Ich habe von Februar 2025 – März 2025 mein 2-monatiges Pflichtpraktikum im Rahmen meines Bachelorstudienganges Politikwissenschaften im Verbindungsbüro des deutschen Bundestages bei der CDU/CSU-Fraktion in Brüssel absolviert. Dies war erst eigentlich gar nicht so geplant. Zuvor hatte ich versucht mich bei der Bundestagsverwaltung, bei verschiedenen Fraktionen sowie bei verschiedenen Bundestagsabgeordneten in Berlin zu bewerben. Hier muss man jedoch sagen, dass einige der Abgeordneten sehr unzuverlässig sind und es schwierig war, trotz mündlicher Zusage ein Praktikum fest zu vereinbaren. Durch das Scheitern der deutschen Regierung im November 2024 wurden viele der laufenden Bewerbungen aufgrund der anstehenden Neuwahlen mit einer Absage versehen und so musste ich mich nach etwas anderem umschauen. Mit etwas Glück habe ich es so ins Verbindungsbüro des deutschen Bundestages in Brüssel geschafft und bin im Endeffekt ganz froh darüber, da man hier auf europäischer Ebene vermutlich die besten und umfassendsten Einblicke ins Politikgeschäft erhalten kann.

Unterkunft
Die Suche nach einer passenden Unterkunft war vermutlich das Schwerste im Rahmen meiner Vorbereitung auf mein anstehendes Praktikum. Es gibt einige Seiten im Internet auf die man bei der Suche nach Wohnungen/Zimmern für Brüssel stößt. Jedoch muss man hier aufpassen, da einige Seiten auf den ersten Blick einen unseriösen Anblick vermitteln und mit versteckten Kosten für Heizung, Strom und Wasser sich vorerst bedeckt halten und den vollständigen Preis für die Unterkunft erst nach genauerem nachsehen preisgeben. Über diverse Facebook-Gruppen war die Suche auch nicht gerade einfacher. Viele Gruppen waren mittlerweile inaktiv und hier tummelten sich ebenfalls viele Fake-Angebote. Einige wenige Inserate schienen seriös zu sein aber waren meist auch nicht gerade günstig. Im Endeffekt habe ich nach langer Suche eine passende Wohnung über AirBnb gefunden. Bei der Wohnungssuche würde ich auf jeden Fall empfehlen, nach Möglichkeit sich frühzeitig darum zu kümmern, da auch vieles über AirBnb, was soweit passabel aussah, schon ausgebucht war. Dadurch, dass Brüssel jeden Monat eine Vielzahl an Praktikanten sowie Touristen beherbergt, besteht stets eine hohe Nachfrage nach Unterkünften, weshalb eine frühzeitige Suche dringend zu empfehlen ist. Des Weiteren macht es durchaus Sinn sich im Vorhinein ein wenig über die verschiedenen Stadtviertel zu informieren, um zu wissen, in welcher Umgebung man wohnt.

Stadt
Als Hauptstadt von Belgien lässt sich Brüssel mit einigen Großstädten in Deutschland vergleichen. Die Stadt ist sehr groß und vielfältig und verfügt über viele verschiedene Stadtteile. Im Europaviertel, in dem sich auch mein Büro befand, ist alles relativ sauber und ordentlich, wohingegen es in anderen Stadtteilen durchaus ziemlich dreckig sein kann. Zum Shoppen bietet sich die Innenstadt sehr gut an, insbesondere wenn man von der U-Bahn Haltestelle Rogier Richtung Innenstadt bzw. Grand Place läuft. In der Einkaufsstraße findet man viele Geschäfte und Essenmöglichkeiten. Das Highlight meiner Meinung nach ist jedoch der Bereich rundherum um den Grand-Place. In diesem Gebiet befinden sich viele kleine Gassen mit Bars, Restaurants und Geschäften. Hier ist für jeden etwas dabei und das Gebiet ist sehr sehenswert.

Ein Spaziergang durch Brüssels Innenstadt sowie in angrenzende Stadtteile ist auch zu empfehlen, da man so meiner Meinung nach am besten einen Eindruck vom Leben vor Ort in Brüssel bekommt. Fußläufig ist einiges gut zu erreichen jedoch sollte man weitere Entfernungen besser mit dem öffentlichen Nahverkehr zurücklegen, falls man von einem Stadtteil im Norden zu einem im Süden oder derartiges möchte. Hier kann man sonst zu Fuß schonmal 2 Stunden unterwegs sein. Außerdem muss man bedenken, dass in Belgien und insbesondere in Brüssel einiges um Längen teurer ist als in Deutschland. Die Preise für Essen, Trinken und andere Gegenstände können um einiges höher sein als wie wir es aus Deutschland gewohnt sind. Dies sollte man immer Bedenken, wenn man sich für ein Praktikum in Brüssel entscheidet.

Arbeit
Meine Arbeit im Verbindungsbüro in Brüssel bei der CDU/CSU-Fraktion bestand im Großen und Ganzen darin, Einblicke in die politischen Abläufe der EU zu bekommen sowie die Arbeit im Verbindungsbüro kennenzulernen. Ich durfte oft mit zu Terminen meiner Mitarbeiter, die sich mit anderen Kollegen und Institutionen hier in Brüssel zum politischen Austausch trafen. Des Weiteren besuchte ich einige Ausschusssitzungen sowie Veranstaltungen im Europäischen Parlament, was sehr interessant war. Vom Verbindungsbüro aus gab es auch einige Termine und Veranstaltungen, welche ich wahrnehmen dufte, wodurch man einen breiten und intensiven Einblick über die politische Arbeit bekam. Und zu guter Letzt bestand meine Aufgabe darin, den wöchentlichen Bericht zu verfassen, in dem wir über die politischen Geschehnisse der Woche in Brüssel berichtet haben. Im Verbindungsbüro hat jede Fraktion des Bundestages einige Vertreter vor Ort, wodurch man auch in den Austausch mit den Mitarbeitern von anderen Parteien kam, was sehr interessant war. Im Großen und Ganzen hat mir die Arbeit sehr viel Spaß gemacht, da sie sehr abwechslungsreich war und man einen sehr guten Einblick in das politische Geschehen auf europäischer Ebene bekommen hat.

Leben und Freizeit
Das Leben in Brüssel ist angenehm jedoch auch sehr ungewohnt. An den vielen und wilden Verkehr auf den Straßen muss man sich erstmal gewöhnen. Eine große Anzahl von Kultureinrichtungen, Museen, Kirchen und anderen historischen Gebäuden bietet viel zum Erkunden und lädt ein die Stadt und seine Kultur näher kennenzulernen sowie seine Freizeit zu gestalten. Unter der Woche war ich meist komplett arbeitstechnisch eingebunden, wodurch man eher nur an den Wochenenden Zeit hatte etwas zu unternehmen. Diese Zeit nutzte ich jedoch ausgiebig, um die Stadt und seine vielen Facetten und Ecken näher kennenzulernen. Ich war oft zu Fuß unterwegs und habe mir verschiedene Sehenswürdigkeiten angeschaut. Manchmal bin ich auch einfach nur so ein bisschen herumgelaufen, ohne groß das Ziel zu wissen und um sich einfach ein bisschen treiben zu lassen. Dadurch kam man durch Zufall an viele interessante Orte und konnte das Leben vor Ort besser verstehen und erleben. In den verschiedenen Stadtteilen laden die Parks zum Spazierengehen, Sport machen oder Sonne genießen ein. Für Fußballfans bietet sich ein Besuch bei einem Spiel der beiden in Brüssel ansässigen Clubs Union Saint-Gilloise oder RSC Anderlecht an. Ich selbst habe mir ein Spiel zwischen Union Saint-Gilloise und Standard Lüttich angeschaut. Dies war eine großartige Erfahrung und kann jedem Fußballfan nur empfohlen werden.

Fazit
Die Zeit in Brüssel war sehr schön und beeindruckend. Es war interessant mal eine andere Kultur sowie eine andere Stadt kennenzulernen und in dieser für einen gewissen Zeitraum zu leben. Für ein Praktikum im Fach Politikwissenschaften ist Brüssel ideal, um auf europäischer Ebene politische Erfahrungen und Eindrücke zu sammeln. Brüssel als Stadt ist sehr vielseitig und es gibt einiges zu entdecken. Wenn man die Möglichkeit dazu hat, würde ich auf jeden Fall empfehlen ein Praktikum in Brüssel zu absolvieren.