Im Rahmen meines Public Health Studiums an der Universität Bremen hat sich mir im Wintersemester 2024/25 die Möglichkeit eröffnet ein Auslandspraktikum im Rahmen des Erasmus+-Programms zu absolvieren. Im Januar 2025 bin ich nach Brüssel (Belgien) gezogen und habe dort mein dreimonatiges Praktikum bei der Vertretung der Freien Hansestadt Bremen bei der EU verbracht. Dort habe ich primär der Referentin für Wissenschaft, Gesundheit, Verbraucherschutz und Kultur zugearbeitet.
Vorbereitung und Anreise
Da ich schon sehr früh wusste, dass ich mein Praktikum gerne im Bereich der Gesundheitspolitik machen möchte, konnte ich schon sehr früh und gezielt mit der Suche beginnen. Besonders angesprochen hat mich bei der Landesvertretung, dass man neben den EU-politischen Themen auch weiterhin einen Bezug zur regionalen Politik hatte und die Arbeitssprache deutsch war. Das Bewerbungsverfahren verlief sehr zügig und ohne größere Probleme. Da ich mit der Bewerbung sehr früh dran war und ich auch schnell eine Zusage hatte, konnte ich mich entspannt auf meine Zeit in Brüssel vorbereiten.
Die Anreise verlief größtenteils problemlos. Brüssel ist sehr gut mit dem Zug erreichbar und an das deutsche ICE-Netz angebunden, jedoch kommt es sehr häufig zu Verspätungen.
Praktikum
Meine Arbeit bei der Landesvertretung Bremen hat mir außerordentlich gut gefallen und mir einen sehr bereichernden Einblick in die Arbeitsweise der Europäischen Union sowie in das politische Umfeld Brüssels ermöglicht. Das Team der Landesvertretung hat mich von Anfang an sehr herzlich aufgenommen und mir das Gefühl gegeben, ein vollwertiger Teil des Teams zu sein. Besonders schön war, dass ich mir mein Büro mit einer Rechtsreferendarin teilen durfte, so konnten wir viele Veranstaltungen gemeinsam besuchen und uns über unsere Eindrücke austauschen. Was mich besonders beeindruckt hat, war die große Offenheit und Unterstützung seitens der Landesvertretung, an möglichst vielen Veranstaltungen in Brüssel teilzunehmen. Dadurch hatte ich die Gelegenheit, mich mit einer Vielzahl von Themen auseinanderzusetzen. Gleichzeitig bot sich die Chance, andere Landesvertretungen zu besuchen, wertvolle Kontakte zu knüpfen und tiefere Einblicke in das europäische Netzwerk zu gewinnen. In der EU-Blase gibt es unglaublich viele Praktikant:innen, die man besonders auf solchen Veranstaltungen kennenlernen kann.
Wenn ich nicht gerade auf Veranstaltungen unterwegs war und Berichte darüber verfasst habe, arbeitete ich der Referentin für Wissenschaft, Gesundheit, Verbraucherschutz und Kultur zu. Ich wurde von ihr sehr gut betreut, hatte stets abwechslungsreiche Aufgaben und konnte viel über die inhaltliche Arbeit und das politische Agenda-Setting auf europäischer Ebene mit Blick auf Bremen lernen. Hin und wieder wurde ich auch von anderen Kolleg:innen um Unterstützung bei verschiedenen Aufgaben gebeten.
Insgesamt war mein Praktikum eine sehr prägende Zeit, die mir nicht nur beruflich viele neue Perspektiven eröffnet, sondern mich auch persönlich sehr bereichert hat.
Unterkunft
Die Wohnsituation in Brüssel ist deutlich angespannter, als ich es jemals in Deutschland erfahren habe. Zwar sind viele Unterkünfte auf Praktikant:innen bzw. Personen, die nur ein paar Monate in Brüssel wohnen werden, zugeschnitten, jedoch sind diese Unterkünfte immer mit hohen Kosten verbunden. Vor allem eine Vermittlergebühr wird gerne von 200-300 € berechnet. Durch diese professionell aufgezogenen Webseiten kann man sich jedoch ziemlich sicher sein, dass es die Wohnung bzw. das Zimmer wirklich gibt und es sich nicht um ein Scam handelt. Hier muss man in Brüssel nämlich auch immer vorsichtig sein, da diese immer wieder auftreten. Ein weiterer Vorteil dieser Unterkünfte ist, dass dort viele Internationals bzw. Personen, die auch für ein Praktikum in Brüssel sind, wohnen und man somit schnell in Kontakt mit eher Gleichgesinnten kommt.
Teilweise etwas günstigere Zimmer/Unterkünfte werden durch die verschiedensten Facebook Gruppen vermittelt. Hier muss man jedoch ein wenig resilient sein und nicht allzu schnell verzweifeln, wenn man nicht gleich eine Antwort auf seine Nachrichten bekommt. Es herrscht einfach eine sehr große Nachfrage auf günstige und gut gelegene Zimmer. Sollte es nicht gleich mit der Suche klappen, verliert nur keinen Mut, da sehr viele Personen ihre Zimmer sehr kurzfristig, bevor sie Brüssel verlassen, ins Internet stellen, da sie wissen, dass sie immer jemanden finden werden, wer ihr Zimmer übernimmt. Man kann also auch noch sehr spontan Glück haben ein Zimmer zu bekommen. Gerade in den Sommermonaten vermieten viele Brüsseler:innen ihre Zimmer unter, während sie den Sommer zuhause verbringen. Sollte man also relativ flexible bei der Auswahl sein, wann man seinen Aufenthalt in Brüssel verbringen möchte, bietet es sich an diese in die Sommermonate zu legen. (Es sollte jedoch aber nicht vergessen werden, dass gerade in der EU-Blase in den Sommermonaten weniger Veranstaltungen stattfinden).
Leben
Brüssel ist eine ganz wundervolle Stadt zum Leben und ich habe mich hier sehr wohl gefühlt. Auf den ersten Blick wirkt die Stadt vielleicht ein wenig dreckig und nicht ganz so hergerichtet, wie andere belgische Städte, jedoch handelt es sich um eine sehr internationale, junge und von Kultur und der EU geprägte Stadt. Gerade diese Mischung aus politischem Zentrum und kultureller Vielfalt macht Brüssel so besonders. Man trifft hier Menschen aus aller Welt, hört ständig unterschiedliche Sprachen und findet in nahezu jedem Viertel kleine Cafés, kreative Läden und kulinarische Entdeckungen aus allen Ecken der Welt. Mit der Zeit lernt man, den etwas chaotischen Charme der Stadt zu schätzen – und genau das macht das Leben in Brüssel so lebendig und einzigartig.
Besonders schön an Brüssel und Belgien fand ich persönlich, dass man auch die umliegenden Städte ganz entspannt mit dem Zug im Rahmen eines Tagesausflugs erkunden konnte. Dank des gut ausgebauten Bahnnetzes sind Orte wie Gent, Brügge, Antwerpen oder Leuven in kurzer
Zeit erreichbar. So konnte ich spontan am Wochenende kleine Ausflüge unternehmen, neue Eindrücke sammeln und die Vielfalt Belgiens erleben.
Fazit
Alles in allem hat mir meine Zeit in Brüssel unglaublich gut gefallen und blicke unglaublich gerne auf diesen Lebensabschnitt zurück. Die Kombination aus spannender politischer Arbeit, einem internationalen Umfeld und der Möglichkeit, sowohl beruflich als auch persönlich zu wachsen, hat meine Erwartungen mehr als erfüllt. Ich konnte wertvolle Erfahrungen sammeln, viele inspirierende Menschen kennenlernen und habe Brüssel als Stadt mit ganz eigenem Charme und großer Offenheit schätzen gelernt. Dieses Kapitel wird mir sicherlich noch lange in Erinnerung bleiben.

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