Saal gar nicht so voll, dass man am Ende doch nicht stehen muss. Ermäßigungen für Museen etc. gibt es für Student:innen natürlich auch.

Weitere Empfehlungen von mir:
Café Burgsasse 24 (mein Lieblingscafé in Wien), Café Kafka, Anno Bar, Kuku (insofern es geöffnet ist), Jenseits, Jetzt
Der Gürtel, da gibt es sehr viele Bars und kleine Clubs, oft auch kostenlos
Terrasse an der U4-Pilgramgasse, am Donaukanal sitzen, bis die Sonne aufgeht,
Yppenplatz zum Kaffeetrinken bei Sonne und der Brunnenmarkt direkt dabei
Und vergesst nicht, dass samstags 18 Uhr alle Geschäfte schließen. Ich saß oft genug ohne Essen da, weil ich es vergessen hatte.

6. Fazit
Ich habe meine Zeit in Wien geliebt. Die Zeit ist verflogen wie nichts. Es gab immer etwas zu tun, das Praktikum war genau, was ich mir vorgestellt hatte, die Stadt ist sehr lebenswert und die Menschen nehmen ein super auf.

Das Gute an Wien ist auch, dass es nah genug an Deutschland liegt, dass ich trotzdem noch besucht werden konnte von Freunden aus der Heimat.

Es haben sich mir neue Berufsziele und auch schon Jobmöglichkeiten in Wien ergeben, ich habe super Kontakte über mein Praktikum knüpfen können, die mir mit Sicherheit auch in Zukunft noch zugutekommen werden.

Alles in allem war es die beste Entscheidung, die ich für mein Pflichtpraktikum hätte treffen können. Und ich bin mir sicher, dass ich auch in meinem Master oder weiteren Bachelor nochmal auf ERASMUS zurückkommen werde.