KÜNSTLERHAUS VEREINIGUNG + BEWERBUNG + BEGRÜSSUNG
Das Künstlerhaus ist eine seit 1861 bestehende Vereinigung von Künstler*innen in Österreich und als Ausstellungshaus für diese 1868 errichtet worden. Es liegt am Ring, direkt am Karlsplatz und damit zentral im 1. Bezirk der Stadt. Aufmerksam geworden bin ich auf das Künstlerhaus durch die parallel gezeigten Ausstellungen AUF DEN SCHULTERN VON RIESINNEN und MARIA LASSNIG. SELBST ALS KAMERA im April 2024. Gefallen haben mir die Ausstellungen besonders durch ihre feministische Fragestellungen, die eine politische Positionierung erkennen ließen, mich der ich mich identifizieren konnte. Wenn auch immer kuratorisch und inhaltlich Diskussionspunkte zu Tage treten können, erweckte das Haus einen Eindruck, sich diesen Punkten auch aktiv stellen zu wollen. Eine selbst gestellte Aufgabe, die ich in meinem vorherigen Job sehr vermisst habe.
Auf der Suche nach einem Praktikumsplatz habe ich mich nach meinem dortigen Besuch initiativ, nach einem kurzem Anruf bei der Geschäftsführung auf ein solches beworben. Als darauf hin die damals aktuelle Praktikantin aus Kapazitätsgründen die Stelle aufgab, wurde ich eingeladen - und quasi direkt eingestellt. Dabei ist mir die Geschäftsführung als auch das gesamt Team mit einer beindruckend herzlichen Offenheit begegnet. Eigentlich ist schade, aber ich habe es selten und nie auf diesem Level in anderen Praktika erlebt, dass ich so gleich mit freundlichem Interesse an meiner Person als neue Kollegin begrüßt wurde und mir von Beginn an auch großes Vertrauen in meiner Arbeit entgegen gebracht wurde.
MEIN INTERESSE AM KÜNSTLERHAUS
Wie bereits erläutert, ist mir eine (macht-)kritische Auseinandersetzung mit der eigenen Institution und den damit einhergehenden Aufgaben und Verantwortungen immens wichtig. Dazu hat mich mein Studiengang ausgebildet und es entspricht meiner eigenen gesellschaftspolitischen Überzeugungen. Im Künstlerhaus habe ich eine Institution gefunden, dass - hier spreche ich von der Geschäftsstelle, unter den knapp 600 Mitgliedern habe ich mehrere aber nun längst nicht alle kennengelernt und Ideen mögen sich hier unterscheiden - bewusst mit Fragen auseinandersetzt, die für elementar halte.
Mich begeistert das ausgebaute Vermittlungsprogramm durch seine Vielfältigkeit: Es gibt Führungen und Workshops für Kinder aller Altersgruppen (von 0 Jahren aufwärts), für Demenzerkrankte, für Menschen mit Sehbeeinträchtigung und solche in einfacher Sprache. Es gibt ein hohes Interesse und eine große Motivation von Kunstvermittlungsteam und dem Team generell, das Programm forlaufend zu verbessern und auszubauen und diese Prozesse begleiten zu können, finde ich für mich sehr gewinnbringend.
Außerdem ist das Konzept der Ausstellungsräume durch die Idee zu einem vielfältigen Programm geprägt. Das schließt neben immer zwei parallel laufenden Ausstellungen auch ein breites Rahmenprogramm mit ein. So gibt es eine Kooperation mit dem Stadtkino im Künstlerhaus. Es gibt Lesungen, Tattoo-Sessions, diverse Talks und Führungen natürlich sowieso. Diese interdisziplinäre Herangehensweise macht mir dabei inhaltlich besondere Freude.
AUFGABEN
Zu Beginn habe ich die Leihverträge für die nächste große Ausstellung übernommen, d.h. die Verträge aufgesetzt und von den Künstler*innen unterzeichnen lassen. Dabei habe ich stets das Gefühl, jederzeit nachfragen zu können und gleichzeitig selbstständig arbeiten zu können. Dieses Vertrauen in meine Arbeit und meine Zuverlässigkeit schätze ich - gerade im Vergleich zu früheren Anstellungen - wie gesagt wirklich sehr. Außerdem habe ich die Pflege von Website und Social Media-Accounts bis jetzt vollständig übernommen. Der Kollegin, die für die Öffentlichkeitsarbeit zuständig ist, arbeite ich darüber hinaus auch in weitere Bereichen zu. Etwa beim (oft stattfindenden) Korrekturlesen von Programmfaltblättern und Ausstellungskatalogen. Außerdem habe ich die Möglichkeit an Workshops mitzuarbeiten oder die Kunstvermittlung für kommende Ausstellungen zu entwickelt. All diese Prozesse finde ich unheimlich spannend mit zu verolgen, da ich die Arbeit und Motivation meiner Kolleg*innen sehr schätze.
LEARNING
Insgesamt habe ich damit ein breites Spektrum an Aufgaben kennengelernt. Das finde ich für mich persönlich unheimlich bereichernd. Da meine Studiengänge alle interdisziplinär aufgebaut sind und waren und ich selbst auch im beruflichen Kontexten der Kulturarbeit tätig war, konnte ich in die Bereiche auch mit Vorwissen einsteigen. So habe ich bereits Künstler*innenverträge in der Festivalarbeit aufgesetzt (was sehr ähnlich wie die Leihverträge funktioniert) oder habe Websites und Social Media betreut. Auch mein Studium war oft auf Kunstvermittlung fokussiert. Da ich es für mich immer recht schwierig fand, mich für eine Position zu entscheiden, war dieses Praktikum die beste Möglichkeit ohne Widerspruch in diverse Bereiche Einblick zu erhalten. Gerne würde ich noch Einblicke in kuratorische Prozesse erhalten. Aber vielleicht passiert das ja auch noch in Zukunft…
FAZIT
Nach meiner letzten Stelle, mit der ich sehr unzufrieden war, das Team des Künstlerhauses kennenzulernen, ist eine wichtige und tatsächlich auch beruhigende Erfahrung. Es ist nicht nur meine Einschätzung, das Kultureinrichtungen und ihre Mitarbeitenden in Österreich sich tatsächlich politisch weniger stark positionieren (dürfen), als ich es aus Deutschland, im Speziellen aus Bremen, gewohnt bin. Das wirkt befremdlich und beängstigend. Und entsprechend freue ich mich, dass ich von meiner spontanen Initiativbewerbung an beginnend diesmal so viel Glück hatte.
Es sind noch ein paar Wochen, dann entscheidet sich, ob es finanziell möglich ist, eine neue Stelle für mich zu schaffen (bei der ich dann ein Gehalt bekomme und nicht nur eine minimalistische Praktikumsentlohung). Ich würde mich unheimlich darüber freuen, wenn das klappt!
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