Ich bin Studentin im letzten Semester meines Masterstudiums der Psychologie an der Universität Bremen. Eine unglaublich spannende und gleichzeitig herausfordernde Zeit! Schließlich heißt es jetzt, sich zu entscheiden, wie es nach dem Studium weitergehen soll. Es war schon lange mein Traum, eine Zeit lang im Ausland zu leben. Deswegen war ein Auslandspraktikum die perfekte Möglichkeit, meinen Traum zu verwirklichen und hierüber hinaus mehr Klarheit über meine berufliche Zukunft zu gewinnen.

Vorbereitung
Spanien war schon lange mein absoluter Sehnsuchtsort! Besonders Barcelona hatte es mir angetan, weswegen ich mich insbesondere hier auf die Suche nach Praktikumsplätzen begab. Weil ich nur grundlegende Spanischkenntnisse aus der Schule besitze, suchte ich nach Institutionen, in denen Spanisch nicht vorausgesetzt wurde. Schließlich stieß ich auf die deutschsprachige Kindertagesstätte BCN-Kinder im Herzen Barcelonas, die nach Praktikant*innen mit Deutsch als Muttersprache suchte. Weil ich nach meinem Studium im Kinder- und Jugendbereich arbeiten und die Ausbildung zur Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeutin machen möchte, sah ich hierin die Chance, insbesondere meine pädagogischen Fähigkeiten und meine interkulturelle Sensibilität zu verbessern.

Nachdem ich per E-Mail eine Zusage auf meine Bewerbung erhalten hatte, verabredete ich mich mit der Leiterin der Kindertagesstätte zu einem Zoom-Kennlerngespräch, bei dem mir die Institution und meine Aufgaben vorgestellt wurden.

Gastinstitution
BCN-Kinder ist eine gemeinnützige Organisation, die 2002 als Elternvereinigung gegründet wurde und heute ein Zuhause für Kinder mit unterschiedlichem kulturellem Hintergrund bietet. Die Kindertagesstätte befindet sich im Stadtteil Barri Gòtic, von wo aus wöchentliche Ausflüge zu Spielplätzen, in den Parc de la Ciutadella oder an den Strand unternommen werden. Der Schwerpunkt der Arbeit mit den Kindern liegt auf freiem Spiel, ganzheitlichem Lernen, Aufenthalt im Freien, Mehrsprachigkeit und Vielfalt. Es gibt zwei Gruppen, die Minigruppe mit Kindern von 10 Monaten bis drei Jahren und die Juniorgruppe mit Kindern von drei bis fünf Jahren. Pro Gruppe gibt es zwei Erzieherinnen, die mit den Kindern Deutsch, Spanisch und Englisch sprechen.
Meine Aufgaben
In beiden Gruppen durfte ich eng mit den Erzieher*innen und den Kindern zusammenarbeiten und typische erzieherische Aufgaben übernehmen. Hierbei konnte ich verschiedene pädagogische Methoden und Ansätze beobachten, die besonders von Montessori inspiriert sind, Aktivitäten planen und durchführen, die Kinder in der Entwicklung ihrer sozialen Kompetenzen unterstützen, die deutsche Sprache bei nicht muttersprachlichen Kindern fördern und vieles mehr. Insgesamt wurde ich in alle möglichen Aktivitäten und organisatorischen Aufgaben der Kindertagesstätte eingebunden.
Unterkunft
Ich wohnte sehr zentral, nur zehn Minuten zu Fuß vom BCN Kinder entfernt, im Stadtteil El Born. Das war für mich die perfekte Lage, da ich von dort aus zu Fuß zum Strand, in die Innenstadt und sogar zu einigen Sehenswürdigkeiten wie der Sagrada Família gehen konnte. Ich habe mich dort sehr wohl und sicher gefühlt. Andere Stadtteile, die oft empfohlen werden, sind Gràcia, Eixample und Poblenou.

Mein WG-Zimmer habe ich kurzfristig über die App Badi gefunden, die Miete betrug 550€ pro Monat. Insgesamt ist es nicht so einfach, ein günstiges Zimmer zu finden, vor allem wenn man nur für kurze Zeit bleiben möchte. Für die gute Lage und den Wohlfühlfaktor in der WG hat es sich aber auf jeden Fall gelohnt.

Sonstiges
Barcelona bietet einfach alles: Großstadtleben, Meer und Berge. Gerade letzteres erwarten die meisten wohl nicht, wenn sie Zeit in Barcelona verbringen. Es ist also eine Stadt, in der man viel unternehmen und erleben kann. Ob mit der Metro, dem Bus, dem Fahrrad oder zu Fuß, die Stadt und die Umgebung lassen sich gut erkunden. Und es gibt viele Möglichkeiten, neue Leute kennenzulernen, zum Beispiel bei den wöchentlichen Wanderungen von und für Frauen, die von Mónica organisiert werden, die das @wandercollectivebcn ins Leben gerufen hat. Ich kann nur jeder Frau empfehlen, bei einem Hike mitzumachen, wir haben tolle Gespräche geführt und den Sonnenuntergang über der ganzen Stadt genossen. Über den Instagram-Kanal kann man der WhatsApp-Gruppe beitreten, in der es eine Hiking-Gruppe und eine Community-Gruppe gibt, in der man sich schnell vernetzen kann.

Fazit
Ich hatte eine unglaublich tolle Zeit in Barcelona und bin total froh und dankbar, dass ich den Schritt über das Erasmus-Praktikum gewagt habe – es war die beste Entscheidung, die ich treffen konnte! Wenn ihr die Chance habt, im oder nach dem Studium ins Ausland zu gehen, dann nutzt sie auf jeden Fall. Ich war am Anfang total unsicher und gestresst, aber am Ende hat alles geklappt, wie es sollte. Die Zeit in Barcelona hat mich nicht nur in meiner beruflichen Laufbahn weitergebracht, sondern vor allem in meiner persönlichen Entwicklung, weswegen ich sie nicht missen möchte.