Vorbereitung
Nachdem der Praktikumsplatz gefunden war galt es einige Vorbereitungsschritte zu erledigen bevor das Praktikum starten konnte. Einerseits mussten natürlich alle relevanten Dokumente für die Erasmus+ Förderung ausgefüllt, sowie die nötigen Versicherungen abgeschlossen werden. Dieser Prozess lässt sich aus meiner Sicht allerdings als relativ entspannt beschreiben. Die Wohnsituation in Catania selbst ist ebenfalls relativ entspannt, weshalb es sich als nicht allzu schwierig gestaltete vor Ort eine passende Wohnung zu finden. Fall es doch mal zu Problemen kommt, sind die entsprechenden Studienorganisationen vor Ort aber sehr hilfsbereit. Ich zog in eine WG mit einem Italiener und einem Niederländer im Zentrum von Catania. Gerne hätte ich vor meinem Aufenthalt einen Sprachkurs absolviert, was sich aufgrund zeitlicher Einschränkungen allerdings nicht mehr umsetzen ließ. Generell würde ich aber gerade für Süditalien zumindest einen Grundlagenkurs empfehlen, da außerhalb des universitären Umfeldes Englisch häufig nicht mehr oder nur begrenzt gesprochen wird.
Arbeitsalltag
Thematisch gesehen fokussierte sich meine Arbeit auf die automatisierte Klassifikation und Quantifikation von vulkanischen SO2 Wolken in Satellitenbildern. Daher spielte sich die Hauptarbeit meines Praktikums am Computer ab. Häufig stand ich dafür in engem Kontakt zu meinen Arbeitskollegen. Einerseits um thematische Besprechungen durchzuführen, aber auch um Fragen zu stellen, Anregungen einzuholen, oder um themenrelevante Diskussionen zu führen. Insgesamt erwies sich dieser Austausch häufig als äußerst hilfreich und steuerte maßgeblich zur erfolgreichen Absolvierung meines Projektes bei.
Dennoch verbrachte ich meinen Arbeitsalltag nicht nur am Computer, sondern hatte auch die Möglichkeit an verschiedenen Exkursionen teilzunehmen, welche auf den Ätna selbst oder zu nahegelegenen Lokationen führten. So besuchte ich zum Beispiel einen Schlammvulkan am Fuße des Ätnas und bekam eine Einführung in die geologische Entwicklung. Ebenfalls nahm ich an einer Exkursion teil, bei welcher verschiedene Lavatubes genauer untersucht wurden. Dabei handelt es sich um Röhren bzw. Höhlen, welche durch Lavaströme entstehen können. Auch an einem Ausflug, welcher in die Nähe der aktiven Krater führte, konnte ich teilnehmen, was besonders spannend war, da man einen detaillierten Einblick in die praktische Arbeit der Vulkanologen bekam. Ein Highlight war natürlich als die eruptive Aktivität am Ätna wieder startete (das erste Mal im Jahr 2024) und ich mit einigen Kollegen die Eruption von einer Flanke des Ätna aus beobachten konnte. Des Weiteren hatte ich während meines Aufenthalts die Gelegenheit an zahlreichen Fachvorträgen teilzunehmen und durfte am Ende auch meine eigne Arbeit präsentieren. Darüber hinaus hatte ich die Möglichkeit, an einigen Vorlesungen der Universität Catania teilzunehmen, die von meinen Arbeitskollegen gehalten wurden.
Für drei Monate bin ich in eine ganz neue Arbeitswelt eingetaucht, die sich in Teilen schon zu dem unterscheidet, was ich aus meinen bisherigen (studentischen) Jobs kannte. Spannen war für mich hier zu Beginn vor allem der kulturelle Unterschied. Die Arbeitszeiten gestalten sich oft anders und um 8 Uhr morgens wäre man auf jeden Fall die erste Person im Büro. Allerdings trifft man auch häufig noch um 18 oder 19 Uhr abends die meisten der Kollegen an. Gerne habe ich die Kaffeepausen wahrgenommen, die in meiner Arbeitsgruppe mehrmals täglich stattfanden und neben dem Mittagessen als Treffpunkt genutzt wurden, um sich sowohl über privates, als auch über arbeitsrelevante Thematiken auszutauschen. Generell empfand ich, dass hier noch deutlich mehr persönliche Kommunikation stattfindet und wertgeschätzt wird. Videocalls über Zoom o.ä. finden nur dann statt, wenn sich keine andere Möglichkeit ergibt. Auch das Verhältnis zu meinen Arbeitskollegen ließ sich stets als sehr persönlich beschreiben. Eigentlich herrschte immer ein angenehmes Arbeitsklima, das durch ein gutes Verhältnis aus Professionalität und freundschaftlichem Umgang gekennzeichnet war.
Freizeitgestaltung
Während des Aufenthalts gab es viel zu entdecken, Catania selbst, aber auch die gesamte Insel Sizilien, ist sehr vielfältig und abwechslungsreich. In Catania ist eigentlich immer etwas los, egal ob tagsüber oder abends, unter der Woche oder am Wochenende. Das Leben auf den Straßen ist sehr aktiv. Am Anfang kann es manchmal etwas ungewohnt sein. Besonders der Verkehr ist sehr chaotisch und viele Dinge laufen eben ein wenig anders als hier in Deutschland. Allerdings habe ich mich recht schnell an die Stadt gewöhnt und bis zuletzt sehr wohl gefühlt. Auch z.B. aufgrund der kulturellen Vielfalt, welche bemerkenswert ist. Noch besser und auf jeden Fall eines meiner Highlights war allerdings die kulinarische Vielfalt. Es gibt eine große Variabilität an (traditionelle) sizilianischen Gerichten, sodass man gefühlt jeden Tag etwas Neues probieren könnte. Teilweise sind kleine Dörfer nur für ihre Spezialitäten bekannt. Nicht nur aufgrund dessen, sondern auch wegen der vergleichsweisen günstigeren Preise, kam es doch relativ selten vor, dass man abends alleine zu Hause bleibt und sich eher mit Freunden zum Essen oder Trinken draußen verabredete.
Am Wochenende boten sich längere Reisen an. Ich habe vor allem die Ostküste bereist, verschiedene Städte wie Taormina und Syrakus besucht sowie Strände und Naturparks erkundet. Die Insel bietet viel Abwechslung, von Küstenregionen bis hin zu bergigeren Gebieten im Inland. Auch der Ätna ist ein schönes Ausflugsziel und häufig bin ich auch hier privat unterwegs gewesen. Soziale Kontakte fanden sich gerade im Erasmus Umfeld relativ leicht. Auch wenn man als Praktikant doch einen etwas anderen Zeitplan als die meisten Studenten hat, so lassen sich an den Wochenenden häufig gemeinsame Ausflüge unternehmen, oder die ein oder andere Party feiern. Durchs Skaten habe ich auch außerhalb des internationalen Umfeldes neue Freunde gefunden. Allgemein lässt sich sagen, dass sich durch die Offenheit der Sizilianer häufig schnell neue Kontakte schließen lassen.
Fazit
Insgesamt kann ich sagen, dass mein Praktikum beim INGV in Catania eine sehr bereichernde Erfahrung war. Auf der einen Seite konnte ich beruflich wertvolle neue Eindrücke gewinnen, eine neue Arbeitskultur kennenlernen und ebenfalls an einem spannenden Projekt arbeiten. Aber auch im privaten Bereich konnte ich durch den Aufenthalt eine neue Stadt in einem anderen Land kennenlernen, eine ganze Insel erkunden, sowie die kulturelle und kulinarische Vielfalt dieser entdecken. Ebenfalls knüpfte ich durch den Auslandsaufenthalt, sowohl im privaten als auch im beruflichen Umfeld, viele neue Freundschaften. Insgesamt war das Praktikum eine super schönes Erlebnis, das ich so nur jedem weiterempfehlen würde!







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