Mein Praktikum in einer Landesvertretung bei der Europäischen Union in Brüssel Das Praktikum in meinem Studium der Politik- und Rechtswissenschaft wollte ich gerne dazu nutzen, über den Tellerrand meiner bisherigen Erfahrungen hinauszublicken und entschied mich daher dazu, mein Praktikum im Umfeld der Europäischen Institutionen in Brüssel zu absolvieren. Das bot mir die Möglichkeiten, mein Praktikum mit weiterer Auslandserfahrung zu kombinieren.

Praktikumsmöglichkeiten in Brüssel
Es gibt in Brüssel nicht nur viele Institutionen und Vertretungen, sondern auch fast so viele Praktikumsmöglichkeiten. Viele Studierende machen ihr Praktikum in einer der 15 Landesvertretungen deutscher Bundesländer, andere sind im Büro eines Mitglieds des Europäischen Parlaments oder in der Ständigen Vertretung (die deutsche „Botschaft“ bei der EU). Darüber hinaus habe ich aber auch Praktikant:innen getroffen, die für ihr Praktikum z. B. beim Deutschen Landkreistag, der Bundesagentur für Arbeit, der Deutschen Industrie- und Handelskammer oder verschiedenen Fach- und Lobbyorganisationen waren. Grundsätzlich sind viele der Praktikumsplätze in Brüssel sehr nachgefragt, sodass man sich auf jeden Fall rechtzeitig (mindestens 6 bis 12 Monate vorher) bewerben sollte und auch ein bisschen Glück braucht, um einen Platz zu ergattern.

Ursprünglich habe ich mich in der Bremischen Landesvertretung beworben, dort werden aber nur Bewerbungen für ein mindestens 12-wöchiges Praktikum akzeptiert, was für mich nicht mit der Dauer der vorlesungsfreien Zeit kompatibel war. Deshalb habe ich mein Praktikum schlussendlich in einer anderen Landesvertretung absolviert. Solche Landesvertretungen hat jedes Bundesland (Hamburg und Schleswig-Holstein betreiben eine gemeinsam) und haben den Auftrag, die Policy Vorhaben auf europäischer Ebene zu verfolgen und hinsichtlich relevanter Entwicklungen an die zuständigen Landesministerien zu berichten. Soweit ich das mitbekommen habe, bietet eigentlich jede Landesvertretung Praktika an, wobei grundsätzlich Bewerber:innen bevorzugt werden, die im jeweiligen Bundesland aufgewachsen sind oder dort studieren (Landeskinderprinzip).

Auch wenn einige Praktikumsplätze vergütet werden (diese sind dann häufig auch besonders nachgefragt), gibt es auch viele unbezahlte Praktikumsstellen. Da auch mein Praktikum nicht vergütet war, hat mir die Erasmus-Förderung sehr bei der Finanzierung geholfen. Wenn man Erasmus+ beantragen möchte, sollte man unbedingt darauf achten, dass das Praktikum mindestens 60 Kalendertage dauert. Die für ein Pflichtpraktikum häufig vorgeschriebenen acht Wochen reichen nicht aus! Nachdem ich diese Anforderung erfüllt habe, hat die Beantragung der Erasmus-Förderung dann aber gut geklappt und ich kann das sehr weiterempfehlen.

Praktikumsalltag und Freizeit
Auch wenn sich die spezifischen Tätigkeiten je nach Arbeitsort unterscheiden, sind die Aufgaben jedenfalls in den Landesvertretungen insgesamt vergleichbar. Einen Großteil der Zeit verbringen Praktikant:innen mit der Recherche bzw. dem Lesen von Informationen aus den Institutionen, wovon ausgehend dann Vermerke oder Berichte insbesondere für die zuständigen Fachministerien verfasst werden. Dazu kommen besondere Aufgaben je nach aktueller Lage. Wie viel Praktikant:innen zu tun haben, ist sehr unterschiedlich – einige sind sehr beschäftigt, andere haben deutlich weniger zu tun.

Das hängt aber auch von der jeweils zur Betreuung zugeordneten Person ab und lässt sich nur bedingt verallgemeinern. Spannend ist aber nicht nur die Zeit im Büro, sondern das sind vor allem die Abende. Viele der Landesvertretungen und auch andere Organisationen führen regelmäßig Veranstaltungen zu ganz verschiedenen Themen durch. Während meines Praktikums habe ich z. B. immer wieder Veranstaltungen zu KI oder dem Digital Services Act besucht, war aber auch bei Veranstaltungen zu Themen wie Milchwirtschaft, Arbeitsschutz oder der Situation in Nahost. Jeden Donnerstagabend treffen sich zudem viele Praktikant:innen auch aus anderen Ländern am Place du Luxembourg, direkt vor dem Europäischen Parlament. Insbesondere in den Sommermonaten bei gutem Wetter kann das lohnenswert sein.

An den Wochenenden bietet es sich, die anderen Städte in Belgien zu erkunden. Die Fahrkarten der Belgischen Bahn sind für deutsche Verhältnisse recht günstig, insbesondere für junge Menschen und am Wochenende, zudem kann man auch mit regulären Fahrkarten die IC-Verbindungen nutzen. Damit kommt man recht schnell z. B. nach Löwen, Brügge oder Gent und kann sich diese Städte anschauen – das lohnt sich. Innerhalb von Brüssel gibt es für Studierende unter 25 übrigens das „STIB-MIVB school season ticket“, mit dem man für nur 12 Euro für ein ganzes Jahr den Brüsseler Nahverkehr nutzen kann. Als Nachweis des Studierendenstatus muss ein spezielles vom Brüsseler Verkehrsverbund zur Verfügung gestelltes Formular genutzt werden. Ich habe dieses beim Sekretariat für Studierende unterschreiben und stempeln lassen, damit hat das dann gut geklappt.

Reflexion des Praktikums
Mein Praktikum in Brüssel hat sich auf jeden Fall sehr gelohnt! Insbesondere konnte ich meine Kenntnisse aus der Vorlesung „Einführung in die Europäische Integration“ weiter vertiefen und mit praktischen Einblicken anreichern. Während die Europäische Union aus Deutschland heraus mitunter etwas weit weg oder aber jedenfalls recht abstrakt wirkt, ist man in Brüssel – relativ unabhängig davon, bei welcher Praktikumsstelle man am Ende ist – einfach viel näher dran. Dadurch wird europäische Politik um einiges greifbarer.

Das gelingt vor allem auch dadurch, dass man in Brüssel nicht nur viele andere Praktikant:innen kennenlernen kann, sondern auch Kontakte zu Menschen knüpfen kann, die im Parlament, der Kommission oder anderen Institutionen arbeiten. Wenn sich diese Möglichkeit bietet, sollte man das auf jeden Fall wahrnehmen, da dies noch einmal zusätzliche Einblicke auch in nicht schriftlich fixierte Prozesse bietet und zudem die Möglichkeit eröffnet, je nach eigenem Interessengebiet Fragen zu stellen.

Ich kann mir gut vorstellen, zu einem späteren Zeitpunkt noch einmal nach Brüssel zu kommen. Auch für diejenigen, die ihr Pflichtpraktikum schon hinter sich haben, könnten die verschiedenen Möglichkeiten hier in Brüssel sehr interessant sein: Nach Abschluss des Bachelorstudiums stehen verschiedene Trainee-Programme offen, z. B. das BlueBook-Traineeship (Europäische Kommission), das Schumann-Traineeship (Europäisches Parlament), das Traineeship des Generalsekretariates des Europäischen Rates und des Rates der Europäischen Union und weitere Programme. Insbesondere für diejenigen, die eine Karriere in den EU-Institutionen anstreben, ist das eine hervorragende Einstiegsmöglichkeit.