Center für Marine Research des the Ruđer Bošković Instituts
Das „Center for Marine Research" (CMR) ist ein Meeresforschungsinstitut des „Ruđer Bošković Institute (RBI)” und liegt direkt an der Küste von Rovinj.
Das Zentrum verfügt über vier Labore, die jeweils einen eigenen Forschungsschwerpunkt verfolgen.
Das Labor für marine Ökotoxikologie und Bioremediation erforscht die Auswirkungen von Schadstoffen auf marine Organismen und deren Lebensräume mit dem Ziel, Strategien zur Reinigung und Wiederherstellung belasteter Gebiete zu entwickeln.
Im Labor für marine Nanotechnologie und Biotechnologie werden Ansätze für neue Technologien zur Untersuchung und zum Schutz mariner Lebensräume entwickelt.
Das Labor für evolutionäre Ökologie untersucht die Anpassungsmechanismen mariner Organismen an sich verändernde Umweltbedingungen.
Und im Labor für benthische Ökologie werden die Lebensgemeinschaften am Meeresboden, insbesondere deren Struktur, Dynamik und Wechselwirkungen mit anderen Ökosystemfaktoren, untersucht.
In diesem Labor, das von Dr. sc. Ljiljana Iveša geleitet wird, durfte ich mein Praktikum absolvieren. Dr. Iveša arbeitet gemeinsam mit Edi Gljušćić und Andrea Bilajac am Projekt REFINE (Restoration exploration for fucalean species: In-situ and ex-situ approaches).
Ziel dieses Projekts ist die Erforschung und Wiederherstellung von sogenannten Phaeophyceae-Wäldern.
Dazu wird der aktuelle Zustand dieser Wälder dokumentiert und mit historischen Aufzeichnungen verglichen, um Veränderungen und Trends im Laufe der Zeit sichtbar zu machen. Zum anderen werden Fortpflanzungszyklen der Braunalgen untersucht, wobei der Einfluss von Umweltfaktoren auf die Reproduktionsfähigkeit der Arten im Fokus steht.
Im Rahmen des REFINE-Projekts können so sowohl in-situ (direkt im natürlichen Lebensraum) als auch ex-situ (unter kontrollierten Laborbedingungen) Ansätze zur Wiederherstellung degradierter Phaeophyceae-Wälder entwickelt und getestet werden.
Bewerbung und Organisation:
Die Planung eines Erasmus-Praktikum kostet Zeit und ein bisschen Nerven. Ich kann es jedoch nur jedem ans Herz legen die Chance zu nutzen! 🙂
Um meinen Praktikumsplatz zu finden, habe ich zunächst nach Projekten gesucht, die ich spannend fand. An die jeweiligen Institute habe ich anschließend Initiativbewerbungen geschickt. Danach habe ich mir angesehen, mit welchen Partnerinstituten oder Kollaborationspartnern diese Projekte verbunden sind, ihre Projekte recherchiert und an diese erneut Bewerbungen geschickt. Und immer so weiter...
Mir war von Anfang an bewusst, dass diese Art der Bewerbung mühsam und auch frustrierend sein kann, aber nach etwa zwei Monaten erhielt ich eine Einladung zu einem Vorstellungsgespräch mit Ljiljana. Noch während dieses Gesprächs bekam ich die Zusage für das Praktikum. Nach einem kurzen Austausch mit Frau Meyer konnte ich das Angebot annehmen und anfangen alles zu planen.
Warum eigentlich dieses Institut?
Mir war von Anfang an klar, dass ich mit Makroalgen arbeiten möchte. Sie bieten zahlreichen Tierarten Lebensraum und Nahrung. So zählen Makroalgenwälder zu den produktivsten und artenreichsten Ökosystemen weltweit.
Sie sind nicht nur für die biologische Vielfalt von großer Bedeutung, sondern auch für die Bindung von Kohlenstoff, die Verbesserung der Wasserqualität und den Schutz vor Erosion. Ihr Rückgang ist global feststellbar, wodurch sowohl der Schutz als auch die Wiederherstellung dieser Ökosysteme zunehmend an Bedeutung gewinnt.
Vor diesem Hintergrund hat mich das Projekt von Ljiljana und ihrem Team direkt überzeugt. Die Kombination aus theoretischer Forschung und praktischen Ansätzen bietet die Möglichkeit gelernte Methoden direkt anzuwenden.
Wie finde ich eine Wohnung?
Eine passende Wohnung zu finden, stellte sich vermutlich als die größte Herausforderung bei der Vorbereitung heraus. Durch den starken Anstieg des Tourismus in den letzten Jahren hat sich der Wohnungsmarkt in Rovinj stark verändert: Anstelle von Mietwohnungen werden fast ausschließlich Ferienwohnungen zu sehr hohen Preisen angeboten. Schließlich konnte ich jedoch mit einer Ferienwohnungsagentur einen Rabatt aushandeln, da ich das Apartment für einen längeren Zeitraum bewohnen würde. So fand ich eine tolle Wohnung direkt an der Altstadt und mit ein bisschen Blick aufs Meer.
Wie komme ich nach Rovinj?
Das einfachste und günstigste ist ein Flug von Düsseldorf-Weeze nach Pula und von dort mit dem Bus nach Rovinj. Ich wollte jedoch nicht fliegen und bin von einer über Freunde vermittelte Fahrgemeinschaft in Rovinj abgesetzt worden.
Soo, genug Organisation, jetzt kann es endlich losgehen!
Über Rovinj
Rovinj ist eine kleine Küstenstadt in Istrien, Kroatien. Sie liegt direkt an der Adria.
Eigentlich besteht Rovinj nur aus winzigen Gassen und dem Meer. Aber Bilder können das besser beschreiben als Worte:
Leben in Rovinj:
Leben und vor allem Lebensmittel sind in Kroatien verhältnismäßig teurer. Jedoch auch als vegan/ vegetarische Person kommt super zurecht. Der Lidl hat tatsächlich sogar eine größere Tofu Auswahl als in Deutschland. 🙂
Wobei ich gestehen muss das meine Ernährung zu 90% aus Burek bestand. Eine typische Balkan-Teigware, welche vom türkischen Börek abstammt, aus Blätterteig gefüllt mit Kartoffeln, Spinat, Käse oder Fleisch.
Ich persönlich habe es sehr genossen in einer Stadt am Meer zu wohnen. Feierabend-Dips im Meer standen tatsächlich bis in den November an der Tagesordnung. Es gibt zahlreiche Wander- und Fahrradwege durch das Umland.
Am Wochenende waren dementsprechend fahren, schnorcheln und das Insel-Naturschutzgebiet Brijuni besuchen meine Lieblingsaktivitäten.
Es gibt sehr viele kleine Bars und Cafés. Eine Sache, an die man sich allerdings gewöhnen muss: der Kaffee in Kroatien wird um einiges stärker getrunken als in Deutschland. 🙂
Auch hatte ich das Glück das Festival del vino di Rovigno im September mitfeiern zu können. Ein Fest, auf dem es viel live-Musik gibt und gegen eine kleine Gebühr all-you-can–drink Weine von lokalen Winzern probiert werden kann. Ab Ende November fand auch ein kleiner Weihnachtsmarkt statt.
Auch wenn es eine wirklich kleine Stadt ist, wurde es nicht langweilig.
Meine Arbeit im Team:
Wie bereits erwähnt, war meine Arbeitsgruppe mit nur drei Personen sehr klein, was jedoch den großen Vorteil hatte, dass sich immer ausreichend Zeit genommen wurde, um alle meine Fragen zu beantworten. Von Anfang an wurde ich in sämtliche Projekte eingebunden, sodass ich nicht nur passiv zuschauen, sondern aktiv am Forschungsalltag teilhaben konnte. Das hat mir einen sehr authentischen Einblick in die wissenschaftliche Arbeit ermöglicht.
Gemeinsames Kaffeetrinken in den Pausen und unsere traditionellen „Pizza-Fridays“ haben das Arbeitsklima sehr entspannt und persönlich gemacht.
Ein zentraler Bestandteil meiner Arbeit war die Auswertung und Analyse statistischer Daten. RStudio und ich haben uns den ein oder anderen Kampf geleistet, aber letztendlich war ich überrascht, wie spannend ich Statistik doch finden kann.
Der zweite große Schwerpunkt lag auf der Feldarbeit. Gemeinsam haben wir mit dem Auto, Kajak oder Boot verschiedene Küstenabschnitte aufgesucht, um bestehende Populationen von Braunalgen zu untersuchen oder neue anzusiedeln. Besonders spannend war es, direkt vor Ort Proben zu nehmen, Umweltparameter zu messen und die Dynamik der Ökosysteme aus nächster Nähe zu erforschen.
Mein Highlight:
Ich habe von Anfang an gehofft bei der Arbeit im Feld ein Nudibranchia zu sehen (bunte Unterwasser-Nacktschnecke). Ich hatte immer Pech, genau wenn ich nicht mit dabei war, wurden welche gefunden. Aber tatsächlich an meinem letzten Tag habe ich endlich einen gefunden: Cratena peregrina!






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