Im Rahmen des Moduls „Geowissenschaftliche Projektübung“ meines Masterstudiums Geowissenschaften an der Universität Bremen absolvierte ich ein viermonatiges Praktikum beim unabhängigen Wissenschaftsinstitut SINTEF Industry in Trondheim, Norwegen. Bereits zuvor im Studium hatte ich das Glück, durch ERASMUS einen Aufenthalt auf Spitzbergen machen zu dürfen, weshalb ich sehr daran interessiert war, wieder nach Norwegen zu reisen. Zusätzlich ist SINTEF ein renommiertes Wirtschaftsinstitut, das sich mit spannenden Technologien wie Carbon Capture and Storage (CCS) sowie Wasserstoffspeicherung beschäftigt. Ich würde Teil des Projekts „HYSTORM“ sein, das erschöpfte Erdgas- und Erdölfelder des norwegischen Kontinentalhanges hinsichtlich ihres Wasserstoffspeicherungspotenzials untersucht.
Nach einem Interview im Februar erhielt ich schnell die Zusage und fand im Sommer eine Unterkunft über Airbnb für etwa 600 € pro Monat. In etwa dieser Summe muss man für eine Unterkunft kalkulieren – auch die Wohnheime der Universität (NTNU) befinden sich in einem ähnlichen Preisrahmen. Etwa vier Monate vor meinem Aufenthalt stellte ich einen Antrag auf ERASMUS-Förderung, der schnell bearbeitet und genehmigt wurde, sodass mir neben meiner Praktikumsvergütung (ca. 1000 € pro Monat) auch die ERASMUS-Förderung zur Verfügung stand. Ich finde es dennoch wichtig zu betonen, dass ich zwar mehr Geld zur Verfügung hatte als in Deutschland, die Lebenshaltungskosten in Norwegen jedoch doppelt so hoch sind wie in Deutschland. Egal worum es geht – Bahnfahren, Lebensmittel, Kinobesuche, Veranstaltungen, etc. – es muss immer damit gerechnet werden, dass die Preise nahezu doppelt so hoch sind wie in Deutschland.
Ende Oktober 2023 habe ich meine Sachen in Bremen gepackt und bin mit dem Zug von Hamburg nach Kopenhagen gefahren, dann mit der Fähre von Kopenhagen nach Oslo und schließlich mit dem Zug von Oslo nach Trondheim. In Kopenhagen und Oslo habe ich jeweils noch einen Tag verbracht, um mehr Zeit für die Umstiege zu haben und die Städte zu besuchen. Die Hinreise war auf diese Weise auf jeden Fall sehr angenehm, und es war eine gute Gelegenheit für mich, auch mental Abschied von Bremen zu nehmen, wo ich gute sieben Jahre gelebt und mein Studium abgeschlossen habe. Insgesamt habe ich für die Hinfahrt ca. 175 € bezahlt.
Bei SINTEF angekommen, wurde ich direkt in die Arbeitsgruppe integriert. Ich wurde allen Mitarbeiter:innen vorgestellt, habe Unterstützung bei der Organisationsarbeit wie norwegischer Steuernummer, Schlüsselkarte, Laboreinweisungen etc. bekommen. Generell hatte ich von Anfang an das Gefühl, dass es weniger Hierarchien gibt. Alle Menschen sind per du. In der ersten Woche haben wir mit der Dekanin der NTNU zu Mittag gegessen, und generell war eine freundliche Umgangsform von Anfang an spürbar. Dadurch war es einfach, am Institut anzukommen und sich willkommen zu fühlen.
Wissenschaftlich gesehen konnte ich mich durch das Projekt in ein ganz neues Thema einarbeiten. Unser Hauptziel war es, Gesteinsproben einzelner Reservoirformationen bei bestimmten Drücken und Temperaturen Wasserstoff auszusetzen und zu untersuchen, ob und welche Veränderungen detektierbar sind. Dadurch sollte abgeschätzt werden, inwiefern Wasserstoffspeicherung in erschöpften Erdöl- und Erdgasfeldern umsetzbar ist. Mit einem anderen Praktikanten zusammen haben wir verschiedene Methoden ausgewählt und Workflows konzipiert, um diese Fragestellung zu beantworten. Dabei sind wir immer wieder auf Hindernisse gestoßen, was uns beiden viel in Sachen Projektplanung beigebracht hat. Unser Ansatz hat auf jeden Fall funktioniert, und wir arbeiten daran, zusammen mit den anderen im Projekt involvierten Personen eine Veröffentlichung über unsere Ergebnisse zu schreiben. Auch das Schreiben eines Papers ist für mich Neuland und gibt mir viele Einblicke und Erfahrungen, die ich für meine Zukunft nutzen kann.
Neben der Arbeit habe ich versucht, mich in die norwegische Kultur zu integrieren, was sich im Winter als sehr schwierig herausgestellt hat. Viele Norweger:innen kennen ihre Freunde aus der Schulzeit, sodass es schwer ist, in diese Kreise zu kommen. Daher habe ich mich eher aktiv bei Umweltgruppen engagiert, ebenso wie Sportkurse der NTNUi besucht, um Leute kennenzulernen. Ich konnte hier schöne Freundschaften schließen, jedoch nur mit internationalen Studierenden. Das Gefühl, dass ich in Trondheim hatte, dass man zwar akzeptiert wird, aber nicht wirklich integriert wird, wurde mir von allen Freunden bestätigt, was ich sehr schade finde. Gleichzeitig kann ich mir vorstellen, dass unsere Erfahrungen stark vom Winter beeinflusst sind, da sich viele Menschen in der Zeit in ihre Wohnungen verkriechen.
Sport zu machen in Norwegen ist definitiv empfehlenswert. Vom Wandern über Skilanglauf bis hin zu Abfahrtsski, Schlittschuhfahren und Eisklettern – das Outdoor- Leben hier ist ein anderes! Trondheim befindet sich zwar nicht in direkter Nähe zur Natur, aber mit dem Bus sind es nur 30 Minuten zum nächsten Wandergebiet, und auch sonst fahren genügend Busse in Skigebiete. Die Bymarka im Westen von Trondheim ist mein Lieblingsort geworden, und die Korsvika im Westen bietet gute Möglichkeiten zum Eisbaden und Lagerfeuer.
Jetzt sitze ich im Zug zurück nach Deutschland, vollgepackt mit vielen neuen Erfahrungen, Erkenntnissen und Erinnerungen. Ich werde die gute Luft, die Ruhe der Stadt und die Zimtschnecken vermissen, aber ich freue mich auch auf offene Menschen, Spinatpizza und bezahlbares Bier (ganz vergessen zu erwähnen – der Bierpreis liegt hier bei 12 €/ 400 ml). Es war definitiv der richtige Zeitrahmen und das richtige Projekt, und ich bin sehr dankbar, dass ich diese Erfahrungen machen durfte. Ich würde dennoch jedem empfehlen, nach Trondheim im Frühling und Sommer zu gehen – 24 Stunden Tageslicht sind besser als nur 6 ;).



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