Einleitung und Hintergrund
Da ich als angehende Lehrkraft den Master of Education anstrebe und nach dem Studium das Referendariat absolvieren möchte, war es mir ein großes Anliegen, möglichst früh praktische Erfahrungen im Unterricht zu sammeln. In meinem Studium ist zwar ein Auslandsaufenthalt im französischsprachigen Raum vorgesehen, dieser bezieht sich jedoch primär auf ein Semester an einer Universität. Für mich war es jedoch besonders wichtig, nicht nur erneut in einem theoretischen Hochschulkontext zu lernen, sondern gezielt praktische Erfahrungen im pädagogischen Alltag zu sammeln. Dabei war es mir ein besonderes Anliegen, den schulischen Alltag im französischen Sprachraum unmittelbar kennenzulernen und wertvolle Einblicke in die konkrete Berufspraxis als Lehrkraft zu gewinnen.
Vorbereitung und Suche der Praktikumsstelle
Ich habe mich bewusst auf die Suche nach einer Praktikumsstelle an einer Montessori-Schule gemacht, da mich das pädagogische Konzept der Montessori-Pädagogik besonders anspricht. Die Verbindung von individueller Förderung, Eigenständigkeit und praktischer Erfahrung finde ich äußerst inspirierend – sowohl für die persönliche Entwicklung der Kinder als auch im Hinblick auf mein zukünftiges pädagogisches Handeln.
Dann begann die Suche. Ich startete eine umfassende Recherche, identifizierte passende Einrichtungen und schrieb insgesamt fünf Montessori-Schulen in Frankreich an. Die Rückmeldungen waren durchwachsen: Einige antworteten gar nicht, andere lehnten aus Kapazitätsgründen ab. Letztlich erhielt ich jedoch eine Zusage von einer Schule, die mich freundlich willkommen hieß und bereit war, mich als Praktikantin aufzunehmen. Diese Schule wurde schließlich mein Praktikumsort. Hierbei handelt es sich um eine internationale, bilinguale Montessori-Schule (Englisch und Französisch) in Nizza.
Unterkunft und Lebenssituation
Die Wohnungssuche gestaltete sich zunächst als herausfordernd. Über verschiedene Online-Plattformen stieß ich leider auch auf unseriöse Angebote, bei denen versucht wurde, mich zu betrügen – zum Beispiel durch die Forderung nach einer Kaution, ohne dass ein Mietvertrag vorlag. Diese Erfahrung hat mir gezeigt, wie wichtig es ist, bei der Wohnungssuche im Ausland besonders wachsam zu sein.
Letztlich hatte ich jedoch großes Glück: Ich fand eine kleine Studiowohnung mit Schlafsofa, Bad, Küchenzeile und Terrasse. Meine Vermieterin war äußerst freundlich, holte mich sogar persönlich vom Flughafen ab und organisierte eine reibungslose Wohnungsübergabe.
Erwartungen und Realität
Meine Erwartungen an das Praktikum waren klar: Im Mittelpunkt stand zunächst das Ziel, einen authentischen Einblick in den Schulalltag zu gewinnen. Darüber hinaus hatte ich auch den Wunsch, selbst aktiv zu werden. Ich hoffte somit, aktiv am pädagogischen Geschehen teilnehmen zu können, Verantwortung zu übernehmen und das Montessori-Konzept ganz praktisch zu erleben. Diese Erwartungen wurden nicht nur erfüllt, sondern in vielerlei Hinsicht übertroffen.
Schon nach kurzer Zeit durfte ich eigene Projekte initiieren – unter anderem eine gemeinsame Kochaktion mit den Kindern, Pflanzaktionen im Schulgarten und die inhaltliche Mitgestaltung von Unterrichtseinheiten, zum Beispiel gestaltete ich eine Einheit über die Zähne und habe dafür passende Arbeitsblätter erstellt. Ich konnte meine eigenen Ideen einbringen, mit den Kindern kreativ arbeiten und mich aktiv in den Alltag einbringen. Besonders bereichernd waren auch die Ausflüge, an denen ich teilnehmen durfte. Dabei konnte ich die Kinder in einem anderen Kontext erleben und wurde von den Kolleg:innen zunehmend mit eingebunden.
Aufgabenbereich und Arbeitsalltag
Meine Aufgaben waren sehr vielfältig und orientierten sich sowohl an den aktuellen Projekten der Schule als auch an meinen Interessen und Stärken. Ich unterstützte im Unterricht, half bei der Vorbereitung und Durchführung von Lernmaterialien, betreute Kleingruppen und gestaltete eigene kleine Einheiten. Dabei konnte ich Methoden, die ich aus meinem Studium kannte, in der Praxis anwenden und weiterentwickeln.
Durch die aktive Teilnahme am Schulleben war ich durchgehend gut ausgelastet. Es gab stets etwas zu tun – sei es organisatorischer, kreativer oder pädagogischer Natur. Die Balance zwischen Anleitung durch die Lehrkräfte und eigenverantwortlichem Arbeiten war sehr gut abgestimmt. Ich hatte ausreichend Raum, um eigene Erfahrungen zu machen, fühlte mich aber nie allein gelassen.
Aktivitäten im Garten und in der Küche
Erstes eigenes Projekt mit Erstellung eigener Arbeitsblätter (sowohl Englisch als auch Französisch)
Aktivitäten im Garten und in der Küche
Soziale Integration und kollegiale Beziehungen
Von Anfang an wurde ich von meinen Kolleginnen und Kollegen herzlich aufgenommen. Die Atmosphäre im Kollegium war freundlich, offen und unterstützend. Im Laufe der Zeit entwickelten sich echte Vertrauensverhältnisse, was mir nicht nur die Arbeit erleichterte, sondern sie auch zu einer durchweg angenehmen und motivierenden Erfahrung machte.
Praktikumsdauer und persönliche Entwicklung
Die gewählte Dauer des Praktikums war ideal. Sie ermöglichte es mir, in Ruhe anzukommen, Vertrauen zu den Kindern aufzubauen und wirklich in die Schulstruktur einzutauchen. Gerade im pädagogischen Kontext ist eine gewisse Zeitspanne notwendig, damit die Schüler:innen ihre Lehrerin als Lehrkraft akzeptieren, respektieren, sich öffnen und aktiv mit einem arbeiten wollen – diese Entwicklung konnte ich innerhalb meines Aufenthaltes beobachten und aktiv mitgestalten.
Kulturelle Erfahrungen und Freizeit
Während meines Aufenthaltes hatte ich die Gelegenheit, viele kulturelle Eindrücke zu sammeln. Ich besorgte mir ein Studententicket für den Zug und nutzte dies sehr viel. So konnte ich zahlreiche Orte entlang der Côte d’Azur besuchen. Auch kleinere Städte und umliegende Gemeinden erkundete ich in meiner Freizeit. Diese Erlebnisse gaben mir wertvolle Einblicke in die französische Lebensweise und Kultur.
Sprachliche Entwicklung
Ein weiterer großer Gewinn dieses Praktikums war die Verbesserung meiner Französischkenntnisse. Besonders im mündlichen Ausdruck habe ich deutlich mehr Sicherheit gewonnen. Durch den täglichen Kontakt mit Kolleg:innen, Kindern, Freunden und allgemein im Alltag konnte ich mein Sprachgefühl intensiv weiterentwickeln. Auch die Fachsprache im schulischen Kontext wurde mir zunehmend vertraut. Das Praktikum war eine durch und durch bereichernde Erfahrung. Ich konnte nicht nur fachlich wachsen, sondern auch meine Sprachkenntnisse vertiefen, interkulturelle Kompetenzen erwerben und wunderbare Begegnungen erleben.




















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